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Popkultur

„Redemption Song“: Die Entstehungsgeschichte von Bob Marleys zeitloser Akustikhymne

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Bob Marley
Foto: Adrian Boot

Es ist einer von diesen Songs, die wirklich jede*r kennt, ja, die jede*r sogar dem Künstler zuordnen kann – selbst Menschen, die sich eigentlich kaum für Musik interessieren: der Redemption Song. Bob Marleys größte und zugleich sanfteste Hymne.

von Ian McCann

Einzig seine Gitarre und ein paar Zeilen, die der Reggae-Sänger kurz vor seinem Tod an uns gerichtet hat, um uns den bisherigen Gang der Menschheitsgeschichte ins Gedächtnis zu rufen. Und um uns etwas an die Hand zu geben, das auch nach seinem frühen Tod bleiben sollte. Wie sehr Bob Marleys Perspektive und sein ganzer Ansatz seither in der musikalischen Landschaft fehlen, beweist ein flüchtiger Blick ins Netz, wo auch vier Jahrzehnte später unzählige Menschen seine Songs hören, um darin Trost und Inspiration zu finden.

„Befreit euch aus der mentalen Unfreiheit“

Die Idee, dass Musik eine erlösende, befreiende Kraft haben kann, ist dabei jahrhundertealt. Der „arme Sünder“, der im Songtext von Amazing Grace (aus den 1770ern) schließlich erlöst wird und so der Hölle entkommt, findet seine Rettung in einem Song – „wie süß der Klang“! Das grausame Verbrechen, das er davor begangen hatte, taucht auch in Marleys Redemption Song auf: Der Autor von Amazing Grace war Kapitän eines Sklavenschiffs gewesen. Marley wiederum war ein Nachfahre jener Sklav*innen, die nach der Entdeckung der Neuen Welt über den Atlantik gebracht worden waren. Seine Songs waren Befreiungsschläge, sie waren sein Sprachrohr – erst durch sie wurde er zu jemandem. Bob Marley wusste sehr wohl, dass es auch mentale Unfreiheit gibt, dass ein Freiheitsversprechen nicht automatisch bedeutet, jener anderen, mentalen Sklaverei entkommen zu sein.

Seht hier das brandneue Video für den Redemption Song:

Da Bob Marley den Redemption Song ausnahmsweise als Solostück aufgenommen hat, ihm die eigene Akustikgitarre als Begleitung genügt, wird der Song häufig als Ausnahme in seinem Backkatalog eingestuft. Dabei ist die Instrumentierung keineswegs überraschend: Wie die meisten seiner Zeitgenoss*innen, war auch Marley vom Folk-Boom der frühen Sechziger beeinflusst. Er kannte den Sound von Bob Dylan, und seine Band The Wailers machte aus dessen Like A Rolling Stone schließlich ihren eigenen Rolling Stone.

Wer im damaligen Jamaika im Besitz einer Akustikgitarre war – ganz egal, wie ramponiert das Instrument war, ja, ob es sich womöglich bloß um einen Selbstbau aus einer Zigarrenkiste handelte –, konnte sich durchaus glücklich schätzen. Überhaupt ein solches „Werkzeug“ zu haben, um sich damit auszudrücken, war Luxus. Als Songschreiber setzte Marley häufig auf seine Akustikgitarre – so entstanden immer wieder auch ruhigere Stücke auf diesem Instrument. Erst als er 1973 seinen Vertrag bei Island Records unterzeichnete und sich damit dauerhafte Bandunterstützung leisten konnte, spielten die Akustiksongs eine immer kleinere Rolle.

Gegen die geistige Unfreiheit

Auch der Songtext von Redemption Song ist streng genommen nichts Ungewöhnliches: Inhaltlich bewegt sich Marley in jenem Rahmen, in dem viele Reggae-Songs anzusiedeln sind. Auch hatte er Verbindungen in die USA und zu Kolleg*innen in Jamaika, die in jenen Tagen ganz ähnliche Dinge zum Ausdruck brachten: Das Konzept der geistigen Unfreiheit, der mentalen Sklaverei, tauchte 1977 zum Beispiel auch in Bob Andys Song Ghetto Stays In The Mind auf – und Marley hatte schon in den Sechzigern zusammen mit Andy im Studio One gearbeitet. Die Kernaussage: Wer lange Zeiträume gegen etwas ankämpfen muss, den begleitet dieser Kampf für den Rest des Lebens.

