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Popkultur

5 Wahrheiten über Michael Jackson

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Für alle Insider, jahrzehntelangen Fans, Neugierigen und Einsteiger: Hier nehmen wir uns mal ein paar Minuten Zeit und präsentieren euch 5 Geschichten, Anekdoten oder Fun Facts zu einem Genre, einer Band oder einem/r Künstler/in. Einfach, weil das Leben witzigere, unglaublichere und interessantere Geschichten schreibt, als jeder Autor jemals könnte. Diesmal mit einem Künstler, der mysteriöser und extravaganter kaum sein könnte: Michael Jackson.


 1. Bubbles hat einen eigenen Wikipedia-Eintrag!

bubbles

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Und nicht nur das. Zur Zeit verbringt Bubbles sein Rentner-Dasein im sonnigen Florida, hört Musik, schaut Fernsehen und lässt es sich in seiner Hängematte gut gehen. Okay, okay – an dieser Stelle sind für den ein oder anderen Leser eventuell ein paar Kontext-Informationen angebracht. Wer ist Bubbles? Warum hat ein Rentner so einen komischen Namen (der ist ja selbst für Amerikaner eine Spur zu schräg) und was hat Bubbles mit dem King of Pop zu schaffen?

Also der Reihe nach: Bubbles ist nur im weiteren Sinne ein klassischer Renter und hat (wie einige Rentner) auch nur im weiteren Sinne etwas mit klassischen Menschen zu tun: Bubbles ist ein Schimpanse. Und nicht nur irgendeiner – der inzwischen in den Mittdreißigern angekommene Menschenaffe war das Lieblingsmaskottchen von unserem Jacko, hatte angeblich einen eigenen Agenten, einen Bodyguard und konnte den Moonwalk tanzen. An der Stelle klärt sich auch die Sache mit dem schrägen Namen. Primaten haben hier Sonderrechte. Aber zurück zum Thema:

Es ist wahr – der inzwischen leicht ergraute Bubbles trat seiner Zeit in Film und Fernsehen auf, tourte mit dem Popstar durch Japan und wurde so berühmt, dass ihm schließlich auch die Ehre mit einer eigenen Wikipedia-Seite gebührt wurde. Inklusive Geburtsdatum und -ort, einer kurzen Biografie und dem ganzen restlichen Aufguss. Allerdings musste er auch die Schattenseiten des Ruhms ertragen. Denn nicht nur wurde verkannt, dass in einem Kinderbett zu schlafen, am Esstisch zu sitzen und eine Toilette zu benutzen (kein Scherz!) nicht die feine affige Art ist, sondern Bubbles wurde auch regelmäßig von Paparazzi verfolgt. Gegenüber Kameras hat er deswegen heute noch eine – nennen wir es mal kritische – Einstellung. Laut den Pflegern des Center For Great Apes, einem Seniorenheim für Show-Affen im Ruhestand, dreht er etwaigen Fotografen stets den Rücken zu und legt eine erstaunliche Treffsicherheit beim Werfen mit Sand an den Tag. Aber an den Moonwalk erinnert er sich immer noch und tanzt, wenn er gut drauf ist, gerne mal rückwärts durchs Gehege.

Übrigens wurde Bubbles im Nachlass von Michael, trotz der innigen Verbundenheit zwischen den beiden, nicht bedacht und hält sich derzeit mit Spenden über Wasser. Für schlappe 10.000 Dollar kann man für ein Jahr Pate werden und darf den guten alten Bubbles dafür auch mal besuchen kommen. Interessant für alle Affen-Liebhaber, die noch auf der Suche nach einem extravaganten Karma-Boost sind…


 2. Michael Jackson gehören die Rechte an der Hymne des Staates South Carolina, South Carolina on My Mind

Ok, wir müssen an dieser Stelle einschränken: Es gibt einige Hinweise darauf, dass Jackson die Rechte an South Carolina on My Mind gehören. Dagegen spricht, dass sein Name nicht im Wikipedia-Artikel dazu genannt werden. Wobei dieser sich wirklich selbst diskreditiert; er ist so zusammenhangslos geschrieben, dass man sich Sorgen um die geistige Gesundheit der Wiki Community machen sollte. Ebenfalls gegen die Rechteinhaberschaft spricht, dass der Song so schmalzig ist, dass wir uns nicht vorstellen können, dass Jackson gerne damit in Verbindung gebracht worden wäre. Drittens: Jackson kommt nicht mal aus South Carolina! Er ist in Gary, Indiana geboren. Ein Umstand, den die ebenfalls in Gary ansässige Gangsta-Legende Freddy Gibbs in einem witzigen Video thematisierte:



Was spricht denn überhaupt dafür, dass Jackson sich die Rechte an einer kitschig-patriotischen Südstaatenhymne sicherte? Eine gewaltige Zahl an Fanforeneinträgen, Kreuzworträtselantworten, Google Suchergebnissen und Fact Checking Seiten. Der Schwarm weiß mal wieder Bescheid und übertrumpft die Online-Enzyklopädie. Von der atemberaubenden Qualität der Hymne kann man sich übrigens hier überzeugen.



Und sich fragen, ob Jackson nicht besser weiter die Beatles-Diskographie aufkaufen hätte sollen. South Carolina on My Mind ist nur ein müder Abklatsch von Georgia on My Mind von Ray Charles und mit Plagiateuren und Raubkopierern ging Jackson stets streng ins Gericht. Was uns zum nächsten wenig bekannten Fakt bringt:


 3. Einmal, so will es die Legende, forderte MC Hammer den Behandschuhten zu einem sogenannten Dance-Off heraus.

Jackson soll darauf gesagt haben: “I’ve seen your videos and every single dance move you use you got off of me.” Oh snap! Kurz darauf soll aus MC Hammer Gangsta Hammer geworden sein, der Karriere tat diese Hinwendung zum Kriminellen indes nicht gut. Zugegeben, die Dance Mooves beider Künstler sehen extrem lässig aus! Qualitätsunterschiede sind schwer auszumachen. Aber man kann Jacksons Reaktion verstehen. King of Pop kann nur einer sein. Weil der Dance-Off dann niemals stattfand, stellten ihn Fans auf Youtube zusammen: judge for yourself!



4. Der King of Pop war auch König respektive Prinz von Sanwi

A6

Sanwi – für die geographisch wenig Bewanderten unter uns – war ein winzig kleines Königreich, welches sich in der südwestlichen Ecke der heutigen westafrikanischen Republik Elfenbeinküste befand. Bevor man auch dort zu einer demokratischeren Regierungsform überging, verlieh das Königreich Sanwi 1995 dem King of Pop den Titel König von Sanwi. Zugegeben, andere Quellen sprechen nur von einer Krönung zum Prinzen, dennoch sicher eine große Ehre für Jackson, der es mit Besuchen in der Hauptstadt Krinjabo dankte und seinerseits den König Amon N’Douffou IV. nach Los Angeles einlud.

Das nennt sich wohl Völkerfreundschaft. Nach dem Tod Jacksons wurde diese Freundschaft dann allerdings zu einem bizarren Kampf um Jacksons sterbliche Überreste: „Er war unser Sohn, wir fordern seinen Leichnam“, sagte der Sprecher des Königreichs. Der Verstorbene solle in Krindjabo beigesetzt werden, forderte die Gemeinschaft. Besagtes Krindjabo ist in Wahrheit übrigens keine Stadt im bekannten Sinn, sondern nur ein kleines Dörfchen. Na gut, kein großes Bohai, kein Moonwalk, kein Silberhandschuh, aber trotzdem goldene Krone, schwarz-roter Samtumhang und salbungsvolles Gewinke in die Menge. Sein Interesse an der Elfenbeinküste begründete Jackson übrigens mit seinen Vorfahren, die aus dieser Region stammen sollen.


