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Popkultur

Die musikalische DNA von Bilderbuch

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Sorry, dass ihr es auf die Art erfahren musst, aber: Nein, Wanda sind nicht die geilste Band der Welt (aus Österreich). Sondern Bilderbuch. Genau, die mit den vielen Autos und noch mehr Autotune, die mit dem Funk und den überdrehten Videos. Die ehemaligen Klosterschüler, die als Teenager ihre eigene Band gründeten und kein Englisch konnten, weshalb sie sich einen beliebigen deutschen Namen zulegten, der bis heute funktioniert. Denn Bilderbuch sind Bild und Buch, das heißt grell und smart in einem. Die Art Band, die sich jahrelang den Arsch abspielt und von der dann trotzdem alle denken, sie käme aus dem Nirgendwo.


Hört euch hier die musikalische DNA von Bilderbuch in einer Playlist an und lest weiter:

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Bilderbuch haben in jeglicher Hinsicht ihren eigenen Stil gefunden, ob nun musikalisch, visuell oder in den wilden auf Denglisch vorgetragenen Texten von Maurice Ernst, dem wasserstoffperoxiden Sprachrohr der Band. Bilderbuch sind aber eben auch mehr als ihr sorgsam konstruiertes Image. »Stimmung und Gefühl geht über das perfekte Popbild«, wird Ernst nicht müde, zu betonen. Zugleich lamentiert er, dass das heute eben nicht mehr so selbstverständlich sei wie früher. Wenn wir uns also die musikalische DNA der geilsten Band der Welt (aus Österreich) anschauen, dann wandert unser Blick schnell in die Vergangenheit.


1. Prince – If I Was Your Girlfriend

Fangen wir also bei der Legende aus dem Paisley Park an: Prince. Der hatte vorgemacht, dass sich Funk mit elektronischer Musik vermischen lässt und trotzdem Sex-Appeal dabei herumkommt. Ernst sieht in Prince ein »Riesenvorbild«, einen der wenigen »Künstler, die sich über einen längeren Zeitraum immer wieder verändert und trotzdem qualitativ Hochwertiges abgeliefert« haben. Ein Anspruch, der deutlich aus dem Werk von Bilderbuch spricht, die auf jedem ihrer drei Alben anders klangen als zuvor oder danach. Nebenbei kratzen Bilderbuch wie auch Prince – Selbstbekenntnis: »I’m not a woman / I’m not a man / I’m something you’ll never understand« – gehörig an den gängigen Männlichkeitsvorstellungen, welche die Indie-Szene noch bis heute bestimmen. Wir drehen dann mal If I Was Your Girlfriend auf – Gruß und Bussi an die Brudis von Wanda!


2. David Bowie – Lady Stardust

À propos Gestaltenwandler, à propos angekratzte Männlichkeitsbilder: David Bowie ist natürlich ebenso zu einem der Vorbilder Bilderbuchs zu zählen. Ernst nennt ihn in einer Reihe mit Prince als einen Ausnahmekünstler. »Natürlich gibt es Ausrutscher, Phasen, die jetzt nicht so cool sind, aber die Rezeption verändert sich ja auch. Vor vier Jahren hätte ich noch gesagt: Scary Monster von Bowie, das ist ein Schas«, gab er in einem Interview zu und fügte hinzu, dass er früher vor allem auf Bowies Überalbum The Rise And Fall Of Ziggy Stardust And The Spiders From Mars im Player rotieren ließ. Er begreift aber Bowie als sich wandelndes Gesamtkunstwerk und sieht auch seine Band in dieser Tradition. »David Bowie hat so viele Stimmen und so viele Weisen, sich auszudrücken«, schwärmte er. »Ich habe auch mehr als eine Stimme. Ich singe mal Kopfstimme, mal wieder tief, habe auf jedem Album versucht, meine Stimme ein wenig zu verändern, sie weiterzutreiben und dann auf Altes zurückzugreifen.« Und wenn schon auf Altes zurückgreifen, dann aber auch auf die richtigen Klassiker, oder?


