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Popkultur

10 Songs, die das Studentenleben beschreiben

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Ausschlafen, Feiern, Klugscheißen – ein Hoch auf das Studentenleben! Das war natürlich leicht überspitzt ausgedrückt, aber bringt direkt einige gängige Klischees auf den Punkt, die Studierenden so anhaften. Heute wollen wir all das mal musikalisch untermalt abhandeln und die Vor- und Nachteile des Studentenlebens erörtern. Für viele bleibt das Studium als die beste Zeit des Lebens in Erinnerung, für manche wiederum als das genau Gegenteil, so unterschiedlich kann die Sache laufen. Egal ob du Erstsemester bist oder gerade vor dem Abschluss stehst: Wir haben ein paar Weisheiten und gute Musik für dich.


Hört hier in unsere 10 Songs, die das Studentenleben beschreiben, rein:

Für die ganze Playlist klickt auf „Listen“.

1. David Bowie – Dancing In The Street

Studenten-Klischee Nummer Eins: Alle nur andauernd am Feiern, egal ob Dienstags oder Samstags. Dazu muss man sagen: Stimmt, mit Einschränkungen. Natürlich gibt es auch Studiengänge mit äußerst straffem Stundenplan, in dem kein freier Vormittag vorgesehen ist. Meistens ist das aber nicht so, dementsprechend viel Zeit kann man abends in der Kneipe verbringen und danach in bester Laune durch die nächtlichen Straßen ziehen. Und mal ehrlich: So etwas kann man später schließlich nie wieder so unbeschwert machen wie während des Studiums.


2. Brian Eno – Discreet Music

Wenn Studierende nicht am Tresen hängen, dann mit Sicherheit am Schreibtisch. Irgendwann schlägt für jeden die Stunde der Prüfungsphase, und dann heißt es Konzentration! Jeder hat dann so seine eigenen Tricks und Taktiken, wie man sich in möglichst kurzer Zeit möglichst viel Wissen einverleiben oder die Hausarbeit zackig und kompetent runterschreiben kann. Manche brauchen dazu totale Ruhe, andere den richtigen Soundtrack. Die Streamingdienste bieten unzählige Lern-Playlisten an, mit ausgeglichener und sanfter Musik zur Gehirnmassage. Ambient zum Beispiel. Immer mit dabei ist deshalb Ambient-Pionier Brian Eno mit seinen friedlichen Sound-Tapeten. Probiert’s mal aus!


3. Kraftwerk – Computer Liebe

Überall Menschen mit Laptops – man ist entweder in einem Berliner Cafe oder in einer Universität gelandet. Wie hat man früher eigentlich studiert, ohne mobilen Computer? Der Laptop ist das Gerät für alle Fälle geworden, auf dem man Uni- und Privatleben komprimiert. Power-Point-Präsentationen, Hausarbeiten, E-Mails, Netflix, Nachrichten, Skype-Konferenzen, alles läuft mit dem Laptop. Kraftwerk haben so etwas geahnt, als sie Computer Liebe im Jahr 1981 schrieben. Aber auch in einem solchen Ausmaß?


4. Queen & David Bowie – Under Pressure

Die einen sind es von Anfang an, die anderen erst im Laufe der Semester: unter höllischem Druck. Abgaben, Termine, Scheine, Examen, Praktika, undurchsichtige Uni-Bürokratie. Es ist oft zum Mäusemelken, und das liegt nicht immer an der eigenen Verpeiltheit. Die macht das ganze natürlich noch schlimmer. Leistungsdruck, Prüfungsdruck, und ein Privatleben soll man auch noch führen, aber wie? Stress bereitet wunderbar auf das spätere Berufsleben vor, sagen sie dann immer. Mag sein, aber könnte ruhig auch bis dahin warten.


