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Popkultur

Zeitsprung: Am 10.12.1973 eröffnet der legendäre Punkclub CBGB’s in New York.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 10.12.1973.

von Christof Leim und Tom Küppers

Egal ob als Zappelbude für Konservenmusik oder als Auftrittsort für Künstler aller Größenordnungen: Rockmusik und Clubs gehören einfach unzertrennlich zusammen. Einer der legendärsten Vertreter seiner Art stand in New York City und hörte auf den schönen Namen CGBG’s.


Hört hier in den Sound des CBGB’s rein:

Klickt auf „Listen“ für das volle Programm.

Für den 1931 geborenen Hilly Kristal bedeutet Musik alles. Zunächst versucht er sich selbst an diversen Instrumenten und landet als Chorsänger in der Radio City Music Hall in seiner Heimatstadt New York. Kurz darauf wird er Manager eines Jazzschuppens, wo er das erste Mal mit Künstlerbuchungen zu tun hat. Unter anderem schafft er es, Jazz-Legende Miles Davis in seinen Laden zu locken.

Mitte der Sechziger stampft Kristal im Central Park ein erfolgreiches Festival aus dem Boden, die Idee der eigenen Kneipe namens Hilly’s On The Bowery hingegen entpuppt sich in den Siebzigern jedoch als Flop. Die Bowery selbst gilt nicht als die feinste Ecke Manhattans; Junkies, Prostituierte, Ganoven und Obdachlose bevölkern das Straßenbild. Dafür sind die Mieten bezahlbar, weswegen viele der Subkultur zugeneigte Künstler in dieser Gegend ihr Zuhause finden werden.

Hilly Kristal vor seinem Club – Credit: Charliesamuels

Kristal betreibt zunächst noch ein weiteres Etablissement im nobleren East Village. Doch nachdem sich immer mehr Nachbarn über das nächtliche Treiben beschweren, beschließt er, sich wieder mehr seinem Laden in der Bowery zu widmen. Am 10. Dezember 1973 eröffnet er an gleicher Stelle einen neuen Club unter dem hübschen Namen „Country, Bluegrass, Blues and Other Music for Uplifting Gormandizers“, der auf CBGB & OMFUG abgekürzt wird – und schlussendlich als CBGB oder wahlweise CBGB’s in die Geschichte der Popkultur eingeht. Passenderweise melden sich zwei Burschen aus der Nachbarschaft: Bill Page und Rusty McKenna möchten gerne Konzerte in Hillys Lokal veranstalten.

Das CBGB von innen – Credit: Tabea Huth

Junge Bands haben es seinerzeit schwer, an Auftrittsmöglichkeiten zu kommen, selbst in New York. Künstler wie Suicide und Wayne County finden im CBGB’s ebenso einen Zufluchtsort wie ganz neue Formationen. So können die Ramones und Blondie hier ihre ersten Schritte wagen. Besonders die Punk- und New Wave-Szene findet so einen Nährboden, der seinesgleichen sucht. Patti Smith, Talking Heads, Dead BoysBad Brains, Mink DeVille und etliche andere quetschen sich auf die kleine Bühne des maximal 350 Besucher fassenden Lokals und beeinflussen sich gegenseitig.



In den Achtzigern und Neunzigern dominieren immer öfter Hardcore, Punk und Heavy Metal das Programm, besonders die sonntäglichen Matinees werden zu einem vollen Erfolg. Selbst Superstars wie Green Day, Guns N’ Roses oder Korn gastieren in Kristals Club. Er selbst stellt an die auftretenden Künstler bis zum Schluss regelmäßig die gleichen zwei Bedingungen: Die Band muss ihr eigenes Equipment mitbringen, und das Programm muss zum überwiegenden Teil aus eigenem Material bestehen.



Am 15. Oktober 2006 verabschiedet sich das CBGB’s allerdings von seinen Gästen und schließt nach einem letzten Auftritt von Patti Smith für immer seine Pforten. Die einst so verachtete Bowery gehört mittlerweile zu den hippen Wohngegenden der US-Metropole, weswegen der Vermieter statt der ohnehin schon saftigen 19.000 nun 55.000 Dollar an Miete möchte. Als Kompromiss einigen sich die Parteien auf einen monatlichen Betrag von 35.000 Dollar und einen Auszug zum Oktober 2006.



Heute findet sich unter der Adresse 315 Bowery eine Nobelboutique, deren Besitzer John Varvatos einiges vom alten Charme bewahrt hat, etwa die von Aufklebern übersäten Wände oder die Schmierereien in den Toiletten. Die legendäre Markise über dem Eingang steht mittlerweile in der Lobby der Rock And Roll Hall Of Fame.



Headerbild Credits: Adicarlo


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