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Auf Hochglanz poliert – The Killers veröffentlichen ihr neues Album „Wonderful Wonderful“

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The Killers

Welch Pomp, welch Bombast, welch Ideenreichtum für einen ersten Song. „Wonderful Wonderful“, möchte man ausrufen und in die Hände klatschen, wenn man den gleichnamigen ersten Song des neuen Killers-Albums hört, das übrigens auch so heißt (Release: 22.09.). Als hätten die Musiker mit einem Augenzwinkern die Lobpreisungen für ihr Album schon einmal vorweg nehmen wollen. Denn welcher Musikjournalist möchte schon den Satz schreiben: „Wonderful Wonderful ist leider ganz grauenvoll grauenvoll geworden“? Touché, die Herren.

Es beginnt damit, dass zwei buddhistische Mönche im Himalaya in ihre uralten Hörner blasen, die über die Berge schallen. So jedenfalls klingt es, bevor Schlagwerk und Bass einsetzen. Und während Brandon Flowers von einem „motherless child” singt, dem er ein Zuhause geben werde und das wie durch ein Wunder gerettet wird, drängelt sich immer wieder die Bassgitarre von Mark Stoermer in den Vordergrund, vorbei an den Synthesizern, mitten hinein in die eigenen Magengewinde.


Schaut euch hier zur Einstimmung das offizielle Musikvideo zu The Man an und lest weiter:


Es ist ein ungewöhnlicher Song für The Killers, die in der Vergangenheit dafür gefeiert wurden, ruppigen New Wave und den etwas aus der Mode geratenen Heartland Rock im Stile eines Bruce Springsteens oder John Mellencamps zurück auf die Bühne zu bringen und zugleich auf der Indie-Welle zu surfen. Dreizehn Jahre ist es her, dass die Band mit Mr. Brightside die damals noch populären Indie-Dancefloors eroberte und Reihen von Teenies verliebte Röte auf die Wangen trieb.

Wer heute um die 30 ist, durfte zum Erscheinen des ersten Killer-Albums Hot Fuss (2004) wahrscheinlich zum ersten Mal alleine auf Festivals fahren und wird vermutlich beim Hören dieses Songs kichern müssen. Und während der erste Song Wonderful Wonderful aus der Reihe tanzt, finden wir uns spätestens mit The Man zurück in der vertrauten Killers-Galaxie.


Brandon Fowers


The Man ist bereits im Juni als Single erschienen und man hört ihr die Herkunft der Band gehörig an. Ein bisschen Dance, wohlfeile Synthies, fette Gitarren-Verzerrer, Brandon Flowers hohe Stimme mit Backround-Unterstützung und dazu prahlerische „I’m The Man“-Lyrics:

 I got gas in the tank

I got money in the bank

I got news for you baby, you’re looking at the man

Die Vier kommen natürlich aus Las Vegas, wo derlei Verweise auf den eigenen potenten Hoseninhalt ganz normal sind. Andererseits gibt es gute Gründe für ein gesundes Selbstbewusstsein. The Killers sind mit großem Abstand die erfolgreichste Band des Bundesstaates Nevada. Was auch ein bisschen daran liegt, dass der außer Wüste und Casinos nur wenig zu bieten hat.


Schaut euch hier das Video zu Run for Cover an und lest weiter:


Und dann gibt es noch eine wichtige Frage: Wie kommen The Killers dazu, einen Song über Mike Tyson zu schreiben? Der Song heißt Tyson vs. Douglas. Wir schreiben das Jahr 1990, Mike Tyson ist der erfolgreichste Schwergewichtsboxer der Welt. Sein Gegner Buster Douglas verdient kaum diesen Namen, er ist ein unbekannter Underdog. In Las Vegas, wo der neunjährige Flowers den Boxkampf beim Vater eines Freundes im Fernsehen verfolgt, nimmt kaum ein Wettbüro überhaupt Wetten an, so klar scheint der Gewinner zu sein. Doch dann bügelt Buster den Star mit einem furiosen Vierer-Volley nieder – rechts, links, rechts links. Und Tyson bleibt liegen. Flowers muss noch heute an diese Szene denken, wie sich in seinem kleinen, neunjährigen Kopf plötzlich die Grenze zwischen unmöglich und möglich verschob. Nicht, dass er mit dem Underdog mitfieberte, er drückte natürlich für den Champion die Daumen.

“When I saw him go down, it felt like somebody lied,” singt Flowers im Refrain. “I had to close my eyes just to stop the tears.”

Heute ist für den verheirateten Familienvater, der als gläubiger Mormone lebt, die Lehre aus dieser Szene: Schau, dass es dir niemals wie Tyson ergeht. Respektiere deine Gegner und unterschätze sie niemals, wie er es in einem BBC-Interview formuliert.


The Killers 2017


Some Kind of Love ist dann ein beinahe meditatives Stück. Flowers Stimme kommt mit viel Hall daher, im ersten Teil wird er vielstimmig von seinen Bandkollegen begleitet und singt zum Klavier. Und auch wenn das Schlagzeug von Ronnie Vannucci, Jr. einsetzt, gleitet der Song ruhig und gemächlich dahin wie ein breiter Fluss.

Zum Schluss gibt es noch eine feine Mark Knopfler-Einlage (Dire Straits) auf Have All The Songs Been Written, ein schönes letztes Stück, das ein paar gute Fragen in den Lyrics stellt.

Wonderful Wonderful hat alles, was ein authentisches Killers-Album braucht: auf Hochglanz polierten Indie-Pop, ordentlich Las-Vegas-Glitter, starke Gitarrenriffs und ein paar lyrische Überraschungsmomente. Wonderful!


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