 5. Billie Jean ist das erste Video eines schwarzen Künstlers, das auf MTV gespielt wurde

Billie Jean – Michael Jackson


Okay, wir geben zu, als Michael Jackson Fan weiß man sicher um diesen Fakt. Aber nehmen wir uns trotzdem einen Moment, um dieses Geschichtsdetail zu würdigen. MTV ging im August 1981 auf Sendung und war schon damals auf eine jugendliche Zielgruppe ausgerichtet. Dennoch dauerte es mehr als zwei Jahre, bis 1983 das erste Video eines schwarzen Künstlers in heavy rotation gezeigt wurde. Es war das Billie Jean Video von Michael Jackson. Musikjournalisten schrieben immer wieder, dass damit das Eis für schwarze Musiker und Musikerinnen gebrochen gewesen sei. De facto spielte MTV das Video erst ab, als der Song bereits ein Nr.1 Hit war. Der damalige MTV-Chef Les Garland sagte später, man habe das Video so schnell wie irgendwie möglich gespielt, da man es für großartig befunden hatte. Die Interviews mit Produzenten und Familienmitglieder Michael Jacksons jedenfalls erzählen eine andere Geschichte. Die MTV-Zuschauer waren glücklicherweise weniger von Ressentiments geleitet als die Produzenten beim Sender und liebten das Video heiß und innig. Es war der Grundstein für Jacksons Karriere nicht nur als Ausnahmemusiker sondern auch als Videostar.


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Zeitsprung: Am 16.5.1983 sieht die Welt zum ersten Mal Michael Jacksons „Moonwalk“.

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Popkultur

Zum 79. Geburtstag von Jimi Hendrix: Erneuerer, Mythos, unerreichtes Genie

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Jimi Hendrix
Foto: Svenska Dagbladet/AFP via Getty Images

Er prägte das E-Gitarrenspiel wie wenige andere, revolutionierte in den wenigen Jahren, die ihm vergönnt waren, die Rockmusik und ist noch immer die Messlatte für alles. Heute wäre James Marshall „Jimi“ Hendrix 79 Jahre alt geworden. Sein Einfluss ist nach wie vor allgegenwärtig.

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von Markus Brandstetter

Jimi Hendrix schaffte in der Gitarrenwelt das, was nach ihm wohl nur Eddie Van Halen gelang: diesen alles erschütternden Moment, der keinen Stein auf dem anderen ließ. Bei beiden gibt es hunderte, tausende ähnliche Geschichten prominenter Musiker und Musikerinnen, die von regelrechten Erweckungserlebnissen erzählen. Geschichten von dem Moment, in dem sie Hendrix im Fernsehen gesehen haben, gleichermaßen begeistert und fassungslos darüber, wie er spielte, wie ungewöhnlich, radikal und — je nach Song – auch wunderschön das klang. Es gab vor Hendrix großartige Gitarristen und Gitarristinnen und es gab nach Hendrix großartige Gitarristen und Gitarristinnen. Aber es gibt eben auch eine Zeitrechnung: die der Gitarre VOR Hendrix und Gitarre NACH Hendrix. Es ist das, was viele unserer Gitarrenheld*innen auch über den Moment berichten, an dem sie zum ersten Mal Eddie Van Halen gesehen oder gehört haben: Es war danach einfach alles anders und kein Stein blieb auf dem anderen.

Ynwgie Malmsteen über Hendrix: „Er hat alles auf den Kopf gestellt”

Aber was machte diese unglaubliche Anziehungskraft aus? Yngwie Malmsteen erzählte 2019 gegenüber dem deutschen Magazin Gitarre und Bass, es sei zunächst Hendrix’ Image gewesen, das ihn fasziniert habe, mit der Musik habe er sich erst später beschäftigt. „Es sind seine Songs, sein Sound, sein Auftreten, seine Erscheinung. Sein Spiel war gar nicht zwingend das, was mich faszinierte. Das war Blues-Musik auf Drogen. Aber er hat sie wie kein anderer gespielt“, erzählte Malmsteen dem Magazin, und fuhr fort: „Er hat alles auf den Kopf gestellt und von innen nach außen gekrempelt. Die Art, wie er auf der Bühne gespielt hat und wie er sich dabei gab, hat dazu beigetragen, dass er zu dem wurde, was er heute ist. Wenn er ruhig und nett in der Ecke herumgestanden und brav gespielt hätte, wäre er keine Legende geworden.“

Steve Vai: Hendrix war „elektrischer Zucker“

Eine weitere Gitarrenlegende, die von Hendrix maßgeblich geprägt wurde, ist Steve Vai. Der erklärte 2010 gegenüber Music Radar: „Es war wie elektrischer Zucker, um einen Ausdruck von Tom Waits zu gebrauchen. Ich war etwa 12 Jahre alt und lag mit Kopfhörern da und hörte mir Jimi an, wie er The Star Spangled Banner und Purple Haze spielte, wieder und wieder und wieder. Ich wusste nicht, wie er aussah, ich wusste gar nichts über ihn. Ich wusste nur, was auch immer er tat, wie auch immer er diese Klänge erzeugte, es war unglaublich. Ich war so aufgeregt und dachte: Wann immer dieser Typ in die Stadt kommt, um zu spielen, muss ich ihn sehen. Ich hatte keine Ahnung, dass er gestorben war.“

