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Wo sich Elvis und Metallica gute Nacht sagen: Volbeat’s „Rock the Rebel / Metal the Devil“

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Nachdem im Jahre 2010 die Rock’n’Roll Hymne Fallen durch die hiesigen Radiostationen der Nation donnerte und uns Frontmann Michael Poulsen, eine lasziv-vollmundige Mischung aus Elvis und Glenn Danzig der frühen Misfits, vor einem Bett aus saftigen Gitarren-Riffs und pumpenden Double-Bass-Salven seine Lyrics ins Hirn gravierte, war sie wieder da: Die Hoffnung auf den guten alten Gitarren-Rock, Pin-Up Girl Tattoos, Bärte ohne Hipster-Faktor und das kühle Bier in der verrauchten Bar, in der ZZ Top über dem Billardtisch versacken.


 

Auch wenn das ganze Szenario jetzt nach alten Herren klingt, Volbeat sind wahre Jungspunde, die – ausgenommen einiger Demo-Tapes – erst seit 2005 ihre Marshall-Verstärkerwände aufdrehen. Und dennoch bahnt sich hier grade eine uDiscover Wiederentdeckung zwecks der ersten Runden Null eines Albums an, das mit goldenen Platten und Auszeichnungen nur so überrumpelt worden ist: Rock the Rebel / Metal the Devil ist zweifelsohne ein bemerkenswertes Album, um es mal ganz gesittet auszudrücken. Und das nicht nur wegen dem Slash (das Satzzeichen, nicht der Gitarrist) im Titel. Denn wer schafft es heute schon noch, in einer Ära der Ableton Pre-Sets, mit dem zweiten Album seinen Stil so gnadenlos durchzudrücken, dass die Musik-Abteilung unseres Großhirns schon nach den ersten paar Tönen Gitarren-Riff gar nicht erst lange nach dem richtigen Bandnamen suchen muss?


Volbeat-Live---Foto-Credit--Frederik-Trampe


„Ich versuche eine Art Balance zu schaffen, dass die Leute vielleicht irgendwie verstehen oder sich zumindest fragen: Ist das Rock’n’Roll oder ist das Metal?“ waren die philosophischen Worte von Frontmann Poulsen zum Album. Na, was ist es denn nun? Schauen wir uns den ganzen Spaß mal etwas genauer an.

Allein der Aufmacher „The Human Instrument“ klingt, als hätte Elvis ein Volontariat bei James Hetfield gemacht. Oder James bei Elvis, macht in dem Sinne auch keinen Unterschied. Anyways, wichtig zu bemerken ist, dass Volbeat einen Spagat schaffen, ohne sich die Beine zu verrenken. Oder weniger sportlich formuliert: Sie nehmen sich das Beste aus Rock’n’Roll, Rockabilly und Metal, stylen den Mix mit einer Portion Haarwachs aus dem Grease Fundus durch und voilà, fertig ist die wohl betörendste Genre-Fusion der härteren Gangart. Einige Western-Style Gitarren-Slides die klingen, als würde Johnny Cash gleich auf seiner Linie vorbei spaziert kommen, gefolgt von Schlagzeug-Rhythmen, die einem die Ohren schlackern lassen. Und das meine ich ganz positiv! Die Genres funktionieren reibungslos zusammen, weitaus besser, als die meisten Metal- oder Western-Puristen wohl vermuten würden. Erhoben von diesem ersten Song, galoppieren wir mit Fury weiter in den Sonnenuntergang.


Volbeat_Cover


Was vor dem Hintergrund dieser Anhäufung an amerikanischen Metaphern vielleicht nicht unerwähnt bleiben sollte ist, dass Volbeat keineswegs auf der westlichen Seite des Atlantiks aufgewachsen sind. Die Jungs sind waschechte Dänen! Und während unsere lieben Freunde aus dem hohen Norden durchweg ein Händchen für Metal haben (das hat vielleicht etwas mit den Wikinger-Wurzeln zu tun – die Nummer mit den langen Haaren, Bärten und aus Hörnern trinken ist den Dänen ja praktisch in die Wiege gelegt worden), müssen skandinavische Wild-West Anspielungen nicht immer so ganz stilsicher vonstattengehen. Cotton Eye Joe lässt an dieser Stelle grüßen.

Grund genug also, mit der gnadenlosen Spürnase des kritischen Musikjournalismus jeden einzelnen Song einmal auf links zu drehen und die hässlichen Fratzen jeglicher stilistischen Entgleisung im Angesicht der Öffentlichkeit in der Luft zu zerreißen.

Aber selbst eine Johnny Cash Tribute Nummer wie Sad Man’s Tongue, die klingt, als würden Banjo und verzerrte Metal-Gitarren regelrecht zum gemeinsamen Line Dance antreten, ist ein einwandfreies Cowboy-Headbanger-Jointventure, bei der sich John Wayne ausdrücklich nicht im Grabe umdrehen würde, sondern wahrscheinlich eher zufrieden mit dem Fuß wippt.


volbeat-2009


Der einzige Song, der weniger den Old Shatterhand Stempel trägt und tatsächlich die Dänischen Wurzeln unserer Jungs mit den Rockabilly Tollen etwas durchscheinen lässt, ist „The Garden’s Tale“. Warum? Nun, ein starkes Indiz hierfür ist in erster Linie, dass der Song zur Hälfte auf Dänisch gesungen ist. Ein bilateraler Schlagabtausch zwischen Michael Poulsen (auf Englisch) und dem Volbeat externen Musiker Johan Olsen, der die etwas vage Geschichte über eine verflossene Liebe auf Dänisch komplementiert. Fun Fact am Rande: Englisch und Dänisch klingen im Volbeat-Style gar nicht mal so unterschiedlich. Ob das jetzt ein Kompliment war, sei mal dahin gestellt.

Um unseren kleinen Ausritt in die Prärie der Rock’n’Roll und Metal Sounds auf eine kleine Zusammenfassung zu bringen, bleibt zu resümieren, dass Rock the Rebel / Metal the Devil es zustande bringt, einerseits ganz tief in der Magengrube zu ballern und uns andererseits mit den Girls im Petticoat den Rockabilly Jive hoppeln lässt. Eine Blaupause für alles, was Volbeat jemals war und jemals sein wird. Ein Album mit Stilbrüchen, wie sie natürlicher nicht sein könnten. Und das beim zweiten Album. Respekt, das muss man erstmal auf die Latten bekommen. Also in dem Sinne: Gute Nacht John-Boy! Gute Nacht Mary-Elle!


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