5. Daft Punk – Harder Better Faster Stronger

Was macht dieser ständige Druck mit uns? Entweder wir klappen zusammen oder wir werden zu Leistungsmaschinen: Härter, besser, schneller, stärker. „Work it harder / Do it faster / More than ever / Our work is never over”, heißt es in dieser Motivationshymne von Daft Punk. Oder sollte das doch eine Kritik an der Leistungsgesellschaft sein? Ändert jedenfalls auch nichts.


6. Cake – I Will Survive

Aber wir sind doch alle Optimisten: Auch in den brenzligsten, ausweglosesten Situationen wissen wir: Das geht alles vorbei, wir überstehen das alles. Und danach wird gefeiert, erbarmungslos. Cakes Version dieses unsterblichen Klassikers von Gloria Gaynor ist viel gebrochener als das Original, irgendwie zerstört und am Boden. Aber nicht weniger hoffnungsvoll.


7. Andrew W.K. – Party Til You Puke

Thema Feiern und die Konsequenzen: Wann habt ihr das letzte Mal die Porzellanschüssel umarmt? Keine Sorge, das gehört dazu. Solche Ausfälle werden nach dem Studium dann eher seltener. Aber eins ist sicher: Es wird immer schlimmer mit dem Alter. Die Nacht auf dem Klo verbracht und morgens zur Vorlesung? Kein Problem! Wenn man dann irgendwann die 30 überschritten hat, wünscht man sich bei einem Kater erst mal eine Woche Urlaub. Und nie wieder Alkohol, das ist klar.


8. The White Stripes – I Just Don’t Know What To Do With Myself

Zugegeben: Dieser Klassiker aus der Feder von Burt Bacharach, den schon Dusty Springfield, Dionne Warwick und letztendlich auch die White Stripes so inbrünstig aufgenommen haben, handelt eigentlich von Liebeskummer. Ohne dich ist alles doof, so war das eigentlich gemeint. Wir deuten den Song mal um und übertragen ihn auf die Existenzängste während und nach dem Studium: Was soll ich bloß mit mir anfangen? Das hat sich schon jeder gefragt, der keinen so eindeutigen Studiengang belegt wie beispielsweise Jura, Medizin oder Architektur. Und selbst da ist noch lange nicht garantiert, dass die Zukunft völlig klar und linear vor einem liegt.


9. James Brown – Don’t Be A Dropout

Weiser Ratschlag vom Godfather of Soul: „Don’t be a dropout”, mach dein Studium fertig! Die Frage nach dem Sinn der Zukunft kann einen erschüttern, aber eine Sache gilt für alle Lebenslagen: Man sollte Dinge beenden, die man angefangen hat. Na klar, wenn man sich total im falschen Film befindet, sollte man vielleicht keine Zeit verschwenden und das Elend beenden. Vielleicht sogar die Uni ganz verlassen, wenn sich Alternativen auftun? So mancher Abbrecher hat es ja auch ganz schön weit gebracht.


10. Ian Brown – The World Is Yours

Und noch ein Motivationssong zum Abschluss, präsentiert vom ehemaligen Sänger der Stone Roses, Ian Brown. „You can only find the gold by digging in the dirt”, singt er in The World Is Yours, und so ist es auch: Alle Rückschläge, alle Umwege, alle Hürden haben ihren Sinn, wenn man am Ende doch zu einem Ziel findet. Und es ist sowieso nie zu spät dafür, sich immer wieder neue Ziele zu setzen. In diesem Sinne: Genießt die Zeit!


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30 Jahre „MTV Unplugged“: Eric Claptons intimster Moment

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Eric Clapton
Titelfoto: David Redfern/Getty Images

Der größten Tragödie seines Lebens folgt sein größter Erfolg: Vor 30 Jahren veröffentlicht Eric Clapton sein MTV Unplugged-Album. Es löst einen Boom aus und beflügelt seine Karriere.

von Björn Springorum

Das MTV-Unplugged-Format ist nicht neu, als Eric Clapton am 16. Januar 1992 an der Reihe ist. Sein Konzert vor Livepublikum in den Bray Film Studios in Windsor, England, wird dem Format aber einen ebenso großen Popularitätsschub verleihen wie seiner Karriere. Das konnten Paul McCartney, Don Henley, Stevie Ray Vaughan, The Allman Brothers Band, Sting oder Elvis Costello, die alle vor Clapton dran waren, nicht von sich behaupten.