Hört hier Uprising von Bob Marley & The Wailers:

Auch James Brown, ein wichtiger Einfluss für Marley in den Sechzigern, hatte ein Album mit dem Titel Revolution Of The Mind versehen; dazu hatte er seine Anti-Drogen-Single King Heroin, in der er Abhängigkeit mit Sklaverei gleichsetzt, mit diesen Worten ausklingen lassen. Toots & The Maytals, denen zwar nie ein derart großer Durchbruch vergönnt war, obwohl ihre Karriere sonst viele Parallelen zu Bob Marley & The Wailers aufweist, hatten schon 1973 ihren bewegenden Redemption Song veröffentlicht: ein Ruf nach Erlösung, eine Suche nach den richtigen Worten, die Gott gefallen könnten.

Konkret sollte Bob Marley eine Rede von Marcus Garvey zitieren: Die Worte „Emancipate yourself from mental slavery… none but ourselves can free our minds“ stammen aus einer Rede, die der Aktivist, Philosoph und Panafrikanist mit jamaikanischen Wurzeln im Jahr 1937 gehalten hatte. Bobs Label-Kollege Burning Spear sollte sich später immer wieder auf Garveys Thesen beziehen – wie auch auf die Musik von Mr. Marley. Und dann hatte Bob Marley selbst schon im Jahr 1978 in der Heimat die ähnlich betitelte Single Blackman Redemption veröffentlicht, die letztlich in dieselbe Kerbe schlug wie sein späterer Akustik-Klassiker. Kurzum: Sein Redemption Song war alles andere als eine Ausnahme. Er stand ganz klar in der jamaikanischen Musiktradition, auch wenn das Arrangement deutlich anders klang als die meisten Reggae-Stücke…

Ein letzter großer Wurf

Ein sehr ernstes Anliegen war sein Redemption Song schon deshalb, weil Bob Marley an diesem Punkt wusste, dass ihm nicht mehr viel Zeit auf der Erde blieb. Im Sommer 1977 war ein bösartiges Melanom unter seinem Fußnagel entdeckt worden. Die von den Ärzt*innen vorgeschlagene Amputation kam für ihn nicht in Frage, und er machte einfach weiter: ging auf Tour, schrieb Songs, machte Aufnahmen. Zwei Jahre später sah er ausgemergelt aus. Man sah ihm an, dass die Krankheit auf dem Vormarsch war. Von der Energie, der Ausstrahlung, die er noch Mitte des Jahrzehnts gehabt hatte, war nicht mehr viel übrig. Auch seine Gedanken umkreisten nun immer häufiger den Tod. Laut seiner Frau Rita quälten ihn in jenen Tagen starke Schmerzen, und er habe in seinen Songs „viele Gedanken über den eigenen Tod verarbeitet – ganz besonders sogar in diesem Stück.“

Wie Bob Marley mit „Survival“ den Soundtrack zur Befreiung Afrikas schrieb

Die ersten Aufnahmen von Redemption Song machte Marley noch zusammen mit The Wailers: Allein im Jahr 1980 entstanden 15 verschiedene Versionen mit seinen angestammten Musikern. Dazu gab’s eine Akustikversion und etliche Varianten mit abgeänderten Texten – spezielle Versionen für die in Jamaika verbreiteten Sound Systems. So waren einige dieser Versionen auch richtig tanzbar, ihr Beat ging fast schon in Richtung Ska.

Der Vorschlag, auf die Akustikversion zu setzen, weil gerade das Weglassen sie noch eindringlicher machte, kam von dem Mann, der Bob zu Island Records geholt hatte, dem Gründer und Labelboss Chris Blackwell. Bob stimmte ihm zu – und sie beide lagen damit goldrichtig: Dieser Song brauchte kein Beiwerk, kein großes Arrangement. So wurde eine Akustikaufnahme von Redemption Song zum Abschlusstrack von Uprising, dem letzten Album von Bob Marley & The Wailers, das zu Lebzeiten des Sängers erscheinen sollte. Es war ein letzter großer Wurf, Marleys musikalisches Testament.

