Zeitsprung: Am 7.8.1958 schreit Bruce Dickinson von Iron Maiden zum ersten Mal los.

August 7, 2018
in Category: Popkultur



Zeitsprung: Am 7.8.1958 schreit Bruce Dickinson von Iron Maiden zum ersten Mal los.

Zeitsprung: Am 7.8.1958 schreit Bruce Dickinson von Iron Maiden zum ersten Mal los.

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 7.8.1958.

von Christof Leim

Bruce Dickinson ist ein Phänomen: Als Sänger der mächtigen Iron Maiden gehört er zu den ganz Großen, daneben brilliert er als Solokünstler, Pilot, Fechter, Buchautor, Bierbrauer, Radiomoderator, Geschäftsmann und Filmemacher. Wie genau man das alles in einem Leben unterkriegt, wissen wir nicht, aber zu seinem Geburtstag versuchen wir uns an einem Überblick.


Hört hier in die besten Iron Maiden-Songs rein:

Klickt auf „Listen“ für die ganze Playlist.

Paul Bruce Dickinson kommt am 7. August 1958 in Worksop, Nottinghamshire zur Welt. Zunächst ziehen ihn Oma und Opa auf, ab seinem sechsten Lebensjahr lebt er wieder bei seinen noch jungen Eltern in Sheffield. Kurz vorher wird seine jüngere Schwester geboren, die (mittlerweile deutsche) Springreiterin Helena Stormanns, auch bekannt als Helena Weinberg.  Zu den ersten musikalischen Erfahrungen des kleinen Bruce gehört es, zu Chubby Checkers The Twist im Wohnzimmer seiner Großeltern zu tanzen, natürlich haben auch die Beatles einen großen Einfluss, speziell die Single She Loves You.

Während der Schulzeit auf einem Internat in Oundle wecken Deep Purple dann das Interesse des jungen Dickinson an Rockmusik, seine erste selbstgekaufte Platte ist In Rock (1970). Zunächst will er Drummer werden, doch bei einer Probe mit Kumpels stellt sich raus, dass er eine gute Singstimme besitzt. Kurz danach fliegt er vom Internat, weil er dem Direktor ins Essen pinkelt (kein Witz). Also geht es zurück nach Sheffield, und da kann Bruce endlich mal eine richtige Band gründen: Paradox, später umbenannt in Styx. Noch steht die Rockwelt nicht in Flammen, aber immerhin schaffen es die Jungspunde in die Zeitung, weil ein durch den Krach aufgeweckter Schichtarbeiter droht, das Schlagzeug zu zerstören. Nach der Schulzeit mit Abschlüssen in Englisch, Geschichte und Wirtschaft sowie einem sechsmonatigen Abstecher in die Armee schreibt sich Bruce an einer Londoner Universität für Geschichte ein. Sein wahres Interesse gilt allerdings dem Rock’n’Roll.

Die nächste Band-Station heißt Speed (wegen schneller Tempi, nicht wegen Drogen), hier lernt er drei Akkorde auf der Gitarre und beginnt, eigene Songs zu schreiben. Zudem bewirbt er sich bei einer Band namens Shots mit einer Kassettenaufnahme und kommentiert auf einem Zettel: „Wenn euch der Gesang nicht gefällt: Auf die andere Seite habe ich John Cleese aufgenommen.“ Mit Shots nimmt Bruce Dickinson zum ersten Mal einen Song auf, er heißt Dracula. Der nächste Schritt zur Weltherrschaft ist getan. Allerdings fliegt er zu der Zeit fast von der Universität und muss, um seinen Abschluss zu retten, die Hausarbeiten von sechs Monaten in zwei Wochen schreiben. Dekaden später, am 19. Juli 2011, erhält er von der gleichen Lehranstalt die Ehrendoktorwürde für seine Beiträge zur Musik.



Zum ersten Mal professionell wird es erst 1979, als Bruce mit 21 Jahren der Band Samson beitritt. Unter dem, sind wir mal ehrlich, bescheuerten Namen Bruce Bruce nimmt er sein erstes Album auf: Head On (1980). Bei einem Samson-Konzert fällt ihm die Vorgruppe auf, ihr Name: Iron Maiden. Später sagt er dazu: „Sie waren wirklich verdammt gut. Mir war damals schon klar: Eines Tages werde ich in dieser Band singen. Das bin ich, nicht Samson.“ 1981 erscheint aber erstmal ein weiteres Album mit Samson namens Shock Tactics, aber mit der Truppe geht es nicht voran; vor allem die unprofessionelle Arbeitseinstellung stößt dem Sänger auf.

