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Popkultur

10 Songs, die jeder Ska-Fan kennen muss

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Roots Reggae, Dub, Dancehall, Rocksteady – die Liste von großartigen jamaikanischen Soundschöpfungen ist lang. Ende der 1950er entstand allerdings Ska als erste wichtige musikalische Strömung auf Jamaika, die international bekannt wurde. Stark beeinflusst von frühen amerikanischen R&B-Platten mutierte Ska während der 1960er langsam zu Rocksteady und Reggae, erfuhr aber viele Jahre später wieder verschiedene Revivals und wurde von neuen Generationen adaptiert. Hier sind zehn legendäre Songs, die die Entwicklung von Ska nachzeichnen.

 Höre dir hier alle Songs in einer Playlist an:

1. The Skatalites – Guns Of Navarone

The Skatalites waren eine der ersten großen jamaikanischen Ska-Bands der frühen 1960er. Guns Of Navarone ist nicht nur ihr größter Hit, sondern auch die vielleicht erfolgreichste klassische Ska-Single aller Zeiten. Hier kommen viele Faktoren der Prä-Reggae-Ära zusammen: Produziert wurde der Song vom großen Coxsone Dodd im ebenfalls legendären Studio One, und niemand geringeres als Lee Perry steuerte ein paar spontane Wort-Ausbrüche bei. Wie viele andere frühe Klassiker wurde Guns Of Navarone in den 1980ern mit Hilfe der Specials ein zweites Mal zum Hit.

2. Millie Small – My Boy Lollipop

In der Musikgeschichte lief es ziemlich oft so, dass erst weiße Musiker*innen die Songs von Schwarzen Interpret*innen oder Komponist*innen zu einem Hit machten – so wurde Rock’n’Roll zum Massenphänomen. Bei dieser poppigen Ska-Single ist es genau anders herum: 1964 machte Millie Small das unbekannte R&B-Original von Barbie Gaye aus dem Jahr 1956 zum internationalen Hit, mit Hilfe des Produzenten Robert Blackwell (dem Bruder von Island-Records-Chef Chris Blackwell) und der Band Five Dimensions. My Boy Lollipop ist zwar kein reinrassiger Ska-Song, gilt aber als der erste große kommerzielle Erfolg des Genres.

 3. The Ethiopians – Train To Skaville

Diese Nummer ist allerdings so klassisch wie es nur geht. Die Vocal-Gruppe The Ethiopians unter der Führung von Tenor und Songwriter Leonard Dillon hatte mit Train To Skaville ihren großen Durchbruch. Die Themen und Vibes ihrer Songs sind entscheidende Vorläufer von Roots Reggae, stilistisch sind sie ein wichtiges Bindeglied zwischen Ska, Rocksteady und Reggae. Und das ist nur schwer zu überhören.

 4. Prince Buster – Earthquake

Prince Buster gilt für viele Expert*innen als der Mann, der Ska berühmt machte und ohne den auch die spätere Two-Tone-Bewegung und die dritte Ska-Welle undenkbar wären. Bands wie die Specials oder Madness zollten Buster mit vielen Songs und Songtiteln Tribut. Earthquake schwenkt mit seinem langsamen Tempo schon deutlich Richtung Rocksteady, zu dessen Entwicklung Prince Buster als Sänger, Songwriter und Produzent ebenfalls viel beitrug. Im September 2016 verstarb er mit 78 Jahren – wir verneigen uns.

 5. Desmond Dekker & The Aces – Mount Zion

Klar, Desmond Dekker und seine großen Hits Israelits oder You Can Get It If You Really Want kennt jedes Kind. Aber schon lange vor seiner Weltkarriere gehörte Dekker neben Prince Buster, Bob Marley oder Laurel Aitken zu den wichtigsten jamaikanischen Ska-, Rocksteady- und Reggae-Sängern. Mit Songs wie King Of Ska hatte er sich früh einen Namen auf der Insel gemacht, Mount Zion zeigt Dekker und seine Backgroundsänger von ihrer spirituellen Seite, ohne auf einen handfesten Ska-Beat zu verzichten.

