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Popkultur

Zeitsprung: Am 3.12.1948 kommt Ozzy Osbourne zur Welt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 3.12.1948.

von Christof Leim

Prince Of Darkness, Rock’n’Roll-Legende, Familienvater: Ozzy Osbourne feiert am 3. Dezember Geburtstag und kann auf ein ziemlich wildes Leben zurückblicken. Geschichten über unseren liebsten „Madman“ gibt es Dutzende, wagen wir also zum Ehrentag einen Schnelldurchlauf seines wilden Lebens. Bitte anschnallen. Long live Ozzy!


Hört hier in die besten Ozzy-Solosongs rein:

Klickt auf „Listen“ für das volle Programm.

Ja, Ozzy hat es richtig, richtig krachen lassen. Die Geschichten seiner Ausschweifungen sind so legendär, dass man sich durchaus wundern darf, dass der Mann ein hohes Alter erreicht hat. Aber neben Sex und Drugs darf man keinesfalls den Rock’n’Roll vergessen. Als Sänger von Black Sabbath hat Ozzy den Heavy Metal miterfunden, wofür wir ihm selbstredend ewig dankbar sein werden. Er hat den planetenerschütternden Riffs von Tony Iommi seine eigenständige Stimme hinzugefügt und in den Siebzigern einige der wichtigsten Platten des Genres erschaffen. Später legte er dann eine überaus erfolgreiche Solokarriere hin, wurde Familienvater und Reality-TV-Berühmtheit. Selbst wenn die Rockerrente schon mehrmals auf dem Plan stand, muss man den Mann vermutlich eines Tages schreiend von der Bühne zerren. Gott sei Dank.

Die Anfänge

Unser liebster Ozzy kommt am 3. Dezember 1948 als John Michael Osbourne in der Industriestadt Birmingham zur Welt. Er hat drei ältere Schwestern und zwei jüngere Brüder, viel Geld gibt es in der Familie nicht. Schon als Kind bekommt er seinen Spitznamen, bis heute nennen ihn höchstens engste Familienmitglieder noch John. Das scheint ihm zu gefallen, denn sein erstes von vielen Tattoos sticht er sich als Teenager selbst mit einer Nähnadel und Farbe aus Bleistiftminen. Die Buchstaben O-Z-Z-Y auf seinen Fingern sieht man heute noch.

Als er mit 14 die Beatles hört, macht ihn das sofort zum Fan. Insbesondere She Loves You weckt in ihm den Wunsch, Musiker zu werden. Ansonsten sind die Aussichten im industriellen Birmingham der Sechziger auch ziemlich grimmig. Kurz gesagt: Fabrik, Verbrechen oder Rock’n’Roll. Als 15-Jähriger verlässt er die Schule, in der er mit einer Lese- und Rechtschreibstörung zu kämpfen hatte, und endet in einer Reihe wenig zukunftsträchtiger Jobs, darunter Bauarbeiter, Werkzeugmacher und Klempner. Böse Zungen dürften behaupten, dass ihn die Zwischenspiele als Schlachter und Autohupentester (!) besser auf eine Laufbahn im Heavy Metal vorbereiten. Ein “Laufbahnwechsel” in Richtung Einbruch und Diebstahl endet mit mit einem sechswöchigen Aufenthalt im Knast.

Die Urväter des Heavy Metal: Black Sabbath mit Ozzy Osbourne (rechts)

Die Siebziger

Ohnehin geht es um die Musik. 1968 melden sich ein Gitarrist namens Tony Iommi und sein Drummer Bill Ward auf einen Flyer, auf dem zu lesen steht: „Ozzy Zig needs gig. Has own PA.“ Beim ersten Treffen stellen die drei Kollegen fest, dass sie sich sich bereits aus der Schule kennen  und nicht leiden können. Musik machen sie trotzdem. Es stößt noch Bassist Geezer Butler dazu, und Black Sabbath sind geboren. Der Rest ist, mal wieder, Geschichte.

