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„The Head On The Door“: Das Album, mit dem The Cure den Sprung in den Mainstream schafften

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Fin Costello/Redferns

Es war bereits das sechste Studioalbum für The Cure – und womöglich das wichtigste: Mit der Veröffentlichung von The Head On The Door (1985) schaffte die Band um Sänger Robert Smith den Durchbruch. So zugänglich, so selbstbewusst hatten sie sich noch nie davor präsentiert, und so folgten denn auch postwendend die ersten Goldauszeichnungen (in den Staaten und in Großbritannien). Zuvor eher in Insiderkreisen angesagt, waren The Cure ein knappes Jahrzehnt nach der Gründung schlagartig weltbekannt – echte Mainstream-Stars.

von Martin Chilton

Nur war dieser Sprung in die oberste Liga durchaus ein Kraftakt. Robert Smith hatte viel Zeit und Energie in diesen Schritt investiert. Hatten sie sich schon zu Beginn der Achtziger mit der düsteren „Gloom-Trilogie“, bestehend aus den Alben Seventeen Seconds, Faith und Pornography, in Insiderkreisen einen Namen gemacht, lief es nach der dazugehörigen Pornography-Tournee im Sommer 1982 alles andere als rund für die Briten: Erschöpfung und bandinterne Streitereien bremsten sie immer wieder aus. Also musste Smith in sich gehen, eine Zwischenbilanz ziehen.


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„ Das war so ein befreiendes Gefühl.“

Er machte erst einmal das, womit wohl nur die wenigsten Fans gerechnet hätten: Er veröffentlichte zunächst, in den Jahren 1983-1984, unter ihrem angestammten Bandnamen eine ganze Serie von sehr viel seichteren, fast schon unverschämt zugänglichen (Pop-)Singles – The Walk, The Lovecats und The Caterpillar. Alle drei knackten immerhin die britischen Top-20.

„Das war so ein befreiendes Gefühl“, kommentierte Smith diese stilistische Kehrtwende im Jahr 2000 in einem Interview mit dem US-Rolling Stone. „Für Lovecats hatte ich vorgeschlagen, dass wir so eine Art Disney-Interpretation von Jazz machen – basierend auf dem Zeichentrickfilm Aristocats. Ab da verkaufte sich plötzlich alles, was wir machten.“

Trotzdem war in jenen Tagen höchst unklar, wie die Zukunft von The Cure denn nun aussehen sollte. Erst 1982 hatte Smith die Position von John McGeoch als Lead-Gitarrist von Siouxsie And The Banshees übernommen – eine Aufgabe, die er immerhin bis zu deren Album Hyaena (1984) übernehmen sollte. Dazu waren die letzten Singles von The Cure mit einem eher spontan zusammengestellten Line-up entstanden: Ex-Schlagzeuger Lol Tolhurst spielte nun Keyboards, Phil Thornalley, ihr Producer aus Pornography-Tagen, übernahm den Bass; am Schlagzeug saß Andy Anderson. Und dann war da ja noch das oft übersehene fünfte Album der Band, The Top, auch von 1984, nur war das genau genommen eher ein Soloalbum von Smith – schließlich hatte der Frontmann bis aufs Schlagzeug sämtliche Instrumente im Alleingang eingespielt.

„Es fühlte sich einfach grandios an, mit einer Band zu spielen, die aus so guten Leuten bestand“

Irgendwann jedoch fehlten ihm seine Bandkollegen doch – und so baute er The Cure nach dem Release von The Top abermals um. Tolhurst sollte bleiben, dazu kamen nun Schlagzeuger Boris Williams und der Multiinstrumentalist Porl Thompson. Und sehr zur Freude jener Fans, die schon etwas länger ihre Entwicklung mitverfolgten, wurde auch Bassist Simon Gallup wieder hinzugeholt; Gallup hatte der Band nach der Pornography-Tour zwischenzeitlich den Rücken gekehrt.

Hört hier The Head On The Door:

Bereits als diese neue The Cure-Konstellation erste Songideen für das nächste Album zusammentrug, spürte Smith, dass die Energie im Studio plötzlich eine ganz andere war. Er erkannte das immense Potenzial sofort: „Porl [Thompson] war schon immer ein fantastischer Gitarrist, und Boris [Williams] ist ein echter Ausnahmeschlagzeuger“, sagte er dem Rolling Stone. „Es fühlte sich einfach grandios an, mit einer Band zu spielen, die aus so guten Leuten bestand.“

Wie motiviert alle Beteiligten waren, und wie besonders die Energie während der Sessions in ihrem Londoner Studio war, stellten sie wenig später unter Beweis, als The Cure zusammen mit dem Producer David M. Allen das Album The Head On The Door unter Dach und Fach brachten. Angespornt von dieser Energie und der Chemie des neuesten Line-ups, schrieb Robert Smith etliche neue Songs, die kombiniert die facettenreichste und eindrucksvollste LP ihrer Karriere ergeben.