Keine Angst

Der Redemption Song vereint seine Gefühle über den eigenen, schon so nah bevorstehenden Tod mit Gedanken über die Sklaverei, besonders deren Auswirkung auf die mentale Grundeinstellung der nachfolgenden Generationen, über Religion und das Schicksal („We’ve got to fulfil the book“) – und er ist ganz direkt an die Fans gerichtet: Habt keine Angst, lautet die Kernaussage. Dein Leben wird nicht von den Mächten dieser Welt bestimmt, nicht von der ganzen Zerstörung, dem Bösen. Deine Bestimmung liegt nicht in den Händen der Mächtigen, sondern allein in denen des Allmächtigen. Kann sein, dass deine Helden und Heldinnen verlieren und sterben, dass du unterdrückt wirst, das Gefühl hast, nichts dagegen tun zu können, dass immerzu Schlechtes geschieht, aber das Universum ist sehr viel größer als das. Schließe dich einfach diesem Song an: Es liegt in deiner Macht, deinen Geist und die eigene Seele zu befreien. Du kannst erlöst werden.

Als Stück, das im Albumkontext wirklich perfekt zur Geltung kommt, geht der Redemption Song sofort unter die Haut – weshalb die Message seither unzählige Menschen rund um den Globus erreichen sollte. Seinen Kampf gegen den Krebs verlor Marley elf Monate nach der Veröffentlichung von Uprising, im Mai 1981. Er war erst 36 Jahre alt. Seine Aufnahmen und sein öffentliches Bild setzen seither das fort, was er zu Lebzeiten begonnen hat: Der Schlusstitel gilt längst als zeitlose Befreiungshymne, als Meilenstein mit einer Message, was der Song auch deshalb werden konnte, weil er kein bisschen nach erhobenem Zeigefinger klingt. Ein todkranker Mann, aufgewachsen in Armut, erhebt die Stimme zu seiner Gitarre und bringt eine Weisheit dermaßen sanft und gefühlvoll auf den Punkt, dass seine Worte bis heute nachhallen und Gehör finden…

Zeitlose Inspirationsquelle

In der kurzen Zeit, die ihm blieb, sollten noch andere Aufnahmen des Stücks entstehen – ein paar davon zusammen mit The Wailers, viele auch live mitgeschnitten, wobei keine so bewegend ist wie die Aufnahme seines allerletzten Auftritts, der am 23. September 1980 in Pittsburgh stattfand. Zwei Tage davor war er beim Joggen in New York City zusammengebrochen, und jetzt stand dieser Schwerkranke in Pittsburgh auf der Bühne und kündigte „diesen kleinen Song“ an. Dann sind Congas zu hören, so wie in den besten Tagen der Wailers. Die Basstrommel wirkt wie ein Herzschlag in Doubletime, so wie bei den Rasta-Schlagzeugern, deren Ansatz seit Mitte der Sechziger den spirituellen Kern von Marleys Musik ausmachte. Es war ein Auftritt, mit dem er dem Schicksal zu trotzen schien: wirklich zeitlos, unglaublich inspirierend.

Auch in großen Hollywood-Produktionen war Marleys Redemption Song danach immer wieder zu hören. Und natürlich wurde er gecovert und wieder gecovert. Von Joe Strummer, von Stevie Wonder, der ein riesiger Fan von Bob war – und zugleich dessen Vorbild. Von Ian Brown oder auch der Girl-Group Eternal. Von Madonna, von Alicia Keys, nicht zuletzt von John Legend zum Gedenken an Nelson Mandela. Es ist und bleibt die ultimative Hymne für alle, die unter Armut leiden, die unterdrückt werden, die unfrei sind, die Hilfe und Zuspruch brauchen. Man kann davon ausgehen, dass der Redemption Song bis in alle Ewigkeit aktuell sein wird: so lange, wie es Menschen auf der Erde gibt. Menschen, die „diesen kleinen Song“ hören und sich davon berühren und inspirieren lassen.

