Zeitsprung: Am 15.3.1993 veröffentlichen zwei Legenden „Coverdale/Page“.

March 14, 2018
in Category: Popkultur



Zeitsprung: Am 15.3.1993 veröffentlichen zwei Legenden „Coverdale/Page“.

Zeitsprung: Am 15.3.1993 veröffentlichen zwei Legenden „Coverdale/Page“.

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 15.3.1993.

von Christof Leim

Anfang der Neunziger tun sich zwei Legenden zusammen, die, wenn man so will, gerade nicht viel anderes zu tun haben: Led Zeppelin-Gitarrenmagier Jimmy Page und Whitesnake-Sangesgott David Coverdale. Das gemeinsame Album Coverdale/Page erscheint am 15. März 1993 und vereint gekonnt die musikalische DNA der beiden Engländer. Leider sollte dies die einzige Zusammenarbeit bleiben.


Hört euch einen Vorgeschmack der Kooperation hier an und lest weiter, über den "Listen"-Button kommt ihr zum ganzen Album:


Nach Ende der mächtigen Led Zeppelin 1980 läuft die Solokarriere von Jimmy Page eine Dekade lang in verschiedene Richtungen: Unter dem Namen The Firm nimmt er zwei Platten mit Sänger Paul Rodgers (Free, Bad Company) auf, 1988 erscheint sein einziges offizielles Soloalbum The Outrider. An die Bedeutung und Größe von Led Zeppelin kann der Gitarrist erwartungsgemäß damit nicht anknüpfen. David Coverdale gilt mit Whitesnake in der zweiten Hälfte der Achtziger zwar als ganz heiße Ware, nicht zuletzt wegen der Millionenseller 1987 und Slip Of The Tongue, doch mit dem Beginn der Dekade löst der Sänger die Band auf. Als Grund führt er unter anderem seine Frustration darüber an, dass „Videos, Presse und Make-up wichtiger zu sein scheinen als Singen und Songwriting“. Wenn man sich die bis zu den Sternen toupierten Frisuren in den Videos auf den Backcover-Fotos der (nichtsdestotrotz großartigen) Platten anguckt, dann weiß man, was der Mann meint.

David Coverdale und Jimmy Page auf dem Promofoto von 1993

Auf einen Vorschlag des A&R-Gurus John Kalodner hin, denken die beiden Rockstars über gemeinsames Songwriting nach. Ein erstes Treffen zeigt, dass die persönliche Chemie stimmt, musikalisch läuft es wie von selbst. Coverdale erzählt dem Magazin Jam, das die beiden sich 50 bis 60 Songs aus dem Ärmel schütteln. Ein gutes Dutzend nehmen sie dann Ende 1991 und 1992 in mehreren Top-Studios auf: Little Mountain Sound in Vancouver, Criteria Studios in Miami, Granny’s House in Reno und sogar im legendären Abbey Road in London. Die Produktion übernehmen Page und Coverdale gemeinsam mit dem Kanadier Mike Fraser.

Leider dauert es noch über ein Jahr, bis Coverdale/Page am 15. März 1993 schließlich in den Läden steht. Die Scheibe beginnt mit Shake My Tree, das auf einem markanten Akustiklick basiert, das Page schon für das finale Led Zeppelin-Album In Through The Out Door (1979) verwenden wollte. „Außer John Bonham konnte keiner etwas damit anfangen, also habe ich das Riff erstmal zu den Akten gelegt. Als ich es für dieses Projekt wieder ausgegraben habe, hat David sich gleich draufgestürzt.“



Die elf veröffentlichten Stücke basieren auf dem klassischen Hard Rock und Blues, der die Karrieren von Led Zeppelin und Whitesnake befeuert hatte. Vor allem die Drums von Denny Carmassi (Montrose, Sammy Hagar, auch mal Whitesnake) klingen so laut und mächtig, wie Page es schätzt. Die oft vertrackte Start-Stop-Rhythmik lässt jedoch viel mehr von Led Zeppelin durchblicken, weniger von der Party-Hardrock-Geradlinigkeit von Whitesnake. Vor allem aber zelebrieren die beiden auf der Platte die Kunst der Dynamik, das Wechselspiel aus Licht und Schatten mit kunstvoll orchestrierten Klangwänden aus E-Gitarre und Akustikgeplänkel. Coverdale klingt dazu rauchig und seelenvoll wie selten. Ja, die beiden Herren von damals Mitte/Ende Vierzig verstehen ihr Handwerk.



Als erste von fünf (!) Singles wird der Rocker Pride & Joy ausgekoppelt, gefolgt von Skake My Tree, der tollen epischen Ballade Take Me For A Little While, dem gefälligen Take A Look At Yourself und dem stampfenden Over Now, das durchaus an Kashmir denken lässt. Und auch die testosterongesteuerte Gockelei der Achtziger schlägt im Chorus von Feeling Hot durch: „Women to the left, women to the right, the boys are feeling hot tonight“. Die Oh-oh-Chöre dazu kommen ziemlich eindeutig aus der Whitesnake-Ecke. Macht Spaß, und das gilt für alle elf Songs. Mittlerweile finden sich sogar zwei unveröffentlichte Tracks im Netz: Saccharin und Good Love.



Nach Erscheinen zieren die Herren etliche Titelbilder der Musikpresse, das Album erreicht Platz vier in Großbritannien, fünf in den USA und Platz 27 in Deutschland – und das, obwohl die Rockwelt gerade kollektiv Richtung Alternative umschwenkt und von Classic Rock-Großmeistern nichts mehr wissen will. Alles in allem erweist sich Coverdale/Page als objektiv sehr gute Arbeit, die auf Dauer jedoch nicht in die Ruhmeshalle der Rockmusik aufgenommen wird.

Die beiden Rocklegenden auf dem Cover von Guitar World

Das könnte auch daran liegen, dass eine geplante Welttournee ins Wasser fällt und sich auf ein paar Shows in Japan beschränkt. Aufnahmen davon finden sich im Netz und sind für Fans durchaus interessant, denn hier singt Coverdale Zeppelin-Klassiker, Page spielt Gitarre bei Whitesnake-Gassenhauern wie Still Of The Night. Das ganze Konzert gibt es hier. Es finden sich auch ein paar coole Mitschnitte von den Proben damals, etwa eine Jamsession zu In My Time Of Dying. Doch die Zusammenarbeit der beiden Musiker läuft mit dem Projekt aus: Coverdale reformiert Whitesnake, und Jimmy Page kommt schließlich für eine Weile wieder mit Led Zeppelin-Sänger Robert Plant zusammen. (Interessanterweise fand der das Coverdale/Page-Projekt von vorne herein doof und spottete über „David Cover-Version“).



Heute touren Whitesnake weiter um die Welt, während Page sich zwar mit dem Led Zeppelin-Katalog beschäftigt, aber trotz diverser Ankündigungen kein neues Material veröffentlicht. Coverdale erklärte dazu in einem Interview: „Wenn Jimmy mich fragt, ob ich mit ihm an einem Soloalbum oder sonstwas arbeiten will, wäre ich sofort zu Stelle. Ich halte große Stücke auf den Mann und wünsche ihm alles Gute. Es gab keinen Bullshit, so wie wir zusammengearbeitet haben. Ich wollte damals zeigen, dass ich noch aktiv und am Leben bin, und was das angeht, war die Platte ein totaler Erfolg.“



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