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Popkultur

„Africa“ von Toto: Das Song-Phänomen des Jahres

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Zuerst war es noch ein fast normales Internet-Phänomen, doch spätestens am 29. Mai 2018 wurde die Sache mit Africa ganz offiziell. Weezer veröffentlichten eine Coverversion des Toto-Klassikers aus dem Jahr 1982 und landeten damit ihren ersten Top-100-Hit seit vielen Jahren. Man kann das fast erzwungenes Glück nennen, denn Weezer gaben damit endlich einer regelrechten Online-Petition nach, die ein Teenie-Fan Monate zuvor auf Twitter gestartet hatte. Die Ansage, frei nach den Africa-Lyrics: „Rivers Cuomo, es wird Zeit, dass du die Regenzeit in Afrika preist!“



Das Internet macht oft komische Dinge, die früher so nicht passiert wären. Africa ist zum Meme geworden. Wieso? Das kann man wie bei den meisten Memes nie so ganz klären. Es gibt viele Lieder, die in YouTube-Clips und Meme-Bildchen zitiert, parodiert oder verwurstet werden. Take On Me von a-ha ist ein ähnlicher Fall, aber weit entfernt von Africa. Der Hype um Africa ist auch nicht nur ironisch gemeint – das Internet feiert den Song, liebt ihn aufrichtig, so stark wie noch nie.

Gummihühner, Autotüren, Africa

Woher kommt diese Renaissance? So richtig weg war der Song natürlich nie: Auch hierzulande ist er fester Teil der Rotation im Oldie-Radio, in den USA mit seinen zigtausend Classic-Rock-Stationen entkommt man dem Song seit 36 Jahren so gut wie an keinem Tag. Er gehört zum kulturellen Erbe der USA, wurde in Hip-Hop-Songs von Nas oder Ja Rule gesamplet und tauchte in TV-Shows von Scrubs bis South Park auf. Vor allem die Verwendung in der Netflix-Serie Stranger Things war dafür verantwortlich, dass eine neue Generation den Song für sich entdeckte – wie das Weezer-Fangirl, das den Twitter-Aufruf startete. Zwischen 2016 und 2018 füllte sich das Netz mit Witzen über und Liebesbekundungen für Africa. Der Meme-Gipfel war entweder bei der Gummihuhn-Coverversion erreicht, oder in dem Moment, als ein Typ eine 8-Bit-Variante des Songs als Türöffnungsmelodie in seinem Volvo verbaute. Besser wird’s nicht, versprochen:



Die Sehnsucht nach Hits

Jetzt die entscheidende Frage: Warum ausgerechnet Africa, der Song, der Toto selbst eigentlich immer auch relativ peinlich war und der es nur ganz knapp auf ihr damaliges Album Toto IV schaffte, sozusagen als Wegwerf- oder Füllmaterial. Dass dieser Song ihr ganzes anderes Schaffen überschattet, machte der Band immer große Sorgen. Vor allem der Nonsense-Text ist ihnen schmerzhaft bewusst.

Songwriter und Keyboarder David Paich sah damals eine sentimentale Doku über das Leid in Afrika im Fernsehen und verwandelte seine Eindrücke in einen noch sentimentaleren Song über einen Kontinent, den er noch nie betreten hatte. In seinem Text findet sich der Kilimandscharo auf einmal direkt an der eigentlich viele hundert Kilometer entfernten Serengeti. Besonders seine emotionale Lobpreisung der Regenzeit („I bless the rains“) ist gaga, zum Schreien komisch, macht sich aber ideal als unvergessliche Hookline. Ein Paradox, das man im Netz schnell bemerkt hat. Einzig die Marimba- und Kalimba-Sounds haben irgendwie entfernt etwas mit Afrika zu tun in diesem Song, wobei letztere natürlich aus einem Yamaha-Synthesizer stammen.



Africa ist also einigermaßen lächerlich auf vielen Ebenen und jeder weiß das. Gleichzeitig ist es aber ein unglaublicher Hit, in dem sich Melodien, Emotionen und kuschelig-nostalgischer Soft Rock absolut einmalig zusammentreffen. Dass Africa heute nicht nur ironisch gefeiert wird, sondern von den Kids auch von Herzen geliebt wird, sendet zumindest eine ganz klare Botschaft: Sie wollen wieder Songs von diesem Format haben. Warum macht die niemand mehr? Eine sehr berechtigte Frage. Vielleicht beginnt mit Africa nun wieder eine neue Ära – 36 Jahr später.


Headerbild: Michael Ochs Archives/Getty Images


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