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Während sie mit Stücken wie The Baby Screams, dem atmosphärischen, mit fernöstlichen Einflüssen durchzogenen Kyoto Song oder auch dem an Faith erinnernden Track Sinking an jene Art von feinsinniger Melancholie anknüpften, die man von ihren ersten Aufnahmen kannte, schlugen sie auf dem Album auch ganz andere Töne an: Da waren verspielte, poppige Songs zu hören (Close To Me, Six Different Ways), und es gab dramatisch-leinwandgroße Rockergüsse (Push, A Night Like This), die wie gemacht waren für eine Band, die ab sofort immer größere Hallen füllen sollte.

Der größte Hit des Albums entstand mit einem Instrument, das sich Smith erst kurz davor gekauft hatte – eine Akustikgitarre mit Stahlsaiten. Schlagzeuger Williams liefert mit seinem Break das Fundament für In Between Days, jenen melancholischen Popsong, der schon vor der Albumveröffentlichung bis auf Platz 15 in den UK-Charts klettern sollte und auch im Radio rauf und runter lief.

„Es klingt noch immer wahnsinnig frisch“

Am 26. August 1985 bei Fiction Records veröffentlicht, wurde The Head On The Door durch die Bank positiv aufgenommen und von den Kritikern einstimmig als mutigstes und bestes Statement der Band gefeiert. Die Rezension im NME darf als bezeichnend gelten, wo zu lesen war, dass es auf der LP „ganz verschiedene Melodieansätze“ zu hören gibt, während die Lobeshymne des Record Mirror auf den „reiferen musikalischen Ansatz“ der Band verwies.

Auch der kommerzielle Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: In Großbritannien landete The Head On The Door auf Platz 7 der Albumcharts, in Deutschland war’s eine Top-15-Platzierung, und auch in den Staaten schafften sie es zum ersten Mal in die Top-75. Und während auch das mit lässigen Bläsern gespickte Close To Me in den Top-30 der britischen Singlecharts auftauchte, ging der dazugehörige Videoclip, realisiert von Regisseur Tim Pope, bei MTV auf höchste Rotation. Für Robert Smith und seine Band war damit der Sprung in den Mainstream geschafft – und der Grundstein gelegt für weitere Karriere-Highlights wie Kiss Me Kiss Me Kiss Me und Disintegration, jene Spätachtziger-Meilensteine von The Cure, mit denen sie daraufhin zu einer der wichtigsten Alternative-Rockbands der Welt avancieren sollten.

Robert Smith 1986. Andy Freeberg/Getty Images

„[Bereits] während der Demoaufnahmen für The Head On The Door war mir klar, dass das die ultimative Bandbesetzung war“, kommentierte Smith anderthalb Jahrzehnte später. „Es war ein echt angenehmes Umfeld, und die Band fühlte sich eher wie eine Familie an. Das Album klingt noch immer wahnsinnig frisch.“

Zeitsprung: Am 21.4.1959 kommt Robert Smith von The Cure zur Welt.

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UB40: Neues Album „Unprecedented“ jetzt bei uns im Store

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UB40

Am 17. Juni 2022 meldeten sich UB40 endlich mit ihrem neuen Album Unprecedented zurück. Entstanden ist das Album mit Ali Campbell und dem im letzten November verstorbenen Gründungsmitglied Astro. Die Doppel-Vinyl gibt es ab sofort bei uns im Store.

Hier könnt ihr Unprecedented hören:

Das Comeback von UB40 gelang nach Maß: Mit Unprecedented erschien kürzlich der Nachfolger des 2018 erschienenen Albums A Real Labour Of Love, das auf Platz zwei der UK-Charts landete. Entstanden ist es mit dem ehemaligen Mitglied Ali Campbell und Bandgründer Astro – und hat einen tragischen Hintergrund: Ursprünglich sollte das Album bereits im Jahr 2021 erscheinen, wurde aufgrund des Todes von Astro im November 2021 jedoch verschoben. Jetzt gibt es das Album endlich auch als Doppel-Vinyl.


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UB40 - Unprecedented
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Aufgenommen wurde dieses Album sowohl in London als auch in Jamaika, und das mitten im Lockdown. Schon die Wahl der Aufnahmeorte steht für den Sound der Kultband: UB40 sorgten in den Achtzigern im Alleingang dafür, dass britischer Reggae auf die Karte der internationalen Popkultur gesetzt wurde. Das Album ist aber auch aus anderen Gründen besonders: Unprecedented ist eine Sammlung an Songs von Künstlern, die Ali und Astro seit vielen Jahren lieben und bewundern. Tracks von Steve Wonder und Kris Kristofferson reihen sich ein neben selbst geschriebenen Tracks, die von der Pandemie und dem gegenwärtigen Zustand des Vereinigten Königreichs inspiriert wurden.

Ein Album als Vermächtnis

Zudem sind es die letzten Aufnahmen, die Astro jemals getätigt hat. „Astros Tod war ein großer Schock, von dem ich mich noch immer nicht erholt habe“, so Ali Campbell. „Dieses Album ist deswegen noch viel besonderer als wir uns das zum Zeitpunkt der Aufnahmen je träumen ließen. Astro verschied nur zwei Wochen, nachdem wir den Mix abgeschlossen hatten. Mit diesem Album können wir seine Erinnerung lebendig halten.“ Mit Unprecedented gelingt UB40 ft Ali Campbell and Astro ein emotionales Werk und großer Wurf, ein Geschenk an ihre Fans wie auch ein großes Knallbonbon der Überraschungen. Ein Cover von Stay Another Day der Boyband East 17 hätte man von UB40 jetzt zumindest nicht unbedingt erwartet, oder?