„Selbstvertrauen und Coolness für fünf Leute“

Auch für Vai bestand die Magie von Hendrix gleichermaßen in Hendrix’ Musik als auch seiner Person: „Irgendwann bekam ich ein Exemplar von Are You Experienced, und das war eine Offenbarung für mich. Die Songs waren zugänglich, sie waren schön, und Jimi hatte etwas, das extrem cool war. Coolness ist etwas, das aus deinem Inneren kommen muss. Es ist ein Selbstvertrauen, das man hat. Jimi hatte genug Selbstvertrauen und Coolness für fünf Leute.“

Hendrix’ Spiel

Es gibt unzählige Faktoren und Elemente, die Hendrix’ Spiel und Stil so einzigartig machten. Ein Teil der Magie bestand schon allein darin, wie Hendrix seine Gitarre zähmte. Das Set-up: ein Marshall-Stack, jede Menge Verzerrung und Rückkopplung, die alles andere als geräuscharmen Single-Coil-Tonabnehmer seiner Stratocaster — auch körperlich machte Hendrix beim Spielen den Eindruck, als würde er gerade einen wilden Mustang zureiten. Den er aber stets vollständig unter Kontrolle hatte.

Und dann war da Hendrix’ unvergleiche Fähigkeit, Rhythmus und Melodie miteinander verbinden, Akkordfolgen zu zerlegen, kleine Verzierungen und Licks einzubauen, seinen Gesang damit zu akzentuieren. Man hört das bei Stücken wie Little Wing, Bold As Love, Castles Made Of Sand oder The Wind Cries Mary — immer dann, wenn Hendrix runter vom Verzerrer ging. Er verschmolz in seinem Spiel mühelos verschiedene Stile, und ganz wichtig: Er schrieb auch phänomenale Stücke. Alles was er brauchte, war ein Trio und trotzdem klang seine Musik so voll wie ein Orchester.

Hendrix steht auch wie kein anderer für eine historische Phase der Gegenkultur, für den Bruch mit Erwartungen. Er war gleichermaßen Aushängeschild wie auch Erneuerer. Er schuf nicht nur ikonische Sounds, sondern auch ikonische Bilder — Woodstock, brennende Gitarre in Monterey. Hendrix war nicht nur Genie, sondern auch Projektionsfläche und Mythos. Eines steht wohl außer Frage: Ohne ihn wäre die Gitarre nicht da, wo sie heute ist.

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Der Tod des Hippie-Traums: Die letzten Tage von Jimi Hendrix

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Synths, Pathos & SM: „Non-Stop Erotic Cabaret“ von Soft Cell wird 40

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Soft Cell
Foto: Fin Costello/Redferns/Getty Images

Happy Birthday, Non-Stop Erotic Cabaret: Das wegweisende Album des englischen Synth-Pop-Duos Soft Cell wird 40 Jahre alt.

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von Markus Brandstetter

Hier könnt ihr Non-Stop Erotic Cabaret hören:

Manchmal passieren die besten Dinge mit limitierten Mitteln — anders gesagt: Meniger Möglichkeiten fördern in so mancher Situation die Kreativität. Als Soft Cell 1980 ins Studio gingen, hatten sie weder ein Riesenbudget noch die Mittel für eigenes State-of-the-Art-Equipment.

Wobei: Ein Instrument, das Sänger Marc Almond und Instrumentalist Dave Ball nutzten, war durchaus sündteuer: Dabei handelte es sich um ein NED Synclavier, eine Art früher digitaler Synthesizer, der von der New England Digital Corporation of Norwich produziert wurde. Der Synth, der in den 1980er- und 1990er-Jahren auf etlichen Produktionen zu hören war, kostete damals 120.000 Pfund — gehörte allerdings nicht der Band, sondern dem Produzenten Mike Thorne. Ansonsten war das technische Set-up eher überschaubar, als Herzstück fungierte eine ReVox Bandmaschine, dazu nutze die Band einen Drumcomputer von Roland und einen Synth-Bass von Korg. Damit schufen Soft Cell einen wegweisenden Sound.

