Zeitsprung: Am 7.7.1977 veröffentlichen Rainbow das Live-Meisterwerk “On Stage”.

July 5, 2018
in Category: Popkultur



Zeitsprung: Am 7.7.1977 veröffentlichen Rainbow das Live-Meisterwerk “On Stage”.

Zeitsprung: Am 7.7.1977 veröffentlichen Rainbow das Live-Meisterwerk “On Stage”.

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 7.6.1977.

von Christof Leim und Tom Küppers

Die meisten Musiker haben in ihrer Karriere genau einmal das Glück, auf kongeniale Partner zu treffen und etwas Einzigartiges zu erschaffen. Ritchie Blackmore glückt das gleich mehrfach. Blicken wir zurück: Als Gitarrist von Deep Purple steigt er zu Weltruhm auf und schreibt sogar das Riff aller Rockriffs. Wir sagen nur: Smoke On The Water. Doch die Beziehung zwischen dem „Man in Black“ und seinen Mitmusikern erweist sich – freundlich formuliert – als turbulent. Trotz aller Erfolge verhärten sich die Fronten Mitte der Siebziger so sehr, dass sich die Band weigert, eine seiner neuen Ideen namens Sixteenth Century Greensleeves aufzunehmen.


Hier könnt in On Stage reinhören:

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Da erinnert sich Blackmore an einen gewissen Ronnie James Dio, dessen Stimme vorzüglich mit diesem neuen Material harmonieren könnte. Kurzerhand lädt er den Amerikaner samt seiner Band Elf ins Studio ein. Die Resultate gefallen Ritchie so gut, dass er beschließt, Deep Purple endgültig den Rücken zu kehren und unter dem Banner Ritchie Blackmore’s Rainbow weiter zu machen. Das gleichnamige Debüt erscheint im August 1975..

Für die folgenden Auftritte tauscht Blackmore mit Ausnahme von Dio die Musiker aus und rekrutiert eine Band aus den erfahrenen Recken wie Bassist Jimmy Bain, Schlagzeuger Cozy Powell und Keyboarder Tony Carey. (Der sollte übrigens knapp eine Dekade später mit Peter Maffay in Deutschland für Furore sorgen. Aber das ist mal wieder eine andere Geschichte.)

Rainbow im Line-up Bain, Powell, Dio, Blackmore, Carey (v.l)

Im November 1975 geht es auf Tour, kurz danach erscheint das zweite Album Rising unter dem gekürzten Namen Rainbow, bevor es wieder zurück auf die Straße geht. Die Rising-Shows geraten spektakulär, nicht nur wegen des gigantischen und von tausenden Glühbirnen beleuchteten Regenbogens auf der Bühne. Musikalisch lassen Rainbow Abend für Abend die Funken fliegen, wie sich Carey in der Blackmore-Biografie Black Knight von Jerry Bloom erinnert: „Abgesehen von er Struktur und dem Ende haben wir nichts großartig ausgearbeitet. Es war sehr frei, wirklich progressiver Rock“.


 


Glücklicherweise schneidet die Truppe gleiche mehrere Auftritte dieser Ära in Deutschland und Japan mit, aus denen dann On Stage gebaut wird. Was man durchaus wörtlich nehmen kann, denn Produzent Martin Birch (Deep Purple, Iron Maiden) setzt zweimal sogar Aufnahmen aus unterschiedlichen Städten zusammen, um die optimale Version eines Songs zu erreichen. Das Intro des Openers Kill The King stammt beispielsweise vom Konzert in Nürnberg am 28. September 1976, der Rest des Songs von der Show in München einen Tag später. Bei ihren Improvisationen halten sich die fünf Musiker nicht im Geringsten zurück: Das Purple-Cover Mistreated geht beispielsweise über 13 Minuten, Catch The Rainbow dauert sogar länger als eine Viertelstunde und füllt so eine ganze Plattenseite. Deshalb bildet On Stage nicht die Original-Setlist ab, denn Birch und Blackmore müssen puzzlen, um trotz der Spielzeitbegrenzung von Vinylpressungen die optimale Soundqualität zu behalten.

Ronnie James Dio und Ritchie Blackmore auf der Bühne 1977. Credit: Helge Øverås

Als On Stage am 7. Juli 1977 in den Läden steht, wird es zu einem veritablen Verkaufsschlager, der heute als Zeitdokument einer großen Hard Rock-Ära gilt. In Großbritannien erreicht die Scheibe den siebten Platz der Charts, in Deutschland immerhin Rang 28. Als Single wird Kill The King ausgewählt (Platz 44), das es vorher noch nicht auf Tonträger gegeben hatte. Eine Studioversion folgt erst ein Jahr später auf Long Live Rock’n’Roll, mit dem Dio und Blackmore noch einen weiteren Hard Rock-Meilenstein schaffen. Gegen Ende der Dekade allerdings trennen sich ihre Wege.

On Stage wurde vor einigen Jahren übrigens als Deluxe-Version neu aufgelegt. Wobei manche Fans ja den 1991 erst veröffentlichten Mitschnitt Live In Germany 1976 präferieren, weil hier der Konzertablauf in ungeschnittener Form zu finden ist. Solange man jedoch gewillt ist, den musikalischen Ausflügen und Improvisationen der Akteure zu folgen, dann sind beide Scheiben immer wieder hörenswert.


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