Zeitsprung: Am 10.8.1985 kauft Michael Jackson Beatles-Songs, Paul McCartney ärgert sich.

August 9, 2018
in Category: Popkultur



Zeitsprung: Am 10.8.1985 kauft Michael Jackson Beatles-Songs, Paul McCartney ärgert sich.

Zeitsprung: Am 10.8.1985 kauft Michael Jackson Beatles-Songs, Paul McCartney ärgert sich.

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 10.8.1985.

von Christof Leim

Michael Jackson weiß den Wert eines guten Liedes zu schätzen – musikalisch und geschäftlich: Am 10. August 1985 kauft er für die üppige Summe von 47,5 Millionen US-Dollar die Rechte an 251 Songs, die John Lennon und Paul McCartney für die Beatles geschrieben hatten. Allerdings wollte letzterer seine Stücke lieber selber zurückkaufen…


Hört hier in die besten Songs der Beatles rein:

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Verlagsrechte sind ein lukratives Geschäft: Jedes Mal, wenn ein Song gespielt oder gesendet wird, verdient der Komponist, dazu meist noch der Verlag und wer sonst noch Rechte an den Stücken besitzt. Viel verdienen lässt sich auch, wenn musikalische Werke für Filme, Werbung oder Computerspiele lizensiert werden. Das weiß Beatles-Star Paul McCartney natürlich – und rät seinem jüngeren Freund Michael Jackson, in diese Richtung zu investieren.

Das Interesse McCartneys an diesem Thema überrascht nicht: Bekanntermaßen hat der Mann einige der wichtigsten (und besten) Popsongs aller Zeiten geschrieben, allerdings die Rechte daran schon 1968 verloren. Mit John Lennon, Beatles-Manager Brian Epstein und dem Musikverleger Dick James hatte er Anfang der Sechziger die Firma Northern Songs gegründet, die 251 McCartney/Lennon-Kompositionen verwaltete, darunter innig geliebte „Schwergewichte“ wie Yesterday und Penny Lane. Nach Epsteins Tod 1967 ändern sich die Anteile, und Northern Songs geht in den Besitz einer Firma namens ATV über, die wiederum in den Händen von Robert Holmes à Court landet, einem australischen Milliardär. Damit erhalten McCartney und Lennon (bzw. dessen Erben) zwar weiter ihren Anteil als Komponisten, haben aber zum Beispiel kein Mitsprache- und Mitverdienstrecht bei Lizenzverträgen. McCartney soll deshalb Interesse daran bekundet haben, den ganzen Katalog zurückzukaufen, findet den geforderten Preis aber zu hoch. Stattdessen investiert McCartney in andere Kompositionen und ersteht etwa die gesammelten Werke von Buddy Holly.



Die Freundschaft zwischen der Beatles-Legende und dem aufstrebenden Sänger aus den USA hatte sich schon in den Siebzigern entwickelt. Damals hatte McCartney den Song Girlfriend speziell für Jackson geschrieben, er erschien sowohl auf dem Wings-Album London Town (1978) als auch auf Michaels Off The Wall (1979). Später dann sang Paul auf dem Megaalbum Thriller((LINK)) (1982) beim Stück The Girl Is Mine mit, Jackson revanchierte sich auf Say, Say und The Man auf McCartneys Pipes Of Peace (1983). Bei den Aufnahmen verstehen sich die beiden blendend und freunden sich an.

Bei einer dieser Gelegenheiten sprechen die beiden über das Thema „Musikrechte“, wie das Forbes-Magazin im Detail ausführt. Das weckt Michael Jacksons Geschäftsinn. Er beginnt, in großem Stil Katalogrechte aufzukaufen, meist von Songs, die er schätzt. Als schließlich ATV mit samt der Beatles-Lieder zum Verkauf ansteht, interessiert sich Jackson nicht nur für die Verdienstmöglichkeiten: Er will die Songs haben, koste es, was es wolle.  „Das sind die besten Lieder, die jemals geschrieben wurden“, erklärt er. „Ein Picasso hat auch keinen Preis.“ Allerdings will er es sich nicht mit seinem alten Kumpel verscherzen und lässt seinen Anwalt John Branca bei McCartney und Lennons Witwe Yoko Ono anklopfen. Angeblich sollen die beiden geplant haben, gemeinsam ebenfalls ein Angebot abzugeben, doch das bestreiten sie. Laut Forbes freut sich Frau Ono sogar darüber, dass die Kompositionen in gute Hände geraten würden.

Jacksons Berater schlagen derweil die Hände über dem Kopf zusammen, weil der Preis immer weiter steigt. Doch der Sänger bleibt hart – und bietet schließlich 47,5 Millionen Dollar für 251 Beatles-Songs (und im gleichen Paket Werke von Pat Benatar, den Pretenders und anderen). Die Verhandlungen ziehen sich ewig hin, Rückzieher werden gemacht, Gegenangebote eingeholt und Leute in der Concorde über den Atlantik geschickt. Anfangs glaubt das Team des australischen Milliardärs sogar, Jackson wäre nur der Strohmann für McCartney, um einen besseren Preis rauszuschlagen. Als letztes Verhandlungspfand wirft der „King Of Pop“ ein Charity-Konzert im australischen Perth in die Waagschale und bietet Holmes à Court an, den Song Penny Lane seiner Tochter zu schenken. (Die heißt nach manchen Quellen tatsächlich Penny, vermutlich aber doch Catherine.) Für Business-Interessierte steht die ganze Geschichte hier.



Am 10. August 1985 schließlich wird der Verkauf offiziell. Geschäftlich trifft Michael Jackson hier eine goldrichtige Entscheidung. Als er Teile des Kataloges zehn Jahre später unter anderem an die Sony weiterverkauft, bekommt er dafür saftige 95 Millionen. Auf persönlicher Ebene sieht die Sache ein bisschen anders aus: „Es ist doch fragwürdig, sowas zu tun“, gibt McCartney später zu, „wenn man der Freund von jemandem ist und dann den Teppich kauft, auf dem er steht.“ Tatsächlich arbeiten die beiden Künstler nie mehr zusammen, es gibt sogar Berichte, nach denen sie nie mehr miteinander reden. Obwohl er sich von dieser Transaktion verletzt fühlt, spricht McCartney öffentlich in höchsten Tönen von Jackson und nennt ihn einen „unfassbar talentierten Jungen mit einer sanften Seele. Ich bin stolz darauf, Zeit mit Michael verbracht und mit ihm gearbeitet zu haben“.

Als Michael Jackson dann am 25. Juni 2009 stirbt, kommen zwei Gerüchte auf: Erstens soll der „King of Pop“ den Beatles-Katalog an seinen alten Freund vermacht haben, um die unschöne Situation wenigstens posthum aufzulösen. Zweitens soll Paul McCartney schwer getroffen davon gewesen sein, dass nichts davon in Jacksons Testament steht. Allerdings stellt der in einer Erklärung klar, dass beides Unsinn ist. Er geht sogar noch weiter und bringt zum Ausdruck, dass er keine Antipathien gegenüber dem Verstorbenen hegt: „Obwohl Michael und ich uns über die Jahre voneinander entfernt haben, hat es nie einen Streit gegeben.“

Der Katalog von ATV, der vor allem Northern-Songs und damit die unsterblichen Lennon/McCartney-Komposition enthält, soll heute weit über eine Milliarde Dollar wert sein.


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