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Popkultur

Zeitsprung: Am 20.6.1978 erscheint „Double Vision“ von Foreigner.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 20.6.1978.

von Christof Leim

Der Druck, einem überaus erfolgreichen Debüt einen würdigen Nachfolger zu bescheren, scheint Foreigner nichts auszumachen. Mit Double Vision setzen die AOR-Helden sogar noch einen drauf. Und wenn einmal ein Titel fehlt, guckt Sänger Lou Gramm einfach Eishockey.


Hier könnt ihr Double Vision hören:


Als Foreigner sich im Dezember 1977 an die Arbeit für ihr zweites Album machen, läuft es bereits großartig für die Band, die Gitarrist Jones im Jahr zuvor erst gegründet hatte: Im März 1977 war das Debüt Foreigner erschienen und hatte quasi aus dem Stand funktioniert. Alleine in den USA geht die Scheibe vier Millionen mal über den Tresen und bleibt ein ganzes Jahr in den Top 20 der Albumcharts. Das liegt maßgeblich an den erfolgreichen Singles Cold As Ice und Feels Like The First Time. Schon kurz nach der Veröffentlichung tourt das britisch-amerikanische Sextett als Headliner durch die großen Hallen der USA, sackt eine Goldauszeichnung ein und setzt schließlich nach Monaten auf der Straße auch nach Europe, Japan und Australien über.



Danach fackeln Foreigner nicht lange und legen nach, offensichtlich unbeeindruckt vom Druck, diesen Erfolg wiederholen zu müssen. Schon im Dezember 1977 steht die Band betreut von Produzent Keith Olsen (Ozzy, Scorpions, Fleetwood Mac) wieder im Studio. Erneut stammen die Songs bis auf wenige Ausnahmen von Mick Jones und Sänger Lou Gramm, erneut finden sich unter den zehn Tracks gleich mehrere Hitsingles.



Als erstes wird das Stück Hot Blooded ausgekoppelt, ein knackiger Rocker, der auch das Album eröffnet. Wer in den letzten 40 Jahren länger als fünf Minuten Classic Rock-Radio gehört hat, kennt die Nummer. Die Single verkauft sich so gut, über eine Million Mal nämlich, dass sie mit Platin veredelt wird und bis auf Platz 3 der Charts vordringt.



Das Titelstück Double Vision folgt und schafft es sogar einen Rang höher, abgehalten von der Spitze nur von MacArthur Park von Discokönigin Donna Summer (1978 kann sowas schon mal passieren). Hierfür bekommt die Band eine Goldauszeichnung. Die Nummer steht bis heute auf den Konzertsetlisten der Truppe. Nun kann man beim Titel Double Vision, also: „doppelt sehen“, an zu viel Feierei denken, aber daher kommt die lyrische Inspiration nicht. Die Wahrheit ist noch ein ein bisschen trivialer: Lou Gramm schaut sich ein Eishockeyspiel zwischen den New York Rangers und den Philadelphia Flyers an, bei dem Rangers-Torwart John „JD“ Davidson so derbe umgehauen wird, dass er doppelt sieht. Als die Kommentatoren in der Folge ständig von „Double Vision“ reden, hat Gramm einen Geistesblitz. Zwar schauen ihn seine Kollegen zunächst eher entgeistert an, doch für die Nummer funktioniert der Titel hervorragend. Mit Eishockey hat der text allerdings so gar nichts zu tun. Vermutlich geht’s ja doch wieder um Feierei. Wenn Gramms Geschichte stimmt, muss sie ganz am Ende der Produktion passiert sein, weil das Spiel laut der Rangers-Website erst im April 1978 stattfand. Allerdings zeigt sich auch die Mannschaft stolz, einen Rocksong inspiriert zu haben.



Die finale Auskopplung Blue Morning, Blue Day gehört zu Mick Jones’ Lieblingssongs seiner Band, schafft es auch in die US-Charts (Platz 15) und ist so die sechste Top-40-Single der Truppe in nur zwei Jahren. Und hier geht’s es dann auch mal offiziell um Feierei, wie Lou Gramm erklärt: „Das Stück handelt von einem jungen Musiker, der es wirklich krachen lässt. Viele Gedanken gehen ihm im Kopf herum, deshalb zieht er nachts durch die Straßen.“

Auf zwei Nummern übernimmt Mick Jones den Leadgesang (Back Where You Belong, I Have Waited So Long) und gibt ihnen eine nette Beatles-Schlagseite. Mit Tramontane steht zum ersten und letzten Mal ein Instrumental auf einer Foreigner-Platte, außerdem übernimmt David Paich von Toto die Streicherarrangements.



Das Album selbst erreicht Platz drei in den US-Charts und kommt bereits eine Woche (!) nach Erscheinen zu Platinehren. Bis heute hat die Scheibe über sieben Millionen Käufer gefunden und gilt mit 4 von 1981 als das erfolgreichste Album von Foreigner. Interessanterweise läuft es in Europa gar nicht so gut für Double Vision, nur in Großbritannien taucht das Ding in den Charts auf. Doch das sollte sich in den kommenden Jahren ändern…


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