3. Falco – Vienna Calling

Der größte Bowie-Fan Österreichs ist Ernst aber damit noch lange nicht. Ein noch viel größerer nämlich fand sich im exaltiertesten Funkverteidiger des Landes: Falco. Der modelte sein eigenes Image in Anfangsjahren nach dem großen Idol, fand aber auch schnell zu seiner eigenen Existenz. Mit seiner Hip Hop-Affinität, seinem glamourösen Auftreten und seinen textlichen Spagaten zwischen Wiener Schmäh und US-amerikanischem Rap muss Falco doch Modell für den Bilderbuch-Style gestanden haben, oder? Von wegen! »Natürlich gibt es Gemeinsamkeiten, aber auch riesige Unterschiede«, ließ sich Ernst genervt von den ständigen Vergleichen zitieren. »Mit Falco ist das so eine Sache in Österreich. Er ist einfach ein Synonym für Popstar.« Eins aber gibt doch zu: »Nur diese Attitüde, das Selbstverständnis, einen Popsong hinzuknallen, der einfach kompromisslos sagt: ‚Da sind wir!‘ Das ist Falco, das ist wie Punk.« In der Hinsicht ist der ständige Vergleich eben doch ein Kompliment.


4. Kanye West – Monster (feat. Jay-Z, Rick Ross, Nicki Minaj & Bon Iver)

Vor allem können wir auch mal fünf gerade sein lassen und Falco in diese Liste aufnehmen, weil Rap ohne ihn vermutlich nicht so schnell im deutschsprachigen Raum angekommen wäre. Rap, Hip Hop, R’n’B sowie Trap sind Spielarten, die Bilderbuch ebenfalls in ihren wilden Stilmix integrierten. Nehmen wir Autotune: Das wurde als musikalisches Stilmittel von Cher bekannt gemacht, von T-Pain verfeinert und von Kanye West perfektioniert, bevor sich Crews zwischen Atlanta und dem Hanuschplatz draufstürzten. Kanye West ist eines der erklärten Vorbilder der Band und der Hip Hop-Ansatz ein essentieller Bestandteil des Bilderbuchschen Arbeitsprozesses. »Man bringt einfach zusammen, was einem gefällt«, sagt Ernst über den Arbeitsprozess seiner Band. »Ich würde sagen, es hat etwas mit R’n’B zu tun, mit Soul, es ist sehr amerikanische Musik.« Und was ist amerikanischer als Kanye Wests My Beautiful Dark Twisted Fantasy? Ernst schwärmt vor allem von Nicki Minajs – sonst für ihn eine »grenzwertige Künstlerin« – Feature-Auftritt auf Monster. Da komme ihre schöne Seite zum Vorschein. Die haben Bilderbuch zwischen all dem Glam und Glitter schließlich auch.


5. Bon Iver – Woods

Wer genau hinhört, wird auf Monster noch eine Stimme wiedererkennen: die von Bon Iver. Die sensibelste als Folk-Seelchen hatte Kanye Wests Interesse ebenfalls mit krassem Autotune-Einsatz geweckt. Der Song Woods von der EP Blood Bank war eine absolute Kuriosität, denn die Stimmangleichungssoftware schien mit der um Authentizität buhlenden Singer/Songwriter-Ästhetik des Genres doch so gar nicht zu vereinbaren. Das aber gerade macht den Clou von Justin Vernons neueren Songs aus und das steht ebenso im Zentrum von Bilderbuchs musikalischem Ansatz, die unter anderem für Vernons Album 22, A Million lobende Worte fanden. Alle Vorwürfe der Inszenierung prallen deswegen auch Bilderbuch ab. So wie der Autotune fester Bestandteil von Bon Ivers Sound geworden ist, so ist ihre überzogene Selbstdarstellung Ausdruck davon, wie sie selbst sind. Klingt paradox, ist es aber nicht.


6. The Strokes – Last Nite

Wo wir schon bei Authentizitätsfragen waren: Rock-Musik war immer die letzte Bastion des Echten und Handgemachten. Aber wie authentisch sind eigentlich ein paar US-amerikanische Kids, die sich auf einer feinen Privatschule in der Schweiz kennenlernen und eine Band gründen? Auch die Frage wollen und können wir hier nicht beantworten. Die einen auf dem Internat, die anderen in der Klosterschule – das ist noch nicht alles, was The Strokes mit Bilderbuch eint. Tatsächlich begannen Bilderbuch ihre bescheidene Karriere zu Teenagerzeiten damit, die Songs der Band nachzuspielen, die mit ihrem Album Is This It im Jahre 2001 die richtigen Fragen stellten und eine beispiellose Erfolgsgeschichte schrieben. Bilderbuch mussten da schon mehr ackern, es sollte sich aber ebenso auszahlen. Und vielleicht erspart ihnen die harte Arbeit auch das Schicksal der späten Strokes, die zunehmend in der Bedeutungslosigkeit versanken… Dann doch lieber Champagner im Jacuzzi schlürfen!


