Das Album, vor dem sich die strengsten Musikkritiker verneigten – R.E.M.’s Automatic For The People feiert 25. Geburtstag mit einer Special Edition

October 5, 2017
in Category: Platten



Das Album, vor dem sich die strengsten Musikkritiker verneigten – R.E.M.’s Automatic For The People feiert 25. Geburtstag mit einer Special Edition

Das Album, vor dem sich die strengsten Musikkritiker verneigten – R.E.M.’s Automatic For The People feiert 25. Geburtstag mit einer Special Edition

Klein und unscheinbar, etwas außerhalb der Altstadt von Athens, Georgia, gelegen, befindet sich Weaver D’s Delicious Fine Foods – oder einfach Weaver’s, wie seine Stammgäste den Diner nennen. Weder der Innenraum noch die Karte sind spektakulär, gerade mal 40 Personen lassen sich an den Tischen mit den rot-weiß-karierten Plastiktischdecken gleichzeitig verköstigen. Das auffälligste an diesem Schnellrestaurant ist wohl seine Farbe: Das kleine Häuschen ist in schreiendem Grün gestrichen.


Hört euch hier Automatic for the people an und lest weiter:


Warum also stehen die Menschen hier geduldig Schlange, bis einer der Tische frei wird und sie an der Reihe sind, sich zwischen Mac&Cheese, Meatloaf oder Sweet Potatoe Soufflé zu entscheiden – denn viel mehr gibt es gar nicht, vielleicht einen Peach Cobbler zum Dessert?

Der Ruhm des kleinen Ladens hat mit seinem Besitzer und dessen passioniertem Arbeitsmotto zu tun: Automatic for the people – immer auf Achse für die Gäste. Im Jahr 1992 kamen die Mitglieder einer gewissen Band namens R.E.M. zu Dexter Weaver, dem Besitzer des kleinen Diners. Sie sagten: Hey Dexter, wir lieben deinen Laden und noch mehr dein Motto. Wir würden es gerne für unser nächstes Album als Namen verwenden. Dexter dachte sich: Was sind das für Käuze, die wollen mir irgendwas verkaufen. Dexter hörte lieber Motown und hatte noch nie von R.E.M. gehört. Die Idee, den Slogan zu verwenden, fand Dexter trotzdem gut.

Dass plötzlich R.E.M.-Fans aus ganz Amerika anreisten, um zu speisen wie Mike Mills, Michael Stipe, Peter Buck und Bill Berry, dass eines Tages sogar jemand das Schild von Weaver D’s als Souvenir klauen würde, konnte Dexter in diesem Moment nicht wissen. Dexter bekam sein Schild übrigens wieder, aber erst, als er im Lokalfernsehen bekannt gab, er hätte es gerne zurück.



R.E.M. haben wohl eine einzigartige Gabe, das Leben von Menschen mit ihrer Musik zu berühren, egal, ob es der Besitzer eines Diners ist oder die Millionen Fans, die die Band über die Jahrzehnte ihres Bestehens gewonnen hat. Und kein Album der Band hat wohl zu tieferen Verneigungen einer Reihe strenger Musikkritiker geführt als Automatic For The People, das achte Studioalbum. Eine ganze Platte voller Ausnahmesongs zu schreiben, das muss man auch erst einmal hinbekommen.

Wir haben Automatic For The People zahllose schöne Zeilen zu verdanken, die lange im Gedächtnis hängen bleiben. Meditative Zeilen: “Nightswimming deserves a quiet night“ (Nightswimming). Tröstende Worte: “When you're sure you've had enough / Of this life / Well hang on / Don’t let yourself go / 'Cause everybody cries / And everybody hurts sometimes“ (Everybody Hurts). Ermutigendes: “What if you did, what if you walk? / What if you tried to get off, baby?“ (Drive).

Obgleich das Album eine eher düstere Grundstimmung vermittelt, sich mit Themen wie Selbstmord, Trauer und Abschied beschäftigt, kommt es musikalisch luftig und frisch daher. Die Band hatte nach dem Vorgänger Out Of Time eigentlich ein rockigeres Album schreiben wollen. Dann kam Automatic heraus – voller schöner Balladen, musikalischer Experimente und lediglich drei rockigeren Stücken. Über die Entstehung des Albums, seinen Stellenwert im Kanon der Popmusik und den Einfluss, den es auf andere Musiker hatte, ließen sich ganze Sammelbände schreiben.


Schaut euch das Video zu Everybody Hurts an und lest weiter:


Nun wird dieser Wunderwurf ein Vierteljahrhundert alt, im Oktober 1992 war es erschienen (Ja, das ist schon ein Vierteljahrhundert her). Und R.E.M. und Craft Recordings haben sich für das Jubiläum etwas Besonderes ausgedacht: Eine Special Edition, die diesen Namen wirklich verdient. Das Album wurde von seinen ursprünglichen Produzenten Scott Litt und dem Engineer Clif Norrell geremastert und neu in Dolby Atmos abgemischt.

Für alle Nicht-Tonmeister: Dolby Atmos wird bislang eher für den Sound von Kinofilmen angewandt und ist eine Form dreidimensionalen Sounderlebnisses, das mit seinem fließenden und weiten Klang eine bislang ungehörte Unmittelbarkeit erzeugt. Musikhören wird damit wieder zu einem aktiven und konzentrierten Erlebnis.

Und nicht nur der Sound ist neu: Die 3CD+Blu-ray Deluxe Edition enthält eine ganze Menge unveröffentlichten Materials. Die Band hat 20 unbekannte Demos von den Albumaufnahmen ausgewählt, darunter auch der vollkommen fertige, aber nicht veröffentlichte Track Mikes Pop Song und das sagenumwobene Devil Rides Backwards. Ihr könnt die Special Edition ab dem 10. November 2017 kaufen.

Das Album gilt vielen als eines der besten Rockalben aller Zeiten. Höchste Zeit also, es wieder einmal auf den Plattenteller aufzulegen.

Der gute Dexter und sein Weaver D’s feierten dieses Jahr übrigens den etwas gereifteren 31. Geburtstag. Welcher Soundtrack auf der Party im Juli wohl lief?


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