Zeitsprung: Am 3.3.2009 werden die Beatles Studienfach an der Universität Liverpool.

February 28, 2019
in Category: Popkultur



Zeitsprung: Am 3.3.2009 werden die Beatles Studienfach an der Universität Liverpool.

Zeitsprung: Am 3.3.2009 werden die Beatles Studienfach an der Universität Liverpool.

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 3.3.2009.

von Christof Leim und Ann G. Jung

Natürlich verfolgen Beatles-Fans schon seit Jahrzehnten jeden Schritt ihrer Idole. Doch im März 2009 kündigt die Hope University von Liverpool an, ab dem folgenden September einen neuen Studiengang mit Master-Abschluss anzubieten: „Beatles-Kunde“. Wenn euch Mama, Papa oder Partner also das nächste Mal fragen, warum ihr euch so viel mit Musikgeschichte(n) beschäftigt, könnt ihr einfach sagen: „Fortbildung“.


Hört hier in alle Nummer-eins-Erfolge der Beatles rein:

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„Mehr als 8000 Bücher wurden über die Beatles geschrieben, doch eine akademische Herangehensweise gab es zur Band nie“, erklärt Kursleiter Dr. Mike Brocken in einem Interview. „Die Beatles haben so viele Aspekte unserer Gesellschaft beeinflusst, und nicht nur mit ihrer Musik, sondern auch mit ihrer Kleidung. Ihr Veröffentlichungen decken ein breites Spektrum um, vom Schwarzweiß-Film A Hard Day’s Night bis zu Strawberry Fields Forever, zu dem vermutlich das erste Popvideo überhaupt gedreht wurde. Dieser Studiengang ist definitiv der erste in unserem Land, in dem es um die Beatles geht, vermutlich sogar weltweit.“ Und wo könnte man solcherlei besser lehren als in der Heimatstadt von John, Paul, George und Ringo?

Studenten der Lehrveranstaltung „Die Beatles, Populärmusik und Gesellschaft“ beschäftigen sich laut Universität mit der Nachkriegs-Musikindustrie, Subkulturen und der Bedeutung von Authentizität und Loyalität. Es geht zum einen darum, neue Wege zu finden, Populärmusik im Allgemeinen zu studieren, zum anderen, Klang und Kompositionen der Beatles zu untersuchen und herauszufinden, welchen Einfluss etwa das Leben im Liverpool der Dreißiger auf die Veränderung der Musik hatte. Das Fach kann damals als Neben- oder Hauptfach studiert werden, besteht aus vier Modulen von je zwölf Wochen und einer abschließenden Dissertation. Das hat es in der Tat noch nie gegeben, sogar Nachrichtensendungen berichten damals über das Traumstudium aller Fans. Laut der Kursleitung melden sich schon kurz nach Bekanntgabe Bewerber aus England und sogar den USA. (Die Verkündung der Universität lässt sich nicht mehr finden, britische Medien berichten aber vermutlich noch am gleichen Tag darüber, die altehrwürdige BBC etwa schon am 3. März 2009. Das soll uns als Startdatum für unseren Zeitsprung reichen.)



Natürlich stellt sich die Frage, was Studenten mit einem Abschluss in Beatles-Kunde beruflich machen können. Der neue fünfte Beatle werden? Eine eigene Band gründen? Das Beatles-Museum leiten? Oder was wirklich bedeutsam wäre: Noch kompetenter an den Tresen der Welt mit anderen Fans über Musiker, Songs und Platten debattieren? Eine direkte Antwort darauf hat Mike Brocken auch nicht. „Meiner Meinung nach erwirbt jeder, der einen Uniabschluss macht, besondere Lern- und Recherchefähigkeiten. Master-Absolventen sind gute Mitarbeiter. Und wenn man einen Master in einem Fach gemacht hat, hebt man sich von der Masse ab.“ Wenn man allerdings kein Stipendium oder viel Taschengeld hat und nicht zufällig eine wahnsinnig seltene Quarrymen-Erstpressung zu verkaufen hat, wird es nicht ganz einfach, „Master Of Beatles“ zu werden. Laut The Guardian kostet ein Semester in vergleichbaren geisteswissenschaftlichen Kursen an der Hochschule damals umgerechnet fast 4.000 Euro.

Wirklich überzeugend klingt der akademische Nutzen zwar nicht, trotzdem finden sich zwölf Hauptfachstudenten für den ersten Jahrgang, die fortan Eight Days A Week studieren. Mary-Lu Zahalan-Kennedy aus Kanada gehört dazu und geht zwei Jahre später als erste Beatles-Absolventin in die Geschichte ein. „Das war auf jeden Fall akademisch“, erklärt sie gegenüber der BBC, „eine Untersuchung, wie die Beatles entstanden sind und welches politische und soziale Klima damals herrscht. Ich bin sehr stolz“, sagt sie zu BBC. „Der Studiengang war eine echte Herausforderung, aber auch schön. Er hat mir einen Einblick gegeben, welchen Einfluss die Beatles hatten und noch immer auf alle Lebenslagen haben.“

Wer jetzt alles hinschmeißen und nach Liverpool ziehen will, um Chefnerd in Sachen "Fab Four" zu werden: Vorsicht. Auf der Webseite der Hope University lassen sich eine Dekade später keine Hinweise mehr auf diesen Kurs finden, also gehen wir davon aus, dass „Beatles-Kunde“ dort nicht mehr gelehrt wird. Schade eigentlich. Musikfans wie wir wissen nämlich, dass das ganz, ganz wichtige Themen sind. Keine Frage, oder?


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