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Popkultur

Bob Marley – Ein jamaikanisches Heldenepos

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Wenn es so etwas wie Ikonen in der Popmusik gibt, dann hat folgender Musiker diese Bezeichnung wahrlich verdient: Bob Marley. Marley war Poet, herausragender Musiker, gläubiger Rastafari, politischer Utopist und friedlicher Revolutionär. Er brachte den Reggae in die westliche Welt und setzte sich für die Rechte der afrikanischen Diaspora ein. Tragisch war sein Leben, trotz des großen Erfolges: Bob Marley starb an einem schweren Krebsleiden, im selben Jahr wie John Lennon und Bill Haley. Er wurde nur 36 Jahre alt, hinterließ jedoch ein musikalisches Erbe, das in die Geschichte einging. Marley hat den Reggae salonfähig gemacht und viele Künstler eiferten ihm nach, mit Songs wie Blondies ‚The Tide Is High’, Paul Simons ‚Mother And Child Reunion’ und sicher nicht zuletzt Stevie Wonders ‚Master Blaster’. Auch in Deutschland hat sich eine wichtige Reggaeszene auf Bob Marleys Spuren etabliert.

 


Das Ghetto in Trenchtown und die Gründung von The Wailers

Bob-Marley-TrenchtownRobert „Bob“ Nesta Marley wird am 6. Februar 1945 im ländlichen Nine Miles auf Jamaika geboren. Seine Mutter ist die damals erst 17-jährige Cedella Booker, sein Vater der 60-jährige britische Offizier Norval Sinclair Marley. Schon ihre Hochzeit ist aufgrund ihrer unterschiedlichen Hautfarben ein Skandal. Schon als Kind erfährt Robert Ablehnung aufgrund seiner Abstammung, auch im eigenen Dorf. Kein Wunder also, dass das Thema Rassismus für ihn eine ganz persönliche Bedeutung bekommt.
Als Bob 12 ist verlässt sein Vater die Familie und er zieht mit seiner Mutter in die jamaikanische Hauptstadt Kingston. Das Leben im Ghetto Trenchtown hält nichts Gutes für den jungen Bob bereit, die prekären Verhältnisse versperren den meisten eine glückliche Zukunft. Fussball und Musik sind es, die ihn schon immer faszinierten, vor allem die Songs von Ray Charles und Fats Domingo haben es ihm angetan. Und da kommt der Lichtblick: Zusammen mit seinem besten Freund Neville „Bunny“ Livingston, später als Bunny Wailers bekannt, kommt er schon früh mit örtlichen Musikproduzenten in Kontakt, die sein Potenzial erkennen. „Robert Marley saw a way out: his guitar“, hat Bunny später über seinen Freund gesagt.
Die eigene Bandgründung lässt nicht lange auf sich warten. Der dritte im Bunde ist Peter Tosh, zusammen gründen sie 1963 The Wailing Rudeboys, die später als The Wailers für Furore sorgen. Ihre erste Single „Simmer Down“ wird ein erster kleiner Erfolg (Platz 1 der JBS-Radiocharts!). Jedoch zeigt sich auch schnell, dass Bobs Vorstellungen mit denen der Musikproduzenten nicht recht zusammengehen wollen: Seine Texte sind ihnen zu sozialkritisch, zu wenig kommerziell. Geld verdienen die Wailers auch nicht mit ihrer Musik, die damals noch stark von Ska-Einflüssen geprägt war, dem vorherrschenden Genre in Kingston.

 


Vom Ska zum Reggae – Bob Marley und die Rastafari-Bewegung


1966 heiratet Bob Marley die kubanische Musikerin Rita Anderson, die wie er in Trenchtown lebt. Nur einen Tag nach der Hochzeit reist er in die USA, um Geld für das junge Eheglück und seine Musikkarriere zu verdienen. Zurück in Kingston weht ihm dann ein neuer Musikstil entgegen: Der Rocksteady hat den Ska mehr oder weniger abgelöst, der Beat ist langsamer geworden, weniger aggressiv und erhitzt, und gibt mehr Platz für Melodie und komplexen Rhythmus – der Reggae ist geboren! Ein Musikstil, der die Anliegen der unterdrückten schwarzen Bevölkerung auf Jamaika hörbar macht. Die Wailers springen auf den neuen Trend auf und trennen sich endgültig von ihrem Produzenten Coxone Dodd, der sie nur als Ska-Kombo weiter unterstützen will.
In dieser Zeit interessiert sich Bob immer mehr für die Ansichten der Rastafari-Bewegung, die sich in den 60er Jahren auf Jamaika verbreitet: Was von vielen als pseudo-religiöse Alternativbewegung wahrgenommen wird, die vor allem auf übermäßigem Marihuana-Konsum und einer Durchhänger-Mentalität aufbaut, ist aber weitaus mehr und hat ein wirkliches Anliegen. Sie ist eine Lebensphilosophie, die für Freiheit und Gleichheit unter den Völkern einsteht und vor allem der unterdrückten afrikanischen Bevölkerung ihre Stimme wieder geben will. Die Musik der Rastafari ist der Reggae, der laut ihnen wie keine andere Musik die Kraft besitzt, ihre Spiritualität zu vermitteln. Bob ist fasziniert von diesem Glauben an Gleichheit unter den Menschen und wird ein treuer Anhänger.


