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Popkultur

Zeitsprung: Am 22.5.1950 kommt Bernie Taupin, Texter von Elton John, zur Welt.

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Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images

"Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 22.5.1950.

von Matthias Breusch und Christof Leim 

Die Worte, die Elton John in seinen Welthits singt, stammen von Bernie Taupin. Und keines der Lieder schrieben die beiden gemeinsam im gleichen Raum. Zum Geburtstag des Texters am 22. Mai blicken wir auf die gigantische Karriere zurück – und auf die unglaublichen Glückstreffer, die sie ermöglicht haben.

Hier könnt ihr Eltons und Bernies Diamant-Kollektion hören:

Die kreativsten Songwriting-Duos der Pop-Geschichte sind schnell aufgezählt: John Lennon/Paul McCartney (Beatles) und Björn Ulvaeus/Benny Andersson (Abba) sind klassische Musiker-Gespanne, die viel und oft um ein Klavier gesessen haben, um an ihren Lieder zu feilen. Raketenmann Elton John und sein Texter Bernie Taupin fallen da aus dem Rahmen: Nicht ein einziger ihrer zahlreichen Welthits entstand, während sich die beiden im selben Raum aufgehalten haben.

Genau der richtige Zufall

Los geht die Geschichte mit der Geburt von Bernard John Taupin am 22. Mai 1950 in Sleaford, Lincolnshire in England. Ein fleißiger Schüler soll der Junge nicht gewesen, aber schon früh soll sich ein Händchen fürs Schreiben gezeigt haben. Er wächst auf einem abgelegenen Bauernhof auf und meldet sich 1967, mit 17 Jahren also, auf eine Kleinanzeige der Plattenfirma Liberty Records im New Musical Express. im großen London sucht man nach talentierten Sängern und Songwritern. Über die gleiche Meldung stolpert der drei Jahre ältere Pianist Reginald Dwight.

Bernie Taupin 1977 – Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images

Dwight schiebt von diversen Showband-Jobs „mit einer mittelmäßigen Band“ ordentlich Frust und erklärt später: „Ich war drauf und dran, alles hinzuschmeißen und mir einen Job in einem Plattenladen zu besorgen.“ Als er eines Tages im Büro von eben jenen Liberty Records vorspricht, räumt er ein, keinerlei Händchen für Texte mitzubringen: „Ich bin ein hoffnungsloser Fall …“ Liberty-Scout Ray Davies greift daraufhin hinter sich und zieht aus einem riesigen Stapel von Umschlägen blind den erstbesten heraus: Die Bewerbung von Bernie Taupin. Ein unfassbarer Glückstreffer. Reginald liest Bernies poetische Entwürfe auf dem Weg nach Hause in der U-Bahn und zeigt sich angetan: „Es war pures Schicksal“, betont er seither immer wieder. „Es hätte irgendjemand sein können, und mein Leben hätte sich vollkommen anders entwickelt.“

Nie zusammen

Auch Bernie, ein großer Verehrer von Bob Dylans Sprachkraft, weiß sein Glück im Nachhinein kaum zu fassen. In den beiden Jahren seit seinem Schulabschluss ist er, abgesehen von einem abgebrochenen Praktikum in einer Zeitungsredaktion und allerlei tristen Gelegenheitsjobs, kreuz und quer über die britische Insel getrampt, hat die örtlichen Brauerzeugnisse einer strengen Prüfung unterzogen und seine Spieltechnik am Snooker-Tisch perfektioniert. „Ich hatte keine Ahnung von Songwriting und habe aus purer Verzweiflung einen Haufen psychedelischer Gedichte eingereicht, die man von Rechts wegen in den Müll hätte werfen sollen. Ich weiß nicht, was Ray Davies in ihnen gesehen hat …“  

Die erste Zeit ist nicht einfach, schweißt die beiden Einzelgänger aber als unzertrennliche Freunde fürs Leben zusammen. Bernie erzählt der BBC 2018 in einem Radiointerview: „Wir hatten musikalisch dieselbe Wellenlänge und waren wie Brüder. Elton hat sich als Einziger nie darüber lustig gemacht, dass ich in der großen Stadt wie ein naives Landei gewirkt habe.“ Zu Beginn teilen sie sich ein Zimmer in Eltons Elternhaus und arbeiten unablässig an Songs. Bernie schreibt im Kinderzimmer, Elton lässt sich dazu am Klavier in der Wohnstube Musik einfallen. Eine streng getrennte Arbeitsweise, die für Jahrzehnte gleich bleiben wird. 