10 Songs, die jeder Bob Marley Fan kennen muss

Popkultur

Zeitsprung: Am 6.7.1964 läuft der Beatles-Film „A Hard Day’s Night“ an.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 6.7.1964.

von Timon Menge und Christof Leim

Als die Beatles am 6. Juli 1964 ihren ersten Kinofilm A Hard Day’s Night veröffentlichen, schreiben sie die Regeln einer gesamten Kunstform neu — schon wieder. Hatte man Musiker bis jetzt vor allem als Schauspieler eingesetzt, um mehr Kinokarten zu verkaufen (siehe: Elvis Presley), spielen sich die „Fab Four“ einfach selbst. Wir haben den Streifen unter die Lupe genommen.

Hier könnt ihr euch das Album A Hard Day’s Night anhören: 

Wir schreiben das Jahr 1964. Die Beatlemania droht, das Vereinigte Königreich aus den Angeln zu heben. Zwei Jahre zuvor hatten John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr den Song Love Me Do veröffentlicht und den Sprung in die britischen Charts geschafft. Es folgte ein Sog aus aufblühender Jugendkultur und Musikinnovation. Keine 24 Monate später gelten die vier Liverpooler auch international als Phänomen. Die Zeichen stehen auf „British Invasion“, nicht zuletzt aufgrund des legendären Auftritts der „Fab Four“ in der Ed Sullivan Show. Von Kritikern gerügt und von Fans verehrt, kehrt das Quartett Ende Februar aus den USA zurück und beginnt eine knappe Woche später ihr nächstes und bis dato außergewöhnlichstes Projekt: die Dreharbeiten zu A Hard Day’s Night.

Übernehmen ab Mitte der Sechziger die Welt: George Harrison, Ringo Starr, Paul McCartney und John Lennon – Pic: Underwood Archives/Getty Images

Im Gegensatz zu den damals üblichen Musikfilmen, in denen Stars wie Elvis Presley zwar neues Material präsentieren, in der Regel aber in fremde Rollen schlüpfen, schließt A Hard Day’s Night nahtlos an das unkonventionelle Interviewverhalten der Truppe an. Die Herren spielen allesamt sich selbst – und das inmitten des Tohuwabohu der Beatlemania.

Die Handlung: Auf dem Weg zu einer Show muss die Band einer wilden Horde Fans entkommen und findet auch während der anschließenden Zugfahrt keine Ruhe. Es folgen Situationen aus dem vermeintlichen Alltag der Teenieidole, in denen sie immer wieder ihre Songs darbieten. Doch weder im Hotel noch backstage bei einer Aufzeichnung oder während eines Casino-Besuchs mit Pauls Großvater lassen sich Ruhm und Verpflichtungen abschütteln. Letztlich findet das angekündigte Konzert wie geplant statt, die Band gelangt danach via Helikopter in die wohlverdiente Sicherheit. Aufgepasst: Wer genau hinschaut, kann einen noch unbekannten Phil Collins als Komparsen im Konzertpublikum entdecken.

Hat noch nicht einmal im Zug seine Ruhe: George Harrison in „A Hard Day’s Night“ – Pic: Max Scheler – K & K/Getty Images

Die Beatles entscheiden sich damals bewusst für einen Filmemacher, dessen musiknahe Werke die Vier schon länger wegen ihrer unkonventionellen Art mögen; der amerikanische Regisseur Richard Lester stellt ihnen wiederum den Liverpooler Schriftsteller Alun Owen vor und lässt ihn die Gruppe auf Tour begleiten. So entsteht ein Skript, welches auf dem typischen Beatles-Humor und Liverpooler Redensarten basiert und dadurch revolutionär authentisch wirkt. Owen heimst für seine Arbeit im folgenden Jahr ebenso wie der Soundtrack eine Oscar-Nominierung ein.

