Zeitsprung: Am 6.12.1988 filmen Metallica ihren ersten Videoclip: “One”

December 6, 2017
in Category: Popkultur



Zeitsprung: Am 6.12.1988 filmen Metallica ihren ersten Videoclip: “One”

Zeitsprung: Am 6.12.1988 filmen Metallica ihren ersten Videoclip: “One”

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 6.12.1988.

von Christof Leim

Jahrelang wollten sie um Satans Willen nichts damit zu tun haben, am 6. Dezember 1988 passiert es doch: Metallica drehen zu One ihren ersten Videoclip.



Der Song stammt von ihrem 1988er-Album …And Justice For All und beschreibt die Hölle eines Soldaten, der im ersten Weltkrieg beide Arme, beide Beine und sein Augenlicht verliert und nicht mehr sprechen, hören oder riechen kann. Krasser Stoff.

Wenn das Video allerdings eine Anbiederung an die knallbunten MTV-Filmchen der Zeit werden soll, dann haben Metallica und Regisseur Michael Salomon einen verdammt schlechten Job gemacht: Der fast ausschließlich in schwarzweiß gehaltene Clip zeigt die Band in einer Lagerhalle, wie sie im Kreis um Lars Ulrichs Drumkit stehend den Song spielt. Das wirkt düster und beklemmend, und die reingeschnittenen Szenen aus dem Antikriegsfilm Johnny Got His Gun (1971) heben auch nicht gerade die Stimmung. Der Streifen mit Jason Robards in der Hauptrolle erzählt die gleiche Geschichte, basierend auf dem Buch von Dalton Trumbo aus dem Jahr 1939.

Man sieht die missliche Lage des Soldaten, hört seine verzweifelten Gedanken und durchlebt seine Erinnerungen. Er versucht schließlich, über Kopfnicken und Morsezeichen mit den Ärzten und Pflegern zu kommunizieren – und sie dazu zu bewegen, ihn zu töten. Man hört Sätze wie: „He said: Kill me. Over and over again. Kill me.“ Noch mehr krasser Stoff also.



Die Idee zum Clip und zur Einbindung von Johnny Got His Gun hatten die Manager der Band den Musikern im Oktober 1988 in Paris präsentiert. Metallica waren sofort begeistert. Wie Lars Ulrich später gegenüber Pitchfork zu Protokoll gibt, geht es nicht mehr um die lästige Quasipflicht, ein Video zu einer Single zu drehen, sondern schlicht um eine coole Idee, die zum Song passt.

Der Dreh findet am 6. Dezember 1988 im kalifornischen Long Beach statt. “Wir sind zur Lagerhalle gefahren und haben 20 Mal den Song gespielt. Das war’s im Wesentlichen”, erzählt der Drummer. Mehr Arbeit hat Regisseur Salomon, der den fast zweistündigen Film in ein siebeneinhalb Minuten langes Musikvideo packen muss. Schlimmer noch: Es stellt sich als schwierig heraus, eine vernünftige Kopie ohne Untertitel zu bekommen. Irgendwo in Italien wird er fündig, muss aber Abstriche bei der Qualität machen. Später kaufen Metallica die Rechte am Streifen, um nicht Lizenzgebühren zahlen zu müssen.

Drei Versionen von One entstehen: Der volle Clip mit Band und Film, eine gekürzte Variante davon und eine „Jammin’ Version“, in der nur Metallica zu sehen sind. Erstere und letztere erscheinen im Sommer 1990 auf VHS als 2 Of One.



Im Januar 1989 läuft der Clip dann zum ersten Mal auf MTV. Niemand weiß, ob sich irgendwer dafür interessieren wird. Doch umgehend laufen die Leitungen des Senders heiß. Aus dem Stand wird One zum meistgeforderten Video in der wichtigen Hörerwunsch-Sendung Dial MTV und rotiert fortan im Tagesprogramm.

Ihre Abneigung gegen Videoclips haben Metallica also aufgegeben, ihren Stil aber haben sie keinen Millimeter an die Gepflogenheiten der MTV-Welt angepasst. Trotzdem – oder gerade deshalb – bringt One die Band ein gutes Stück weiter auf dem Weg zur Metal-Weltherrschaft.


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