7. Ja, Panik – DMD KIU LIDT

Nicht nur The Strokes wie auch britischer Indie Rock von Oasis bis zu den Arctic Monkeys waren für Bilderbuch prägend. Auch der Einfluss einer anderen österreichischen Band auf das Quartett lässt sich nicht leugnen. Ja, Panik versetzten spätestens 2011 mit ihrem Album DMD KIU LIDT (spricht sich übrigens Die Manifestation des Kapitalismus in unserem Leben ist die Traurigkeit aus) die Indie-Welt in helle Aufregung. Da war plötzlich eine Band, die den Protestsong zu retten schien, vor Glanz und Gloria aber trotzdem nicht zurückschreckte! Ja, Panik waren damit auch eine der wegbereitenden Bands des revitalisierten Austropop-Crazes, dem Bilderbuch höchst kritisch gegenüber stehen: Nein, nur weil sie da herkommen, wollen sie darauf nicht reduziert werden. Dennoch: Was deutschsprachigen Rock angeht, bleiben sie lieber im Süden. »Die Bands der Hamburger Schule, die waren so kalt«, sagte Ernst. Zumal Ja, Paniks politischer Anspruch dem von beispielsweise Tocotronic in nichts nachstehen mag, der emphatische Stil der Landsmänner den Zappelphilippels von Bilderbuch schon eher reingehen wird. Die übrigens verpacken ihre Gesellschaftskritik lieber in Zweideutigkeiten. Das auf ihrem letzten Album besungene Magic Life findet schließlich in der Festung Europa statt und das wissen sie auch.


8. UB40 – Red, Red Wine

Die zwei österreichischen Acts – Falco und Ja, Panik – in dieser Liste haben eine Gemeinsamkeit, die ihnen Bilderbuch zugutehalten: ihre Haltung. Und Haltung ist nun mal nicht auf Herkunft herunterzubrechen, sondern ebenso international wie der Musikgeschmack der Bilderbuch-Boys. »Wir sind sehr offen und konsumieren jegliche Musik von ZZ Top bis zur ärgsten Jamaika-Mucke. Das ist uns so ein bisschen wurscht«, zuckt Ernst gerne die Schultern. »Und wenn du dann das alles zueinanderfügst, dann kriegst du wieder Bilderbuch raus.« Auf die Stichelei eines Interviewers, dass Bilderbuch dann schnell mal nach UB40 und ihrem Blue-Eye-Reggae-Hit Sunshine Reggae klängen, antwortete Ernst wie aus der Pistole geschossen: »Du hast schon recht. Wobei du dir auch mal die drei Hits von UB40 anhören musst. Die sind super geil. Das ist natürlich auch in den Dreck gezogen worden. Logischerweise, weil es eben totgespielt wurde und ein bisschen unsympathisch ist. Und trotzdem muss man sagen: Hey, das törnt schon richtig an, irgendwie.« Überraschende Worte – aber typisch Bilderbuch: Da wird sich nicht geschämt, da werden Zugeständnisse gemacht.


9. Tina Turner – Don’t Give Up (live with David Bowie)

Dass dann Ernst bei einer Show im österreichischen Radio einen Tina Turner-Song auflegt, überrascht da eigentlich nicht mehr. Vor allem nicht, wenn ein alter Bekannter dabei ist: David Bowie. Als Turner und Bowie 1984 gemeinsam Don’t Give Up aufnahmen, war zwar noch keines der Bandmitglieder geboren und Ernst gibt offen zu, dass sie ihre Kindheit nicht in geschmackssicheren Elternhäusern verlebt haben. Aber irgendwann kommen eben alle auf die Achtziger – und was ist denn schon der größte Bezugspunkt von Bilderbuch, wenn nicht die Hairspray-Dekade? Na, klar: Die Zukunft, oder die »Future«, wie Ernst gerne sagt. Der Weg in die führt aber meistens mit einem kleinen Umweg durch die Vergangenheit über die Gegenwart. Und Don’t Give Up ist doch letztlich die beste Losung für eine zukunftsorientierte Band, oder nicht?