In Deutschland erscheint A Hard Day’s Night unter dem Titel Yeah Yeah Yeah und wird für die Synchronisation auch inhaltlich stark verändert, wie damals üblich: Diskussionen über Günter Grass und den deutschen Film vor Londoner Kulisse tragen wie die anderen ländereigenen Anpassungen zur internationalen Beliebtheit der Briten bei. Der englische Originaltitel basiert auf einem Versprecher von Schlagzeuger Starr, der im April nach einem anstrengenden Drehtag anmerkt: „It’s been a hard day“. Als er feststellt, dass bereits die Nacht angebrochen ist, ergänzt er seine Aussage schnell um ein „…’s night.“ Regisseur Lester findet die Aussage passend und gibt bei den Musikern einen Song mit der Phrase als Titel in Auftrag. Wenige Stunden später hat Lennon das Stück fertig und notiert es auf einer Glückwunschkarte, die heute im British Museum in London bestaunt werden kann. Deutsche Kinos führen die Komödie erstmals am 23. Juli 1964 vor.

Lennon tut den Film später als Klamauk ab, McCartney hingegen lobt den Schwarz-Weiss-Streifen für die Authentizität seiner Charaktere. Fakt ist: A Hard Day’s Night läutet ein neues Zeitalter des Musikfilms ein und gilt als eines der ersten Beispiele einer Mockumentary. Die Meta-Ebene, auf der sich der Film mit Ruhm und Erfolg auseinandersetzt, erlaubt der Band einen Kommentar zur Beatlemania, ohne sie offen zu kritisieren und Fans vor den Kopf zu stoßen. A Hard Day’s Night kann also als frühe Instanz der in späteren Jahren Beatles-typischen Gesellschaftskritik bezeichnet werden. Für George Harrison hat der Film übrigens noch ganz andere Szenarien zur Folge: Am Set lernt er die junge Schauspielerin Pattie Boyd kennen, die er zwei Jahre später heiratet und die ihn später in nach einer dramatischen Dreiecksgeschichte für Eric Clapton verlässt.

George Harrison und Pattie Boyd 1964 – Pic: Michael Ochs Archives/Getty Images

Zeitsprung: Am 9.2.1964 übernehmen die Beatles die USA – gewissermaßen.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 5.7.1954 nimmt Elvis Presley seinen ersten Hit „That’s All Right“ auf.

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Michael Ochs Archives/Getty

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 5.7.1954.

von Tom Küppers und Christof Leim

Natürlich spielt Gevatter Zufall auch im Rock’n’Roll eine wesentliche Rolle. Selbst Elvis Presley, der „King“ höchstselbst, verdankt seinen Karrierestart einem kurzen, absolut ungeplanten Moment…

Hier könnt ihr euch zur Lektüre die Nummer und andere Elvis-Klassiker anhören:

Sam Phillips ist ein umtriebiger Geschäftsmann. Unter dem Banner Sun Records veröffentlicht er Anfang der Fünfziger Tonträger von Künstlern wie B.B. King oder Howlin’ Wolf und betreibt auch das dazugehörige Aufnahmestudio. Schnell kommt er auf die Idee, dieses auch Hobbymusikern zugänglich zu machen, die dann beispielsweise ihren Gesang auf einem rasch gepressten Acetat-Tonträger mit nach Hause nehmen können. Das gefällt auch dem gerade mal zwanzig Jahre jungen Elvis Aron Presley. Der kommt eines Tages in das Studio und möchte als Geburtstagsgeschenk für seine Mutter zwei Songs aufnehmen. Der Kunde ist König, Elvis bekommt seine Platte. Vor allem aber ist Parker recht angetan von dem, was er hört, und lädt den jungen Musiker zu weiteren Aufnahmen ein. 

Zunächst springt der musikalische Funke nicht richtig über, dann hat der Legende nach Parkers Sekretärin Marion Keisker den Geistesblitz, Presley mit dem Gitarristen Scotty Moore bekannt zu machen. Die erste Reaktion des erfahrenen Musikers ist pures Gold: „Elvis Presley? Was zum Geier soll denn das für ein Name sein?“ Nach einer gemeinsamen Probe ändert sich seine Meinung, umgehend wird für den 5. Juli 1954 eine weitere Aufnahmesession angesetzt. Doch die angedachten Interpretationen zeitgenössischer Pop-Hits zünden nicht wirklich. 