Gleichzeitig werden Iron Maiden immer mehr zum ganz heißen Eisen: Gegründet und bis heute mit eiserner Entschlossenheit geführt von Bassist Steve Harris, hatte die Band am 1. Mai 1976 ihr erstes Konzert gespielt, aber noch ein paar Jahre gebraucht, um das Line-up zu festigen. Doch dann geht es ab: Das Debüt Iron Maiden erscheint 1980, schafft es bis auf Platz vier in Großbritannien und gilt als Meilenstein nicht nur in der „New Wave Of British Heavy Metal“, sondern in der Welt des klassischen Heavy Metal an sich. 1981 folgt Killers, aber gerade als Maiden zur Weltkarriere ansetzen, zeichnen sich Schwierigkeiten mit Sänger Paul Di’Anno ab. Iron Maiden laden Bruce Dickinson deshalb im September 1981 zu einem Vorsingen ein, kurz darauf gehört er zur Band. Der Rest ist Premium-Metal-Geschichte….



Schon im Februar 1982 erscheint mit der Single Run To The Hills das erste Lebenszeichen von Maiden mit ihrem neuen Sänger, das aller Welt sofort klar macht: Hier kommt Großes. Obwohl er nie Unterricht genommen hat, verfügt Dickinson über eine außergewöhnliche Stimme mit klassischem, fast opernhaften Klang und einem Umfang von über vier Oktaven. Ihr durchdringender Ton verschafft dem Sänger zudem den Spitznamen „Air Raid Siren“, also „Luftschutzsirene“. Was wie ein Kompliment klingt, entsprang allerdings der Beschwerde eines Fans.

Die neue Stimme ermöglicht der Band nun ganz anderes Songwriting, zumal Bruce von Anfang an klar macht, dass er kein Mitläufer sein, sondern kreativ beteiligt werden will. Sein Albumeinstand The Number Of The Beast erreicht 1982 prompt die Nummer eins in Großbritannien und gilt bis heute als Heavy Metal-Referenzwerk, das so gut ist, dass Kinder davon in der Schule lernen sollten. Aus vertraglichen Gründen taucht Dickinson in den Credits nicht auf, später lässt er durchblicken, an The Prisoner, Children Of The Damned und Run To The Hills beteiligt gewesen zu sein. Legendär sind die endlos langgezogenen Gesangszeilen am Anfang von Hallowed Be Thy Name und das Intro von The Number Of The Beast, das Bruce auf Anforderung von Produzent Martin Birch so oft singen muss, dass er irgendwann Mobiliar durchs Studio wirft.



Aber die Grundlagen sind gelegt. Ab jetzt macht der Maiden-Zug keine Pause und rollt immer weiter: Album, Welttour, zwei Wochen Pause, wieder von vorne. Und Iron Maiden touren hart, das Arbeitspensum ist beeindruckend, 1983 schon erscheint Piece Of Mind, 1984 Powerslave. Die anschließenden World Slavery-Tour bringt zwar den legendären Konzertmitschnitt Live After Death hervor, der 1985 veröffentlicht wird und wirklich in jeden Metal-Haushalt gehört. Allerdings geraten die Musiker an ihre Grenzen, vor allem Dickinson ist ausgebrannt und fühlt sich nach eigenen Aussagen irgendwann „wie ein Teil der Lichttraverse“. Um nicht völlig durchzudrehen, fängt er mit Fechtsport an. Er trainiert tagsüber in leeren Konzerthallen, besucht Lehrgänge – und macht keine halben Sachen. Irgendwann ist er so gut, dass er professionelle Kämpfe bestreitet und Rang sieben in Großbritannien erreicht. Später gründet er eine Firma für Fechtausrüstung namens Duellist, benannt nach einem Song von Powerslave.



Das nächste Album lässt jedoch nicht lange auf sich warten: Zu Somewhere In Time (1986) steuert unser Mann keine Lieder bei, vor allem, weil seine Idee, jetzt mal eine Akustikplatte zu machen, von der Band rundheraus abgelehnt wird. Also gönnt sich Dickinson eine kreative Pause und erfreut sich daran, „nur der Sänger“ zu sein. Für Seventh Son Of A Seventh Son (1988) sind die Batterien dann wieder aufgeladen (alles dazu hier), und Maiden legen einen vorläufigen Höhepunkt ihrer Karriere hin. Man kann sogar sagen: Bis 1988 haben Iron Maiden nichts falsch gemacht und reihenweise Klassiker rausgehauen, die den Kanon der Headbangerei bis heute definieren. Nach der obligatorischen Tour nimmt sich die Band sogar mal ein Jahr frei.

