Behind the Song: “While My Guitar Gently Weeps” von den Beatles

October 19, 2018
in Category: Platten, Popkultur



Behind the Song: “While My Guitar Gently Weeps” von den Beatles

Behind the Song: “While My Guitar Gently Weeps” von den Beatles

Von allen Songs auf dem White Album hat While My Guitar Gently Weeps im Laufe der Studiosessions die krassesten Veränderungen durchlaufen. 1996 erschien auf Anthology 3 erstmalig eine zarte, frühe Version, auf der George Harrison sich selbst auf der akustischen Gitarre begleitet und Paul McCartney im Hintergrund auf dem Harmonium spielt. Obwohl diese Version sehr zu Herzen geht, war es nicht der Sound, den George wollte und so wurde der Song radikal überarbeitet; und zwar nicht nur einmal, nein, ganze zwei weitere Versuche brauchte es, bis er zufrieden war. Auch der Text änderte sich mehrmals bis zur finalen Version und auf dem Weg dorthin verschwanden ganze Strophen in der Versenkung.

von Paul McGuinness

“Alles hat einen Sinn”

Der Song entstand während eines Besuchs bei Georges Eltern als Experiment zu einer Theorie aus dem I Ching. “While My Guitar Gently Weeps war einfach nur eine kleine Skizze, eine Studie über diese Theorie, dass es immer irgendeinen Grund gibt, warum bestimmte Dinge zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort erscheinen”, erklärte George. “Ich dachte, dass ich über alles, was ich in einem Buch entdecke, einen Song schreiben könnte. Also öffnete ich dieses Buch und sah ‘gently weeps’. Ich klappte das Buch wieder zu und fing an zu schreiben.”

Im August verwarf George die zarte Akustikversion vom Juli 1968 und holte den Rest der Beatles für eine Bandversion ins Studio. Als die Gruppe ein ordentliches Fundament gelegt hatte, versuchte George, für den Song ein Rückwärts-Gitarrensolo aufzunehmen. Schließlich wanderte aber auch diese Version in die Ablage.


Hört hier in Harrisons sanft weinende Gitarre rein:

Für den ganzen Song klickt auf "Listen".

Seit die Yardbirds 1964 als Support mit den Beatles aufgetreten waren, war George mit Eric Clapton befreundet und so lud er ihn spontan ein, auf dem nächsten Versuch mitzuwirken.

In einem Gespräch mit Guitar Player im Jahr 1987 erinnert sich George, dass Clapton zunächst zögerte: “Er sagte, ‘Oh, nein. Das kann ich nicht machen. Niemand spielt auf Beatles-Songs außer den Beatles.’ Ich sagte, ‘Hör zu, das ist mein Song und ich will, dass Du darauf spielst.’ Also kam Eric rein und die anderen waren ganz zahm – weil er da war. Ein weiterer Vorteil war, dass ich mich ganz auf die Rhythmusgitarre und den Gesang konzentrieren konnte. Eric spielte also und es klang richtig gut, wie ich fand. Dann hörten wir uns die Aufnahme an und Eric bemerkte ein Problem: ‘Es klingt nicht genug nach den Beatles.’ Also ließen wir den Track noch durch das ADT laufen, damit er ein bisschen weniger klar klang.”

Chris Thomas war zu der Zeit George Martins Assistent und er erinnert sich, wie sie das bewerkstelligten: “Mir wurde die tolle Aufgabe zuteil, auf den Mixen von Gently Weeps den Oszillator zu bedienen... Flanging, hauptsächlich. Wir haben den Oszillator im Mix richtig stark geschlingert – stundenlang saß ich so da.”



“Ein schöner Moment”

Diese Studiosessions für While My Guitar Gently Weeps Anfang September 1968 waren aus mehreren Gründen von Bedeutung, nicht zuletzt, weil es das erste Mal war, dass Ringo wieder im Studio dabei war, nachdem er während der Arbeit an Back In The USSR zwei Wochen zuvor die Band kurzfristig verlassen hatte. Für seine Rückkehr hatte George Ringos Ludwig Hollywood Schlagzeug mit Blumen dekorieren lassen. Diese Geste bedeutete dem Drummer viel. “Es war ein sehr schöner Moment”, schrieb er später.

Im Sommer 1968 verließ die Band gelegentlich die vertrauten Abbey Road Studios der EMI in St John’s Wood und ging nach Soho in die Trident Studios, wo es die Möglichkeit gab, 8-Spur-Aufnahmen zu machen, während in der Abbey Road zwei 8-Spur 3M-Geräte modifiziert wurden. Am 5. und 6. September waren die Beatles (und Eric) wieder in den Abbey Road Studios und nutzten die zusätzlichen Spuren, die ihnen dort zur Verfügung standen, um unter der Regie von Chris Thomas, der George Martin vertrat, endlich Harrisons Vision des Songs umzusetzen. Paul trägt einen wunderbaren Pianopart bei, der mit einem unverkennbaren Intro beginnt, bevor Clapton zum ersten Mal mit der Gitarre durchbricht, und dann das ganze Stück wie ein roter Faden durchzieht. Georges Stimme klingt mühelos und wurde von Smokey Robinson inspiriert; Paul steht ihm gesanglich zur Seite. Schließlich erhebt sich Claptons virtuose Leadgitarre über ein Fundament aus kraftvollem Rocksound. Der lange Schlusssatz steigert sich immer weiter, bis zu einem überbordenden Rausch, der meilenweit entfernt ist von dem Akustiksong, der While My Guitar Gently Weeps einmal war.


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