10. Casper – Auf und davon

Gegenwart ist das Stichwort. In den vergangenen Jahren haben Bilderbuch in der zeitgenössischen Musiklandschaft ihre Spuren hinterlassen. Cloud Rap österreichischen Zungenschlags, der wild mit Autotune experimentiert etwa wurde von ihnen vorbereitet. »Wer Schick Schock kennt, der kennt unseren Song Barry Manilow und das ist ja im Prinzip der erste Cloud Rap-Song, den es in Österreich gegeben hat«, brüstete sich Ernst. »Von der Struktur, von der Sprache, Autotune. Diese Drugginess, dieser R’n‘B im Song, auch der Sprachwechsel im Song.« Na, wenn er das sagt! Einen Rapper, wenngleich einen deutschen, hat zumindest das Video Karibische Träume dermaßen inspiriert, dass er die wilde Husky-Jagd auch in einem seiner Videos auftauchen ließ. Caspers Auf und davon blieb aber bei weitem nicht das einzige Zugeständnis der Rap-Szene an Bilderbuch. Juicy Gay zum Beispiel hat sich den Track Sweetlove geschnappt und kaum mehr getan, als ein paar Lines darüber zu legen. »Aber wir nehmen das hin und freuen uns, dass er was macht. Weil wir realistisch sind. Solange das nicht ein Riesenhit wird, braucht sich da niemand anscheissen«, so Ernst. Und eh: Ist doch schön, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.


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Popkultur

„Hot Space“ verwandelt Queen vor 40 Jahren in eine Dance Pop-Band

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Queen
Foto: Kent Gavin/Mirrorpix/Getty Images

Vor 40 Jahren erschien Hot Space — jenes Queen-Album, das im Werk der legendären Band so richtig aus der Reihe tanzt. Betonung auf: Tanzt, denn hier regiert nicht heroischer Rock, sondern Disco. Bei vielen gilt die Platte als ungeliebter Ausreißer — wird ihr da Unrecht getan?

 von Markus Brandstetter

Hier könnt ihr Hot Space hören:

Es gab Zeiten, da betonten Queen noch extra, keinerlei Synthesizer in ihrer Musik zu verwenden. Im Juni 1981 gab’s dann aber eine ordentliche Kehrtwende in dieser Sache, denn als die Band ins Studio ging, um an ihrem neuen Longplayer zu arbeiten, wurden Synthesizer ein tragendes Element. Mehr noch: Queen vollzogen in den Augen vieler eine unverständliche Wandlung, denn plötzlich regierten Disco, Dance, R&B und Funk den Sound des britischen Quartetts. Damit nicht genug: Queen setzten sogar Drumcomputer ein — und die stets omnipräsente Leadgitarre von Brian May ordnete sich einer anderen Funktion unter.

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Roger Taylor sagt: John Deacon ist schuld

Geht es nach Schlagzeuger Roger Taylor, war es Bassist John Deacon, der die ersten musikalischen Impulse in diese Richtung setzte. „John war schon immer R&B-orientiert, unser Bassist, der Another One Bites The Dust schrieb, … was sich als die meistverkaufte Platte des Jahres herausstellte. Und ich glaube, das war der Song, der uns in diese Richtung katapultiert hat“, sagte Taylor damals — legte dann aber gleich nach, dass die Band mittlerweile der Meinung war, es etwas übertrieben zu haben. „Ich denke, wir sind zu weit gegangen und haben zu viel getan. … Jeder in der Band empfindet das jetzt so“, so Taylor.

Allerdings ist es nicht Deacon, dem im Nachhinein von der Band (minus Mercury) der schwarze Peter zugeschoben wurde — sondern Freddie Mercurys damaliger Manager Paul Prenter. Der war zwischen 1977 und 1984 für Freddies persönliche Angelegenheiten zuständig und übte in den Augen Taylors etwas zu viel Einfluss auf seinen Klienten aus. Und zwar so sehr, dass Taylor meinte, Prenter wollte Queen nach Gaybar klingen lassen. Eine Erklärung der etwas anderen Art hatte einer der Produzenten, Reinhold Mack, parat: Prenter habe Rockmusik gehasst — und habe Mercury regelrecht im Ohr gelegen.

Auch an die Aufnahmesessions an sich erinnert sich die Band nicht unbedingt gerne: Besonders die Aufnahmen in München (als zweiter Ort fungierte Montreux) zogen sich in die Länge. Die Band pflegte laut Brian May einen ungesunden Party-Lebensstil der in Orientierungslosigkeit resultierte.

Disaster und „Disco sucks“

Dass viele Fans und Kritiker*innen enttäuscht waren, ist wenig überraschend — denn Hot Space war definitiv eine Abkehr von dem, was die Band davor gemacht hatte. Der ehemalige Manager der Band, Jim Beach, sprach in der 2011 erschienenen Doku Queen: Days Of Our Lives sogar von einem regelrechten Desaster und erinnerte sich Fans, die mit „Disco sucks“-Banner zu Konzerten der Band kamen.