 6. The Specials – Ghost Town

Zusammen mit ihrem Label Two-Tone stehen The Specials stellvertretend für die zweite Ska-Welle, die Ende der 1970er Jahre in Großbritannien entstand. In der Post-Punk-Ära vermischten sich unterschiedlichste Genres und Stile zu neuen Szenen. The Specials brachten Punk und traditionellen Ska zusammen, doch nach nur zwei Jahren ging es mit der Band schon wieder zu Ende. Ghost Town (1981) ist ihre letzte Single und wurde mit ihrer dystopischen, sozialkritischen Message zu einem unerwarteten Nummer-eins-Hit.

 7. The Beat – Mirror In The Bathroom

Eine weitere wichtige Band der Two-Tone-Ära und des New-Wave-Ska-Revivals waren The (English) Beat. Ihre Karriere bestand auch nicht viel länger als die der Specials, aber auf drei Alben von 1980 bis 1982 haben sie Ska-Geschichte geschrieben und den Sound vielen neuen Hörer*innen nahegebracht. Mirror In The Bathroom zeigt, wie man traditionell und minimalistisch bleiben und dabei trotzdem einen absoluten Ohrwurm zaubern kann.

 8. Madness – It Must Be Love

Ein letztes mal Two-Tone: Madness sind ohne Frage die erfolgreichste Band des britischen Ska-Revivals. Mehr als ihre Kolleg*innen haben sie es verstanden, die klassischen Elemente des Genres mit modernem Pop-Songwriting zu unterfüttern. Mit ihrem größten Hit Our House haben sie die Grenze zum Pop zwar deutlich überschritten, und auch It Must Be Love ist eigentlich ein Pop-Song mit Ska-Verzierungen. Aber da Madness tief in der Szene verwurzelt sind und auch musikalisch immer wieder darauf zurückkommen, kann man ihnen das kaum vorwerfen. Tune!

 9. Fishbone – Party At Ground Zero

Durch Two-Tone kam Ska in den 1980ern auch in den USA an und löste dort die sogenannte „Third Wave“ von Ska aus. Vor allem in den 1990ern entwickelten junge Bands neue Stilmixe aus Punk, Funk und Ska, wobei der traditionelle R&B- und Soul-Einfluss von Ska immer weiter in den Hintergrund rückte und von einem ruppigen, schnellen (und weißen) Gitarrensound abgelöst wurde. Fishbone führten noch die eher klassische Two-Tone-Ästhetik weiter, Songs wie Party At Ground Zero sind aber schon totale Genre-Schmelztigel und beeinflussten die vielen neu aufkommenden Ska-Punk-Bands.

 10. Rancid – Time Bomb

Wie zum Beispiel Rancid. Time Bomb ist wahrscheinlich der berühmteste Ska-Punk-Song überhaupt, und klingt viel mehr nach The Clash als nach den jamaikanischen Roots. Reel Big Fish, Less Than Jake, sogar No Doubt könnte man hier noch erwähnen, wenn es um Ska-Flavour in den 90ern geht. Ein paar spaßige Songs sind hier durchaus entstanden – aber den real deal findet man doch eher in den vorherigen Dekaden.

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Zeitsprung: Am 31.1.1970 werden Grateful Dead in New Orleans verhaftet.

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Grateful Dead Jerry Garcia
Foto: Kypros/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 31.1.1970.

von Bolle Selke und Christof Leim

1970 nehmen die Grateful Dead eine wichtige Rolle in der US-amerikanischen Gegenkultur ein. Vielleicht verhaftet sie „das Establishment“ deswegen am 31. Januar in New Orleans. Vielleicht wurden auch tatsächlich Drogen gefunden. Fest steht: Die Erfahrung inspiriert die Musiker zu einer Strophe ihres Kultsongs Truckin‘.

Hier könnt ihr euch American Beauty von Grateful Dead anhören:

Mardi Gras, Bourbon Street, der Blues – seinen Ruf als entspannte und lockere Stadt hat New Orleans den Beinamen „The Big Easy“ (etwa Die große Unbeschwertheit“) eingebracht. Umso überraschter dürften Grateful Dead gewesen sein, als die Polizei am 31. Januar 1970 eine Razzia in ihrem Hotel durchführt und fast die komplette Band wegen Drogenbesitzes festnimmt.