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Zum 40. Geburtstag: Das R.E.M.-Debüt „Chronic Town“ erscheint als Jubiläums-Neuauflage

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R.E.M.

Auch schon wieder 40 Jahre ist es her, dass R.E.M. mit ihrer Debüt-EP Chronic Town auf sich aufmerksam machten. Zum runden Geburtstag erscheint das rare Kleinod am 19. August 2022 neu in verschiedenen Konfigurationen und kann bei uns im Shop vorbestellt werden.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr Chronic Town hören:

Schon 1981 konnten R.E.M. mit der Single Radio Free Europe einen ersten kleinen Achtungserfolg einfahren. Natürlich war das erst der Anfang: Im Folgejahr schob die Band die EP Chronic Town nach, ein fünf Songs langer Beweis, dass die vorausgegangene Single keine Eintagsfliege war. Mit Songs wie Gardening At Night, Wolves, Lower oder 1,000,000 findet sich auf dieser Veröffentlichung manch späterer Setlist-Dauerbrenner bei ihren Konzerten, hineingeboren in eine Zeit, in der man für derlei Musik noch längst nicht bereit war – Alternative Rock per se gab es einfach noch nicht.

Blaupause für Indie Rock

40 Jahre später erscheint die EP erstmals als eigenständige CD, als Kassette und als Picture Disc mit ausführlichen Liner Notes von Produzent Mitch Easter, der die fünf Songs damals in den Drive-In Studios in North Carolina aufnahm. Erscheinen wird das Schmuckstück am 19. August 2022.


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R.E.M. - Chronic Town EP (40th Anniversary)
R.E.M.
Chronic Town EP (40th Anniversary)
CD, Picture Disc

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Mit dieser EP leisteten R.E.M. dem Genre des College Rock Geburtshilfe und setzten einen anderen Sound auf die Radiolandkarte. Nach Punk und vor Grunge entstand im Herzen Amerikas ein neuer Stil, der schon bald die Welt erobern sollte. Diese fünf Songs hier sind der Anfang dieser Revolution – und der erste Meilenstein einer langen Reise. Günstig produziert, improvisiert, voller frischer Ideen und jugendlichem Überschwang… Chronic Town ist die „Blaupause für Indie Rock“, wie man sich längst einig ist.

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„Radio Free Europe“: Wie R.E.M. den Alternative Rock salonfähig machten

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Megadeth kloppen krasse neue Single raus!

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Megadeth
Titelfoto: Universal Music

Endlich sind die da, die Infos zum kommenden Megadeth-Brecher The Sick, The Dying… And The Dead! Die brandneue Single We’ll Be Back gibt’s ab sofort hier bei uns auf die Ohren, zudem läuft bereits der offizielle Vorverkauf!

von Björn Springorum

Seit Wochen sind die Thrash-Metal-Titanen Megadeth auf den großen Bühnen der USA unterwegs, um sich für den Release ihres mit riesiger Spannung erwarteten 16. Studioalbums The Sick, The Dying… And The Dead! warmzumachen. Jetzt hat Dave Mustaine endlich jede Menge Details rund um das neue Album verraten, das Cover-Artwork gezeigt – und den ersten Song von den Ketten gelassen. Hört den stürmischen Tardemark-Song We’ll Be Back inklusive aufwändigem Videoclip direkt hier bei uns:

Erscheinen wird der neue Brecher nun offiziell am 2. September 2022 in zahlreichen Konfigurationen. Ob Vinyl, CD, Kassette, digital oder als limitierte Deluxe Edition auf Doppel-LP mit Gatefold und einer 7-Inch als Bonus… die Vorbestellungen laufen auch bei uns ab sofort:


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Schon das wilde, ikonische We’ll Be Back macht deutlich, wohin die Reise auf The Sick, The Dying… And The Dead! geht: Begleitet von einem epischen Action-Kurzfilm gibt es hier feinsten Thrash mit moderner Legierung und apokalyptischer Grundstimmung. Aufgenommen in Dave Mustaines Studio in Nashville, sind auf der Platte neben Mustaine Gitarrist Kiko Loureiro, Schlagzeuger Dirk Verbeuren und Basser James LoMenzo zu hören. „Erstmals seit langer Zeit fügt sich auf einem Album alles genau so zusammen wie wir es wollten“, so der Bandleader. „Ich kann nicht erwarten, bis die Öffentlichkeit dieses Album in den Händen hält.“

Schon jetzt können wir uns auf furiose Härte in Night Stalkers (mit Ice-T!) oder auf epische Momente in Soldier On! Freuen, gekrönt vom Titeltrack, in dem Megadeth alle Register ziehen. Paar Wochen noch, dann hat das Warten ein Ende.

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Zeitsprung: Am 31.8.1999 gehen Megadeth mit „Risk“ ein Risiko ein.

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