Während der Rest der Anwesenden während einer Pause ratlos dreinblickt, schnappt sich Elvis einfach eine Gitarre und beginnt, eine flotte Version von That’s All Right zu singen, einen Proto-Blues von Arthur Crudup. Später wird Presley erzählen, dass er eigentlich lediglich einmal kurz den Clown geben wollte, um die Stimmung aufzuheitern. Kontrabassist Bill Black steigt allerdings zupfenderweise auf den Witz ein, und da geht Parker plötzlich ein Licht auf: Das ist genau der neue Sound, nach dem alle suchen, und er hat ihn gerade eben gefunden. Moore stürzt zurück in den Aufnahmeraum, sucht ein paar Akkorde zusammen, und fertig ist die Nummer. 

Drei Tage später läuft That’s All Right dann zum ersten Mal im Radio bei Sendern, die Philipps mit einer Vorabpressung versorgt hat. Der Erfolg lässt nicht lange auf sich warten; in einem Studio glühen die Telefone solange, bis sich der DJ genötigt sieht, die Platte während seiner zweistündigen Show immer und immer wieder aufzulegen. Elvis wird sogar zu einem Liveinterview eingeladen.

Am 19. Juli 1954 steht That’s All Right dann als Single in den Läden mit Blue Moon Of Kentucky als B-Seite, den die drei Musiker auf ähnliche Weise eingespielt hatten: Gesang, Gitarre, Bass, fertig. Und damit beginnt eine bis heute unvergleichliche Weltkarriere.

Und das soll alles darauf basieren, das Presley nur mal kurz einen Witz reißen wollte? Ein paar Jahre vor seinem Tod beantwortet Scotty Moore genau diese Frage mit einem Lachen im Gesicht und einem eindeutigen „Absolut!“ Manche Geschichten kann man sich echt nicht ausdenken…

Zeitsprung: Am 26.8.1969 kann Elvis Presley auf der Bühne nicht aufhören zu lachen.

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Popkultur

Sex, Prügel, Mordversuche: Vor 40 Jahren heiraten Ozzy und Sharon Osbourne

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Sharon & Ozzy Osbourne
Foto: Dave Hogan/Getty Images

Wie die Ehe zwischen zwei absolut unberechenbaren Neurotiker*innen wie Ozzy und Sharon Osbourne wohl so verläuft? Heftiger und exzessiver als sich das jede*r von uns vorstellen kann. Chronik einer sehr wilden Ehe.

von Björn Springorum

Im April 1979 wird Ozzy Osbourne nach katastrophalen Konzerten und unproduktiven Studioaufenthalten bei Black Sabbath vor die Tür gesetzt. Für ihn ist die Sache klar: Ihr Manager Don Arden braucht nur einen Sündenbock, erwischt hat es eben ihn. Arden, ein kompromissloser, brutaler Typ mit Mafiamethoden und einer langen Liste von Feinden und Kontroversen, lenkt damals schon seit einigen Jahren die Geschicke der Band. An der Rezeption sitzt damals seine Tochter Sharon Arden.

Liebe auf den ersten Kick

Auf die hat Ozzy schon seit Beginn der Siebziger ein Auge geworfen, bekommt es jedoch irgendwie hin, die Beziehung die ganzen Jahre über professionell zu halten – und das in einem Jahrzehnt, in dem man sich durchaus fragen kann, wie ein Begriff wie „professionell“ überhaupt in Ozzys Habitus passt. Vielleicht liegt es ja daran, dass er davon ausgeht, sie hielte ihn für einen „Wahnsinnigen“, wie er mal recht luzide reflektierte.

