Zeitsprung: Am 20.4.1998 lösen Faith No More sich auf.

April 19, 2018
in Category: Popkultur



Zeitsprung: Am 20.4.1998 lösen Faith No More sich auf.

Zeitsprung: Am 20.4.1998 lösen Faith No More sich auf.

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 20.4.1998.

von Christof Leim

Schön war’s mit Faith No More Ende der Achtziger, Anfang der Neunziger: Eine wilde, stilistisch nicht zu packende Band, die einige legendäre Lieder produziert und mit The Real Thing (1989) and Angel Dust (1992) zwei Millionenseller veröffentlicht hat. Allerdings war am 20. April 1998 erstmal Schluss.


Hier könnt ihr in die besten Faith No More-Songs reinhören:

Klickt auf „Listen“ für das volle Programm.

Musikalische Grenzen, konventionelle Songs, kommerzielles Kalkül: So etwas gab es bei Faith No More nie. Die fünf Typen aus Kalifornien haben einfach alles zusammengerührt, was ihnen gefallen hat: Metal, Punk, Disco, Pop, Reggae, irgendwas – und daraus coole, abgefahrene Platten gemacht. Zum Beispiel The Real Thing von 1989 mit Hits, dass es qualmt: Falling To Pieces, From Out Of Nowhere und natürlich Epic. Oder Angel Dust von 1992 mit Midlife Crisis, die Nummer We Care A Lot vom Debüt oder spätere Knaller wie Digging The Grave und Stripsearch



Für eine Weile während der Neunziger gehörten die von Bassist Billy Gould und Drummer Mike „Puffy“ Bordin gegründeten Faith No More zu den größten Rockbands des Planeten, stilistisch festlegen ließen sie sich trotzdem nicht. Die Vielseitigkeit resultiert damals direkt aus den unterschiedlichen Persönlichkeiten der Mitglieder, und das geht nicht ohne Konflikte. Ganz im Gegenteil: Als erstes fliegt Originalsänger Chuck Mosley nach zwei Alben raus. Der Mann hat sich so sehr mit seinen Kollegen verkracht, dass Billy Gould ihm irgendwann auf offener Bühne eins überbrät. Als neuer Frontmann kommt das blutjunge Vokalwunderkind Mike Patton von der Band Mr. Bungle. (Seine Geschichte steht hier.) Mit ihm gehen Faith No More dank The Real Thing und Angel Dust durch die Decke. Die Stimmung wird davon allerdings nicht besser: Der langjährige Gitarrist Jim Martin hält nichts von dem neuen Material, für ihn rockt das alles zu wenig. Im Sommer 1993 funktioniert der Spagat nicht mehr: Laut Keyboarder Roddy Bottum wird Jim Martin – per Fax – gefeuert. Dass auf den nächsten beiden Platte jeweils neue Gitarristen spielen, macht die Angelegenheit nicht stabiler.

Das erfolgreichste Line-up: Bordin, Martin, Patton, Bottum, Gould

Anfang 1998 schließlich kursieren Gerüchte über eine Auflösung der Band. Eine Faith No More-Newsgroup vermeldet, Patton sei ausgestiegen, um sich mehr auf seine vielen Nebenprojekte, allen voran Mr. Bungle, zu konzentrieren, und er ist nicht der einzige, der auf vielen Hochzeiten tanzt. Am 7. April 1998 spielen Faith No More nochmal in Lissabon, eine geplante Supporttour mit Aerosmith sagen sie ab.

Am 20. April 1998 schließlich veröffentlicht Billy Gould folgende Erklärung per Fax und E-Mail:

„Nach 15 langen und fruchtbaren Jahren haben sich Faith No More entschieden, den Spekulationen über ihre Auflösung ein Ende zu setzen… indem sie sich auflösen. Alle Bandmitglieder stehen hinter dieser Entscheidung, niemand wird mit dem Finger zeigen oder andere beschuldigen. Allerdings wollen wir festhalten: Puffy hat angefangen. Das Ende wird allen ermöglichen, ohne Einschränkung individuellen Projekten nachzugehen. Insbesondere aber wollen wir zum Schluss den Fans und Wegbegleitern danken, die die Band im Laufe ihrer Geschichte unterstützt haben.“

Zack. Damit sind Faith No More vorbei. In den folgenden Jahren führen die Musiker die Gründe gelegentlich weiter aus. So spricht Mike Patton in einem Interview davon, dass die Musik „unterdurchschnittlich“ geworden wäre und deshalb eine Grenze hätte gezogen werden müssen. Billy Gould teilt diese Meinung in einem Kerrang-Interview nicht: „Egal, wieviele Platten wir verkauft oder nicht verkauft haben: Über eine lange Zeit haben wir einen hohen Standard gehalten und Musik gemacht, auf die wir stolz waren. Wir waren nie schlecht. Was auch immer unterwegs mit uns passiert ist, es stand der Musik nie im Weg.“

Aber die Erzählung endet hier natürlich nicht: Im Februar 2009, nach elf Jahren also, kommen die Mitglieder zum ersten Mal wieder zusammen – und entscheiden, ihre Band zu reformieren. Faith No More spielen hochkarätige Festivalshows weltweit, 2015 erscheint das Album Sol Invictus. Momentan befindet sich die Band wieder in einer Pause. Ob es weiter geht, weiß keiner so genau.



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