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Popkultur

Zeitsprung: Am 23.5.1979 geht Tom Petty pleite — absichtlich.

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Tom Petty

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 23.5.1979.

von Christof Leim und Timon Menge

Ende der Siebziger bekommen sich Tom Petty und seine Plattenfirma mächtig in die Haare. Ohne seine Zustimmung sollen seine Songs an ein anderes Label weitergereicht werden. Das macht Petty nicht mit — und erklärt am 23. Mai 1979, pleite zu sein. Der Trick funktioniert…


Hört hier in Damn The Torpedoes rein:

Klickt auf „Listen“ für das gesamte Album.

I Won’t Back Down hat Tom Petty 1989 auf seinem ersten Soloalbum Full Moon Fever gesungen. Wie ernst er diese Aussage meint, zeigte sich schon zehn Jahre zuvor bei einem Kampf mit gleich zwei Plattenfirmen. Weil er einen schlechten Vertrag unterschrieben hat, verliert Petty zu jener Zeit die Kontrolle über sein geistiges Eigentum. Wie Handelsware sollen seine Songs vom einen Label zum nächsten geschoben werden. Petty macht das nicht mit, trickst die beiden Labels aus und schafft ganz nebenbei einen Präzedenzfall, der das Musikgeschäft verändert. Doch beginnen wir vorne.

Mit den Platten Tom Petty And The Heartbreakers (1976) und You’re Gonna Get It! (1978) haben Petty und seine Band im Mai 1979 bereits zwei sehr erfolgreiche Alben im Rücken, denn beide erreichen Goldstatus in den USA. Das freut sicher auch Shelter Records, zu jener Zeit die Plattenfirma der Gruppe. Kein Wunder: Petty hatte dem Label aus Unwissenheit die vollständigen Rechte an all seinen Songs überschrieben, weil ihm nicht klar war, dass es beim „Publishing“, den Verlagsrechten, nicht nur darum geht, dass die Stücke in Notenheften abgedruckt werden dürfen. „Meine Lieder wurden mir weggenommen, als ich noch nicht einmal wusste, was ‚Publishing‘ überhaupt bedeutet“, beschwert er sich später, wie die Los Angeles Times berichtet.

Die letzte Petty-Veröffentlichung über Shelter Records: You’re Gonna Get It (1978)

Als er zusätzlich erfährt, dass Shelter vom Mutterkonzern ABC Records an MCA übertragen werden soll, platzt ihm der Kragen. „Es hat sich angefühlt, als würde man uns verkaufen wie Lebensmittel oder gefrorenes Schweinefleisch“, gibt er zu Protokoll. Glück im Unglück: Petty hatte im Vertrag festgehalten, dass Shelter ihn um Erlaubnis fragen muss, sobald sein Plattenvertrag an eine andere Firma verkauft werden soll. Er hat also Grund genug, dem Label Vertragsbruch vorzuwerfen und Ausschau nach einem anderen Geschäftspartner zu halten. Als MCA und Shelter davon erfahren, klagen sie gegen Petty, was nicht nur dafür sorgt, dass er die Suche nach neuen Geschäftspartnern einstellen muss, sondern erstmal weder Musik veröffentlichen noch live auftreten darf. Eine Katastrophe – doch Petty hat noch ein As im Ärmel.



Sein neues Album Damn The Torpedoes finanziert er zwar zunächst mit 500.000 US-Dollar aus eigener Tasche, doch durch die Klage der beiden Plattenfirmen kann er mit den Aufnahmen erstmal nichts anfangen. Was zunächst aussichtslos klingt, bedeutet für ihn die Rettung: „Technisch gesehen ist man in so einer Situation pleite“, erklärt er. „Und wenn man pleite ist, hebelt das erstmal alle Verträge aus.“ Gut gespielt. Als erster kommerziell erfolgreicher Rockstar meldet er Bankrott an, um die Situation aufzulösen. MCA bekommt sofort kalte Füße, denn sollte Petty damit durchkommen, öffnet er anderen Künstlern Tür und Tor, das Gleiche zu tun. „Danach fuhren sie die schweren Geschütze auf“, erinnert sich der Musiker.



Immer wieder reden die Plattenfirmen auf Petty ein, damit er seine Bankrotterklärung zurücknimmt. Doch der antwortet: „Ich verkaufe lieber Erdnüsse, bevor ich den Schwanz einziehe.“ Sein Manager erzählt später, der Musiker habe sich in einer Konferenz mit den Anwälten des Labels einfach nur demonstrativ die Nägel gesäubert. Um die Kosten für den Rechtsstreit decken zu können, spielen er und seine Heartbreakers die kurze Lawsuit-Tour. Auf der Bühne trägt die Gruppe T-Shirts mit der Aufschrift: „Why MCA?“ Und tatsächlich knickt die Plattenfirma ein. Am Ende vertragen sich Petty und MCA allerdings wieder, Damn The Torpedoes erscheint über das MCA-Sublabel Backstreet…


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