Das eigentlich Besondere an Claptons Performance für MTV Unplugged ist aber ihr Zeitpunkt: Im Januar 1992 ist es nicht mal ein Jahr her, dass sein vierjähriger Sohn Conor aus dem 53. Stock eines New Yorker Apartments in den Tod stürzte. Clapton zieht sich zurück, schreibt Tears In Heaven, um die Trauer zu bewältigen. Sein Auftritt in den Bray Film Studios ist einer der ersten öffentlichen Auftritte des Sängers nach der Tragödie. Es soll sein Triumphzug werden.

Die Tickets wurden verlost

Davon ahnt zunächst mal niemand etwas. Die BBC verlost 150 Ticketpaare für die Aufzeichnung, beantwortet werden muss die Frage, wo Eric Clapton während der Aufnahmen zu I Shot The Sherrif wohnte. Die Antwort ist 461 Ocean Boulevard in Golden Beach bei Miami, zugleich der Titel des Albums, auf dem die Nummer steht. Für Clapton-Ultras natürlich eine Fingerübung, die 300 Tickets sind dementsprechend ratzfatz weg.

In Bussen geht es raus aus London nach Windsor, wo Eric Clapton die intimste und purste Show seiner bisherigen Karriere spielen wird. Nach Ansicht einiger Zeitzeug*innen auch seine beste. Überwiegend ausgerüstet mit Akustikgitarren von Martin (Modell 000-42), von denen eine mal für fast eine Million US-Dollar bei einer Auktion unter den Hammer kam, spielt sich Clapton auf lässige, ruhige und unaufgesetzte Weise durch sein Repertoire.

Wie beflügelt durch das akustische Setting seiner Band schwingt sich seine Stimme in ganz neue Sphären auf, klingt voll und präsent wie vielleicht nie zuvor. „Es fällt mir viel leichter, meine eigene Lautstärke anzupassen, wenn alle akustisch spielen“, sagte er mal. „Normalerweise klinge ich immer furchtbar platt auf der Bühne. Hier konnte ich wirklich dynamisch singen.“ Es soll nicht der einzige Benefit sein, den Clapton aus Windsor mit nach Hause nimmt: Er wendet auch an der elektrischen Gitarre vermehrt Fingerpicking an.

In Gedenken an seinen Sohn

Die Songauswahl des Abends ist längst so ikonisch wie das Unplugged-Setting selbst: Der instrumentale Samba Signe eröffnet den Abend leichtfüßig, danach kommt Bo Diddleys Blues Before You Accuse Me. Was folgt, ist eine Mischung aus Clapton-Material und alten Blues-Croonern. Besonders intensiv sind natürlich die neuen Songs, die Clapton im Sommer 1991 nach dem Tod seines Sohnes schreibt: Circus, Lonely Stranger und natürlich Tears In Heaven, das in seiner Unplugged-Version riesige Erfolge feiern wird. Das Besondere: Sowohl Tearns In Heaven als auch seine neue Fassung des Klassikers Layla von Derek And The Dominos klingen an diesem Abend in ihren akustischen Arrangements kraftvoll, aber vollkommen anders. Tears In Heaven hat bei aller Melancholie eine gewisse Leichtigkeit, Layla klingt eher schelmisch als verzehrend. Liegt natürlich auch an der stellaren Begleitband um Andy Fairweather Low, Chuck Leavell, Nathan East und weiteren Assen.

