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Popkultur

Zeitsprung: Am 21.3.1994 bekommt Bruce Springsteen einen Oscar.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 21.3.1994.

von Christof Leim und Timon Menge

Zahlreiche Rocker haben bereits Filmmusik geschrieben: Paul McCartney mit Live And Let Die zum Beispiel, Phil Collins für Against All Odds, Jon Bon Jovi bei Young Guns II oder U2 in Gangs Of New York. Doch die wenigsten werden anschließend mit einem Oscar für den besten Song ausgezeichnet. Bruce Springsteen gelingt am 21. März 1994 genau das — mit Streets Of Philadelphia.


Hört hier in die Filmmusik von Philadelphia rein:

Klickt auf „Listen“ für den gesamten Soundtrack.

Der 1993 erschiene Film Philadelphia von Regisseur Jonathan Demme zählt zu den ersten Hollywood-Streifen, die sich mit den Themen HIV/Aids, Homosexualität und der damit einhergehenden Diskriminierung auseinandersetzen. Zu Beginn der Neunziger ist das Wissen um die oftmals tödliche Erkrankung noch lange nicht in der Mitte der Gesellschaft angekommen, Demme und Drehbuchautor Ron Nyswaner möchten das ändern.

Die Handlung: Der hoffnungsvolle Nachwuchsanwalt Andrew Beckett (gespielt von Tom Hanks) leidet an Aids. Um seiner Karriere nicht zu schaden, hält er die Erkrankung geheim. Als seine Arbeitgeber einen prestigeträchtigen Fall an Land ziehen, setzen die Chefs der Kanzlei Beckett darauf an. Während des folgenden Meetings stellt einer der Partner eine Verletzung an der Stirn des jungen Juristen fest, kurze Zeit später wird er unter einem Vorwand entlassen. Beckett hingegen weiß, dass er nur aufgrund seiner Erkrankung gefeuert wurde und zieht gemeinsam mit Anwalt Joe Miller (Denzel Washington) vor Gericht.



Der Streifen gilt als Tom Hanks’ Durchbruch, für die Darstellung des Andrew Beckett kassiert er seinen ersten Oscar als bester Hauptdarsteller. Jedoch: Für einen tollen Film braucht es nicht nur starke Schauspieler, sondern auch packende Musik. Deshalb sucht Regisseur Demme für den Job niemand Geringeren aus als Bruce Springsteen. Der wiederum liefert mit Streets Of Philadelphia einen Gänsehaut-Song sondergleichen. Demme hofft aber auch, durch die Strahlkraft des Sängers mehr Zuschauer ins Kino locken zu können. Die Idee erweist sich wenig überraschend als voller Erfolg: Bis heute spielt Philadelphia über 206 Millionen US-Dollar ein. Auf der Liste der erfolgreichsten Filme des Jahres 1993 steht er an zwölfter Stelle.



Das Songwriting gestaltet sich für Springsteen schwieriger als zunächst gedacht. Zu jener Zeit hat er zwei wenig erfolgreiche Alben im Rücken (Human Touch und Lucky Town von 1992). „Ich habe mein kleines Studio verkabelt und einen Tag lang versucht, mir etwas einfallen zu lassen“, erzählt Springsteen in einem Interview. „Mir fiel aber absolut nichts ein.“ Erst als Regisseur Demme dem Boss die Anfangsszene schickt, klickt es, wenn auch holprig. „Ich hatte ein paar Textzeilen“, offenbart er beim Tribeca Filmfestival. „Plötzlich kam ich auf den minimalistischen Beat und die Melodie. Ich war mir sicher, dass Jonathan etwas anderes suchte, habe es ihm aber trotzdem geschickt. Er fand den Song toll, und das war’s. Das Ganze hat zwei Tage gedauert.“



Für das Musikvideo zu Streets Of Philadelphia setzt sich Jonathan Demme gleich noch einmal auf den Regiestuhl, und zwar gemeinsam mit seinem nicht minder begabten Neffen Ted (Blow). Im Clip läuft Bruce Springsteen durch trostlose Straßen; zwischendurch werden Filmszenen eingeblendet. Die Besonderheit: Springsteen bewegt nicht etwa bloß die Lippen, wie es in Musikvideos üblich ist, sondern singt den Song während des Drehs tatsächlich noch einmal, um die Emotionen besser rüberbringen zu können. Wer genau hinhört, merkt das deutlich. Die technische Lösung: ein verstecktes Mikrofon. (Ein Hinweis für Springsteen-Fans: Die gleiche Methode verwendet der Boss 2002 für sein Video zu Lonesome Day.)

Auch über diesen Beitrag hinaus kann sich der Platin-Soundtrack sehen bzw. hören lassen. So steuert zum Beispiel Folklegende Neil Young einen Song bei, auch Peter Gabriel ist vertreten. Young erhält sogar ebenfalls eine Oscar-Nominierung, muss sich aber mit dem dritten Platz begnügen. Kein Problem, denn der Boss verspricht bei der Preisverleihung noch auf der Bühne: „Den hier teilen wir uns, Neil!“ Als wäre ein Oscar nicht genug, sahnt Springsteen zusätzlich vier Grammys sowie den MTV Video Music Award für das beste Video aus einem Film ab.



Das Lied bereichert Philadelphia nicht nur um eine Sternstunde der US-amerikanischen Musikgeschichte; es funktioniert auch als Single. In den USA steigt Streets Of Philadelphia auf Platz neun der Billboard-Charts ein, in Deutschland gelingt sogar Platz eins. Live spielt unser Mann das Lied allerdings kaum. Das verwundert nicht: Gänsehautgarantie gibt es wohl nur im Filmkontext.


Titelfoto: Screenshot YouTube

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