Zeitsprung: Am 12.11.1964 setzt sich David Bowie für den Schutz langhaariger Männer ein.

November 9, 2018
in Category: Popkultur



Zeitsprung: Am 12.11.1964 setzt sich David Bowie für den Schutz langhaariger Männer ein.

Zeitsprung: Am 12.11.1964 setzt sich David Bowie für den Schutz langhaariger Männer ein.

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 12.11.1964.

von Christof Leim

Seinen ersten Fernsehauftritt hatte David Bowie nicht als Musiker. Nicht mal als David Bowie, denn damals hieß er noch David Jones. Am 12. November 1964 spricht er in der BBC-Sendung Tonight  als Vorsitzender der „Gesellschaft zur Vermeidung von Grausamkeit gegenüber langhaarigen Männern“. Kann man sich nicht ausdenken…


Hört hier in die besten Songs von David Bowie rein:

Klickt auf „Listen“ für das volle Programm.

Eigentlich sieht er ja ganz adrett aus, der 17-jährige Blondschopf im Anzug, der da im Fernsehstudio sitzt. Allerdings reicht seine Frisur hinten bis zum Kragen. Das gilt in den Sechzigern bei Männern als „langhaarig“ – und damit selbstredend als gesellschaftszersetzend, ja dem drohenden Untergang der Zivilisation zuträglich. Der junge Bowie beschwert sich nun über Kommentare wie „Schätzchen“ oder „Kann ich deine Handtasche tragen?“ und stellt klar: „Das muss aufhören!“ Deshalb hat er die „Gesellschaft zur Vermeidung von Grausamkeit gegenüber langhaarigen Männern“ gegründet. Bei alldem verzieht Bowie/Jones keine Miene, wirkt zurückhaltend, aber ausgesprochen selbstbewusst.



Nun stellt sich die Frage: Ist das ernst gemeint? Oder ein Scherz, Satire, Strategie?  Ziemlich sicher letzteres, und zwar alles davon. Schon früh in seiner Karriere zeigt Bowie außerordentliches Geschick für öffentlichkeitswirksame Selbstdarstellung, denn natürlich geht es hier um Eigenwerbung für seine damalige Band The Mannish Boys. So verschafft der Auftritt dem Sänger zum Beispiel ein Interview mit den London Evening News.

Es ist nicht die erste „Gesellschaft“, die den zukünftigen Star als Aktivisten zeigt: Mit der „Internationalen Liga zur Erhaltung tierischer Fäden“ (bitte was?) schafft er es kurz vorher sogar in die seriöse Zeitung Evening News & Star (nachzulesen hier). Und bei all diesen Gelegenheiten lässt er einfließen, dass man gerne Popstars wie „Screaming Lord Sutch, The Pretty Things und natürlich die Stones und die Beatles“ als Mitglieder begrüßen würde, vor allem aber, dass er ja auch Musik mache…

Einige Monate später im März soll die Band dann in einer anderen BBC-Sendung namens Gadzooks! Its All Happening auftreten, doch angeblich verlangt der Produzent, man soll sich doch erstmal vernünftige Frisuren zulegen. Dem widerspricht Bowie: „Ich würde nicht mal für den Premierminister meine Haare schneiden lassen, für die BBC also schon gar nicht.“

Davy Jones, der spätere David Bowie mit seiner Band The Mannish Boys und TV-Produzent Barry Langford vor den BBC-Studios in London. Credits Evening Standard/Hulton Archive/Getty Images

Mit dieser Sentenz eckt unser Mann natürlich wieder ein bisschen an, aber genau das ist ja der Plan. Man könnte sagen: Das war Clickbait, bevor es Clickbait gab. Ob die „Gesellschaft zur Vermeidung von Grausamkeit gegenüber langhaarigen Männern“ jemals ihr volles Potenzial entfalten und mehr prominente haarige Unterstützer gewinnen konnten, bleibt im Dunkeln. Aber für eine beeindruckende Karriere hat es bei David Bowie auch so gereicht, meist übrigens mit kurzen Haaren.


Headerbild: Evening Standard/Hulton Archive/Getty Images

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