Zeitsprung: Am 12.6.1977 verschwindet Michael Schenker nach einer UFO-Show

June 12, 2018
in Category: Popkultur



Zeitsprung: Am 12.6.1977 verschwindet Michael Schenker nach einer UFO-Show

Zeitsprung: Am 12.6.1977 verschwindet Michael Schenker nach einer UFO-Show

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 12.6.1977.

von Christof Leim

Es ist nicht das erste Mal, dass Michael Schenker nach einer UFO-Show verschwindet. Man hört sogar, der deutsche Gitarrengott habe sich während seiner Karriere bei den Briten sogar schon vor oder während Konzerten aus dem Staub gemacht. Deshalb sorgen sich UFO erstmal nicht, als sie von ihrem Leadgitarren-Wunderkind nach dem Gig am 12. Juni 1977 in London nichts hören. Allerdings steht eine US-Tour an…


Hört hier in die Liveplatte von UFO mit Michael Schenker rein:

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Es läuft rund bei UFO im Sommer 1977: Das aktuelle Album Lights Out erhält beste Kritiken, ihre Headliner-Tour führt die britische Hard Rock-Formation durch Deutschland, Skandinavien und Großbritannien. Die letzte Show der Rundreise findet am 12. Juni 1977 im Londoner Roundhouse statt und knallt, wenn sich die Videos des Abends ansieht, wohl gewaltig. Die Band um Frontmann Phil Mogg (seine Lebensgeschichte: hier) ist bereit und willig, als nächstes die USA zu erobern. Der nächste Gig dort steht für den 7. Juli an in einer Stadt namens Schaumburg in Illinois. Doch es gibt ein Problem: Der Leadgitarrist ist verschwunden…



Das kümmert zunächst weder die Band noch ihre Plattenfirma Chrysalis Records, weil Schenker das öfter mal macht. „Vermutlich meditiert er irgendwo“, zitiert die Washington Post den Sänger später. Ihm zufolge liest der damals 22-jährige Schenker auf Tour am liebsten „religiöse Pamphlete“, die er aus San Francisco geschickt bekommt, vermutlich von den „Moonies“. So werden die Mitglieder der so genannten „Vereinigungskirche“ oder „Moon-Sekte“ umgangssprachlich bezeichnet. Zwar lässt es Schenker mit seinen Bandkollegen auch gerne mal ganz herkömmlich in bester Rock’n’Roll-Manier krachen (Wein, Weib, Gesang – sie wissen schon), aber so richtig passt er mit seiner spirituellen Art nicht zu den britischen Raubeinen, die zudem ein gutes Stück älter sind. Schenkers limitierte Englischkenntnisse machen es nicht besser. Also lässt man ihn sein Ding durchziehen, er wird schon wieder auftauchen…

UFO mit dem jungen Michael Schenker (ganz rechts)

Erst als ein Mitarbeiter des Managements dann doch mal an Schenkers Tür klopft und das Apartment leer vorfindet, bricht leichte Panik aus. Eine Hard Rock-Band ohne Leadgitarre kann keine Stiche machen, und so ganz einfach ist Schenker nicht zu ersetzen. Doch Phil Mogg und seine Kollegen Pete Way (Bass), Paul Raymond (Gitarre/Keyboards) und Andy Parker (Drums) lassen sich von ihrem launenhaften Klampfenwunderkind nicht den nächsten Schritt zur Rock’n’Roll-Weltherrschaft vermiesen: Sie kontaktieren Paul Chapman von Lone Star, einen alten Freund der Band, der schon 1974 auf der Tour zu Phenomenon mitgespielt hatte und angeblich sogar mal Mitbewohner von Schenker gewesen sein soll. Nach sechs Tagen Probe hat Chapman das Programm drauf und nimmt mit der Band die USA ins Visier. Trotzdem hofft Mogg laut der Washington Post, dass Schenker zurückkehrt – vermutlich, weil sie an ihm trotz aller Sonderbarkeiten eben wissen, was sie haben.

Nach ein paar Gigs taucht der verlorene Sohn tatsächlich wieder auf und übernimmt für den Rest der Konzertreise, doch es sollte nicht das letzte Mal bleiben, dass UFO ohne ihn auskommen müssen. Nach einer Show im kalifornischen Palo Alto am 29. Oktober 1978 verlässt Schenker dann „vorläufig endgültig“ die Band und bringt damit eine ganze US-Tour zum Erliegen. Erst 1992 kehrt er zurück und nimmt ein Album mit den alten Kollegen auf (Walk On Water, 1995). Eine Welttour wird gebucht und gestartet, doch nach nur vier Terminen macht sich der exzentrische Musiker erneut vom Acker, interessanterweise genau im gleichen Club in Palo Alto wie 1978. Es lief also wahrlich nicht einfach mit Michael Schenker damals. Vielleicht hätten UFO das schon 1977 wissen können, aber es wären einige coole Rocksongs weniger entstanden…



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