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Popkultur

Zeitsprung: Am 12.8.1968 spielen Led Zeppelin zum ersten Mal zusammen.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 12.8.1968.

von Christof Leim

Am 12. August 1968 spielen zum ersten Mal vier junge Männer zusammen, die als Led Zeppelin Geschichte schreiben sollten: Robert Plant, Jimmy Page, John Paul Jones und John Bonham. Schon diese erste Probe macht allen klar, dass hier etwas Besonderes entsteht…


Hört hier in das Led Zeppelin-Debüt rein:

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Im Sommer 1968 kann Jimmy Page bereits auf eine ordentliche Karriere zurückblicken: Der 24-Jährige hat sich nicht nur als Sessiongitarrist einen guten Namen gemacht und 1965 sogar eine Single unter eigenem Namen rausgebracht, sondern ist auch mit The Yardbirds erfolgreich unterwegs. Allerdings fällt diese Band zusehends auseinander. Nach einem finalen Konzert im Juli 1968 steht Page ohne Musiker da, muss aber noch Verträge für ein paar Shows in Skandinavien erfüllen.

Seine erste Wahl für den Posten des Frontmannes fällt auf Terry Reid, doch der lehnt ab und empfiehlt einen gerade mal 20-Jährigen namens Robert Plant, der bei der Band Of Joy und Hobbstweedle singt. Der wiederum bringt seinen gleichaltrigen Kumpel John Bonham ins Spiel, einen immens talentierten und kraftvollen Schlagzeuger, den er aus der Band Of Joy kennt und der gerade mit dem US-Sänger Tim Rose unterwegs ist. Dazu ist einiges an Überredung nötig, doch Plant strotzt nach dem ersten Zusammentreffen mit Page nur so vor Begeisterung: „Ich habe mir John gegriffen und ihm klargemacht, dass er unbedingt bei den Yardbirds einsteigen muss“, erinnert er sich im Guardian. „Allerdings gefiel ihm seine aktuelle Situation, denn so viel wie bei Tim Rose hatte er bisher noch nicht verdient. Ich konnte nichts in die Waagschale werfen außer einem Namen, der irgendwo in der amerikanischen Pop-Historie verloren gegangen war: The Yardbirds.“ Bonham sagt schließlich zu. Für den Bass sichert sich Page einen fähigen Musiker aus der Sessionszene, den 22-jährigen John Paul Jones, mit dem er schon einige Male zusammengespielt hat. Im Rolling Stone erinnert sich der Gitarrist: „Ich habe damals an Hurdy Gurdy Man von Donovan gearbeitet, John Paul Jones hat sich dabei um die Arrangements gekümmert. Während einer Pause wollte er wissen, ob ich einen Bassisten gebrauchen kann für die neue Gruppe, die ich da gerade zusammenstelle. Er hatte eine richtige Musikausbildung und immer großartige Ideen. Die Chance, ihn zu bekommen, habe ich sofort genutzt.“

Die vier Musiker treffen zum ersten Mal am 12. August 1968 zusammen. In einem winzigen Keller unter einem Plattenladen in der Gerrad Street 22 im Londoner Stadtteil Westminster findet die erste Probe statt. „Die Wände standen voll mit Verstärkern, nur für die Tür war ein bisschen Platz“, berichtet John Paul Jones später. „Alle haben sich angeguckt und gefragt: Was sollen wir spielen? Weil ich soviel im Studio gearbeitet habe, kannte ich keine Songs.“ Page schlägt Train Kept A Rollin’ aus dem Yardbirds-Programm vor, eine von Johnny Burnette populär gemachte Rock’n’Roll-Nummer.



Die Chemie stimmt sofort: „Der ganze Raum ist förmlich explodiert“, begeistert sich Jones noch Dekaden danach. „Ich habe John Bonham trommeln gehört und wusste augenblicklich, dass das großartig werden würde. Wir haben als Team sofort zusammengefunden.“ Robert Plant teilt diese Begeisterung: „Es klang sehr aufregend: Ich konnte spüren, dass etwas mit mir und allen anderen im Raum passiert. Das fühlte sich, als hätten wir etwas gefunden, mit dem wir sehr vorsichtig umgehen müssen, damit wir es nicht verlieren. Die Kraft in der Musik war bemerkenswert.“ Weniger poetisch, aber nicht weniger begeistert äußerst sich auch John Bonham: „Wir haben gut gespielt an dem Tag, alles klappt recht gut. Schon bei diesem ersten Mal hatte ich das Gefühl, dass das gut werden würde.“

Kein Frage: An diesem Montag im Sommer 1968 kommt also zusammen, was für die Rockgeschichte der nächsten Jahrzehnte zusammengehört. Kapitän Jimmy Page fasst zusammen: „Am Ende wussten wir, dass hier etwas wirklich Elektrifizierendes passiert. Die beste Beschreibung: Aufregend!“

Damit sind die Grundlagen gelegt. Als nächstes absolvieren die vier Musiker unter dem Namen The New Yardbirds die anstehenden Konzerte in Skandinavien und stehen am 7. September 1968 im dänischen Gladsaxe zum ersten Mal gemeinsam auf der Bühne. Vorher hatten sie noch schnell bei einer Session für den US-Sänger P.J. Proby den Song Jim’s Blues eingespielt (mit Plant an der Mundharmonika) – und damit ihre erste gemeinsame Studioaufnahme fabriziert. Nach der Rückkehr benennt sich die Gruppe in Led Zeppelin um, noch im September beginnen die Aufnahmen für das Debütalbum Led Zeppelin. Der Rest ist, und zwar so richtig: Geschichte.

Epilog: Die historischen Details zu dieser ersten Probe sind nicht unumstritten. Manche Fans gehen da richtig ins Detail, etwa was die genaue Adresse angeht. So wird die Hausnummer 39 (statt 22) ins Spiel gebracht, manche Rock’n’Roll-Sherlocks suchen sogar die heute in Chinatown gelegene Straße auf (und finden chinesische Restaurants). Das Datum kann allgemein als gesichert gelten, die Led Zeppelin-Homepage allerdings spricht von „grob dieser Woche“. Auch die genauen Songs, die die vier Helden an diesem historischen Tag ausprobiert haben, sind Gegenstand von Expertendiskussionen. Laut Plant höchstselbst erklang außerdem As Long As I Have You von Garnet Mimms, heiß gehandelt werden außerdem der Howlin’ Wolf-Klassiker Smokestack Lightning, das Stück Once von Skip Bifferty und eine Version der Jake Holmes-Nummer I’m Confused, aus der später das legendäre Dazed & Confused entstehen sollte.



Header-Bild von Michael Ochs Archives/Getty Images

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