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Popkultur

Don’t call it Geheimtipp: 10 Alben abseits des großen Kanons

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Foto: Cover

Habt ihr eure Lieblingsplatten vielleicht gerade ein bisschen zu oft gehört?

von Michael Döringer

Es gibt noch so viel zu entdecken in der Musikgeschichte. Wie wärs zum Beispiel mit Robert Fripps erstem Soloalbum? Ihr kennt die Byrds, aber kennt ihr auch Gene Clarks Meisterwerk No Other von 1974? Wisst ihr denn, was Fad Gadget nach seiner New Wave-Phase gemacht hat? Wir haben zehn Tipps abseits des großen Kanons für euch parat.

Kevin Ayers & The Whole World – Shooting At The Moon (1970)

Ihr habt vom Canterburry-Sound gehört. Ihr kennt Caravan, ihr kennt Soft Machine. Kevin Ayers verließ letztere Band schon nach dem ersten Album und startete eine Solokarriere, auf der er ebenfalls jazzig-experimentellen Prog-Sound zelebrierte, aber auch für sentimentale, pastorale Folk-Balladen zu haben war. Aber seinem zweiten Album Shooting At The Moon gibt es beides in aller Ausführlichkeit. Zu seiner Begleitband The Whole World gehörten neben Lol Coxhill und Robert Wyatt auch der junge Mike Oldfield an Bass und Gitarre.

John Cale – Paris 1919 (1973)

John Cale kann auf ein unfassbar vielseitiges musikalisches Lebenswerk zurückblicken, von dem die Zeit mit Velvet Underground nur die populäre Spitze des Eisbergs ist. Sein drittes Soloalbum Paris 1919 ist auch recht weit entfernt von fransigem Heroin-Rock, wie ihn die Velvets oft spielten. Mit walisischen Akzent und glänzendem Klavierspiel führt er ein Kammerensemble durch mit viel Improvisation angereicherte und doch den Harmonien verpflichtete Avant-Rock-Songs, die sich sofort einprägen.

Cockney Rebel – The Psychomodo (1974)

Das Bowie-Roxy-Fach ist leergehört? Versuchs mal mit Steve Harley und seiner Band Cockney Rebel, speziell mit ihrem zweiten Album The Psychomodo. Man kennt von den Briten vielleicht die Hits Make Me Smile (Come Up And See Me) oder Judy Teen, die noch hier und da in der Oldie-Jukebox schlummern. Dieses Album war damals ein recht ansehnlicher Erfolg, ist aber heute weitestgehend vergessen. Abenteuerlicher Glam Rock, der problemlos von T.Rex-Riffs zu queen’eskem Pomp wechseln konnte.

Gene Clark – No Other (1974)

Es war ein ziemlicher Schlag für die Byrds, als Gene Clark die Band im Jahr 1966 verließ, immerhin war er Hauptsongwriter und neben Roger McGuinn zweiter Leadsänger. Aber dieser Sänger und Songwriter hatte noch große Dinge vor. Zu seinen besten Werken zählt das Album No Other aus dem Jahr 1974, das erst letztes Jahr in einer Deluxe-Edition neu veröffentlicht und quasi wieder mal wiederentdeckt wurde. Damals war man noch irritiert und sogar abgetörnt von der aufwändigen Produktion und den satten Arrangements. Das Album sollte eigentlich als Doppel-LP erscheinen, doch das Label weigerte sich, die Platte floppte. Gene Clark war am Boden zerstört und hat sich nie wirklich wieder von dieser Pleite erholt. Eine Schande, denn diese barocke Country-Rock-Platte ist eine Offenbarung.

Iggy Pop & James Williamson – Kill City (1977)

„So hätte es nach Exile On Main Street weitergehen können, wären die Stones nicht auf den Bahamas gelandet“, heißt es in einer Fan-Rezension zu dieser Platte auf AllMusic. Eine Keith Richards/Iggy Pop-Zusammenarbeit wäre echt keine schlechte Idee gewesen. Aber zurück zur Realität: Dieses Album spielte er Iggy 1975 als Demo mit Stooges-Kollege James Williamson ein, nachdem es mit der Band endgültig vorbei war und Iggy auch drogentechnisch ziemlich abgerutscht war. Umso erstaunlicher, wie gut er hier klingt. Erst 1977 wurden die Aufnahmen veröffentlicht, als Iggy mit Bowie in Berlin und The Idiot sein Comeback feierte. Kill City ist eine kleine Reprise der Stooges-Ära, nur gefasster und musikalischer.

