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Popkultur

5 Gründe Morrissey live zu sehen

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Der Mozzer wird nicht müde. Zuerst waren nur ein paar exklusive Einzelshows von Morrissey angekündigt, doch vor ein paar Wochen wurde auf einmal eine ausgedehnte Welttournee daraus. Am 16. August geht es in Berlin los, ein paar Tage später stattet er seiner alten Heimat Manchester einen Besuch ab und reist dann von Kontinent zu Kontinent. Echte Fans vom Ex-Sänger der Smiths, einer der besten und wichtigsten Indie-Bands der 1980er, haben Morrissey vermutlich schon das ein oder andere Mal live gesehen. Wir haben uns fünf gute Gründe überlegt, wieso man ihn trotzdem unbedingt nochmal auf einem Konzert erleben sollte.


Hört euch hier die Morrissey Live-Wunschliste unseres Autors an und lest weiter:


 

1. Alte Smiths-Songs hören

Wir müssen uns endlich damit abfinden: Eine Reunion der Smiths wird es niemals geben, zumindest wenn es nach Morrissey geht. Zu tief sind die Gräben zwischen ihm und den anderen ehemaligen Mitgliedern Johnny Marr, Andy Rourke und Mike Joyce. Anders gesagt: Morrissey ist wohl der einzige, der eine solche Reunion nicht nötig hat. Auch wenn seine letzten Alben vielleicht nicht die besten seines Lebens waren, läuft seine Solokarriere seit den späten 1980ern immer noch hervorragend. Trotz einiger Höhen und Tiefen kann er sich wirklich nicht darüber beschweren, wie sich die Dinge für ihn seit dem Ende der Smiths entwickelt haben. Morrissey hat deshalb keinen Grund, nostalgisch zu werden und auf die ganz alten Hits zu setzen, aber er tut den Fans dann doch ab und zu den Gefallen: Vereinzelte Smiths-Songs gehören zum festen Repertoire seiner Konzerte. Johnny Marr, der alle diese Songs komponiert hat, spielt diese zwar auch regelmäßig, aber ohne Morrisseys Stimme bleiben sie leider doch nur bessere Coverversionen. Wer also How Soon Is Now, The Queen Is Dead oder sogar This Charming Man noch einmal in voller Pracht hören will, der muss auf ein Morrissey-Konzert gehen. Wir übernehmen keine Garantie für diese Auswahl, aber die Chancen stehen hoch.


2. Morrissey-Songs mitsingen…

Aber Achtung: Wenn man nur wegen den alten Songs zu einer Morrissey-Show geht, wird man am Schluss eher bitter enttäuscht nachhause gehen. Eine Nostalgie-Show wird es hier nicht geben, und das ist doch auch gut so:  Auf über zehn Alben und Single-Compilations hat Morrissey seit 1988 so viel Material angehäuft, so viele Klassiker, grandiose B-Seiten und schüchterne Hymnen, dass die Festlegung einer Setlist wohl eine riesige Qual der Wahl ist. Morrissey mag Abwechslung, und für echte Fans kann es bei seinen Shows eigentlich keine negativen Überraschungen geben. Auf der aktuellen Tour wird definitiv noch sein aktuelles Album World Peace Is None Of Your Business (2014) im Mittelpunkt stehen, aber neben den obligatorischen Hits wie Everyday Is Like Sunday oder The First Of The Gang To Die kann alles passieren. In der unten stehenden Playlist haben wir ein paar Songs zusammengestellt, die wir uns von ganzem Herzen wünschen würden.


3. …mit den besten Fans der Welt!

Selbstverständlich denkt jede Band, dass sie die besten Fans der Welt hat. Bei Morrissey-Konzerten erreichen die Emotionen aber ein Level, das man so ähnlich höchstens bei Boybands in den ersten Reihen erlebt. Statt kreischenden Teenies liegen sich hier erwachsene Menschen weinend in den Armen. Alte Männer, die aus vollem Hals diese hochemotionalen und meistens explizit unmännlichen Texte mitsingen, als gäbe es kein Morgen mehr. Sie versuchen die Bühne zu stürmen, um ihren ergrauten Helden nur einmal ganz, ganz kurz zu berühren. Sie zanken sich um seine Hemden, die er mehrmals während einer Show ins Publikum wirft. Da geht es kurz um Leben und Tod, aber bald haben sich alle wieder lieb. Es sind meistens introvertierte Einzelgänger, die sich besonders stark zu Morrissey hingezogen fühlen. Aber auf seinen Konzerten wollen sie kuscheln. Man möchte jede einzelne Person in der Halle umarmen. Hier sind alle gleich, gleich gut.


4. Ein Mann mit Prinzipien

Morrissey ist berüchtigt für seine konsequenten und oft radikalen politischen Ansichten. Als überzeugter Vegetarier setzt er sich seit vielen Jahren für die Rechte von Tieren ein, unterstützt Peta-Aktionen und wird nicht müde, Konzernen wie McDonalds die Meinung zu geigen. Spätestens seit dem Album The Queen Is Dead weiß man auch, wo Morrissey politisch steht: Seine Abneigung gegenüber der britischen Monarchie und den konservativen Parteien lässt er nicht nur in Songs einfließen, sondern bringt sie verlässlich auf die Bühne. Alle kriegen ihr Fett weg, die Queen und die Premierminister genauso wie sein Label Harvest, dem er nach ein paar Streitigkeiten mit „Fuck Harvest“-Shirts einen ganz besonderen Gruß geschickt hatte. Dass Morrissey Vegetarier ist, bekommt man auf seinen Konzerten zu spüren: „Auf Wunsch des Künstlers heute ausschließlich fleischfreies Essen“ liest man dann an den Imbiss-Buden. Der Smiths-Klassiker Meat Is Murder ist fester Teil seiner Show und wird begleitet von üblen Bildern aus den Schlachtfabriken dieser Welt. Das ist nichts für schwache Nerven, aber ein konsequentes Statement.


5. Jedes Konzert könnte das letzte sein

Morrissey lebt seit längerem in Los Angeles und ist mittlerweile 57 Jahre alt. Auch wenn er in den letzten Jahren regelmäßig Shows in Europa gespielt hat, werden Welttourneen wie die kommende wohl eher weniger werden. Wie es um den genauen Gesundheitszustand des Meisters steht, kann man schwer sagen. 2014 verriet Morrissey, dass er in der letzten Zeit einige Krebsbehandlungen über sich ergehen lassen musste. Man sieht ihm auch an, dass es ihm schon mal besser ging. Wie ernst es mit dem Krebs ist – wir wissen es nicht. Aber gerade in der letzten Zeit, wo uns schon so viele musikalische Größen verlassen haben, muss man leider immer auf das Schlimmste gefasst sein. Es könnte also durchaus die letzte Tour sein, die Morrissey nach Europa führt. Und wer will das schon verpassen?

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