Zeitsprung: Am 11.6.1960 verlässt Tommy Moore die Beatles. Nicht die beste Idee.

June 8, 2018
in Category: Popkultur



Zeitsprung: Am 11.6.1960 verlässt Tommy Moore die Beatles. Nicht die beste Idee.

Zeitsprung: Am 11.6.1960 verlässt Tommy Moore die Beatles. Nicht die beste Idee.

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 11.6.1960.

von Christof Leim

Er hat es nicht wissen können. Trotzdem wird sich Tommy im Laufe seines Lebens geärgert haben, dass er am 11. Juni 1960 die aufstrebende Band The Silver Beetles verlassen hat, aus der später die Beatles wurden.


Hört euch hier an, was aus den Silver Beetles geworden ist:

Klickt auf „Listen“ für das volle Programm.

Liverpool Anfang der Sechziger: Wie jede Band müssen sich selbst die großen Beatles erstmal durch eine endlose Abfolge mieser Gigs mit noch mieserer Bezahlung kämpfen. Die Musiker leben quasi von Luft, Liebe und Rock’n’Roll, und bis zu einer beständigen Mannschaftsaufstellung sollte es noch eine Weile dauern. Einer der Musiker, der während dieser harten Zeiten für wenige Wochen zum Line-up gehört, heißt Thomas Henry Moore. Er stößt im Mai 1960 zur Band, die damals noch The Silver Beetles heißt. Tommy Moore ist älter als seine Kollegen und hat bereits Erfahrung als Jazzschlagzeuger gesammelt. Neben der Musiziererei muss er als Gabelstaplerfahrer in einer Fabrik arbeiten.

Schon nach einem Monat begleitet er John Lennon, Paul McCartney, George Harrison and Stuart Sutcliffe auf einer mehrtägigen Tour durch Schottland als Begleitband für den Sänger Johnny Gentle. Dieses Engagement wird nur mit einer Gage von 25 Pfund, ob pro Kopf und/oder pro Show bleibt unklar, aber viel ist es nicht. Doch es kommt noch schlimmer: Der Van der Band wird in einen Unfall verwickelt. Dabei fliegt ein Gitarrenkoffer durch die Gegend und trifft Moore. Er verliert mehrere Zähne und erleidet Schnittwunden im Gesicht. Doch Lennon und der schottische Veranstalter der Tour bestehen darauf, dass er die Konzerte spielt und holen ihn aus dem Krankenhaus. Das sorgt natürlich nicht für angenehmes Rocken und gute Laune, zumal der Drummer und der Sänger ohnehin nicht gut miteinander auskommen.

Zurück in Liverpool hat Moore „genug von Lennon“: Als die Silver Beetles am 11. Juni 1960 im Grosvenor Ballroom in Wallasey spielen sollen, taucht er einfach nicht auf. Die Band fährt deshalb zu seiner Wohnung. Dort erzählt ihnen Moores Freundin, dass der Drummer zu einer lukrativeren Nachtschicht in die Fabrik zurückgekehrt sei. Als die Beatles auf sie einreden, soll sie mit einem deutlichen „Ihr könnt euch alle verpissen!“ geantwortet haben. Die Musiker fahren in die Fabrik, wo Moore sich weigert, von seinem Gabelstapler herunterzukommen. Also müssen sie wohl oder übel unvollständig nach Wallasey zurückkehren und ohne Schlagzeug auftreten. Lennon fragt sogar, ob jemand im Saal trommeln kann. Das findet das als aufsässig geltende Publikum gar nicht gut. Die Silver Beetles sehen sich gezwungen, in einer Pause ihren Manager anzurufen, der die Musiker und ihre Instrumente so schnell wie möglich nach Hause schafft.

Trotzdem darf Tommy noch ein oder zwei Shows für die Gruppe trommeln, bevor sie mit neuem Drummer Pete Best zu ihrem legendären Reeperbahn-Engagement nach Hamburg übersetzen. Wie wir alle wissen, werden die Beatles in den folgenden Jahren zur wichtigsten Band des 20. Jahrhunderts. Das Schicksal ihres kurzzeitigen Schlagzeugers sieht weniger rosig aus.

Moore arbeitet weiter in Liverpool, kann aber keine nennenswerten musikalischen Aktivitäten mehr verbuchen. Er heiratet (eine andere Frau als die Freundin von damals) und bekommt zwei Kinder. Ein portugiesisches Magazin publiziert acht Jahre später einen großen Artikel über ihn. Die Bilder zeigen einen Mann in ärmlichen Verhältnissen, der auf einer Keksdose trommelt. Laut einer Übersetzung auf einer Beatles-Fanseite schreibt der Autor, dass Moore zehn Stunden am Tag für einen geringen Lohn schuftet und gerne als Musiker von vorne anfangen würde. Dazu kommt es nicht: Tommy Moore stirbt am 29 September 1981 kurz nach seinem 50. Geburtstag an einer Hirnblutung.

Acht Jahre später berichtet ein portugiesisches Magazin über den kurzzeitigen Beatle

Der damalige Beatles-Manager wird zitiert mit der Feststellung: „Tommy war ein guter Trommler, aber vielleicht ein bisschen zu alt für die Band. Er war zehn Jahre älter und immer unzufrieden mit der geschäftlichen Situation.“ Der Fast-Beatle selbst sagt: „Ich brauchte mehr Sicherheit. Deshalb habe ich das Hobby Schlagzeugspielen aufgegeben.“ Auf der gleichen Beatles-Fanseite wird ein Bekannter von Moore zitiert, der (unbestätigt) berichtet: „Tommy war nie verbittert darüber, dass er die Band verlassen hat. Er besaß alle Platten und hat mir Geschichten von damals erzählt. Einmal hat er mich zu einer Beatles-Convention mitgenommen. Zu seiner Beerdigung kamen nur elf Leute. Ich möchte nicht, dass Tommy vergessen wird, er war ein toller Kerl.“ Der portugiesische Artikel schließt mit der Vermutung: „Die Erinnerung der Beatles an ihn ist die, dass er der einzige war, der nie an sie geglaubt hat.“ Echt traurig, oder? „Was wäre wenn“ kann schon eine Arschgeige sein. Ruhe in Frieden.



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