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Popkultur

Zeitsprung: Am 20.3.1991 stirbt Eric Claptons Sohn bei einem Sturz aus dem Fenster.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 20.3.1991.

von Christof Leim

„Would you know my name, if I saw you in heaven? Would you be the same, if I saw you in heaven?“ So lauten die ersten Zeilen von Tears In Heaven, das Eric Clapton für seinen Sohn Conor geschrieben hat, der am 20. März 1991 mit nur vier Jahren in New York starb. Das hochemotionale Stück erschien zunächst auf dem Soundtrack zum Film Rush, wurde aber vor allem in der Version von Claptons Unplugged-Album 1992 weltweit bekannt. (Die ganze Geschichte von Unplugged steht hier.)



Tears In Heaven wird zu einem der größten Hits des legendären Gitarristen und zu seiner erfolgreichsten Single in den USA. Es erreicht dort Platz zwei der Charts, in Deutschland Platz 42. Als Co-Songwriter fungierte der amerikanische Musiker Will Jennings, der einige Jahre später auch My Heart Will Go On komponierte, die Megaballade aus dem Film Titanic. Für Tears In Heaven wurden Clapton und Jennings mit drei Grammys ausgezeichnet: „Best Pop Vocal Performance Male“, „Song of the Year“ und „Record of the Year“.

Den hochemotionalen Hintergrund hört man dem Stück an, und genau deswegen bewegt es Musikhörer weltweit. Oft hat Eric Clapton in Interviews davon berichtet, wie Musik im Allgemeinen und das Lied im Speziellen ihm geholfen haben, über den Verlust hinwegzukommen. Denn mit der Geburt von Conor war im turbulenten Leben des Musikers zunächst eine neue, glücklichere Zeit angebrochen…

Das Singlecover zur ursprünglichen Version von Tears In Heaven.

Der kleine Conor wird am 21. August 1986 im St. Mary’s Krankenhaus in Paddington geboren. Seine Mutter, das italienische Model Lory Del Santo, hatte Eric Clapton im Vorjahr kennengelernt. Eigentlich ist er zu der Zeit noch mit Pattie Boyd verheiratet, die er seinem Kumpel George Harrison ausgespannt hatte. Doch ganz der Rockmusiker lässt Clapton damals nichts anbrennen und hat zu diesem Zeitpunkt sogar schon ein erstes Kind von einer Frau, die ebenfalls nicht Pattie Boyd heißt. Bei Conor handelt es sich also um Nachwuchs Nummer zwei, und Clapton will unbedingt bei der Geburt dabei sein. „Irgendwie hatte ich das unglaubliche Gefühl, zum ersten Mal etwas wirklich Reales zu erleben“, beschreibt der Sänger die Situation im Kreissaal später in seiner Biografie. „Als das Baby schließlich da war, gaben sie es mir zum Halten. Ich war total fasziniert und ungeheuer stolz, auch wenn ich keine Ahnung hatte, wie man ein Baby hält.“

Lory Del Santo, die Mutter von Claptons Sohn, im Jahr 2007. Photo Credit: Enrico Samorì

Mit Conor ändert sich für Clapton viel: Er schafft endlich einen erfolgreichen Entzug nach jahrelanger Alkoholsucht. Außerdem nimmt er sich vor, ein guter Vater zu sein und besucht Conor regelmäßig bei dessen Mutter Lory. Die Erziehung überlässt er dabei jedoch komplett der Italienerin, weil er nach eigenen Aussagen selbst noch ein Baby sei und Lory das wunderbar hinbekomme. „Ich habe Conor auf Schritt und Tritt beobachtet, und weil ich keine Ahnung hatte, wie man sich als Vater verhält, habe ich mit ihm wie ein Bruder gespielt. Wir haben stundenlang Bälle auf der Terrasse herumgekickt oder sind im Garten herumspaziert. Er war wirklich ein kleiner Engel, ein göttliches Wesen.“

1991, Conor ist gerade vier Jahre alt, will Lory mit ihrem neuen Partner Sylvio eine Wohnung in New York kaufen. Eric Clapton besucht das Paar und seinen Sohn dort und macht zum ersten Mal einen Ausflug mit Conor ganz allein: Vater und Sohn gehen am 19. März zusammen in den Zirkus. Clapton erinnert sich in seiner Biografie: „Der Abend war großartig. Conor redete die ganze Zeit und war besonders von den Elefanten begeistert. Zum ersten Mal habe ich erkannt, was es bedeutet, ein Vater zu sein. Ich weiß noch, wie ich Lory dann erzählt habe, dass ich mich von jetzt an alleine  um den Kleinen kümmern will, wenn er bei mir zu Hause zu Besuch ist.“

Verlor 1991 seinen Sohn: Eric Clapton.

Doch am nächsten Morgen erhält Eric Clapton den wohl schlimmsten Anruf seines Lebens. Lory kann nur noch ins Telefon schreien: „Conor ist tot!“ Clapton kann es nicht glauben und fragt im Schock sogar, ob sie sich wirklich sicher sei. Er rennt zur Galleria, dem Wohnblock an der East 57th Street, in dem Lory und Conor wohnen, und sieht schon von Weitem die Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr und Polizei. In der Wohnung wird ihm erklärt, was passiert ist: Conor hat mit seinem Kindermädchen Verstecken gespielt. Kurz zuvor war der Hausmeister in die Wohnung gekommen, um die bodentiefen Fenster zu putzen, die er zum Trocknen noch kurz offen ließ. Weil es in dem Gebäude fast nur Privatwohnungen gibt und es deshalb nicht den üblichen Bauvorschriften unterliegt, sind die Fenster nicht durch Brüstungen geschützt. Genau vor dieser Gefahr warnt der Hausmeister Lory gerade, als Conor durch die Wohnung rennt und offenbar ein neues Versteck sucht. Plötzlich schreit das Kindermädchen laut auf, und Lory läuft ins Wohnzimmer. Sie sieht das offene Fenster und fragt panisch nach nach ihrem Sohn. „Conor lief geradewegs aus dem Fenster“, beschreibt Clapton das Unglück. „Er ist neunundvierzig Stockwerke tief gefallen und auf dem Dach eines vierstöckigen Nebengebäudes gelandet.“ Fürchterlich.



Später geht Eric Clapton allein ins Leichenschauhaus, um seinen Sohn zu identifizieren. Lory war dazu nicht imstande. „Welche Verletzungen auch immer er sich bei dem Sturz zugezogen haben mochte – als ich ihn sah, hatte man seinen Körper einigermaßen wieder hergerichtet. Ich habe sein schönes schlafendes Gesicht betrachtet und mir gedacht: ‚Das ist nicht mein Sohn. Er sieht ihm ein bisschen ähnlich, aber mein Sohn ist weg‘.“



Am 28. März 1991 wird Conor auf dem St. Mary Magdalen Churchyard in Surrey in England, Claptons Heimatstadt, beerdigt. Clapton zieht sich nach dem fürchterlichen Verlust für einige Zeit zurück. Zudem waren erst sieben Monate vorher, am 27. August 1990, sein Manager, zwei Roadies und sein Freund Stevie Ray Vaughan bei einem Helikopterabsturz gestorben. Seine Trauer drückt Eric Clapton schließlich in Tears In Heaven aus, einer wunderschönen, hervorragend komponierten und tieftraurigen Ballade, der man die reale Emotion dahinter anhört. Echte Musik eben.



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