26 Millionen verkaufte Platten

Insbesondere für Tears In Heaven wird man dieses Konzert, dieses Album und diese schwierige Phase in Eric Claptons Leben in Erinnerung behalten. „Eric war an diesem Abend in Hochform“, erinnert sich der Musikhistoriker Marc Roberty. „Nach dem Songs, die er in Gedenken an Conor geschrieben hat, wurde er von seinen Emotionen übermannt.“ Auch das Publikum zeigt sich sichtlich gerührt. Viel von Claptons Rückkehr ins Rampenlicht ist diesem besonderen Moment zuzuschreiben. Seit 1992 ist Clapton immer wieder akustisch aufgetreten, generell sind Unplugged-Konzerte dieser Art heute nichts Außergewöhnliches mehr. 1992 sind sie das noch.

Merkt man auch an den Verkaufszahlen: Das Album verkauft sich mehr als 26 Millionen Mal, ist die erfolgreichste Live-Platte aller Zeiten und das bestverkaufte aller Clapton-Werke. Bei den Grammys 1993 staubt Eric Clapton ganze sechs Trophäen ab, drei allein für MTV Unplugged. Das Format wird 1993 durch Nirvana noch ikonischer, Claptons Karriere nach einem schwachen Start in die Neunziger revitalisiert. Nicht übel für ein einfaches Steckerziehen.

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Zeitsprung: Am 20.3.1991 stirbt Eric Claptons Sohn bei einem Sturz aus dem Fenster.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 18.8.1964 starten die Beatles zu ihrer ersten US-Tour.

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Foto: Universal Music

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 18.8.1964.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

Am 18.8.1964 starten John, Paul, George und Ringo ihre Reise nach Amerika, um dort ihre erste volle US-Tour zu spielen. Nebst skurrilen Anekdoten und einem Treffen mit Bob Dylan hält die Tour jedoch auch brenzlige Situationen bereit, die schon am Tag der Anreise beginnen. Wir erinnern uns, wie die Beatles die „British Invasion“ vollzogen.

Hört euch hier die das damals aktuelle Album A Hard Day’s Night an:

Bereits im Februar 1964 hatten die Beatles vier Shows in den Vereinigten Staaten gespielt und so den Grundstein für die Massenbegeisterung gelegt. Am 18. August 1964 reist die Band dann von London aus für weitere 26 Termine über den Teich und muss unterwegs zweimal anhalten, um das Flugzeug zu betanken. Mit jedem Boxenstopp werden die Umstände wahnsinniger: Erwarten sie beim ersten Halt in Winnipeg, Kanada noch 500 Fans und einige Radiojournalisten, zählt man wenige Stunden später in Los Angeles bereits 2.000 kreischende Anhänger und ein stattliches Presseaufgebot. Bei Halt Nummer drei in San Francisco zeigt die Uhr 18:24 und 9.000 Beatles-Fans machen ihrer ohrenbetäubenden Begeisterung Luft.

Einige Meilen vor dem Flughafengebäude errichten Organisatoren in weiser Voraussicht „Beatlesville“. Was sich nach Freizeitpark oder luxuriösem Rückzugsort anhört, ist lediglich ein abgezäunter Bereich, in dem die „Fab Four“ für Fotos posieren sollen. Die Zäune halten jedoch der schieren Kraft der „Beatlemania“ nicht stand. Als mehr und mehr Fans sich gegen die Absperrung drücken, gibt sie nach. Lennon, McCartney, Harrison und Starr entkommen im letzten Augenblick in die Sicherheit ihrer Limousine, die sie in ihr Hotel bringt.

Die „Fab Four“ auf dem Titel des „Life“-Magazins während ihrer US-Tour im Sommer 1964)

Während eine Hälfte des Quartetts, nämlich Paul und George, das Gesehene erst einmal verarbeiten muss, rappelt sich der Rest der Truppe auf: John, Ringo, Publizist Derek Taylor und weitere Mitglieder der Entourage sowie Little Richards Organist (und später beinahe fünfter Beatle) Billy Preston wollen das kalifornische Nachtleben unsicher machen und landen wenig später im Rickshaw, einem Laden in Chinatown, der auch andere prominente Gäste aufweist. 