Mit No Prayer For The Dying geht es 1990 weiter, im gleichen Jahr erscheint Dickinsons erstes Soloalbum Tattooed Millionaire mit dem späteren Maiden-Gitarristen Janick Gers an der Axt. Nach Fear Of The Dark (1992) allerdings folgt der Knall: Bruce Dickinson verlässt die Band. Der Sänger will sich kreativ austoben und hat keine Lust auf Nummer-sicher-Erfolge im immer gleichen Stil. Zudem haben sich die Zeiten im harten Rock geändert, Grunge und Crossover begeistern, und der traditionelle Heavy Metal verliert für eine Weile an Strahlkraft.



Konsequenterweise experimentiert Bruce in seiner Solokarriere mit schrägen Alternative Rock und testet Grenzen aus: 1994 erscheint Balls To Picasso mit Tribe Of Gypsies als Begleitband, auf der Tour spielt er sogar im belagerten Sarajevo. Für Skunkworks (1996) heuert er schließlich Nirvana-Produzent Jack Endino an, doch das Ergebnis „interessiert niemanden“. Vermutlich klingen Accident Of Birth (1997) und The Chemical Wedding (1998) deshalb wieder nach kraftvollem Heavy Metal, und sogar der mittlerweile bei Maiden ausgestiegene Gitarrist Adrian Smith spielt mit.

Doch Musik ist nicht alles: Dickinson macht einen Flugschein und stürzt sich auch hier so sehr rein, dass er irgendwann als Pilot für die kommerzielle Airline Astraeus arbeitet und dicke Boeings durch die Welt fliegt. Er ist es auch, der das legendäre Maiden-Flugzeug Ed Force One steuert. 2011 gründet Dickinson zudem eine Firma für Flugzeugwartung in Wales. Wegen seiner geschäftlichen Aktivitäten wird er regelmäßig weltweit zu Konferenzen vor allem, aber nicht nur zum Thema Luftfahrt eingeladen.

Bruce Dickinson 2008 in Costa Rica. Credit: Adels

Während einer Welttour 1986/1987 beginnt Bruce mit dem Schreiben und verfasst den abgedrehten satirischen Roman The Adventures Of Lord Iffy Boatrace, der sehr an die Werke von Tom Sharpe erinnert. 1992 erscheint der Nachfolger The Missionary Position, auch das Skript zum Film Chemical Wedding (2008) stammt aus der Feder von Bruce Dickinson. Das Schreiben scheint ihm zu gefallen, denn im Oktober 2017 erscheint seine lesenswerte Autobiografie What Does This Button Do?, die er ohne Ghostwriter und handschriftlich (!) verfasst. Und weil das alles nicht reicht, betätigt er sich noch ein paar Jahre (2002-2010) als Radiomoderator bei der BBC. 2013 entwickelt er außerdem mit der Robinsons Brewery in England das Bier Trooper, benannt nach einem ikonischen Maiden-Song von 1983. Auch hieraus entwickelt sich eine Erfolgsgeschichte.

Zu Iron Maiden kehrt Dickinson 1999 zurück, seitdem ist die Band sogar erfolgreicher als während der „goldenen Achtziger“. Es erscheinen regelmäßig weitere Studioalben, die ebenso regelmäßig die Charts in etlichen Ländern anführen, 2005 gibt es ein weiteres Dickinson-Soloalbum namens Tyranny Of Souls. Die Briten touren weiter um die ganze Welt und erweisen sich nach wie vor als Live-Macht. Iron Maiden haben sich ihren Platz als eine der drei wichtigsten Metal-Bands aller Zeiten längst gesichert, die mächtige Stimme Dickinsons lässt sich nicht wegdenken. Eine Ende der Gruppe zeichnet sich nirgends ab, ihr Frontmann scheint ohnehin keine Pausen zu kennen. 2015 übersteht er sogar eine Krebserkrankung.

Wir sehen also: Der Mann ist beschäftigt, vielseitig interessiert und ruht sich in keiner Nische, schon gar nicht auf dem Status eines Rockstars aus. Irgendwer hat mal gesagt: „Womöglich will er auch noch Papst werden.“ Verheiratet und Vater dreier Kinder ist er außerdem. Wo der Mann die Zeit hernimmt oder ob er in einem physikalisch anders gearteten Eigenuniversum lebt, würden wir sehr gerne wissen. Bis wir das rausfinden, sagen wir einfach: „Alles Gute zum Geburtstag!“ und „Up the irons!“



Header-Bild von Steve Thorne/Redferns

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