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Popkultur

Zeitsprung: Am 1.8.1987 drehen Guns N’ Roses mit „Welcome To The Jungle“ ihr erstes Musikvideo.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 1.8.1987.

von Christof Leim und Timon Menge 

Zu Beginn ihrer Karriere benötigen Guns N’ Roses ein wenig Starthilfe. Das Debüt Appetite For Destruction verkauft sich eher schlecht als recht, die erste Single It’s So Easy floppt ebenfalls, und Geffen Records steht kurz davor, die Platte abzuschreiben, weil die bisherigen Verkäufe von 200.000 als Misserfolg gesehen werden. Das Musikvideo zu Welcome To The Jungle ändert alles und macht Guns N’ Roses über Nacht zur heißesten neuen Band im Rock’n’Roll…

Die Dreharbeiten starten am 1. August 1987 unter der Regie von Nigel Dick, einem MTV-Veteranen, der schon mit Tears For Fears gearbeitet hatte. Sein Clip zeigt Live-Material von einer Guns N’ Roses-Show im Park Plaza Hotel in Los Angeles sowie Szenen, die mit der Band auf der Straße gedreht wurden. Ebenfalls zu sehen sind Bilder von Aufständen, Polizeigewalt und der Verrohung der Gesellschaft, die A Clockwork Orange-mäßig anmuten: eine Idee, die sich Alan Niven zuschreibt, der damalige Manager der Band.

Zu Beginn der Handlung sieht man Axl Rose, wie er an der Ecke 6th/La Brea Avenue aus einem Bus steigt, frisch eingetroffen im großen, bösen L.A. aus irgendeinem Kleinstädtchen. Brav sieht er aus, und er kaut tatsächlich auf einem Strohhalm herum. Umgehend will ihm jemand etwas andrehen, Sekunden später läuft eine Dame in kurzem Rock und High Heels vorbei.

Zu Beginn des „Welcome To The Jungle“-Videos kommt Axl Rose gerade in der großen, bösen Stadt an…

Vor einem Schaufenster mit Fernsehgeräten liegt ein Langhaariger und trinkt aus einer Flasche in der obligatorischen braunen Tüte: Slash. Das passt, denn während des Drehs fällt der Gitarrist öfter aus der Rolle, wie Alan Niven erzählt: Einmal „entführt“ sein Schützling ein Auto, dann fragt er unmittelbar nach Ausspruch eines Alkoholverbots nach einem Bier und rennt schließlich mit einer Pulle Jack Daniel’s während der Rush Hour auf der Straße herum. Als Niven ihm eine ernste Ansage macht, dreht sich Slash einfach rum – und geht nach Hause.

Im Halbdunkel zu erkennen: Slash und seine Flasche

Am 28. September 1987 erscheint das Filmchen, zeitgleich mit der Singleauskopplung von Welcome To The Jungle. Zunächst findet die Nummer allerdings weder im Radio noch im Musikfernsehen statt. Als Medienmogul John C. Malone den Clip auch noch auf die schwarze Liste setzt, scheint das kommerzielle Ende der Band besiegelt. Malone soll MTV mehrfach damit gedroht haben, dem Musiksender den Sendeplatz zu streichen, sollte das Video ausgestrahlt werden. Er befürchtet, dass die teils gewalttätigen Aufnahmen bei „guten Christen“ schlecht ankommen.



Es ist Geffen-A&R Tom Zutaut, der beständig an die Band glaubt und Labelchef David Geffen dazu überredet, persönlich bei MTV anzurufen. Und tatsächlich: Der Sender zeigt Welcome To The Jungle nach Mitternacht in der Hoffnung, dass weder Malone noch jemand aus seinem Umfeld zu dieser Zeit den Fernseher einschalten. Diesen kleinen Sieg feiern die Musiker natürlich, wie Ultimate Classic Rock berichtet: Während sie auf die nächtliche Ausstrahlung warten, steigt eine Party. Natürlich steht irgendwann die Polizei vor der Tür, doch Zutaut hat vorgesorgt und jede Menge Milch und Kekse gekauft. Als die Beamten schließlich eintreten, sind alle „Beweismittel“ beseitigt, zu sehen sind ein paar junge Leute, die Kekse essen und Fernsehen gucken…

Rockstars über Nacht: Guns N’ Roses im Jahr 1987. ©Credit Ross Halfin_Idols

Als der Clip endlich läuft, an der Westküste der USA nachts um eins, bricht die Hölle los: Die Telefone laufen heiß, so heiß, dass die Schaltzentrale des Senders in Rauch aufgeht. Immer und immer wieder fragen die Zuschauer nach Guns N’ Roses. MTV bedient die Nachfrage und nimmt Welcome To The Jungle in die Rotation auf. Damit ändert sich alles: Das Album verkauft sich mittlerweile 200.000 Mal pro Woche (!) und steigt bis auf Platz eins, die dritte Single Sweet Child O’Mine ebenfalls. Appetite For Destruction entwickelt sich zu einem der erfolgreichsten Alben der US-Musikgeschichte und verkauft sich bis zum heutigen Tag mehr als 30 Millionen mal.


Hört hier in Appetite For Destruction rein:

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

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