Starr erinnert sich später wohlwollend an eine Begegnung mit dem Schauspieler Dale Robertson: „Wir gingen in eine Bar, und er war da. Wow, Dale Robertson! Wir nahmen einen Drink, aber in Kalifornien schließt alles um zwei Uhr morgens. Sie schlossen also die Bar, der Kellner und alle anderen gingen raus, aber dann gingen wir wieder rein und machten weiter. Ich habe es geliebt.“ Dass die Polizei die von Beatles-Fans konfiszierten Drogen ungefragt an die Band weiterreichte (!), hat sicher zu diesem positiven Gesamteindruck beigetragen.

Am nächsten Tag geht die Tour dann so richtig los: Die Beatles spielen im Cow Palace in San Francisco vor 17.130 Zuschauern. Auch hier müssen sie flüchten, nachdem die Bühne von Fans gestürmt zu werden droht. Sie lassen buchstäblich die Instrumente fallen und werden in einem Krankenwagen zum Hotel transportiert, da ihre Limousine belagert wird. Die „Beatlemania“ erreicht im Verlauf dieser Tour fiebrige Höhen, und die vier Jungs aus Großbritannien lernen die Schattenseiten des Erfolgs kennen. Besonders John Lennon tut sich schwer: „Die Leute denken, Berühmtheit und Geld bringen Freiheit, aber das tun sie nicht.“ 

Während dieses Amerika-Aufenthaltes treffen sie jedoch auch auf Bob Dylan und äußern sich öffentlich gegen die dort noch übliche Segregation. Nicht zuletzt entsteht aus der klaustrophobischen Situation auch der Song Help!, den die Briten 1965 veröffentlichen sollen.

Zeitsprung: Am 18.12.1962 beginnen die Beatles ihr finales Engagement im Star-Club – Sex, Drogen, Pilzköpfe in Hamburg.

 

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Popkultur

Zum Geburtstag der Metal-Diva: Tarja Turunen wird 45!

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Tarja Turunen
Foto: Giuseppe Maffia/NurPhoto via Getty Images

Mit Nightwish hat sie den Metal-Olymp erklommen, seit 2005 verfolgt sie eine überaus erfolgreiche Solokarriere: Tarja Turunen zählt ohne Weiteres zu den erfolgreichsten Sängerinnen der Rockmusik. Doch wie hat eigentlich alles angefangen und was macht die finnische Grande Dame des Metal heute?

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch In The Raw von Tarja anhören:

Ob wohlklingend oder nicht: Der erste Schrei von Tarja Turunen ertönt am 17. August 1977 in einem kleinen finnischen Dorf namens Puhos nahe der russischen Grenze. Sie wächst mit einem jüngeren und einem älteren Bruder auf; ihre Eltern arbeiten in der Stadtverwaltung und als Zimmermann. Schon im Alter von drei Jahren fällt Tarja als herausragende Sängerin auf, als sie bei einer Kirchenveranstaltung eine finnische Version des Stücks Vom Himmel hoch da komm’ ich her von Martin Luther zum Besten gibt. Anschließend tritt sie in den Kirchenchor ein, mit sechs nimmt sie die ersten Klavierstunden. Noch weiß das Wunderkind nicht, dass ihm eine große Karriere bevorsteht.

Auch in der Schule bemerkt man Tarjas musikalisches Können. „Man musste ihr nur eine Note geben und sie hat sofort alles verstanden“, erzählt ihr früherer Musiklehrer Plamen Dimov in einem Interview für die offizielle Nightwish-Biografie. „Mit anderen musste ich drei-, vier-, fünfmal proben.“ Tarjas Talent bringt allerdings auch Probleme mit sich. Weil einige Mitschülerinnen neidisch auf ihre Singstimme sind, mobben sie die junge Musikerin. Lehrer Dimov reagiert darauf und verlagert die musikalischen Aktivitäten von der Schule in die Freizeit. Ihren ersten großen Auftritt hat Tarja mit 15, als sie im Rahmen eines Kirchenkonzerts als Solistin vor rund Tausend Menschen auftritt. Doch noch immer steht die Sängerin bloß am Anfang dessen, was noch kommen soll.