Mit den infektiös eingängigen Popsongs der Beatles hat die Wirklichkeit der vier Jungspunde allerdings nichts zu tun, ebensowenig mit dem „Summer Of Love“ in San Francisco. Weil in Birmingham definitiv niemand Blumen im Haar trägt, klingen Black Sabbath dunkler, böser und eindringlicher als die meisten anderen. In den folgenden Jahren schickt sich das Quartett an, die Grundlagen des Heavy Metal zu legen. Es gibt kaum jemanden in der Welt der Krachmusik, der nicht von ihnen beeinflusst wurde: Ob Hard Rock, Heavy, Stoner, Thrash, Black, Death, Doom Metal – überall steckt die DNA der „Sabb Four“ drin. (Himmel, sogar Cindy & Bert haben Paranoid gecovert.) Und nicht wenige Leute behaupten, dass Tony Iommi eigentlich schon alle guten Riffs geschrieben hat. Ozzy sollte man dabei musikalisch nicht unterschätzen: Zwar spielt er kein ein Instrument und hat auch kaum Texte verfasst, aber von ihm stammen die Melodien. Ozzy gab den Sabbath-Songs die Seele, er war die Stimme, mit der sich Millionen Außenseiter, Freaks und Ausflipper identifizieren konnten.



Das erste Album Black Sabbath erscheint am 13. Februar 1970, natürlich an einem Freitag. Der Titelsong definiert tonal ein ganzes Genre, hier gibt’s vor allem den Tritonus, das Teufelsintervall. Paranoid kommt ein halbes Jahr später, das Album und der gleichnamige Song werden zu Hits, Ozzy zum Popstar. Das kostet er aus: Drogen, Mädels, Vollalarm, und immer einen Drink am langen Arm. Nach eigenen Aussagen kommt er 1971 in Denver dank Mountain-Gitarrist Leslie West zum ersten Mal mit Kokain in Berührung. „Die Welt wurde etwas unscharf ab diesem Zeitpunkt“, sagt er selbst.

Gleichzeitig gründet er eine Familie: 1971 findet die Hochzeit mit Thelma statt, bald darauf kommen Jessica und Louis zur Welt, zudem adoptiert Ozzy Thelmas Sohn Elliot. Leider geht das nicht gut, denn als erfolgreicher Musiker ist der junge Vater viel zu oft unterwegs, als Partytier viel zu oft blau.

Spätestens bei Vol. 4 (1972) nehmen die Drogen dann überhand. Keiner der vier Black Sabbath-Musiker ist ein Heiliger, aber der Sänger treibt es immer noch ein bisschen wilder. 1978 steigt er mal für drei Monate aus, kehrt aber zurück, doch es läuft längst nicht mehr alles rund in Riffhausen: Statt neuer Songs gibt es Streit, was schließlich dazu führt, dass Ozzy am 27. April 1979 endgültig rausfliegt. Frustriert verbarrikadiert er sich im Le Parc Hotel in Los Angeles und versumpft vollkommen. „Ich habe 96.000 Pfund Abfindung bekommen“, erzählt er später, „also habe ich drei Monate lang gekokst und gesoffen. Ich war mir sicher, dass ich demnächst zurück in Birmingham und arbeitslos sein werde. Das sollte meine letzte Party sein.“ Ozzy ist da 30 Jahre alt.



Allerdings gibt es bereits einen Plattenvertrag als Solokünstler mit dem ehemaligen Sabbath-Manager Don Arden, der seine Tochter Sharon nach Kalifornien schickt, um nach dem Rechten zu sehen. Die beiden kennen sich schon länger, bei einem der ersten Zusammentreffen in einem Büro trägt Ozzy angeblich eine Pyjamahose, kein Shirt und einen Wasserhahn an einer Kette um den Hals. In seiner düsteren Phase erweist sich Sharon als Rettung und sorgt dafür, dass Ozzy seine Karriere wieder in Angriff nimmt. Mehr noch: Die beiden verlieben sich, am 4. Juli 1982 heiraten sie auf Maui. (Ozzy erzählt später, er habe den US-amerikanischen Unabhängigkeitstag gewählt, damit er das Hochzeitsdatum nicht vergisst.) Trotz harter Zeiten sind die beiden heute noch verheiratet und haben drei Kinder namens Aimee, Kelly und Jack.

Die Achtziger

Sharon sorgt dafür, dass der Musiker eine neue Band zusammenstellt und zum Anbruch der Achtziger durchstartet. Dabei beweist unser Mann nicht zum letzten Mal ein geradezu goldenes Händchen für Gitarristen und verpflichtet den außerirdisch talentierten Kalifornier Randy Rhoads von der Band Quiet Riot. Die beiden folgenden Alben Blizzard Of Ozz (1980) und Diary Of A Madman (1981) gehören zur Standardausstattung im Heavy Metal und etablieren Ozzy als Solokünstler.



