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Popkultur

Brian Epstein: Der Mann hinter den Beatles

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Foto: Brian Epstein (Brian Epstein) [CC0], via Wikimedia Commons

Den Vertrag, der Brian Epstein zu einem der wichtigsten, einflussreichsten, bekanntesten und ja, auch reichsten Künstlermanager der Popmusikgeschichte machte, hat er angeblich nie unterzeichnet. Und dabei war Epstein ein recht illustrer Geschäftsmann!


 

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Seine Eltern besaßen im beschaulichen Arbeiterstädtchen Liverpool eine Reihe an Möbel- und Plattengeschäften (also ehrlich, manchmal gibt es doch recht sonderbare Kombinationen) und der junge Brian zeigte schon früh ein einschlägiges Talent, die Ware an den Mann zu bringen. Dass er mal künstlerisch einen nicht ganz unwesentlichen Erfolg haben würde, zeichnete sich damals – sagen wir es mal so – noch nicht ganz so deutlich ab. Aus der London Royal Academy of Dramatic Art ist er nämlich hochkantig wieder rausgeflogen. Und mit ihm sein Traum vom Schauspielern. Also wieder zurück nach Liverpool, Platten verkaufen. Komisch nur, dass immer wieder Leute nach der Single My Bonnie fragten. Den Song von diesen Beatles, den sie in einer Deutschen Hafenstadt aufgenommen haben. Hamburg, oder so ähnlich. Außerdem tauchten diese Beatles auch immer wieder im Mersey Beat auf. Dem Magazin, in dem Epstein selbst die Werbeanzeigen für seinen Plattenladen schaltete. Gut, auch wenn der liebe Brian mit seinem gepflegten Äußeren, seinen ordentlich gelegten Haaren und eleganter Kleidung eher der Klassik-Typ war, konnte ein Besuch im Liverpooler Cavern Club nicht schaden. Ein Konzertbesuch, so schicksalhaft wie kaum ein anderer!


Cavern_Club

Foto: George M. Groutas


Später wird Brian Epstein sagen, die Beatles seien seine „Berufung, Mission und Religion“ gewesen. Eine Aussage mit viel persönlicher Tiefe, wie sich später noch zeigen wird.

Aber zurück zu dem einen Novemberabend im Jahre 1961. Die Beat-Musik Klänge hallten ziemlich rau in seinen Ohren und auch die Lederjacken und die langen Haare der Jungs da auf der Bühne… das wirkte doch alles etwas suspekt. Aber da war mehr. Da war dieses Gefühl, diese Ausstrahlung, die unseren Platten- und Möbelverkäufer einfach nicht loslassen wollten. Sein Kommentar „absolutely awful but incredible“ bringt wohl ganz gut auf den Punkt, was Brian damals im Cavern Club durch den Kopf gegangen sein muss. Und obwohl er, im Grunde gesagt, keinen blassen Schimmer von der Musik- oder Veranstaltungsbranche hatte, überzeugte er John, Paul und George (Ringo stieß kurz darauf dazu) sich von ihm managen zu lassen. Kann man ja mal machen. Zunächst war das Ganze übrigens als Nebenjob gedacht, halbtags eben. Ist ja keine große Sache.



Aber gut, dass dieser Nebenjob dem Land Großbritannien zwischenzeitlich mehr Devisen einbringen sollte, als die hiesige Autoindustrie, konnte damals ja noch niemand wissen. Schließlich krebsten gut 300 Beat-Bands durch die Stadt und natürlich waren auch alle fest davon überzeugt, in der nächsten Zeit ihre Namen in schillernden Buchstaben über den Toren der großen Konzerthallen zu sehen. Dass der britische Norden jetzt nicht grade als die Hochburg der Musikindustrie galt um vom feschen London auch eher mit der Form eines höflichen Lächelns betrachtet wurde, mit dem man sonst nur seinen sechsjährigen Neffen lobt, der grade mit seiner neu erlernten Geige eine absolute Gänsehaut-Performance unterm Tannenbaum vorgelegt hat, war der Sache auch nicht grade förderlich.

In anderen Worten: Trotz des Talents der Beatles brauchte es schlicht und einfach Brian Epstein, damit sie zu den Beatles werden konnten, die wir heute kennen. Die Beatles, die mit ihrem Look und Auftreten die Mädels dieser Welt reihenweise in Ekstase versetzten. Auf die Idee mit den Pilzfrisuren sind die vier nämlich nicht selbst gekommen. Wer würde das schon? Brian würde es. Und er hatte noch mehr Ideen. Er verstand es, aus vier Musikern eine tatsächliche Band zu machen, die sich vermarkten ließ.