Tarja Turunen: Mit Nightwish an die Spitze des Metal-Olymp

Mitten im finnischen Winter 1996 meldet sich Tarjas alter Schulkamerad Tuomas Holopainen bei der damals 19-jährigen Musikerin. Er habe ein neues akustisches Musikprojekt gegründet. Ob Tarja nicht als Sängerin einsteigen wolle. Sie schlägt ein, doch dann kommt alles anders. Gleich bei den ersten Proben merken alle Beteiligten, dass Tarjas Stimme seit der Schulzeit reichlich an Kraft gewonnen hat und gar nicht mehr zu ruhigen Akustik-Songs passt. Gitarrist Emppu Vuorinen steigt auf eine E-Gitarre um, Holopainen beschließt, dass die Band viel massiver klingen muss, um Tarjas Stimme gerecht zu werden. Das Grundgerüst steht. Nur ein Name für das Projekt fehlt noch. Kurze Zeit später ist klar: Die neue Band heißt Nightwish.

„Mehr Bombast, mehr Drama“ lautet das Motto der neu gegründeten Gruppe. Holopainen kann einen Plattenvertrag für Nightwish an Land ziehen und ab da geht es für die Newcomer nur noch in eine Richtung: nach oben. Schon das Debüt Angels Fall First (1997) schlägt ein, sehr zur Überraschung der Plattenfirma. Ab da wird es richtig ernst. Nightwish gehen auf Tour, Tarja bricht ihr Studium ab. Mit den folgenden Alben Oceanborn (1998), Wishmaster (2000) und Century Child (2002) klettern Nightwish immer weiter an die Spitze, 2004 gelingt den Finnen mit Once zum ersten Mal der Sprung auf Platz eins der deutschen Albumcharts. Gleich danach kommt es zum Bruch — und die Finnen setzen ihre Sängerin vor die Tür.

„Es ist an der Zeit, sich zu entscheiden, ob die Geschichte von Nightwish hier endet, oder ob sie weitergehen wird“, schreibt die Band in einem offenen Brief an Tarja. Man wolle die Band fortführen. „Genauso sicher ist aber, dass wir mit dir und Marcelo [Tarjas Ehemann — Anm. d. Aut.] nicht mehr weitermachen können.“ Ihren Rauswurf trägt Tarja mit der maximal möglichen Fassung, doch an einer Sache stört sie sich: „Ich kann die Art und Weise, wie meine Band mir das Ganze mitgeteilt hat, immer noch nicht nachvollziehen“, erklärt sie nach dem offenen Brief von Nightwish. „Es hätte so viele Möglichkeiten gegeben, mir das auf anderem Wege zu sagen.“ Nach einer schweren Phase der Trauer rappelt sich die Sängerin wieder auf — und macht solo weiter.

„Heute ist alles anders.“

Nach wie vor zählt Tarja Turunen zu den berühmtesten und versiertesten Sänger*innen des Metal. Mit ihrer dreieinhalb Oktaven starken Stimme zieht sie weiterhin Fans auf der ganzen Welt in ihren Bann und hat seit 2006 stolze acht Soloalben veröffentlicht. „Heute ist alles anders“, verrät sie 2016 in einem Interview mit dem britischen Metal Hammer. „Ich habe eine Karriere, ich habe mein Publikum und mein Leben als Künstlerin. Ich bin frei. Es ist unglaublich, wenn man sich die Dinge selbst aussuchen kann, entscheiden kann, wie man was macht, und mit wem man zusammenarbeitet. Das möchte ich nicht mehr missen.“ Die aktuelle Nightwish-Sängerin Floor Jansen bezeichnet Tarja im selben Interview als „längjährige Freundin“ und ergänzt: „Wir haben vor ein paar Tagen noch gemailt.“

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Zeitsprung: Am 1.11.1997 debütieren Nightwish mit „Angels Fall First“.

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