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Popkultur

Review: Das kann „Senjutsu“ von Iron Maiden

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Iron Maiden Senjutsu Album Cover

Die 17. Platte von Iron Maiden ist da! Packendes Monumentalepos oder künstlich aufgeblähter Pathos? Wir haben uns Senjutsu mal ganz genau angehört.

von Björn Springorum

Hier kannst du Senjutsu hören:

In seiner Laufbahn als populärstes Maskottchen der Heavy-Metal-Welt musste Eddie schon einiges durchmachen. Er wurde zur Mumie verschnürt, ins All geschossen, schlecht frisiert, in die Klapse oder aufs Schlachtfeld geschickt. Jetzt hat es ihn ins ferne Japan verschlagen. Auf dem eindrucksvoll-düsteren Cover von Senjutsu hält er zähnebleckend und angriffslustig ein Samuraischwert. Wer will es ihm verdenken: Er und die Fans mussten geschlagene sechs Jahre auf dieses Album warten – die längste Pause bisher in der Vita von Iron Maiden. Da kann man schon mal griesgrämig werden. Vor allem wenn man weiß, dass die Platte zwei Jahre in den Tresoren der Band eingeschlossen war.

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Längen sind vorhanden

Jetzt ist sie aber da, die 17. von Iron Maiden. Als würden die Engländer für die lange Wartezeit entschädigen wollen, liefern sie gleich mal ein Doppelalbum ab, das es bei einer Laufzeit von 81 Minuten eigentlich gar nicht gebraucht hätte – zumal auch Senjutsu nicht frei von Längen ist. Worte wie diese sind bei einer Band wie Iron Maiden immer sehr nah an Ketzerei, das ist völlig klar. Es ist aber kein Geheimnis, dass der eine oder andere Song auch mit zwei Minuten weniger gut zurecht gekommen oder sogar deutlich griffiger gewesen wäre.

Doch wir greifen den Dingen voraus. Zunächst überwiegt natürlich die Freude, dass Iron Maiden endlich zurück sind. Und dass sie ein Album im Gepäck haben, das deutlich kohärenter, stimmiger und dichter wirkt als The Book Of Souls. Mehr an den epischen, bombastischen Werken der eigenen Vita ausgelegt und weniger auf geradlinige Kracher aus, zelebrieren Iron Maiden ihren Bandsound in der epochalen Breite, der ihrem Status durchaus angemessen ist. Die dürfen das.

Neue Kutten, alte Patches

Nach über 40 Jahren kommen natürlich auch Maiden nicht drumherum, sich selbst zu referenzieren; das tun sie auf musikalischer Ebene aber ähnlich charmant wie im spektakulär animierten Clip zur ersten Single The Writing On The Wall, in dem zahlreiche Referenzen an die eigene Geschichte versteckt sind. Im monumentalen, getragenen Opener und Titeltrack geht das mal in Richtung Powerslave, in der erwähnten ersten Single denkt man an Afraid To Shoot Strangers, Days Of Future Past hat mehr als nur ein bisschen was von der furiosen Somewhere In Time-Ära. Nie wollen die Songs zu sehr nach früher klingen, eher sind es neue Kutten, auf denen der eine oder andere alte Patch zu sehen ist. Iron Maiden sind sich ihrer Vergangenheit zu jeder Zeit bewusst, weigern sich aber, Redundanz zum Allheilmittel zu erklären.

Das zeigt auch Lost In A Lost World, dessen Anfang fast schon an die Moody Blues erinnert, bevor ein klassisches Maiden-Riff die Patina wegpustet und in Fear of The Dark-Manier losgaloppiert. Ganze sieben Songs tragen einen Credit von Bandchef und Bassist Steve Harris , die drei letzten Songs (mit einer Gesamtspielzeit von 34 Minuten) gehen sogar einzig auf seine Kappe. Die größte Stärke der Band – Geschichten erzählen wie keine andere Band – wird ihr somit streckenweise zum Verhängnis. Es braucht einfach keine drei Epen jenseits der Zehnminutengrenze direkt nacheinander, da hätte man in Sachen Tracklist durchaus dynamischer agieren können. Zumal mit The Parchment ein Song auf zwölf Minuten aufgeblasen wurde, der schon bei drei Minuten angeödet hätte. Deutlich besser ist da schon der wehmütig beginnende, dramatisch anschwellende Ausklang Hell On Earth. Nicht auszudenken, was er bewirkt hätte, wären davor ein paar flotte, kurze Kracher gesetzt worden.

Ein wenig übers Ziel hinaus

Vielleicht sind Iron Maiden in Sachen ausufernder, überbordener Pracht also ein wenig übers Ziel hinausgeschossen. Vielleicht hätten sie uns ein paar mehr Hooks oder anständige Refrains spendieren können. Allein die Tatsache, dass die Band es auch auf ihrem 17. Album überwiegend schafft, dass man fasziniert lauscht und ob ihrer musikalischen und gesanglichen Leistung einfach nur staunt, ist ein Triumph. Liegt natürlich auch an Bruce Dickinson, der manchmal zwar gegen die etwas matte Produktion ansingen muss, aber immer noch der Barde am Lagerfeuer ist, dem man wie betäubt lauscht und dessen Stimme immer noch ihre urwüchsige Kraft besitzt.

Unterm Strich bleiben mehr gute Songs als sperrige Angelegenheiten, mehr heroische Melodien als Rohrkrepierer – und eine allumfassend einnehmende Stimmung, die etwas Filmreifes hat und natürlich über Kopfhörer besonders wirkt.

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