Das empfanden allerdings längst nicht alle so: Denn Michael Jackson verehrte das Album, bezeichnete es sogar als Inspiration für seinen Megaseller Thriller. Natürlich, bei Hot Space hat man es mit einem Ausreißer zu tun, einem Experiment einer etablierten Band, das längst nicht jeder gut fand und für viele sogar eine regelrechte Enttäuschung war. Und tatsächlich, in den nachhaltigen Queen-Kanon hat es daraus nur ein einziges Stück geschafft: das mit David Bowie in einer spontanen Session in Montreux entstandene Under Pressure, das für die Band in Großbritannien zum Nummer-eins-Hit wurde. Auch hier waren wieder Deacon und seine unglaublich eingängige Basslinie (wie schon bei Another One Bites The Dust) ausschlaggebend.

Zwei Jahre später kehrten Queen mit The Works wieder zu alter Form zurück. Hot Space geht auf alle Fälle als Experiment der Band in die Geschichte ein — als eines, das Teile der Band wohl gerne wieder rückgängig gemacht hätten, das aber auf alle Fälle ein kurzweiliges und interessantes Album ist, das dem damaligen Zeitgeist Rechnung trägt. Was Queen auch genügend Fans vorgehalten haben.

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Wie fast Guns N‘Roses statt Queen in „Wayne‘s World“ gelandet wären

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25 Jahre „OK Computer“: Wie Radiohead den Prog neu erfinden

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Radiohead
Foto: Jim Steinfeldt/Michael Ochs Archives/GettyImages

Das Label geht von einem Flop aus, die Band setzt alles auf eine Karte: 1997 veröffentlichen Radiohead ihr drittes Album OK Computer. Die Bedenken sind unbegründet: Das Album wird zum kommerziellen Erfolg und gilt heute als eine der besten Platten aller Zeiten. Die ganze Geschichte der modernen Prog-Rhapsodie.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr Ok Computer hören:

Es ist 1997, und in Großbritannien hat man so langsam aber sicher genug von Britpop. Die anfängliche Euphorie ist verfolgen, die Aufregung rund um den Battle Of Britpop von 1995 längst vergessen, die Sperenzchen und Eskapaden der Gebrüder Gallagher öde. Sicher, Be Here Now ist ein weiterer Oasis-Megaseller, doch die britische Rockmusik sehnt sich insgeheim nach einer neuen Marschrichtung. Die kommt von Radiohead – von wem auch sonst, wie man aus heutiger Sicht treffsicher urteilen würde. Mit ihrem dritten Album OK Computer sorgen sie nicht nur für einen der ganz großen Klassiker der intelligenten Rockmusik; sie erfinden mal so eben den Prog neu und führen die Musik des Königreichs mit sicherer Hand gen neues Jahrtausend.

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Desillusioniert in den Staaten

Das war damals selbst ihnen nicht zuzutrauen. Oder doch? Schauen wir uns mal ihre bemerkenswerte Karriere bis zum Release von OK Computer an: Ihr Debüt Pablo Honey erscheint 1993, ein schroffes und kratziges Rock-Album, das mit Creep ihren ersten Megahit enthält, ansonsten aber noch in die Kategorie „ausbaufähig“ fällt. Das nehmen Radiohead sehr ernst. Die Band, die sich 1985 an einer Jungenschule im ländlichen Oxfordshire gründet, wird durch Presse, Radio und Fernsehen gereicht, eine desillusionierende USA-Tour besiegelt fast das Schicksal der Band.

The Bends, ihr zweites Album von 1995, zeigt eine merklich gereifte, angekratzte, bittere Band. Die nackte Emotion, die Verletzlichkeit und die Verzweiflung machen die Platte zu einer der definitiven Scheiben der Neunziger. Lange Touren mit R.E.M. oder Soul Asylum durch Nordamerika, Europa und Japan folgen, wieder merkt die Band, dass sie echt nicht für die Straße gemacht ist, dass Touren zermürben, aufreiben, aushöhlen. Dennoch kommt es auf der Tour zu einer folgenschweren Begegnung mit Brian Eno. Für seinen Charity-Sampler nehmen Radiohead am 4. September 1995 die Nummer Lucky auf – in fünf Stunden.

Diese spontane, impulsive, unmittelbare Arbeitsweise löst etwas aus in der Band. Das ist bitter nötig, immerhin steht sie gerade vor dem riesigen Problem, einem sehr erfolgreichen Album einen Nachfolger zu bescheren. Sie beginnen im Juli 1996 die Aufnahmen in ihrem eigenen Canned Applause Studio, treten aber trotz der anfänglichen Inspiration auf der Stelle, kommen nicht vorwärts. Da erscheint die Einladung von Alanis Morissette, mit ihr durch die Staaten zu touren, natürlich verlockend. Was die Band nicht wissen kann: Diese Tour wird OK Computer überhaupt erst möglich machen. Bei einem Konzert erhalten sie Besuch von Regisseur Baz Luhrmann, der gern einen Radiohead-Song in seinem kommenden Film Romeo und Julia haben würde.