 

Ein Neuanfang auf Island Records – Catch A Fire, Burnin’ & Natty Dread

The Wailers
Anfang der 1970er entscheidet Bob sich dazu, mit seiner Band nach London zu gehen, um ihrer Musikkarriere neuen Wind zu geben. Sie unterschreiben einem Vertrag beim Londoner Label CBS Records, dass sie jedoch nur kurze Zeit später wieder abschießt und sie praktisch auf die Straße setzt. Kurze Zeit später lernen sie aber den Produzenten Chris Blackwell kennen, Inhaber von Island Records und Reggae Liebhaber. Er zahlt der Band einen Vorschuss von schlappen 4.000 Dollar, um auf Jamaika ihr erstes Album Catch A Fire aufzunehmen. Blackwell beweist damit eine unglaublich gute Intuition zu einer Zeit, in der die meisten Produzenten auf Rockmusik setzen. Das weltweit veröffentlichte Debüt macht die Wailers zwar noch nicht zu Stars, Blackwell hat aber genug Kontakte im Musikbusiness, um es zu einem großen Kritikererfolg werden zu lassen: In der BBC One Heavy Rotation läuft es rauf und runter und Musikkritiker feiern es als neue Sensation mit großen Potenzial. Die Single ‚Stir It Up’ tut wie ihr befohlen und mischt die internationale Musikbranche ziemlich auf.
Aber jetzt hatten die Wailers Blut geleckt: Es ist also doch was zu holen mit ihrer Musik, mit der es bisher so holprig voran ging! Noch im selben Jahr erscheint die Platte ‚Burnin’’, inklusive der Hits ‚Get Up Stand Up’ und ‚I Shot The Sheriff’, mit dem Eric Clapton ein Jahr später an die Spitze der US-Singlecharts stürmt und den Reggae in die Popmusik überführt. Obwohl Bunny Wailers und Peter Tosh die Band nach diesem Album verlassen, folgt Album Nummer drei ein Jahr später auf dem Fuße. Mit Natty Dread erblickt auch die Reggae Hymne No Woman, No Cry’ das Licht der Welt. Übrigens sind die Lyrics auf Patois (jamaikanisches Kreolisch) verfasst und in keinster Weise frauenfeindlich. Auf Englisch bedeutet es so viel wie: No, woman, don’t cry, ist also ganz offensichtlich tröstlich gemeint. Natty Dread ist ein politisches und soziales Statement mit deutlichen Rastafari-Anklängen und gleichzeitig eine Ode an die Heimat.

Bob Marley und die Politik – Das Smile Jamaica Concert

Konzert Rastafari

Bob Marley ist ein politischer Mensch, seine Songs haben utopisches Potenzial, es geht ihm um die Verbreitung des Friedens und die Befreiung aller Menschen aus politischer Unterdrückung. Innerhalb der Politik seines Landes schlägt er sich allerdings auf keine Seite, auch nicht im Wahlkampf 1976, dem Jahr in dem auch das neue Album Rastaman Vibration erscheint. Einige Zugeständnisse macht er allerdings, als er zusagt, auf dem Smile Jamaica Concert in Kingston zu performen, das von der politischen Linken organisiert wird. Dann passiert das Unerklärliche: Zwei Tage vor dem Konzert werden Bob, Rita und sein Manager in Marleys Haus in Kingston überfallen, auf sie wird geschossen. Sie scheinen allesamt Schutzengel zu haben, denn sie werden nur leicht verletzt. Der Anschlag muss aus politischen Gründe passiert sein. Obwohl man es kaum glauben mag, findet das Konzert am geplanten Datum statt und Bob steht ganze 90 Minuten auf der Bühne: Ein knallhartes Statement gegen politisch motivierte Gewalt. Er verachtete die Art und Weise wie Politiker ihre Machtpositionen schamlos ausnutzten, trotzdem schmückten diese sich nach seinem Tod gern mit seiner freiheitlichen Botschaft. Dabei hatten sie seine oberste Forderung nie befolgt: Die unbedingte Gleichheit zwischen Schwarz und Weiß.
Nach dem Anschlag kehren Bob und Rita ihrer Heimat den Rücken und ziehen nach London, wo das 1977 das Album „Exodus“ erscheint, das den Zenith in Marleys Karriere beschreibt. Er ist nun weltweit ein gefeierter Musiker. Die Songs ‚Jamming’, ‚Three Little Birds’ und ‚One Love’ kann heute jeder mitsummen.

 


 

Die Uprising-Tour und Bob Marleys Tod

Bob Marley Bett Fußball

1977 wird Bob Marley Krebs diagnostiziert, den er aufgrund seiner religiösen Überzeugungen nicht behandeln lässt. Stattdessen nimmt er ein weiteres Album namens Uprising auf, der bekannte ‚Redemption Song’, so heißt es, handelt von der Auseinandersetzung mit seinem eigenen Tod. Obwohl es ihm gesundheitlich immer schlechter geht, startet Marley seine geplante Welttournee. Europa schafft er ganz. Die US-Tour muss abgebrochen werden, weil er zu schwach ist um weiter aufzutreten. Nicht einmal sein letzter Wunsch, in Jamaika zu sterben, kann erfüllt werden und so stirbt Bob Marley auf dem Weg in seine Heimat in Miami. Er wird in seinem Geburtsort Nine Miles bestattet, zusammen mit seiner Lieblingsgitarre, einer roten Fender Stratocaster.

„Good friends we have, good friends we’ve lost / Along the way / In this great future, you can’t forget your past / So dry your tears, I say.”

Bob Marley – No Woman No Cry


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