Unter eigener Flagge

Schnell stehen sie auf der Lohnliste von Dick James, dem Musikverleger der Beatles. Bernie kriegt zehn, Elton 15 Pfund pro Woche. Aber ihr Ansatz, sich als Songwriter für Stars wie Tom Jones oder Engelbert Humperdinck zu etablieren, trägt keine Früchte, ebenso wenig ihre Komposition für die Vorausscheidung des ESC 1969: I Can’t Go On Living Without You, vorgetragen von der schottischen Sängerin Lulu, fällt beim Mainstream-Publikum durch. 

Erst Eltons unbändiger Drang, sich kompromisslos unter eigener Flagge zu verwirklichen, bringt 1970 den Durchbruch – über den Umweg Kalifornien. Im „Troubadour“, auf der Bühne des legendären Singer/Songwriter-Clubs von Hollywoods Sunset Strip, geht Elton Johns Stern auf. Amerika scheint nur ihn gewartet zu haben.

An die Spitze

Der erste Nummer-eins-Hit Your Song, produziert von David Bowies Studioteam von  Space Oddity, erledigt den Rest. Reg Dwight da schon Geschichte, der Künstler Elton John katapultiert sich förmlich in die Charts und wird dank seiner spektakulären Shows mal als der Poperbe von Klaviertier Jerry Lee Lewis gefeiert, mal als „Jimi Hendrix des Pianos“. 

Bernie und Elton bleiben auch weiter in jeder Lebenslage gemeinsam unterwegs. „Innerhalb von vier Jahren aus dem Nichts an die Spitze mit sechs Millionen verkauften Alben – bis man aufgehört hat zu zählen“, wie eine amerikanische TV-Station Mitte der Siebziger staunt. 

Das wilde Leben – als Zuschauer

Bernie bildet während des rasanten Aufstiegs den stabilisierende Faktor in Eltons Leben zwischen ausverkauften Stadien, durchgeknallten Partys und Reisen im eigenen Flieger, einer zur Luxusbude umgebauten Boeing 707 namens Starship One: „Ich hab mich allerdings manchmal wie ein Groupie gefühlt, denn ich stand ja nie mit auf der Bühne“, sagt Taupin rückblickend.

Bernie Taupin weiß, dass er in der Musikwelt eine Sonderrolle genießt: „Kein anderer Songwriter meiner Art hat jemals so viel Anerkennung erfahren.“ Ein Teil seines Rezepts für Konzeptwerke mit gewitzten Titeln wie Don’t Shoot Me I’m Only The Piano Player sieht so aus: „Wir machen Alben, und danach höre ich mir sie nie mehr an. Es sei denn, ich werde in irgendeinem Aufzug damit beschallt, was ziemlich häufig passiert.“ Seine Erfolgsformel fällt letztlich einfach aus: „Ich verarbeite keine persönlichen Emotionen, sondern schreibe Geschichten nach der Art von Vorlagen für Filme. Das lag mir immer näher, als mein Innerstes nach außen zu kehren.“ 

Meistens was anderes

Taupins alleiniger Lebensinhalt ist das Ganze allerdings nicht, obwohl er zwischenzeitlich auch schon mal mit anderen Partnern – darunter Alice Cooper – zusammengearbeitet hat. Mit vier Alben trat der Wahlamerikaner mittlerweile als Sänger in Erscheinung. Seit 2010 beschäftigt er sich zudem in seinem Atelier als Maler und Bastler mit der Umgestaltung amerikanischer Flaggen: „95 Prozent meiner Zeit bin ich mit meiner Kunst beschäftigt. Erst wenn Elton anruft, setze ich mich hin und schreibe für ihn. Rund ums Jahr würde mich das als tägliche Beschäftigung wahnsinnig machen.“

Ziemlich beste Freunde: 50 Jahre Elton John und Bernie Taupin in Bildern

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Zeitsprung: Am 31.1.1970 werden Grateful Dead in New Orleans verhaftet.

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Grateful Dead Jerry Garcia
Foto: Kypros/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 31.1.1970.

von Bolle Selke und Christof Leim

1970 nehmen die Grateful Dead eine wichtige Rolle in der US-amerikanischen Gegenkultur ein. Vielleicht verhaftet sie „das Establishment“ deswegen am 31. Januar in New Orleans. Vielleicht wurden auch tatsächlich Drogen gefunden. Fest steht: Die Erfahrung inspiriert die Musiker zu einer Strophe ihres Kultsongs Truckin‘.