Wo sind die Hits?

Exit Music (For A Film), Radioheads wunderschöner Beitrag zum Shakespearschen Drama, wird zur Initialzündung für die Metamorphose. Sänger Thom Yorke sagte später mal: „Das war unsere erste Aufnahme, bei der mich jede Note berauschte. Darauf konnte ich stolz sein, das konnte ich laut aufdrehen und dennoch jede Sekunde genießen.“ Der Rest geht schnell: Sie quartieren sich in St Catherine’s Court ein, einem historischen Anwesen bei Bath, breiten sich in dem elisabethanischen Haus aus und nutzen Treppenhäuser oder Korridore für die Aufnahmen. Zwischen September 1996 und März 1997 entsteht dort ein Album, das erst mal zum Schreckgespenst für ihr damaliges Label Parlophone wird. Dort erwartet man natürlich ein zweites The Bends, ein Alternative-Rock-Manifest für eine verlorene Generation oder mit anderen Worten: Singles, Hits und klingende Kassen.

Da machen Radiohead aber nicht mit. Sie entschieden sich, alles auf eine Karte zu setzen, geben die 100.000 Pfund Vorschuss ihres Labels für Equipment aus und produzieren das Album mit Unterstützung von Haus-und-Hof-Produzent Nigel Godrich selbst. Mit anderen Worten: Radiohead steigen schon jetzt aus den Mechanismen des Marktes aus und nehmen ihr Schicksal selbst in die Hand. Nach der Seelensuche von The Bends richten sie ihren Blick nach außen und schreiben eine fast schon dystopische Rhapsodie, ein Album, das viel von dem vorweg nimmt, was im neuen Jahrtausend auf die Welt zurollt: soziale Entfremdung, Isolation, Konsumismus und das aussaugende Leben in der Großstadt.

Die Wiedergeburt des Prog

Musikalisch steht der nächste Quantensprung an. Wo die meisten anderen guten Bands zwischen Pablo Honey und The Bends mindestens noch eine weitere Platte gebraucht hätten, um eine ähnliche Entwicklung hinzulegen, liegen zwischen The Bends und OK Computer mindestens zwei Alben. Mit traumwandlerischer Sicherheit bewegen sich Radiohead durch ihren mitternächtlichen Garten aus Rock, Prog, Pop und Electronica, ein fließendes, inhärent nachdenkliches, kunstfertig geschmiedetes Album. Kurz: ein Werk, dem ein Creep oder ein Fake Plastic Trees fehlt. Die Plattenfirma ist schockiert, weiß nicht, was sie mit dieser Musik anfangen soll. Sie setzt die Verkaufsprognose von mehreren Millionen auf eine halbe Million herab.

Und wird eines besseren belehrt: OK Computer, das ist schon der damaligen Presse klar, ist eine Wasserscheide. Lange Songs, komplexe Arrangements, eine Vielzahl an Instrumenten: Radiohead beleben den Prog neu. Ihnen gelingt das Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band der Neunziger, ein musikalisches und lyrisches Meisterwerk, so voller Assoziationen, doppelter Böden, Schichten und Ebenen, dass man wochenlang darin abtauchen kann. Inspiriert von Bitches Brew, dem gewagten Album von Miles Davis, Ennio Morricone, Can, Pet Sounds oder dem besten Pop-Song aller Zeiten, A Day In The Live, gelingt Radiohead eine Preziose, ein seltenes Kunstwerk.

Entstanden nach einer Periode der Instabilität und Unsicherheit, erwachsen Radiohead aus ihrem Kokon und machen einfach das, was sich in diesem Moment richtig anfühlt: Musik, und das überwiegend zusammen. 80 Prozent von OK Computer sind live entstanden. Hätte ihre Plattenfirma Recht behalten, hätten Radiohead das 21. Jahrhundert nicht mehr als Band erlebt. So bescheren sie den späten Neunzigern das wichtigste Album, revitalisieren mal so ganz nebenbei den Prog und bereiten der Rockmusik den Weg ins neue Jahrtausend.

Und dennoch ist das 1997 nur der Anfang: 2000 werden Radiohead mit Kid A vollkommen den Verstand verlieren. Im streng positiven Sinne, versteht sich.