Eine abgekartete Sache“

Nach dem ersten von zwei geplanten Auftritten im The Warehouse mit der Vorgruppe Fleetwood Mac kehrt Bandleader Jerry Garcia mit seinen Mitmusiker und der Crew ins Hotel zurück – und wird von der Polizei erwartet. Fast die gesamte Reisegruppe wird auf der Stelle verhaftet. Manager Lenny Hart erzählt die Geschichte kurz nach der Verhaftung dem Rolling Stone: „Das war schon eigenartig. Es roch nach einer abgekarteten Sache. Denn die Bullen haben bereits gewartet, als die Band vom Konzert zurückkam. Die Polizisten hatten einen Haftbefehl, und sie hatten die Hotelzimmer schon durchsucht. Bei keinem der Leute wurde etwas gefunden außer den Sachen, für die es Rezepte gab. Alles, was die Beamten aufgespürt haben wollen, soll bereits im Hotel gewesen sein, aber keiner der Band weiß, woher das Zeug stammt. Es war nicht ihr Stoff. Grateful Dead sind normalerweise sehr cool und vorsichtig.“

Grateful Dead

Trinken halt nicht nur Früchtetee: Grateful Dead circa 1970 (Foto: Robert Altman/Michael Ochs Archives/Getty Images)

Nun sind Jamrocker aus Kalifornien nicht gerade dafür bekannt, nur Früchtetee zu trinken. Dass die ins Visier der Behörden geraten, überrascht niemanden. Allerdings wollen die Polizisten es den Musikern besonders schwer machen: Sie fesseln Band und Crew mit Handschellen aneinander und lassen sie für Pressefotos vor dem Gebäude Parade stehen. Hart meint: „Die Cops genossen es, ihr Ding durchzuziehen. Am Ende mussten die Verhafteten acht Stunden im Gefängnis verbringen. Obwohl die Kaution sofort da war, wurden sie so lange belästigt. “

„Acid-König festgenommen“

Alle 19 Personen, die bei der Razzia erwischt werden, fangen sich eine Anklage wegen Besitzes von Marihuana, LSD, Barbituraten, Amphetaminen oder anderer verbotener Substanzen ein. Das kann damals in Louisiana zu einer Strafe von fünf bis 15 Jahren Gefängnis führen. Keine Kleinigkeit also. Die Behörden nageln  die komplette Band samt Crew und einigen lokalen Helfern fest – nur die Keyboarder Ron „Pigpen“ McKernan und Tom Constanten, die keine Drogen nehmen, kommen davon. Allerdings lässt dieser Vorfall für die beiden das Faß zum Überlaufen bringen: Kurz darauf reichen sie ihre Kündigungen ein. Bonuspunkte sammelt die Polizei von New Orleans durch die Festnahme von Owsley Stanley, damals nicht nur Techniker der Gruppe, sondern auch ein bekannter LSD-Produzent. „Acid-König festgenommen!“ prahlen die lokalen Zeitungen.

„Hippies. Oh Junge!“

Ganz überraschend kommt das harte Vorgehen nicht: Bereits ein paar Wochen früher hatten die befreundeten Jefferson Airplane Ähnliches erlebt, als sie auf Tour im selben Hotel weilten. Grateful Dead wurden entsprechend schon bei der Ankunft am Flughafen gewarnt, dass sie Probleme bekommen könnten. All dies gibt der Band das Gefühl, übers Ohr gehauen worden zu sein. Jerry Garcia selbst sagt dazu: „Sie hatten großen Spaß mit uns, die Südstaaten-Cops. Sie hatten genau das, was sie wollten: Hippies. Oh Junge!“

Hier könnt ihr das Statement von Jerry Garcia dazu anhören:

Nachdem die langhaarige Reisegruppe die Kaution von 37.500 Dollar hinterlegt hat, immerhin die gesamte Gage des Abends, geht ihnen das Geld aus. Also spielen sie eine zusätzliche Show in New Orleans und überreden Fleetwood Mac, ebenfalls zu bleiben. Die zusätzlichen Einnahmen helfen bei den Rechtskosten auf. Die meisten Anklagen werden schließlich fallengelassen, aber der Vorfall wird für alle Ewigkeit im Song Truckin‘ festgehalten, einem der erfolgreichsten Grateful-Dead-Stücke:

„Busted, down on Bourbon Street / Set up, like a bowlin’ pin / Knocked down, it gets to wearin’ thin / They just won’t let you be, no.“

Zeitsprung: Am 19.3.1919 verlangt ein Axtmörder Live-Jazz in New Orleans.