Aber Ozzy übertreibt es weiter: Im März 1981 soll er bei einem Plattenfirmen-Meeting als große Geste lebende Tauben fliegen lassen. Doch dem Künstler wird langweilig, und die Flasche Brandy auf dem Hinweg hilft nicht. Denn Ozzy zieht die Vögel aus der Tasche und beißt ihnen die Köpfe ab (richtig gelesen). Man darf sich fragen, ob das als „große Geste“ durchgeht, der Zusammenarbeit mit CBS Records tut es jedenfalls gar nicht gut.

Im Januar 1982 wirft ein Fan bei einem Konzert eine Fledermaus auf die Bühne. Der Sänger hält sie für Plastik und beißt ihr ebenfalls den Kopf ab. Er weiß ja jetzt, wie sowas geht. Allerdings beißt das Tier zurück, so dass schmerzhafte Spritzen gegen Tollwut nötig werden. Ozzys Ruf als „Madman“ festigt sich zusehends. Am 18. Februar 1982 pinkelt „Doppel-O“ dann sternhagelvoll gegen das Alamo-Denkmal, was in Texas einem Kapitalverbrechen gleicht. Nach seiner Verhaftung darf er die Stadt San Antonio für ein Jahrzehnt nicht mehr betreten.



Dass er zwei Jahre später auf einer Tour ausgerechnet mit Mötley Crüe einen Wettstreit darüber startet, wer krasser drauf ist, und diesen mit großem Vorsprung gewinnt, dürfte uns nicht mehr überraschen. Der siegreiche Schachzug: Als das Koks ausgeht, zieht Ozzy eine Ameisenstraße in die Nase (Ja, Ameisen. Lebend.). So schreiben es Mötley Crüe in ihrer Bandbio The Dirt, Ozzy selbst weiß das nicht mehr so genau. Wir möchten es nicht ausschließen.

Noch vorher ereignet sich eine Tragödie: Als Randy Rhoads am 19. März 1982 bei einem ebenso dämlichen wie vermeidbaren Flugzeugabsturz ums Leben kommt, trifft das den Sänger hart. Das heißt: Noch mehr Saufen, noch mehr Drogen, noch mehr Chaos. Es dauert, bis unser Mann wieder halbwegs in die Spur kommt, verwunderlicherweise reißt der Reigen an tollen Alben aber nicht ab. Nächste Höhepunkte: Bark At The Moon (1983) und The Ultimate Sin (1986) mit Flitzefinger Jake E. Lee, der dadurch zum international gefeierten Gitarrenstar wird. Ozzy verkauft mittlerweile deutlich mehr Platten als seine alten Kollegen von Black Sabbath, vielleicht auch, weil er sich der MTV-Ära angepasst hat. Das heißt: Unfassbar bunte Klamotten und raumgreifende Föhnfrisuren. Auch die Produktinen klingen ein bisschen nach Plastik, bieten aber tollen Achtziger-Metal.



1987 gelingt noch einen Glücksgriff: Ozzy verpflichtet einen unbekannten Zwanzigjährigen namens Jeffrey Wielandt als neuen Mitmusiker. Heute kennen wir den Mann unter dem Namen Zakk Wylde als einen der besten Rockgitarristen der Welt. Er bleibt seinem Mentor trotz Solokarriere bis heute treu ergeben. (Die ganze Geschichte zu Zakks Einstieg steht hier.) Die erste gemeinsame Show spielen die beiden übrigens im Sommer 1987 in einem der härtesten Gefängnisse Englands. Ozzy nennt den krassen Tag seine „letzte gute Erinnerung an die Achtziger“. Der Wechsel zwischen Besinnung und Entzug auf der einen, Drogen und Wahnsinn auf der anderen Seite gehört weiter zum Tagesgeschäft, wie man 1988 im Film The Decline of Western Civilization Part II: The Metal Years ((LINK)) sehen kann. Darin diktiert er der Regisseurin Penelope Spheeris „Nüchtern sein ist Scheiße!“ ins Mikro. Später stellt sich allerdings heraus, dass die Szenen in der Küche gestellt sind und die Sache mit dem Orangensaft zum Teil sogar gefälscht wurde.