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10 Songs, die die Rockmusik verändert haben – Teil 3

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Popkultur

10 Songs, die jeder Fan von The Notorious B.I.G. kennen sollte

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The Notorious B.I.G.
Titelfoto: Ethan Miller/Getty Images

Höher, weiter, Biggie: In nur 24 Lebensjahren entwickelte sich The Notorious B.I.G. zu einem der größten Macher der Hip-Hop-Szene. Im März 1997 starb der junge Rap-Star durch ein Drive-By-Shooting. Wir haben für euch zehn großartige Songs aus seinem musikalischen Vermächtnis zusammengetragen.

von Timon Menge

1. Gimme The Loot (1994)

Als Christopher George Latore Wallace aka The Notorious B.I.G. am 13. September 1994 sein Debütalbum rausbringt, hat der Rapper bereits eine längere kriminelle Karriere hinter sich. Angeblich arbeitet er schon im Alter von zwölf Jahren als Drogendealer, 1991 landet er für den Handel mit Crack im Gefängnis. Dort verbringt er neun Monate, im Anschluss nimmt er das Demo-Tape Microphone Murderer auf. Sein Künstlername zu jener Zeit: Biggie Smalls. Der Rapper spielt damit auf sein Gewicht von etwa 150 Kilo an sowie auf seine Größe von 1,91 Metern. Das Demoband öffnet ihm die Tür zur Musikwelt, 1994 veröffentlicht er als The Notorious B.I.G. erstes Album Ready To Die. Dass sich Biggie bestens mit der Welt des Verbrechens auskennt, zeigt auch der dritte Song von der Platte, denn im Text von Gimme The Loot geht es ziemlich eindeutig um einen Raubüberfall.

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2. Juicy (1994)

Bei Juicy handelt es sich um die erste Single-Veröffentlichung von Ready To Die. The Notorious B.I.G. beschäftigt sich in der Nummer mit seinem Werdegang, seiner Kindheit in Armut, dem Traum vom Leben als Rapper, seiner kriminellen Laufbahn und seinem Erfolg in der Musikindustrie. Mit der Zeile „Time to get paid / blow up like the World Trade“ bezieht er sich auf den Terroranschlag auf das New Yorker World Trade Center am 26. Februar 1993. An jenem Tag zündeten einige Terroristen des Netzwerks al-Quaida in der Tiefgarage des Bürokomplexes eine Bombe und töteten damit sechs Menschen; mehr als 1.000 Personen wurden verletzt. Juicy gilt bis heute als einer der bekanntesten und wichtigsten Hip-Hop-Songs überhaupt.

3. Big Poppa (1995)

Zwei Künstlernamen von The Notorious B.I.G. kennen wir bereits, doch es gibt noch viele mehr, wie zum Beispiel Frank White, MC CWest oder auch Big. Mit seinem Alter Ego „Big Poppa“ beschäftigt sich der Rapper im gleichnamigen Song auf seinem Debütalbum. Der Name scheint ihm nicht zu missfallen, in der Nummer heißt es mehrfach: „I love it when you call me Big Poppa“.

4. Suicidal Thoughts (1994)

Achtung, sanftere Gemüter sollten um diesen Track möglicherweise einen Bogen machen, denn in Suicidal Thoughts geht The Notorious B.I.G. ans Eingemachte. So erzählt er in dem Song, bei dem der Titel Programm zu sein scheint, dass er glaubt, eine Enttäuschung für seine Mutter zu sein. Er habe sie beklaut, sei auf die schiefe Bahn geraten und sei sich sicher, dass sie sich im Nachhinein eine Abtreibung gewünscht habe. „I wonder, if I died, would tears come to her eyes?“, fragt er sich im Text. Zum Schluss ist er sich sicher, dass seine Mutter auf seiner Beerdigung zwar so tun würde, als würde sie um ihren Sohn trauern; insgeheim sei sie aber froh, dass er weg sei. Tatsächlich war und ist Voletta Wallace sehr sehr stolz auf ihren Sohn, wie aus unzähligen Medienberichten hervorgeht.

Depressiv? Hier bekommst du Hilfe: Wenn du selbst depressiv bist oder Selbstmordgedanken hast, kontaktiere bitte umgehend die Telefonseelsorge (www.telefonseelsorge.de.) Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhältst du Hilfe von Berater*innen, die dir Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können.