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Popkultur

55 Jahre „White Light/White Heat“: The Velvet Underground auf Speed

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The Velvet Underground
Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images

Auf ihrem zweiten Album zeigten sich The Velvet Underground von ihrer experimentierfreudigsten Seite; sogar noch stärker als auf ihrem legendären Debüt. Doch der avantgardistische Ansatz von Multiinstrumentalist John Cale stieß in der Band nicht nur auf Gegenliebe. Nach White Light/White Heat musste er gehen.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch White Light/White Heat von The Velvet Underground anhören:

Mit ihrem bahnbrechenden Debütalbum leisteten The Velvet Underground und die Kölner Sängerin Nico einen unabdingbaren Beitrag zur Geschichte der Rockmusik. Doch schon kurz nach der Veröffentlichung kam es zum Streit. Die Verkaufszahlen blieben hinter den Erwartungen der Gruppe zurück; als Folge musste Manager und Produzent Andy Warhol gehen. Auch Nico nahm ihren Hut und und schlug den Weg als Solokünstlerin ein. The Velvet Underground bestanden fortan aus Songschreiber Lou Reed, Klangexzentriker John Cale sowie aus der Rhythmusabteilung mit Sterling Morrison und Maureen Tucker. An den Schiebereglern im Studio saß nur noch Tom Wilson, der für das Debüt noch mit Warhol zusammengearbeitet hatte. Doch trotz aller Widrigkeiten setzt die Band ihren Weg fort. In unserer heutigen Geschichte endet das mit einer Kündigung.

White Light/White Heat: The Velvet Underground auf Speed (buchstäblich)

Es dauert nur wenige Monate, bis das neue Line-up zum ersten Mal gemeinsam im Studio steht, um das zweite Album von The Velvet Underground aufzunehmen. Diesmal geht es noch ein wenig experimenteller zur Sache. Die Gruppe orientiert sich an ihrem Live-Sound, der dank Musikgenie John Cale von reichlich Improvisation und Punk-Attitüde geprägt ist. Letzterer ebnen The Velvet Underground den Weg, ebenso wie dem Noise Rock, denn Ende der Sechziger ist beides noch nicht existent. Inhaltlich ändert sich nicht viel: Lou Reed und Co. widmen sich Themen wie Sex, Transvestitismus und Drogen. Was Rauschmittel betrifft, stehen diesmal Amphetamine im Vordergrund, deren aufputschende Wirkung im Slang auch „White Heat“ genannt wird. Um Heroin geht es aber auch.

Besonders präsent ist der 17-minütige Song Sister Ray, den Lou Reed und seine Mitstreiter*innen in nur einem einzigen Take aufnehmen. Über den Inhalt sagt Reed: „Es kommen acht Charaktere darin vor, ein Typ wird umgebracht, und niemand unternimmt etwas. Der Text basiert auf einer Geschichte von Ausschweifung und Verfall. Ich mag die Vorstellung, dass Sister Ray ein transvestitischer Heroinhändler ist. Es geht um einen Haufen Dragqueens, die ein paar Matrosen mit nach Hause nehmen, sich zudröhnen und gerade eine Orgie feiern, als die Polizei auftaucht.“ Toningenieur Gary Kellgren hat während der Aufnahme nach einigen Minuten genug und verlässt das Studio mit den Worten: „Sagt mir Bescheid, wenn ihr fertig seid.“

Andy Warhol ist doch wieder mit von der Partie

Als Manager und Produzent hatten The Velvet Underground ihren ehemaligen Kollegen Andy Warhol zwar vor die Tür gesetzt, doch am Artwork wirkt die Popart-Legende auch dieses Mal mit. So handelt es sich bei dem auf dem Cover abgebildeten Totenkopf um ein Tattoo von Joe Spencer, dem Hauptdarsteller aus Warhols Film Bike Boy. Warhol ist es, der das Motiv vorschlägt; Reed sucht anschließend das passendste Negativ aus der Bike Boy-Filmrolle aus. Die weitere Bearbeitung übernimmt ein Herr namens Billy Name, der zu Warhols legendärer Factory gehört. Ein alternatives Cover aus Großbritannien zeigt 1971 einige leuchtend weiße Spielzeugsoldaten, doch dieses Motiv hatten The Velvet Underground nie abgesegnet.