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Damals weiß er noch nicht, dass seine Zukünftige aus dysfunktionalen Verhältnissen stammt: Ihr Vater ist gewalttätig, sie ist oft Zeugin seiner Ausraster, als eine sehr junge schwangere Sharon Osbourne mal ihre Mutter besucht, ruft die ihre aggressiven Hunde nicht zurück, die über ihre Tochter herfallen. Sie verliert das Kind. So ein Ozzy auf welcher Droge auch immer wirkt im Gegenzug eher wie ein Spaziergang.

100.000 Pfund für Drogen

Obwohl Arden den Sänger gefeuert hat, nimmt er ihn auf sein Label Jet Records und entsendet seine Tochter Sharon nach Los Angeles, um dessen Solokarriere aufzubauen. Dort hat sich Ozzy mit seinen rund 100.000 Pfund Anteilen am Namen Black Sabbath (heute wären das über eine halbe Million Pfund) zurückgezogen, um in Frieden alles für Drogen und Suff auszugeben – „bevor ich zurück nach Birmingham kehren und mich arbeitslos melden würde“, so erinnert er sich. Ein folgenschwerer Fehler für den ach so taktierenden Manager: Die beiden verlieben sich, formen eine gemeinsame Front gegen Arden, der daraufhin schwere Geschütze auffährt, um die beiden auseinanderzubringen.

Ozzys erste Frau

Don Arden raubt seine Tochter aus, versucht sie umzubringen und erzählt Ozzy einmal sogar, dass seine Tochter ihren eigenen Vater verführen wollte. Familien… Man kann sie sich eben nicht aussuchen. Ozzy und Sharon bleiben stark, aber da gibt es natürlich noch ein anderes Problem: Ozzy ist seit 1971 mit einer gewissen Thelma Riley verheiratet, die beiden haben sogar zwei Kinder. Um den Weg für die neue Liebe frei zu machen, lässt sich Ozzy 1982 von Riley scheiden und tritt am 4. Juli 1982 mit Sharon Arden vor den Traualtar. Natürlich darf man sich fragen, wie die beiden jemals auch nur annehmen konnten, eine ruhige, harmonische Ehe zu führen, aber es ist natürlich nicht an uns, das zu beurteilen.

 

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Während Ozzy sehr bald danach wieder in einem Schleier aus Drogen und Alkohol durch die Welt stolpert und Sharon Osbourne in ihrer neuen Rolle als Managerin mehr und mehr wird wie ihr brutaler Vater, ist zumindest ihr Hochzeitstag eine romantische Sache: Ozzy im weißen Anzug, mit Fliege und Lorbeerkranz (wie ein römischer Kaiser), Sharon im weißen Kleid mit Schleier. Weiß, die Farbe der Unschuld… Das kommt schon 1982 nicht mehr hin.

Keine großbusige Beutefrau

Was folgt, wissen wir alle: eine wilde Ehe voller Exzesse, Streitereien und physischer Gewalt. Sie überfährt ihn mit dem Auto, er sie mit dem Rasenmäher, 1989 versucht er nach vier Flaschen Wodka, sie zu erwürgen. Dafür kommt er sogar ein paar Monate in den Knast. Sharon hält zu ihm. Die ganze Zeit. 2016 trennen sie sich zwar kurz, als Ozzys Affäre mit der Haarstylistin Michelle Pugh ans Licht kommt, doch nach Dutzenden Affären ist Sharon wohl abgehärtet, schon im Jahr darauf sind sie wieder zusammen. Und nicht nur das: Sie baut ihn über die Jahre zum Nationalheiligtum auf, zur bekanntesten Marke im Heavy Metal. Für Ozzy, klar. Aber auch für sich selbst. „Ich hörte damals immer nur: Ihr werdet das nie schaffen“, erinnerte sie sich mal. „Alle sahen ihn eher mit einer großbusigen Beutefrau, doch er bekam mich: eine kleine, fette, haarige Halbjüdin. Ich musste sehr viel kämpfen.“

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Mittlerweile haben es sogar die beiden geschafft, ihre Ehe in ruhigere Fahrwasser zu steuern. Zu ihrem 40. Hochzeitstag werden die beiden ihr Eheversprechen erneuern – das zweite Mal nach 2017. Und sich dann auf ihren Umzug zurück nach England vorbereiten. Happy anniversary!

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