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Popkultur

30 Jahre MiniDisc: Es war kurz sehr schön!

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Foto: Scott Barbour/Getty Images

Die MiniDisc ereilte ein undankbares Schicksal: Sie war definitiv nie die Zukunft des Albumformats — aber großartig für Mixtapes, Mitschnitte und mobiles Musikhören. Eine Zeit lang war sie eine äußerst gute Lösung zwischen MC und CD — und wurde dann von einer alles umschmeißenden Audiorevolution abgelöst und verdrängt. Höchste Zeit, der Mini Disc, die vor 30 Jahren auf den Markt kam, Tribut zu zollen.

von Markus Brandstetter

Als Sony im Mai 1991 die MiniDisc, kurz MD, vorstellte, lagen viele Hoffnungen auf dem neuen Medium. Die MiniDisc sollte in manchen Hinsichten die neue, qualitativ bessere Compact Cassette werden — und vieles einfacher machen. Sie war klein, handlich, passte in jede Hosen- oder Hemdtasche und konnte wunderbar einfach beschrieben werden, sei es mit Musik oder Daten (MD als Datenspeichermedium wurde allerdings nie wirklich erfolgreich). Zwar hörte man damals seine Alben bereits auf CD — aber der wollte die MD gar nicht ernsthaft Konkurrenz machen. Viel mehr war sie eine gute Alternative zum DAT-Recorder, der seinen Weg nur selten raus aus Studiokreisen fand — und eben eine Nachfolgerin der Musikkassette. Gut für Mixtapes und verlustfreie Mitschnitte. Und: sie eignete sich ganz hervorragend für Proberaumaufnahmen oder Liveschnitte! Es ging verlustfreier (Stichwort DAT), aber es ging kaum praktischer.

Ein Blick zurück auf die MiniDisc

Die MiniDisc hieß so, weil tatsächlich eine kleine Disc mit einem Durchmesser von 64 Millimetern integriert wurde, die in einem Plastikgehäuse untergebracht war. Apropos Plastikgehäuse: Wer erinnert sich nicht an die verschiedenen Farben (von blau über rosa bis schwarz) der bespielbaren Tonträger, mit denen man seine „Mixtapes“ voneinander unterschied? In puncto Datenumfang hatte man die Wahl zwischen 60, 74 und 80 Minuten Musik — genug also für das Lieblingsalbum in Überlänge oder mehrere kürzere Alben. Von der selbstgemachten Compilation ganz zu schweigen! Aufgenommen wurde in ATRAC-Codec — der zunächst eine Datenrate von 292 kbps bot, später aber optimiert wurde. Später fand man sogar einen Weg, um noch mehr Musik auf die kleinen Tonträger zu bekommen – und zwar mit dem Format MDLP beziehungsweise ATRAC3, das zwei weitere Modi hatte. LP2 packte 160 Minuten Musik rauf, mit LP4 waren sogar 420 Minuten möglich. Nur: Dabei wurde anständig runtercodiert, im Falle von LP4 mit 66 kbps, was zum Hören schon nicht mehr angenehm war. Und dennoch: Jahre, bevor der MP3-Player, speziell natürlich der iPod die Welt eroberte (dazu später mehr), war die Mini Disc tatsächlich das neue Tape.Wir haben hier bisher immer nur von der MiniDisc gesprochen, natürlich gebührt dem MiniDisc-Player die gleiche viel Ehre. Es gab natürlich jede Menge stationäre Geräte und Lösungen (auch MD-Player, die in Autoradios und Co. integriert waren), aber so richtig praktisch war es mit dem MiniDisc-Walkman.

Der erste MiniDisc-Player, daran erinnerten sich die „golem.de“-Autoren Andreas Sebayang und Nico Ernst vor einigen Jahren in einem Artikel, war sogar ein ziemlicher Flop. Der Grund: Der portable Player war ziemlich klobig und wog dabei 680 Gramm. Da waren Walkmans bereits deutlich angenehmer mitzuführen — und auch die Akkulaufzeit ließ zu wünschen übrig. Man konnte die MiniDisc-Walkmans optimieren, auch andere Hersteller legten nach und brachten Geräte auf den Markt. Auch wenn zeitweise sogar Alben als MiniDisc erschienen: gegen die CD hatte das Medium keine Chance.

MP3 Player killed the MiniDisc Star

Anfang der 2000er-Jahre kam das, was die Musikwelt völlig umkrempelte: Der MP3-Player wurde salonfähig, der iPod wurde vorgestellt und schon bald von der Masse adaptiert. Für die MiniDisc und den MiniDisc-Player war das der Sargnagel. Er wurde immer mehr zum Nischenprodukt. Als solches hielt er sich zwar noch eine ganze Weile — auch wenn Sony selbst in Europa nur noch MiniDisc-Audiorekorder produzierte. 2011 folgte dann die Ankündigung Sonys, dass die Produktion von MiniDisc-Geräten eingestellt wird. Aus, vorbei, Vorhang zu.

It’s all over now, baby blue

Ob die MiniDisc in der Retrowelle wohl einmal ein Comeback wie die Musikkassette oder die mittlerweile als Verkaufsschlager zurückgekehrte Langspielplatte feiern wird, bleibt fraglich. Vielleicht ja mal zum Record Store Day ein Metallica-Demo exklusiv auf MiniDisc? Aber mal im Ernst: Auch wenn einige Liebhaber der MD nachtrauern, dürfte eine Rückkehr wohl ausgeschlossen sein. So bleibt uns die Erinnerung an ein praktisches Medium, das eine Zeit lang zwischen Musikkassette und CD seinen Zweck perfekt erfüllt hat und einige Jahre begleitet hat — durch den Alltag und durch Proberäume. MiniDisc, es war kurz wirklich schön mit dir.

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