Hier könnt ihr euch American Beauty von Grateful Dead anhören:

Mardi Gras, Bourbon Street, der Blues – seinen Ruf als entspannte und lockere Stadt hat New Orleans den Beinamen „The Big Easy“ (etwa Die große Unbeschwertheit“) eingebracht. Umso überraschter dürften Grateful Dead gewesen sein, als die Polizei am 31. Januar 1970 eine Razzia in ihrem Hotel durchführt und fast die komplette Band wegen Drogenbesitzes festnimmt.

Eine abgekartete Sache“

Nach dem ersten von zwei geplanten Auftritten im The Warehouse mit der Vorgruppe Fleetwood Mac kehrt Bandleader Jerry Garcia mit seinen Mitmusiker und der Crew ins Hotel zurück – und wird von der Polizei erwartet. Fast die gesamte Reisegruppe wird auf der Stelle verhaftet. Manager Lenny Hart erzählt die Geschichte kurz nach der Verhaftung dem Rolling Stone: „Das war schon eigenartig. Es roch nach einer abgekarteten Sache. Denn die Bullen haben bereits gewartet, als die Band vom Konzert zurückkam. Die Polizisten hatten einen Haftbefehl, und sie hatten die Hotelzimmer schon durchsucht. Bei keinem der Leute wurde etwas gefunden außer den Sachen, für die es Rezepte gab. Alles, was die Beamten aufgespürt haben wollen, soll bereits im Hotel gewesen sein, aber keiner der Band weiß, woher das Zeug stammt. Es war nicht ihr Stoff. Grateful Dead sind normalerweise sehr cool und vorsichtig.“

Grateful Dead

Trinken halt nicht nur Früchtetee: Grateful Dead circa 1970 (Foto: Robert Altman/Michael Ochs Archives/Getty Images)

Nun sind Jamrocker aus Kalifornien nicht gerade dafür bekannt, nur Früchtetee zu trinken. Dass die ins Visier der Behörden geraten, überrascht niemanden. Allerdings wollen die Polizisten es den Musikern besonders schwer machen: Sie fesseln Band und Crew mit Handschellen aneinander und lassen sie für Pressefotos vor dem Gebäude Parade stehen. Hart meint: „Die Cops genossen es, ihr Ding durchzuziehen. Am Ende mussten die Verhafteten acht Stunden im Gefängnis verbringen. Obwohl die Kaution sofort da war, wurden sie so lange belästigt. “

„Acid-König festgenommen“

Alle 19 Personen, die bei der Razzia erwischt werden, fangen sich eine Anklage wegen Besitzes von Marihuana, LSD, Barbituraten, Amphetaminen oder anderer verbotener Substanzen ein. Das kann damals in Louisiana zu einer Strafe von fünf bis 15 Jahren Gefängnis führen. Keine Kleinigkeit also. Die Behörden nageln  die komplette Band samt Crew und einigen lokalen Helfern fest – nur die Keyboarder Ron „Pigpen“ McKernan und Tom Constanten, die keine Drogen nehmen, kommen davon. Allerdings lässt dieser Vorfall für die beiden das Faß zum Überlaufen bringen: Kurz darauf reichen sie ihre Kündigungen ein. Bonuspunkte sammelt die Polizei von New Orleans durch die Festnahme von Owsley Stanley, damals nicht nur Techniker der Gruppe, sondern auch ein bekannter LSD-Produzent. „Acid-König festgenommen!“ prahlen die lokalen Zeitungen.

„Hippies. Oh Junge!“

Ganz überraschend kommt das harte Vorgehen nicht: Bereits ein paar Wochen früher hatten die befreundeten Jefferson Airplane Ähnliches erlebt, als sie auf Tour im selben Hotel weilten. Grateful Dead wurden entsprechend schon bei der Ankunft am Flughafen gewarnt, dass sie Probleme bekommen könnten. All dies gibt der Band das Gefühl, übers Ohr gehauen worden zu sein. Jerry Garcia selbst sagt dazu: „Sie hatten großen Spaß mit uns, die Südstaaten-Cops. Sie hatten genau das, was sie wollten: Hippies. Oh Junge!“

Hier könnt ihr das Statement von Jerry Garcia dazu anhören:

Nachdem die langhaarige Reisegruppe die Kaution von 37.500 Dollar hinterlegt hat, immerhin die gesamte Gage des Abends, geht ihnen das Geld aus. Also spielen sie eine zusätzliche Show in New Orleans und überreden Fleetwood Mac, ebenfalls zu bleiben. Die zusätzlichen Einnahmen helfen bei den Rechtskosten auf. Die meisten Anklagen werden schließlich fallengelassen, aber der Vorfall wird für alle Ewigkeit im Song Truckin‘ festgehalten, einem der erfolgreichsten Grateful-Dead-Stücke:

„Busted, down on Bourbon Street / Set up, like a bowlin’ pin / Knocked down, it gets to wearin’ thin / They just won’t let you be, no.“

Zeitsprung: Am 19.3.1919 verlangt ein Axtmörder Live-Jazz in New Orleans.

