Zeitsprung: Am 25.4.1989 debütiert John Sykes mit Blue Murder.

April 23, 2019
in Category: Popkultur



Zeitsprung: Am 25.4.1989 debütiert John Sykes mit Blue Murder.

Zeitsprung: Am 25.4.1989 debütiert John Sykes mit Blue Murder.

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 25.4.1989.

von Christof Leim

Der Name John Sykes besitzt unter Freunden feuriger Rockgitarre durchaus einen guten Klang. Deshalb fragen sich die Fans 1987, was der Flitzefinger nach seinem Rauswurf bei Whitesnake wohl anstellen wird. Die Antwort kommt am 25. April 1989 mit Blue Murder, dem Debüt seiner gleichnamigen neuen Band.


Hört hier in Blue Murder rein:

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Es muss ärgerlich sein, einen Platinkracher zu landen und dann nicht mehr mitspielen zu dürfen: 1987 heißt das einzige Album, das Whitesnake-Boss David Coverdale und Gitarrist John Sykes zusammen schreiben. Das Ding bringt drei gewaltige Hitsingles hervor, nämlich Still Of The Night, Is This Love und Here I Go Again ’87, und verkauft sich millionenfach. Doch bevor die beiden die Lieder auf die Bühne bringen können, gibt es Streit. Coverdale feuert seine gesamte Band, Sykes speziell fliegt angeblich raus wegen „Meuterei“. Die Geschichte geht so: Als der Sänger Stimmprobleme bekommt und die Aufnahmen unterbrochen werden müssen, schlägt der Gitarrist der Sage nach vor, einen neuen Vokalisten anzuheuern. Was im Endeffekt nichts anderes bedeutet, als Coverdale aus seiner eigenen Band werfen zu wollen. Das kann natürlich nicht gut gehen, die Kündigung folgt umgehend. (Mehr zu dem folgenden Durcheinander könnt ihr hier nachlesen.)

Hochgehandelter Flitzefinger der Achtziger: John Sykes - Pic: Dana Wullenwaber/Wiki Commons

Damit steht der Meisterklampfer wieder auf der Straße – und muss nach einem kontinuierlichen Aufwärtstrend während der Achtziger wieder neu starten. Wir erinnern uns: Von den Tygers Of Pan Tang ging es über Thin Lizzy (inklusive finalem Studioalbum und allerletzter Show) direkt zu Whitesnake und deren US-Durchbruchsalbum Slide It In. Zwischendurch spielt der Engländer nach dem Tod von Randy Rhoads auch noch bei Ozzy vor und klopft angeblich auch bei Ronnie James Dio an, als der 1983 mit Holy Diver zum Solokünstler wird. Sykes bekommt die Jobs zwar nicht, aber man muss zu solchen Auditions auch erstmal eingeladen werden…

Zwar sorgt das Whitesnake-Album für einen mehr als ordentlichen Kontostand, doch rumsitzen kann keine Option sein: „Ich wollte unbedingt wieder loslegen, ein Album so aufnehmen, wie ich das für richtig halte, und damit auch auf Tour gehen.“ Ein neuer Plattenvertrag stellt keine allzu große Hürde dar, doch die richtigen Leute müssen gefunden werden. Trommelgott und Whitesnake-Kollege Cozy Powell steht zunächst auf dem Zettel, Ray Gillen von Badlands soll singen. Zwischenzeitlich geistern auch Tony Martin (Black Sabbath), Derek St. Holmes und David Glen Eisley im Umfeld der Band herum.

Hier kommt A&R-Legende John Kalodner ins Spiel, der die Band für Geffen Records betreut. Als er nämlich die ursprünglichen Demos mit Sykes’ Vocals mit den neuen Aufnahmen vergleicht, auf denen Ray Gillen singt, schlägt er dem Gitarristen kurzerhand vor, bei seiner eigenen Band doch einfach selber das Mikro zu übernehmen. Keep life simple. Der neu gekrönte Frontmann entscheidet sich außerdem für Trommellegende Carmine Appice (der – wie anscheinend alle – auch mal mit Ozzy gespielt hatte) und Bassist Tony Franklin (u.a. bei The Firm mit Jimmy Page).



Blue Murder soll die Sause heißen und laut Sykes kein Soloprojekt sein. „Ja, ich habe alle Songs geschrieben“, blickt er später zurück, „aber ich habe immer versucht, das Ganze als richtige Band zu präsentieren.“ Für die Aufnahmen verpflichtet er den aufstrebenden Produzenten Bob Rock, der schon kurz danach mit Dr. Feelgood von Mötley Crüe und der schwarzen Metallica mehrmals den Nummer-Eins-Jackpot knacken sollte. (Ja, im Hard Rock der Achtziger tauchen echt immer die gleichen Namen auf.)

Am 25. April 1989 schließlich hören die Fans, was der Goldjunge am Start hat: Auf Blue Murder dominiert erwartungsgemäß die mächtige Gitarre Sykes’, die leichtfüßig von Lichtgeschwindigkeit zu gefühlvollen XL-Vibratos wechseln kann und sowohl in Klang als auch Wucht durchaus an 1987 erinnert. Dazu zeigt der Mann seine stimmliche Klasse; einen separaten Leadsänger braucht er definitiv nicht. Eine zusätzliche eigene Kante im Klang ergibt sich, weil Franklin auf so genannte „Fretless-Bässe“ schwört, also Instrumente ohne Bundstäbchen, mit denen er nahtlos von einem Ton in den anderen gleiten kann. Das Album widmet das Trio dem verstorbenen Thin Lizzy-Frontmann Phil Lynott.



Doch leider setzen Blue Murder damit die Rockwelt nicht in Flammen: Die Platte erreicht im Juni 1989 einen respektablen Platz 69 in den US-Charts, die Single Jelly Roll bekommt ordentlich Sendezeit auf den üblichen Radio- und Musikvideo-Kanälen. Von den Whitesnake-Verkaufszahlen bleibt das aber weit entfernt. Vielleicht liegt das ja an den Songs, die zwar prinzipiell alles haben, was man so braucht, aber Dekaden später doch für manche Ohren gesichtslos und wenig zeitlos (lies: „dated“) wirken. Immerhin: Valley Of The Kings wandert in epischer Breite ein bisschen auf den Spuren von Led Zeppelin, mit Out Of Love ist die obligatorische Ballade am Start, und natürlich zieht unser Mann an den sechs Saiten alle Register. Wer auf Zakk Wylde, Doug Aldrich und ähnliche Flitzefinger steht, wird hier bestens bedient. Doch wenn wir von den einflussreichen, besten, tollsten Alben dieser Ära sprechen, fallen meist andere Namen als das Blue Murder-Debüt.



Der Nachfolger Nothing But Trouble klingt da schon runder, aber 1993 interessieren sich dann schon deutlich weniger Leute für diese Art bombastischer Hardrockerei. Im Folgejahr gibt es noch kurz ein Japan-only-Livealbum namens Screaming Blue Murder, dann ist mit der Band Schluss, und Sykes macht unter eigenem Namen weiter. Aber das ist mal wieder eine andere Geschichte…



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