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Nick Cave über die Drogen: Hohe Höhen, tiefe Tiefen

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In seinem Frage- und Antwortforum The Red Hand Files entledigt Nick Cave sich mal wieder der emotionalen Hosen: Auf die Frage eines Fans, ob die Abstinenz ähnliche Höhen mit sich bringe wie der Drogenkonsum, lässt der Musiker tief blicken.

von Victoria Schaffrath

Hört euch hier das unfassbare Ghosteen an:

Seit dem unbeschreiblichen Verlust seines Sohnes Arthur vor wenigen Jahren gräbt sich Nick Cave musikalisch durch den eigenen Gefühlsmorast. Mit dem Album Ghosteen lieferte er jüngst einen hoffnungsvollen Nachfolger zu Skeleton Tree von 2016.

Fürsorge einer anderen Art liefert der Bad Seeds-Gründer auf The Red Hand Files, wo er Fragen von Fans auf seine absolut unnachahmliche und schmerzhaft ehrliche Art beantwortet. Ob die Trauer einer Frau, deren Mutter bei einem Anschlag rechter Terroristen ums Leben kam, oder die Frage nach einem neuen Album: Wo gefragt wird, liefert Cave poetische Ausführungen, die ähnlich tief berühren wie seine Musik. Vor den eigenen Abgründen macht der Musiker natürlich nicht halt.

Cave macht keinen Hehl aus seiner vergangenen Heroinsucht

So wunderte sich kürzlich ein Fan aus Großbritannien, ob Cave nüchtern ähnliche Höhen erlebe, wie mithilfe von „wundervollen Substanzen“. „Craig, ich bin nicht sicher, ob ich nüchtern schon einmal ähnliche Höhen erlebt habe, andererseits fehlen aber auch die Tiefen, die unweigerlich mit diesen ‚wundervollen Substanzen‘ einhergehen“, mahnt der Sänger. Cave macht keinen Hehl aus seiner vergangenen Heroinsucht, die zu Zeiten von Where The Wild Roses Grow mit Kylie Minogue aus dem Ruder lief.

Weiter listet der Australier schonungslos die Tiefpunkte auf: „Verprügelt auf Polizeirevieren sein, im Entzug entmenschlicht werden, Nahtoderfahrungen, suizidale Gedanken, regelmäßige Überdosen, reduzierte Motivation, gebrochene Knochen, abgezogen werden, Charles Bukowski gut finden, soziale und physische Lustlosigkeit, Gruppendenken, tote Freunde, kaputte Beziehungen, Abszesse, Autounfälle, Psychose, den Hobbit lesen, Mangelernährung, kreative Unfähigkeit, epische Zeitverschwendung, schief singen (daran arbeite ich noch), Scheiße labern (daran ebenfalls), lebensbedrohliche Krankheiten und vergessen, meiner Mutter zum Geburtstag zu gratulieren.“

Klingt ganz so, als lasse Cave die Tür, hinter der die Drogeneskapaden gelagert sind, fest verschlossen – selbst bei persönlichen Tragödien. Auf diese ging er schon im genannten Beitrag zur Trauer der Tochter einer ermordeten Mutter ein. Sowohl dort als auch in seiner Musik findet sich ein Motiv völliger Offenheit, die Fans im kommenden Frühjahr wohl auch bei den Deutschlandterminen seiner Tour Conversations With Nick Cave – An Evening Of Talk And Music erwarten dürfen.

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