Der historische Verriss: ‘Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band’ von The Beatles

May 23, 2017
in Category: Popkultur



Der historische Verriss: ‘Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band’ von The Beatles

Der historische Verriss: ‘Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band’ von The Beatles

Auch Experten liegen manchmal mächtig daneben. In dieser Reihe stellen wir vernichtende Plattenkritiken von großen Alben der Musikgeschichte vor, fatale Fehlurteile, die aus heutiger Sicht mindestens merkwürdig wirken. Dieses mal geht es um eines der wichtigsten Alben der Musikgeschichte: Sgt. Pepper, das psychedelische Meisterwerk der Beatles aus dem Jahr 1967.


Hört euch hier das The Beatles Album Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band an und lest weiter:


Wer konnte so wahnsinnig sein und diese einflussreiche Platte verreissen? Richard Goldstein war’s, und zwar in der New York Times. Die Beatles, die er liebte, gingen für ihn durch den revolutionären Tonstudio-Zauber von Sgt. Pepper verloren.


Pepper-1

 


Dann wollen wir mal. Richard Goldstein sagt hier eigentlich viele richtige Dinge. Ja, Sgt. Pepper ist überladen und stellenweise hektisch. Aber so ist das mit jeder großen Kunst – im besten Fall schafft sie es, ein Gleichgewicht zwischen Überforderung und Eingängigkeit herzustellen. Und die Beatles bieten auf Sgt. Pepper genug Gelegenheiten, sich wohl zu fühlen. Ja, diese Platte ist ein Mammutwerk, es kann einen beim ersten Mal ratlos zurücklassen. Hat sich der Kritiker nicht die notwendige Zeit für Sgt. Pepper genommen? Möglich:


Pepper2


Aha, jetzt outet sich der Herr! Es ist also nicht authentisch genug, nicht echt und handgemacht genug? Das klingt nach einer starken Technik- und Fortschrittsangst. Hall, Echo und andere Produktionsmittel sind heute längst Standard, Sgt. Pepper gilt als wegweisend für die moderne, ambitionierte Popmusik. Klang soll wichtiger sein als Bedeutung? Klang ist Bedeutung, alter Freund! Goldstein lobt die bisher radikalsten Werke der Beatles – warum zum Geier gefällt ihm dann ihr radikalstes und bestes Album aller Zeiten nicht? Wir wollen ihm nicht unterstellen, ein Ewiggestriger zu sein, der sich nach Gute-Laune-Liedern sehnt. Aber der Autor nimmt hier eine verbissene Anti-Haltung ein, aus der er nicht mehr entkommt. Obwohl er auch lobende Worte übrig hat:


Pepper3


A Day In The Life, tatsächlich der stärkste Song des Albums, ist für ihn ein Meisterwerk. Da stimmen wir zu. Haarsträubend ist allerdings, dass er den Rest „mittelmäßig“ nennt. Dieses Album war seiner Zeit so weit voraus, dass man es nur in Extremen beschreiben kann, aber wirklich nicht als Durchschnitt. Goldstein beklagt, dass die Beatles sich zurückgezogen hätten und sich im Studio vor der Welt verstecken. Tatsächlich beschloss die Band 1966, ein Jahr vor Sgt. Pepper, keine Konzerte mehr zu spielen, sondern sich auf die Aufnahmen zu konzentrieren. Fans waren am Boden zerstört, offenbar auch Richard Goldstein. Er verdammte die neue Mentalität der Beatles, die Möglichkeiten des Tonstudios und damit logischerweise Sgt. Pepper. Die Beatles haben aufgehört, für uns da zu sein? Falsch! Indem sie sich monatelang für dieses Album abgekapselten, konnten sie uns ihr vielleicht wichtigstes Stück Musik schenken.


Bestellen könnt ihr das neu gemasterte Sgt. Pepper Album  hier:

Sgt. Pepper Album


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3 comments

  1. Klopp91
    Reply

    Middle Class????
    First: The Middle is death!!!!
    Second:Sgt. Peppers is f***ing great,BUT: Pink Floyd’s Dark Side of the Moon is like loving a girl for a special thing you couldn’t explain and I didn’t say it as a Beatlesfan- These Word’s coming out of a fanatic, Peace.

  2. SchrüferRainer
    Reply

    Ja, so mancher tut sich schwer mit Neuerungen, siehe auch die Reaktionen auf Bob Dylans Verwendung von elektrischen Instrumenten nach seiner Klampfen-Phase. Ein Werk ist gut, wenn man es auch nach 50 Jahren noch hört und wenn es auch diejenigen noch hören, die den Zauber dieser Zeit nicht selbst erlebt haben. Ein wundervolles Werk welches die Beatles als großartige Individualisten zeigt – wie keine andere Band dieser Zeit.

  3. Helmut Lehrke
    Reply

    Merkt dieser Mann nicht, wie lächerlich er sich macht? Die gesamte Musikwelt hat dieses Album gewürdigt und dieser Mensch will es als Mittelmaß herabstufen….Manche Mitbürger wollen sich einfach nur ins Gespräch bringen!!!

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