Foto von NBC Television (eBay front back) [Public domain], via Wikimedia Commons

Foto von NBC Television (eBay front back) [Public domain], via Wikimedia Commons


Nach dem Gang zum örtlichen Friseur ging es zum Schneider des Vertrauens, damit den vier Jungs das nächste Markenzeichen auf den Leib genäht werden konnte: Ordentliche Mod-Anzüge! Herrlich! Zu guter Letzt gab’s noch den Knigge für die Bühne: Kein Fluchen, keinen Alkohol, keine Zigaretten und am Ende der Show eine höfliche Verbeugung. Brian hat sich nie in die Musik der Beatles eingemischt. Er wusste, dass „seine Künstler“, wie er sie nannte, das am besten selber konnten. Aber ohne seine Style-Beratung wäre diese Musik nie ins Britische Fernsehen, geschweige denn unter einen Plattenvertrag gekommen. The rest, as they say, is history.

Aber zu Brian Epstein gehörte mehr als sein geschicktes Händchen, aus vier Leather’n’Jeans Typen eine adrette Band zu machen, die mal eben die Titelseiten der weltweiten Fashion-Magazine kapert.


Foto von Koch, Eric / Anefo [CC BY-SA 3.0 nl (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/nl/deed.en)], via Wikimedia Commons

Foto von Koch, Eric / Anefo via Wikimedia Commons


Brian Epstein war homosexuell und tablettenabhängig. Beides Eigenschaften, die im Großbritannien der frühen 60er nicht besonders legal waren. Sein Privatleben musste er also  in einem gleißenden, nervenzerreibenden Rampenlicht verstecken und versank in der Kluft zwischen strahlendem beruflichen Erfolg und einer vertuschten Wahrheit. In Depressionen, Tabletten- und Alkoholrausch. Etwas, das ihn im jungen Alter von 32 Jahren das Leben kosten wird.

Vielleicht der Grund, warum er seine Zeit, wie er selbst sagte, am liebsten mit seinen Künstlern verbrachte. Und nicht bei sich selbst. Er war der fünfte Beatle, der kaum in Erscheinung trat. Unauffällig elegant auftretend, höflich und offenbar ein miserabler Verhandlungspartner, der nicht hart genug mit der Musikindustrie umging. Brian Epstein ist nicht das Vorbild der heutigen Künstlermanager-Riege, keine typische Erscheinung dieses Berufs. Aber wäre er das gewesen, dann würde heute vielleicht auch niemand von gelben U-Booten singen und die Autos auf der Abbey Road müssten nicht dauernd an diesem einen verdammten Zebrastreifen anhalten. Immer diese Touris mit ihren seltsamen Foto-Ideen!

„I like to create myths“ sagte Brian Epstein einmal. Keine Frage, das hat er geschafft. In den fünf wohl ereignisreichsten Jahren der Popgeschichte, in denen er John, Paul, George und Ringo managte, hat er die Band und sich selbst zum Mythos gemacht. Der elegante Mann hinter den Beatles.


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Popkultur

Ohrfeigen, Improvisation & die Hells Angels: 6 Anekdoten, die nur aus dem Leben von Janis Joplin stammen können

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Janis Joplin

Janis Joplin stach schon von Anfang an heraus: Ihre verklemmte texanische Heimatstadt ließ sie mit 17 hinter sich, um in Los Angeles in Kneipen und Bars aufzutreten. Ihre monströse Reibeisenstimme machte aus jedem simpel gestrickten Blues-Stück einen ikonischen Soundtrack der Flower-Power-Zeit und ihr ungebremst hemmungsloses Leben erzählt legendäre Geschichten – bis zum tragischen, viel zu frühen Ende.

von Timo Diers

Nicht alle dieser Geschichten sind groß oder besonders lang. Aber so verrückt, dass sie nur von ihr stammen können. Sechs solcher typischen Janis-Joplin-Momente haben wir hier für euch aufgeschrieben.

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Hört hier in die Greatest Hits von Janis Joplin rein:

1. Sie schlug Jim Morrison eine Whiskeyflasche über den Kopf.

Joplins Vorliebe für Southern Comfort sollte hinlänglich bekannt sein – davon könnte wahrscheinlich auch Jim Morrison berichten, der die junge Sängerin bei einer Party in Hidden Hills, Kalifornien kennenlernte. Wie für Morrison üblich, betrank er sich und verwandelte sich von einem charmanten jungen Mann in einen ungehobelten Raufbold. Die beiden verstanden sich zunächst gut. Doch irgendwann war Joplin von Morrisons Art so dermaßen genervt, dass sie die Party frühzeitig verlassen wollte. Aber der Doors-Sänger war hartnäckig und wollte sie am Wegfahren hindern – da zog sie ihm kurzerhand eine Whiskeyflasche über den Kopf.