Was vor Non-Stop Erotic Cabaret passierte

Monate bevor Non-Stop Erotic Cabaret erschien, veröffentlichte die Band ihre erste Single des kommenden Albums – den Song Tainted Love, ein 1965 erschienener, im Original von Gloria Jones gesungen und von Ed Cobb geschriebener und produzierter Song.

Zuvor hatte die Band bereits eine EP namens Mutant Moments veröffentlicht, für deren Aufnahme sie sich 2.000 Pfund von Dave Balls Mutter geliehen hatten. Dadurch waren Labels auf die Band aufmerksam geworden — unter anderem Some Bizarre Records, wo das Debütalbum erschien. Soft Cell hatten mit Memorabilia einen kleineren Hit in den Clubs landen können, der Ruhm ließ aber noch auf sich warten. Bis die Coverversion von Tainted Love erschien und zu einem großen Erfolg wurde, mit dem so keiner gerechnet hatte. Die Nummer ging in etlichen Ländern auf Platz eins der Charts, zwei weitere Top-5-Singles folgten mit den Stücken Bedsitter und Say Hello, Wave Goodbye.

Skandal mit SM-Video

Auch wenn Tainted Love vom Popularitätsfaktor musikalisch alles andere in den Schatten stellte — ein weiterer Song sorgte auch für jede Menge Gesprächsstoff: Das Video von Sex Dwarf wurde in Großbritannien aufgrund seiner expliziten SM-Szenen zum regelrechten Skandal. Das Video wurde zurückgezogen, Almond erklärte später sogar, es zu bereuen.

Es waren die Gegensätze zwischen den beiden Bandmitgliedern — Almonds Liebe zu Pathos und Dramatik, die Reibefläche zwischen den beiden Charakteren, die Soft Cell damals so gut funktionieren ließen. Sex, Club, Dekadenz, Rausch: Das waren die Eckpfeiler, die die Band auch wenige Jahre später implodieren ließen (1984 war Schluss — die erste Reunion folgte 2001).

Was Soft Cell heute über Non-Stop Erotic Cabaret sagen

40 Jahre ist Non-Stop Erotic Cabaret also alt — Dave Ball selbst zeigt sich positiv angetan davon, wie gut die Platte gealtert ist. „Was mich überrascht, ist, wie frisch Non-Stop Erotic Cabaret heute noch klingt. Ich nehme an, das liegt daran,dass wir beide 40 Jahre jünger waren, daher klingt Marcs Stimme jugendlicher und nicht so poliert wie heute. Mein Synthesizer-Spiel und meine Arrangements waren einfacher, obwohl ich immer versucht habe, bei meinem minimalistischen Stil zu bleiben“, zitiert ihn das Magazin Northern Life.

Almond ist ganz der Meinung seines Kollegen: „Wenn ich mich zurücklehne und darüber nachdenke, ist es schwer zu glauben, dass eine kleine Sammlung von Songs ein so langes Leben hatte, dass die Leute sie immer noch hören und genießen. Ich bin erstaunt, wie aktuell es immer noch klingt. Und textlich ist es immer noch relevant. Es fühlt sich überhaupt nicht so an, als wäre es 40 Jahre alt, aber der Gedanke, dass es so ist, macht mir ein bisschen Angst!“

Mit Non-Stop Erotic Cabaret leisteten Soft Cell jedenfalls Pionierarbeit — die sie heute selbst ordentlich feiern: Vor kurzem stand die wieder formierte Band in Glasgow und Manchester auf der Bühne — 2022 soll mit Happiness Not Included ein neues Album erscheinen.

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10 Songs, die durch Coverversionen berühmt wurden

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Zeitsprung: Am 27.11.1987 erscheint „Live…In The Raw“ von W.A.S.P.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 27.11.1987.

von Christof Leim

Ja, in den Achtzigern konnte man noch schocken: Damals sind W.A.S.P. die bösen Buben, weil sie „Blut“ aus Schädeln trinken und rohes Fleisch in die Menge werfen. Das ist für junge Metalheads natürlich cool, also verkaufen sich die ersten drei Alben ganz gut. Am 27. November 1987 erscheint das erste Livealbum der Truppe.

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Hört hier in Live…In The Raw rein:


Klickt auf „Listen“ für das gesamte Album.