Musikhistorisch betrachtet gehört White Light/White Heat zu den wichtigsten Platten, wenn es um die Entwicklung des Punk und des Noise geht. Das liegt nicht zuletzt an John Cales klangexperimenteller Herangehensweise, die White Light/White Heat ganz schön sperrig wirken lässt. Lou Reed und der Rest der Band wünschen sich allerdings einen poppigeren Sound. Genau ein Jahr nach den Aufnahmesessions setzen sie Cale vor die Tür, holen stattdessen Doug Yule an Bord und nehmen die Arbeit an ihrem dritten Album The Velvet Underground auf. Der wichtigste Leitfaden: Die Platte soll keine zweite White Light/White Heat werden. Das ist The Velvet Underground gelungen. Doch diese Geschichte erzählen wir an einem anderen Tag.

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„The Velvet Underground & Nico“: Avantgardistische Bewusstseinserweitung

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Zeitsprung: Am 30.1.2007 singt Jim Morrison posthum gegen die Erderwärmung

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Michael Ochs Archives/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 30.1.2007.

von Timon Menge und Christof Leim

Unter dem Motto „Save The Planet“ finden am 30. Januar 2007 zwei Pressekonferenzen in Los Angeles und London statt. Dort stellen Perry Farrell von Jane’s Addiction, Doors-Schlagzeuger John Densmore und Schauspieler Josh Hartnett die Kampagne Global Cool vor, ein Projekt gegen die Erderwärmung — und verwenden dafür unveröffentlichte Gesangsspuren von Jim Morrison.

Hier könnt ihr euch Woman In The Window anhören:

Die globale Erwärmung schreitet voran, zahlreiche Kunstschaffende aller Couleur und weltweit engagieren sich dagegen. Als Sprachrohre der britischen Kampagne Global Cool möchten Farrell, Densmore und Hartnett es „uncool machen, nicht grün zu sein“.

Kleine Schritte, große Wirkung

Dafür erhalten die drei eine Menge prominenter Unterstützung, zum Beispiel von Kasabian, The Killers, KT Tunstall und den Scissor Sisters. Auch Leonardo DiCaprio, Orlando Bloom und Dave Grohl helfen mit. Die Mission der Kampagne: Menschen sollen dazu motiviert werden, ihre CO²-Emissionen über einen Zeitraum von zehn Jahren um zehn Milliarden Tonnen zu reduzieren.

Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen zählen zum Beispiel das Abschalten des Lichts, das Ausstecken von Smartphone-Netzteilen, das Benutzen öffentlicher Verkehrsmittel, der Verzicht auf Urlaubsflüge und das Herunterschalten der Heizung um eine Stufe. „Wenn viele Menschen kleine Dinge in die Tat umsetzen, wird daraus am Ende eine verdammt große Sache“, stellt Global-Cool-CEO Julian Knight fest. Alles gute Vorschläge. Für Musikfreaks wird die Aktion zusätzlich interessant.

Jim Morrison hilft auch. Quasi.

Um dem Projekt zu größerer Bekanntheit zu verhelfen, greift Doors-Drummer Densmore in die Trickkiste und stellt eine bis dato unveröffentlichte Gesangsspur von Jim Morrison zur Verfügung. Der Titel der Nummer: Woman In The Window. Das Stück basiert auf einem Gedicht von Morrison, das der kurz vor seinem Tod vertont hat. Die Jahrzehnte später eingespielte Musik stammt von Farrells Band Satellite Party.

Densmore und Farrell bei der Pressekonferenz in Los Angeles – Pic: Hector Mata/AFP via Getty Images

Sein Debüt feiert der Song bei den Pressekonferenzen am 30. Januar 2007. „Wir freuen uns darüber, dass Woman In The Window die Titelmelodie eines so tollen Projektes wird“, erklärt Farrell im Interview mit dem NME. „Jim hat all das Übel in der Welt gesehen, wusste aber auch, dass wir für unser Schicksal verantwortlich sind. Und genau das tun wir. Niemand wird uns davon abhalten können, Energie und Geld zu sparen und dabei den Planeten zu retten.“ Das klang schon 2007 vernünftig.

Zeitsprung: Am 30.8.1973, zwei Jahre nach Morrisons Tod, lösen sich die Doors auf.

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