Robert Fripp – Exposure (1979)

Man kennt Robert Fripp auch außerhalb von King Crimson vor allem als höchst virtuosen und einfallsreichen Gitarristen. Sein erstes Soloalbum wurde mal als das „Sgt. Pepper des Avant-Punk“ bezeichnet. Eine ganz schön arge Hirnverrenkung, und so klingt Exposure auch manchmal, auf dem neben Brian Eno, Daryl Hall, Phil Collins und Peter Hammill auch Peter Gabriel vertreten ist. Das besondere an dieser Platte sind zwar die irre getriebenen, eckigen Rock-Riffs und typischen „Frippertronics“, doch es gibt auch bewegend-balladeskes Material wie diese Neufassung von Gabriels Here Comes The Flood.

39 Clocks – Paint It Dark (1981)

Was, wenn sich The Velvet Underground Ende der 70er in Hannover gegründet hätten? Die 39 Clocks geben die Antwort auf diese selten gestellte Frage. Schon damals wurde die Band nur in Kennerkreisen gefeiert, und so ist das auch heute. Man ist immer wieder erstaunt, wenn man das Debüt dieser Band hört: das psychedelische Saxofon, die Drumcomputer-Beats und das rumpelnde Schlagzeug, die Orgel und das herrlich akztengetragene Englisch, irgendwo zwischen rotziger Punkeleganz, den Young Marble Giants und Velvet Underground (mit Nico-Englisch).

Xmal Deutschland – Viva (1987)

Wir bleiben im Deutschland der 80er, nur dürfte Xmal Deutschland deutlich bekannter sein. Die Hamburger Band um Sängerin Anja Huwe begann Anfang der 80er in der Punk- und NDW-Szene um das Label Zickzack, wurde aber schnell zu Stars im internationalen Grufti-Pop. Vor allem in England liebte man die kühle Romantik der Deutschen und das legendäre Goth-Label 4AD veröffentlichte ihre ersten beiden Alben. Auf der dritten Platte Viva klingen Xmal Deutschland ein bisschen weniger nach Punk, sondern geschmeidiger und sinnlicher.

Dead Moon – In The Graveyard (1988)

Die nächste Kultband, die quasi permanent wiederentdeckt wird und Legendenstatus hält – nur eben im ganz kleinen Kreis. Auf ihrem Debüt In The Graveyard spielten Dead Moon aus Oregon einen wüsten DIY-Mix aus Punk und Rock ’n’ Roll. Die Songs sind goldig, versumpfen nur leider oft im Frequenzrauschen oder sind schlicht zu leise und zu schlecht aufgenommen. Aber das macht diese vom Ehepaar Fred und Toody Cole geführte Band auch so sympathisch, etwa wenn sie Can’t Help Falling In Love von Elvis covern, als wäre es ein Kinderlied.

Frank Tovey – Tyranny & the Hired Hand (1989)

Jeder 80er-Liebhaber sollte einen Platz in seinem Herz für Frank Tovey reserviert haben. Als Fad Gadget bildete er eine Schnittstelle zwischen New Wave und Avantgarde. Depeche Mode haben ihm viel zu verdanken, denn sie durften 1980 als Vorgruppe von Fad Gadget auftreten und wurden dort von Mute-Labelboss Daniel Miller entdeckt. Frank Toveys Weg führte allerdings in eine andere Richtung: Er gab irgendwann den modischen Synth-Pop der 80er auf und widmete sich klassischen Instrumenten. Auf seinem Album Tyranny & The Hired Hand coverte er traditionelle und moderne Arbeiterlieder und Protestsongs, zwischen Folk und irischer Pubmusik. Unter den Volksliedern finden sich auch Kompositionen von Lou Reed, Bob Dylan oder Woody Guthrie.

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