1987 touren W.A.S.P. zu ihrer dritten Platte Inside The Electric Circus. Zwar haben sie ihre aufsehenerregende Bühnenshow da schon reduziert und machen kurz gesagt nicht mehr so viel Sauerei, aber bei den Konzerten gibt es weiter genug zu gucken. Die Bühne sieht wie ein Zirkuszelt aus, und die Pyrotechnik darf ordentlich rumballern. Frontmann Blackie Lawless trägt sogar eine Funkenkanone im Schritt. Die geht bei einer Show in Dublin auch mal nach hinten los, und zwar im Wortsinn, aber das ist eine andere – und für Blackie sehr schmerzhafte – Geschichte, wie er in diesem amüsanten Interview mit der Washington Post berichtet. Alles in allem bieten W.A.S.P. also herrlichen, nicht immer ganz ernst zu nehmenden Heavy Metal-Spaß, über den sich Eltern aufregen. Bestens.

Die bösen Männer im Metal der Achtziger: Blackie Lawless von W.A.S.P. Credit: Erin Combs/Getty Images

Um das für die Nachwelt festzuhalten, lässt die Band die letzten Konzerte ihrer US-Headliner-Tour aufzeichnen, insbesondere die Show am 10. März 1987 in der Long Beach Arena in Kalifornien. Das Ergebnis heißt Live…In The Raw und erscheint am 27. November 1987. Darauf hauen Blackie Lawless und seine Mannen ihre frühen Hits in ziemlich flotten Versionen raus. Von Wild Child über L.O.V.E. Machine bis zu I Wanna Be Somebody ist hier alles dabei.



Die Aufnahmen klingen etwas künstlich, was die Vermutung nahe legt, dass an diesem Livealbum nicht alles live ist. Insbesondere Passagen, in denen Blackie zu sich selbst Backing-Vocals zu singen scheint, machen doch stutzig. Vielleicht hat aber auch einer der anderen Kollegen eine ähnliche Stimme und trifft jeden Ton, man weiß es nicht. Letztendlich kann das der geneigten Fanschar notfalls auch egal sein, denn das Album macht Spaß.



Außerdem gibt es drei neue Songs, zwei davon in Liveversionen: Einer davon heißt The Manimal (sic!) und thematisiert die philosophischen Implikationen der hormonell bedingten zwischenmenschlichen Anziehungskraft. Oder kurz: Es geht ums Poppen. Insbesondere im Hard Rock der Achtziger stellt das nun gar keine Besonderheit dar, aber den Titel finden wir doch besonders, nun ja, hübsch.

Damals hat die Band Streit mit einer Organisation namens P.M.R.C., die böse Inhalte in der Musik verbieten will und davon ausgeht, dass der Bandname W.A.S.P. für „We Are Sexual Perverts“ steht. Diesem Verein verdankt die Welt zum Beispiel die berüchtigten „Parental Advisory“-Aufkleber. (Die gesamte Geschichte könnt ihr hier nachlesen.) Für jene Leute hat „Schwarzie Gesetzlos“ extra ein weiteres neues Lied mit dem Titel Harder Faster geschrieben, über das sie sich ordentlich aufregen können. Ganz am Ende der Platte findet sich schließlich noch ein Studiotrack: Scream Until You Like It (noch ein geiler Titel!), der in der Horrorkomödie Ghoulies II Verwendung findet.



Mit Live…In The Raw halten W.A.S.P. den überdrehten, aber nicht allzu ernst zu nehmenden Wahnsinn ihrer Shows stilecht fest und fangen den Geist der Ära auf unterhaltsame Weise ein. Das reicht für Platz 77 in den US-Charts. Nach der Veröffentlichung verabschiedet sich allerdings Drummer Steve Riley in Richtung L.A. Guns.

Im Rückblick stellt die Scheibe eine Zäsur zwischen den alten, krassen W.A.S.P. und den reiferen, ambitionierteren Tönen der nächsten Jahre dar. Dass Blackie mal intelligente sozialkritische Kommentare ablassen und gefeierte Konzeptalben wie The Crimson Idol (1992) veröffentlichen würde, lag 1987 nicht gerade auf der Hand.


Zeitsprung: Ab 13.5.1985 will das PMRC vor schlimmen Songtexten warnen.

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