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Popkultur

55 Jahre „White Light/White Heat“: The Velvet Underground auf Speed

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The Velvet Underground
Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images

Auf ihrem zweiten Album zeigten sich The Velvet Underground von ihrer experimentierfreudigsten Seite; sogar noch stärker als auf ihrem legendären Debüt. Doch der avantgardistische Ansatz von Multiinstrumentalist John Cale stieß in der Band nicht nur auf Gegenliebe. Nach White Light/White Heat musste er gehen.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch White Light/White Heat von The Velvet Underground anhören:

Mit ihrem bahnbrechenden Debütalbum leisteten The Velvet Underground und die Kölner Sängerin Nico einen unabdingbaren Beitrag zur Geschichte der Rockmusik. Doch schon kurz nach der Veröffentlichung kam es zum Streit. Die Verkaufszahlen blieben hinter den Erwartungen der Gruppe zurück; als Folge musste Manager und Produzent Andy Warhol gehen. Auch Nico nahm ihren Hut und und schlug den Weg als Solokünstlerin ein. The Velvet Underground bestanden fortan aus Songschreiber Lou Reed, Klangexzentriker John Cale sowie aus der Rhythmusabteilung mit Sterling Morrison und Maureen Tucker. An den Schiebereglern im Studio saß nur noch Tom Wilson, der für das Debüt noch mit Warhol zusammengearbeitet hatte. Doch trotz aller Widrigkeiten setzt die Band ihren Weg fort. In unserer heutigen Geschichte endet das mit einer Kündigung.

White Light/White Heat: The Velvet Underground auf Speed (buchstäblich)

Es dauert nur wenige Monate, bis das neue Line-up zum ersten Mal gemeinsam im Studio steht, um das zweite Album von The Velvet Underground aufzunehmen. Diesmal geht es noch ein wenig experimenteller zur Sache. Die Gruppe orientiert sich an ihrem Live-Sound, der dank Musikgenie John Cale von reichlich Improvisation und Punk-Attitüde geprägt ist. Letzterer ebnen The Velvet Underground den Weg, ebenso wie dem Noise Rock, denn Ende der Sechziger ist beides noch nicht existent. Inhaltlich ändert sich nicht viel: Lou Reed und Co. widmen sich Themen wie Sex, Transvestitismus und Drogen. Was Rauschmittel betrifft, stehen diesmal Amphetamine im Vordergrund, deren aufputschende Wirkung im Slang auch „White Heat“ genannt wird. Um Heroin geht es aber auch.

Besonders präsent ist der 17-minütige Song Sister Ray, den Lou Reed und seine Mitstreiter*innen in nur einem einzigen Take aufnehmen. Über den Inhalt sagt Reed: „Es kommen acht Charaktere darin vor, ein Typ wird umgebracht, und niemand unternimmt etwas. Der Text basiert auf einer Geschichte von Ausschweifung und Verfall. Ich mag die Vorstellung, dass Sister Ray ein transvestitischer Heroinhändler ist. Es geht um einen Haufen Dragqueens, die ein paar Matrosen mit nach Hause nehmen, sich zudröhnen und gerade eine Orgie feiern, als die Polizei auftaucht.“ Toningenieur Gary Kellgren hat während der Aufnahme nach einigen Minuten genug und verlässt das Studio mit den Worten: „Sagt mir Bescheid, wenn ihr fertig seid.“

Andy Warhol ist doch wieder mit von der Partie

Als Manager und Produzent hatten The Velvet Underground ihren ehemaligen Kollegen Andy Warhol zwar vor die Tür gesetzt, doch am Artwork wirkt die Popart-Legende auch dieses Mal mit. So handelt es sich bei dem auf dem Cover abgebildeten Totenkopf um ein Tattoo von Joe Spencer, dem Hauptdarsteller aus Warhols Film Bike Boy. Warhol ist es, der das Motiv vorschlägt; Reed sucht anschließend das passendste Negativ aus der Bike Boy-Filmrolle aus. Die weitere Bearbeitung übernimmt ein Herr namens Billy Name, der zu Warhols legendärer Factory gehört. Ein alternatives Cover aus Großbritannien zeigt 1971 einige leuchtend weiße Spielzeugsoldaten, doch dieses Motiv hatten The Velvet Underground nie abgesegnet.