5. Who Shot Ya? (1994)

Als The Notorious B.I.G. knapp drei Monate nach einem bewaffneten Angriff auf seinen Rap-Kollegen 2Pac die Single Who Shot Ya? veröffentlicht, wirft das einige Fragen auf. Macht sich Biggie mit dem Song über seinen (vermeintlich) ehemaligen Kumpel lustig? Wünscht er ihm den Tod? Wusste er gar etwas von dem Attentat? Fest steht: Es handelt sich bei dem Attentat um ein wichtiges Schlüsselereignis in der berühmten Fehde East Coast (The Notorious B.I.G.) gegen West Coast (2Pac), um die sich bis heute unzählige Mythen ranken. Am 7. September 1996 fallen bei einem Drive-By-Shooting erneut Schüsse auf 2Pac, diesmal kosten sie ihn sechs Tage später das Leben. Er wurde nur 25 Jahre alt. Zu den Verdächtigen zählt auch The Notorious B.I.G., doch die Umstände von 2Pacs Tod bleiben weitestgehend ungeklärt. Später gibt es noch einen Todesfall …

6. Hypnotize (1997)

Dieser Track markiert die letzte Veröffentlichung von The Notorious B.I.G., die er noch mitbekommt, denn nur fünf Tage später wird auch er Opfer eines Drive-By-Shootings und stirbt mit gerade einmal 24 Jahren an den Folgen der Schüsse. Auch an seinem Tod scheiden sich bis heute die Geister, doch es gilt laut mehrerer Quellen als wahrscheinlich, dass Musikmanager Suge Knight etwas damit zu tun hat. Diese Behauptung äußerte zum  Beispiel der ehemalige LAPD-Polizeibeamte Greg Kading, der in der Taskforce zur Aufklärung der Morde an den beiden Rappern arbeitete. Aktuell verbüßt Knight eine 28-jährige Haftstrafe wegen Fahrerflucht mit Todesfolge.

7. Mo Money Mo Problems (feat. Puff Daddy & Mase) (1997)

Die Life After Death-Single Mo Money Mo Problems erschien einige Monat nach dem Tod von The Notorious B.I.G. und verdrängte I’ll Be Missing You von Puff Daddy von der Spitze der Charts. Dabei handelt es sich um Daddys eigenen Tribut an seinen ehemaligen Kollegen Biggie. An den beiden Erfolgs-Singles kann man mühelos ablesen, wie sehr der Tod von The Notorious B.I.G. die Musikwelt zu jener Zeit beschäftigte.

8. Notorious Thugs (feat. Bone Thugs-n-Harmony) (1997)

Auch dieser Track mit Bone Thugs-n-Harmony stammt von der zweiten The Notorious B.I.G.-Platte Life After Death. Die Nummer umfasst ganze sechs Minuten und Biggie rechnet darin unter anderem mit all jenen ab, die ihm unterstellen, es habe eine Fehde zwischen ihm und 2Pac gegeben. „So-called beef with you-know-who“, heißt es in dem Song, womit der Rapper klarmacht: Wir hatten keinen Streit. Ob das der Wahrheit entspricht, lässt sich heute vermutlich nicht mehr feststellen, denn es gibt viele widersprüchliche Aussagen zur mutmaßlichen Rivalität zwischen den beiden Rappern. Bone Thugs-n-Harmony hatten kurz vorher auch mit 2Pac zusammengearbeitet.

9. Nasty Girl (feat. Diddy, Nelly, Jagged Edge, Avery Storm & Jazze Pha) (2005)

Falls euch manche Notorious-B.I.G.-Raps in diesem Track bekannt vorkommen, habt ihr völlig recht: Es handelt sich dabei teilweise um Aufnahmen, die bereits in dem Song Nasty Boy von Life After Death zu hören waren. Darüber hinaus haben die beiden Stücke aber kaum etwas gemeinsam. Natürlich sind posthume Singles oft so eine Sache, doch die hochkarätigen Gaststars wie P. Diddy und Nelly werden sich die größte Mühe gegeben haben, den Song in Biggie Smalls’ Sinne zu gestalten.

10. Old Thing Back (feat. Matoma, Ja Rule & Ralph Tresvant) (2015)

Hinter dieser Veröffentlichung steckt vor allem der norwegische DJ Matoma, der dem Song Want That Old Thing Back von 2007 einen Remix spendierte. Damit begeisterte er nicht nur Musikhörer*innen auf der ganzen Welt, sondern auch Ja Rule, der sich auf Twitter wohlwollend über den Track äußerte. Außerdem zeigen Remixes wie dieser eindrucksvoll: Sogar fast 20 Jahre nach seinem Tod ist The Notorious B.I.G. immer noch ein fester Bestandteil der Musikwelt. Leider hatte er viel zu wenig Zeit, um uns noch weitere Alben zu schenken. Ruhe in Frieden, Biggie.

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10 Songs von 2Pac, die man kennen sollte

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