Rammstein: 10 Jahre ohne neues Album und trotzdem in aller Munde

February 21, 2019
in Category: Popkultur



Rammstein: 10 Jahre ohne neues Album und trotzdem in aller Munde

Rammstein: 10 Jahre ohne neues Album und trotzdem in aller Munde

Zehn Jahre ohne neues Studioalbum ist so ziemlich der Todesstoß für jede Band. Nicht so für Rammstein, die auch ohne neues Material Dauergespräch blieben. Bevor das neue Werk erscheint, gibt es hier eine kleine Studie in extrem cleverem Marketing.

von Björn Springorum

Als Liebe ist für alle da am 16. Oktober 2009 erschien, war die Welt eine andere. Lemmy lebte noch, MySpace war intakt, Obama war gerade erst Präsident geworden und Spotify noch nicht geboren. Doppelplatin in Deutschland, Nummer eins in acht Ländern: Der Erfolg des Albums war riesig wie immer, der Aufschrei auch. Schon wenige Wochen nach Veröffentlichung wurde das Album sehr medienwirksam indiziert. Die Band klagte dagegen – und gewann.


Hört hier in das letzte Rammstein-Studioalbum rein:

Für das volle Programm klickt auf „Listen“.

All das ist Teil einer extrem cleveren und effektiven Strategie, die dazu geführt hat, dass Rammstein selbst zehn Jahre nach diesem letzten Studioalbum in aller Munde sind. Wo andere Bands insbesondere in der heutigen schnelllebigen Zeit schon nach wenigen Jahren ohne neue Platte in Vergessenheit geraten, erfreuen sich Rammstein größerer Beliebtheit denn je. Jüngstes Beispiel: Die Stadiontournee diesen Sommer war schneller ausverkauft, als man „Feuer frei“ sagen konnte. Selbst wenn die Berliner als nächstes also ein wirres Free-Jazz-Album veröffentlichen sollten, wäre die Tour ein gigantischer Erfolg.

Nun ist das natürlich nicht anzunehmen, doch so wirklich weiß niemand, was da demnächst auf uns zukommt. Ja, es gibt Andeutungen über Studioaufnahmen und Videodrehs. Ja, man munkelt von einem Veröffentlichungstermin im April/Mai. Die Geheimhaltungsstufe, die ist jedoch eher Fort Knox. Nichts dringt nach außen, nur die wenigsten sind eingeweiht. Doch gewiss ist eines: Wenn Rammstein dann irgendwann endlich mit ihrem siebten Album um die Ecke biegen, dann wird es eh wieder nur dieses eine Gesprächsthema geben.


Rammstein 2017


Das ist nicht unbedingt fanfreundlich. Doch aus irgendeinem Grund verzeiht man dieser Band jede Menge. Ihre Geschichte seit 2009 ist im Grunde eine repetitive Abfolge von Tourneen, Festival-Shows, Best-Ofs und Live-Dokumenten mit dem immer gleichen Inhalt. Ende 2011 erschien die Werkschau Made In Germany 1995-2001, allein damit ging man dann noch mal über zwei Jahre auf Tournee, verkaufte im Alleingang die größten Festivals aus.

Die Kreativpause ab 2014 nutzte jedes Mitglied anders: Till Lindemann gemeinsam mit Peter Tägtgren (Hypocrisy) für sein Lindemann-Projekt, Flake für seine Biografie Der Tastenficker, Richard Z. Kruspe für sein drittes Emigrate-Album. Danach gab es mal wieder einen Konzertfilm und man spielte auch 2016 und 2017 eine ausgedehnte Tournee. Ohne ein neues Album. Doch wo anderen Bands längst die Zuschauer wegbleiben würden, nahm die Rammstein-Euphorie immer noch kein Ende.



Und dann, zur Feier des 25. Geburtstags, gab es um Silvester 2018/2019 noch zwei Konzerte in Mexiko. Ohne neue Songs natürlich. All das stemmten Rammstein einzig und allein durch ihre Reputation. Die beruht natürlich auf der Musik und auf der epochalen Live-Show. Aber eben auch auf ihrem cleveren Spiel mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen und gezielten Skandalen. Denn wo andere Künstler ständig selbst vor die Presse treten und ihren Senf zu allem Möglichen abgeben, lassen Rammstein einfach Taten sprechen und halten sich selbst sehr bedeckt. Viel weiß man über die Mitglieder nicht, auch das ist Teil der Inszenierung.



Unvergessen sind Aktionen wie der finstere Trauerzug durch Berlin, mit dem Rammstein mittels eigener Totenmasken die Veröffentlichung der Best-Of feierten, oder die Klage der Band gegen die Bundesregierung wegen der Indizierung von Liebe ist für alle da. Der geforderte Schadenersatz: 66.000 Euro. Peanuts für eine Band wie Rammstein. Aber eben so medienwirksam wie es nur geht.

Warten wir jetzt also einfach mal, was sich die Truppe so alles einfallen lässt, um ihr neues Album in unseren Köpfen festzusetzen. Aber andererseits werden wir das eh schön selbst tun. Und etwas Besseres kann man sich als Band eigentlich gar nicht wünschen…



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2 comments

  1. Melanie
    Reply

    Ich frag mich, ob das Album auch physisch erscheint, oder nur als Stream. Wenn es wirklich im April kommt (wo ich langsam meine Zweifel habe) müsste es doch eigentlich schon die Möglichkeit der Vorbestellung geben.

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