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Popkultur

6 Anekdoten, die nur aus dem Leben von Sid Vicious stammen können

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Foto: Richard E. Aaron/Redferns

Sid Vicious war Zeit seines kurzen Lebens der Gegenentwurf zur Pop-Ikone. Der James Dean des Punk, wenn man so will, ein junger und exzessiver Mann, der nicht wusste, was er tat – und unter seinem Mantel aus Nihilismus, Spott und Respektlosigkeit eigentlich ein verletzlicher, unsicherer Kerl war. Diese Anekdoten zeigen, was zu seinem unausweichlichen Untergang führte.

von Björn Springorum

Dieser Typ lässt selbst den Club 27 wie alte Säcke aussehen: Gerade mal 21 ist Sid Vicious, als er sich vom Heroin ins Jenseits befördern lässt. Die Auflösung der Sex Pistols liegt ein Jahr zurück – ein Jahr, das Simon John Ritchie an der Seite von Nancy Spungen mehr oder minder konstant im Rausch verbringt. Die Ärzte sagen ihm, er solle aufhören zu trinken. Er tut es nicht. Ironie des Schicksals, dass es schließlich gar nicht der Alkohol ist, der ihm den Rest gibt. In dem knappen Jahr, in dem er bei den notorischen Sex Pistols für Skandale, Streits und Schlägereien sorgt, hat Sid Vicious mehr urban legends um sich und seine Person angehäuft als die meisten anderen in einem langen Leben.

Hört hier in das einzige Sex Pistols-Album rein:

Sids vollkommen verkorkste Jugend

Viele von uns würden sagen, dass ihre Kindheit nicht perfekt lief. Gegen das, was der junge Sid erlebte, dürften aber die wenigsten ankommen. Als einziges Kind seiner Mutter Anne lebte er eine ärmliche, spärliche Kindheit ohne Vater, mal in England, mal auf Ibiza, wo Anne Ritchie angeblich ihr Geld mit dem Verkauf von Marihuana verdiente und bald darauf selbst in einen Sumpf aus Heroin, Opiaten und Speed sank – ein Vorrat, aus dem sich auch der junge Sid gern bediente. Sie war also nicht das beste Vorbild für einen unsicheren Teenager, und setzte ihren Sohn mit 16 einfach so auf die Straße.

Die Erfindung des Pogo-Tanzes

Wie alle Anekdoten aus der verwunschenen Welt der Pop-Mythen muss man auch diese mit einer gewissen Vorsicht genießen – unterhaltsam ist sie dennoch: Als Sid Vicious noch nicht Teil der Sex Pistols war, aber als Ur-Fan regelmäßig bei ihren Konzerten auftauchte, erregte er Aufsehen, weil er immer auf und ab sprang. Nicht jedoch, um zu tanzen, wie es heißt, sondern um eine bessere Sicht auf die Bühne zu haben. Der Ursprung des Pogo-Tanzes? Denkbar, aber nicht bewiesen.

Der unverantwortliche Einsatz einer Fahrradkette

Dass man sich mit ihm nicht anlegen sollte, machte der notorische Pöbler Sid Vicious bei jeder denkbaren Gelegenheit deutlich. Ein besonders einprägsamer Vorfall ereignete sich am 15. Juni 1976 im Londoner 100 Club. Damals wohlgemerkt noch gar nicht Teil der Band, knöpfte sich Vicious den Musikjournalisten Nick Kent vom New Musical Express vor, der der Band zufolge mehr als einmal negativ über sie geschrieben hatte. Vicious zog einfach mal so eine Fahrradkette aus der Tasche und ging auf Kent los. Selbst Vivienne Westwood, die Erfinderin der Punk-Mode, zeigte sich damals schockiert und angewidert von der Attacke. „Der Kerl ist ein Psychopath“, soll sie gesagt haben.

Ein Hamster namens Sid

Die Zeit der Sex Pistols war auch die Zeit der wilden Pseudonyme. Brave englische Namen passen nun mal nicht zu einer aggressiven, gefährlichen Band. Aus John Lydon wurde im Handumdrehen Johnny Rotten (im besten Punk-Sinne seiner Hygiene zugeschrieben), während aus Simon John Ritchie Sid Vicious wurde. Sid wegen Lydons Hamster, der ebenso gern biss wie der junge Punk-Querschläger. Und Vicious wegen des Openers auf Lou Reeds Transformer-Album.

Das Rätsel um Nancys Tod

Niemand wird je erfahren, was sich am 12. Oktober 1978 auf Zimmer 100 des New Yorker Chelsea Hotel ereignete. Sid Vicious und Nancy Spungen hatten sich in ihrer Drogenhölle eingerichtet und verlebten ihre Tage im dreckigsten Rausch, den man sich vorstellen kann. Das Messer, das Nancy am 10. Oktober für Sid kaufte, hatte man ihr in den Bauch gerammt, sie lag tot im Badezimmer. Sid Vicious, high auf sonst was, wurde von der Polizei befragt, machte widersprüchliche Aussagen und wurde wegen Mordes angeklagt. Ob er es war, ob er vielleicht sogar auf Nancys Bitte handelte, weil die beiden Berichten zufolge gemeinsam sterben wollten, bleibt unklar. Fest steht: Vicious versuchte, sich am 23. Oktober das Leben zu nehmen, indem er sich die Pulsadern aufschnitt und dann aus dem Fenster springen wollte.

Das Ende mit Schrecken

Sid Vicious sollte sich von Nancys Tod – wie auch immer er herbeigeführt worden war – nie erholen. Im Dezember 1978 legte er sich mit Patti Smiths Bruder Todd an, nachdem er dessen Freundin begrapscht hatte. Es wurde mal wieder hässlich, Vicious kam mal wieder in den Knast. Wenige Wochen später, genauer gesagt am 1. Februar 1979, kam er wieder frei. Seit zwei Monaten clean, gönnte er sich zur Feier des Tages einen Schuss Heroin – und wurde am nächsten Morgen tot von seiner Mutter gefunden, die ihm das Heroin besorgt hatte. Die Todesursache war eine Überdosis, doch sehr wahrscheinlich keine unabsichtliche: Nach seiner Einäscherung fand sie einen Abschiedsbrief in der Tasche seiner Lederjacke. Unvergessen der Inhalt: „Wir hatten einen Todespakt. Ich muss meinen Teil der Vereinbarung einhalten. Bitte begrabt mich neben meinem Baby. Begrabt mich in meiner Lederjacke, Jeans und Motorradstiefeln. Lebt wohl.“

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