Was nicht heißen soll, dass Ozzy alles im Griff hat, und lustig ist das schon lange nicht mehr. Als er von der Tour zu No Rest For The Wicked zurückgekehrt, die mit der monumentalen Anti-Drogen(!)-Veranstaltung Moscow Music Peace Festival endet, will er am 2. September 1989 im Suff seine Frau Sharon umbringen. Die berichtet: „Irgendwann hat sich Ozzy in Unterhose zu mir aufs Sofa gesetzt und erklärt: ‚Wir haben uns entschieden. Es tut uns leid, aber du musst sterben. Es gibt keine andere Möglichkeit.‘ Ich habe ihm natürlich gesagt, er solle die Fresse halten und sich verpissen – aber er ist auf mich gesprungen und hat die Hände um meinen Hals gelegt.“ Ozzy landet daraufhin im Knast und ohne Umschweife in einer längeren Entziehungskur – nicht die erste, nicht die letzte. Seine Frau trennt sich von ihm, doch die beiden finden wieder zusammen.

Die Neunziger

So geht es nicht weiter. Als Ozzy 1991 No More Tears rausbringt, wirkt er wie runderneuert: Sportlich fit, mit wallendem Langhaar und Lennon-Brille. Vor allem aber zieht er musikalisch alle Register und verkauft Millionen der hier ausdrücklich empfohlenen Platte, für die sein Kumpel Lemmy Kilmister von Motörhead einige Texte beigesteuert hatte. Mit der zugehörigen No More Tours-Tour will er sich zur Ruhe setzen, bei einer Show in Costa Mesa bittet er sogar für ein paar Songs seine alten Black Sabbath-Kollegen auf die Bühne. Doch mit dem Ruhestand wird es nichts, 1995 folgt die Retirement Sucks-Tour.



In den Neunzigern geht es allgemein für die klassische Rockmusik drunter und drüber, auch um Ozzy wird es ruhig, was neue Alben anbelangt. Dafür startet ab 1996 die Festivalreihe Ozzfest durch, die seine Frau Sharon und Sohn Jack ins Leben gerufen haben, und die den gesundheitlich angeschlagenen Familienvater einem neuen Publikum näher bringt. 1997 kommt es sogar zu einer Reunion von Black Sabbath (minus Bill Ward).

Die 2000er

Große Wellen über die Musik hinaus schlägt Ozzy Osbourne ab März 2002 mit der Reality-TV-Serie The Osbournes, die das häusliche Leben seiner Familie zeigt. Innerhalb von drei Jahren erlangt Ozzy so eine traurige Berühmtheit, denn er wirkt wie ein taumelnder Tattergreis mit Tattoos und Sprachstörungen. Später stellt sich raus, dass Ozzy während der meisten Drehtage völlig „drauf“ war.



Musikalisch lässt er es langsam angehen, es erscheinen nur Cover- und Livealben. Das Touren kann er trotzdem nicht sein lassen. In den Schlagzeilen taucht er weiter auf: 2003 kommt Ozzy bei einem Unfall mit einem Quad-Bike fast ums Leben, 2004 wird er zum Botschafter für Alien-Besucher gewählt und erhält seine eigene Eiscreme. 2009 schließlich erscheint die Autobiografie I Am Ozzy. Dass es noch genügend Material für ein zweites Buch geben soll, glauben wir gerne.

Weil selbst ein „Madman“ mal älter wird, bekommt der Sänger seine Suchtprobleme immer mehr in den Griff. Die Familie spielt eine größere Rolle, vielleicht haben sich seine grundsätzlichen Unsicherheiten auch gelegt, jedenfalls erweist sich der ehemalige „Prince Of Darkness“ in Interviews als lustiger, latent verwirrter Mensch mit großem Herzen. Wie er seinen Lebensstil mehrere Dekaden durchhalten konnte, wundert ihn selbst wohl am meisten.



Von Black Sabbath erscheint 2013 sogar ein neues Album namens 13, im Jahr 2016 startet die Band eine letzte Welttour und löst sich nach einem Abschiedskonzert am 4. Februar 2017 in Birmingham auf. Im Februar 2018 schließlich kündigt Ozzy seinerseits eine finale Rundreise an und spielt 2018 in Deutschland. Dass er so etwas schon mal vorhatte, scheint ihm bewusst zu sein, denn der Trek heißt nicht ganz unironisch: No More Tours 2

Es wird der Tag kommen, an dem sich Ozzy Osbourne tatsächlich zur Ruhe setzt. Im Rock’n’Roll wird dann etwas fehlen. Wir sagen bis dahin schon mal: Happy Birthday, Ozzy!



Headerbild Credit: Promo/Neil Preston


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