Musikhistorisch betrachtet gehört White Light/White Heat zu den wichtigsten Platten, wenn es um die Entwicklung des Punk und des Noise geht. Das liegt nicht zuletzt an John Cales klangexperimenteller Herangehensweise, die White Light/White Heat ganz schön sperrig wirken lässt. Lou Reed und der Rest der Band wünschen sich allerdings einen poppigeren Sound. Genau ein Jahr nach den Aufnahmesessions setzen sie Cale vor die Tür, holen stattdessen Doug Yule an Bord und nehmen die Arbeit an ihrem dritten Album The Velvet Underground auf. Der wichtigste Leitfaden: Die Platte soll keine zweite White Light/White Heat werden. Das ist The Velvet Underground gelungen. Doch diese Geschichte erzählen wir an einem anderen Tag.

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„The Velvet Underground & Nico“: Avantgardistische Bewusstseinserweitung

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Zeitsprung: Am 30.1.2007 singt Jim Morrison posthum gegen die Erderwärmung

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Michael Ochs Archives/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 30.1.2007.

von Timon Menge und Christof Leim

Unter dem Motto „Save The Planet“ finden am 30. Januar 2007 zwei Pressekonferenzen in Los Angeles und London statt. Dort stellen Perry Farrell von Jane’s Addiction, Doors-Schlagzeuger John Densmore und Schauspieler Josh Hartnett die Kampagne Global Cool vor, ein Projekt gegen die Erderwärmung — und verwenden dafür unveröffentlichte Gesangsspuren von Jim Morrison.

Hier könnt ihr euch Woman In The Window anhören:

Die globale Erwärmung schreitet voran, zahlreiche Kunstschaffende aller Couleur und weltweit engagieren sich dagegen. Als Sprachrohre der britischen Kampagne Global Cool möchten Farrell, Densmore und Hartnett es „uncool machen, nicht grün zu sein“.

Kleine Schritte, große Wirkung

Dafür erhalten die drei eine Menge prominenter Unterstützung, zum Beispiel von Kasabian, The Killers, KT Tunstall und den Scissor Sisters. Auch Leonardo DiCaprio, Orlando Bloom und Dave Grohl helfen mit. Die Mission der Kampagne: Menschen sollen dazu motiviert werden, ihre CO²-Emissionen über einen Zeitraum von zehn Jahren um zehn Milliarden Tonnen zu reduzieren.

Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen zählen zum Beispiel das Abschalten des Lichts, das Ausstecken von Smartphone-Netzteilen, das Benutzen öffentlicher Verkehrsmittel, der Verzicht auf Urlaubsflüge und das Herunterschalten der Heizung um eine Stufe. „Wenn viele Menschen kleine Dinge in die Tat umsetzen, wird daraus am Ende eine verdammt große Sache“, stellt Global-Cool-CEO Julian Knight fest. Alles gute Vorschläge. Für Musikfreaks wird die Aktion zusätzlich interessant.

Jim Morrison hilft auch. Quasi.

Um dem Projekt zu größerer Bekanntheit zu verhelfen, greift Doors-Drummer Densmore in die Trickkiste und stellt eine bis dato unveröffentlichte Gesangsspur von Jim Morrison zur Verfügung. Der Titel der Nummer: Woman In The Window. Das Stück basiert auf einem Gedicht von Morrison, das der kurz vor seinem Tod vertont hat. Die Jahrzehnte später eingespielte Musik stammt von Farrells Band Satellite Party.

Densmore und Farrell bei der Pressekonferenz in Los Angeles – Pic: Hector Mata/AFP via Getty Images

Sein Debüt feiert der Song bei den Pressekonferenzen am 30. Januar 2007. „Wir freuen uns darüber, dass Woman In The Window die Titelmelodie eines so tollen Projektes wird“, erklärt Farrell im Interview mit dem NME. „Jim hat all das Übel in der Welt gesehen, wusste aber auch, dass wir für unser Schicksal verantwortlich sind. Und genau das tun wir. Niemand wird uns davon abhalten können, Energie und Geld zu sparen und dabei den Planeten zu retten.“ Das klang schon 2007 vernünftig.

Zeitsprung: Am 30.8.1973, zwei Jahre nach Morrisons Tod, lösen sich die Doors auf.

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