2. Sie sprang bei Tina Turner auf die Bühne und gab ein Impromptu-Duett.

Als Janis Joplin in der Dick Cavett Show nach ihren Lieblingskünstlern gefragt wurde, war die Antwort eindeutig: „Tina Turner – die beste Braut aller Zeiten!“ Und das war noch bevor Tina Turner auch nur in die Nähe des Popstar-Daseins kam. Als Ike & Tina Turner 1969 für die Rolling Stones im Madison Square Garden eröffneten, stand Joplin zunächst am Bühnenrand und beobachtete die Show. Sie war flammender Fan von Tina. Als dann Land Of 1000 Dances angestimmt wurde, sprang sie für ein spontanes Duett auf die Bühne. Leider gibt es von dem Auftritt nur einige wenige Fotos.

3. Sie gab Jerry Lee Lewis eine saftige Ohrfeige.

Das letzte Mal, dass Laura Joplin ihre große Schwester sah, war 1970. Damals kam Janis zurück nach Texas, um bei ihrem 10-jährigen High-School-Jubiläum dabei zu sein. In derselben Nacht nahm sie ihre Schwester mit zu einem Jerry-Lee-Lewis-Konzert. Als sie ihn später Backstage trafen, sagte er zu Laura: „Du würdest gar nicht mal so schlecht aussehen, wenn du nicht versuchen würdest, wie deine Schwester zu sein.“ Janis konterte nicht, sondern scheuerte ihm direkt eine.

4. Sie improvisierte einen ihrer größten Hits.

„Oh Lord won’t you buy me a Mercedes Benz?“ Ihre Stimme ist rau, ganz nah am Mikrofon, kein anderes Instrument begleitet sie. Mercedes Benz geht keine zwei Minuten – ist eigentlich das genaue Gegenteil eines Rock-Hits. Und doch ist es einer ihrer bekanntesten Songs. Co-Writer Bob Neuwirth erinnert sich:

„Früher haben wir auf diesen fetten 16-Zoll-Bandmaschinen aufgenommen. Aber Paul Rothchild, der Produzent, ließ immer eine kleine Zwei-Spur-Bandmaschine mitlaufen, falls jemand eine gute Idee hatte und etwas improvisiert. An einem Tag sind die großen Bandmaschinen kaputtgegangen und wir mussten warten, bis wir mit den Aufnahmen weitermachen konnten. Um die Stimmung etwas zu entspannen, sagte Janis ‚Habt ihr schon meinen neuen Hit gehört?’ und improvisierte einfach Mercedes Benz.“

So wurde einer ihrer größten Songs auf einer kleinen Zwei-Spur-Bandmaschine aufgenommen. An dem Tag bekam Neuwirth einen Einblick in Janis’ einzigartige Persönlichkeit: „Diese pure Kraft und das Charisma machen den Song so besonders – dieses Kichern am Ende. Das ist so Janis!“

5. Sie brachte die Hells Angels dazu, für sie einkaufen zu gehen.

Es klingt nach einer ungewöhnlichen Kombination, aber Janis Joplin war gut mit den Hells Angels befreundet. Sie stand zeitweise sogar unter persönlichem Schutz der Rockergang. Eines Nachts wurden Joplin und ihr Freund David Niehaus von Geräuschen im Wohnzimmer ihres Hauses in Marine County wach. Einbrecher? So ungefähr. Fünf Hells Angels waren grade dabei, Joplins Kühlschrank nach etwas Essbaren zu durchwühlen. Und als der schmächtige Niehaus nicht so recht wusste, wie er den bewaffneten Rockern beibringen sollte, doch bitte wieder zu gehen, nahm Joplin die Sache selbst in die Hand. Sie machte die Fünf so dermaßen zur Schnecke, dass sie ein paar Nächte später wiederkamen – dieses Mal beladen mit Einkäufen, um den Kühlschrank wieder aufzufüllen.

6. Sie schmiss selbst postum noch eine Party für ihre Freunde.

Als Janis Joplin am 4. Oktober 1970 von ihrem Road Manager John Cooke tot aufgefunden wurde, stand die Musikwelt unter Schock. Sie war erst 27 Jahre alt, doch einen letzten Willen hatte sie schon verfasst. Darin war auch vermerkt, dass 2500 Dollar aus ihrem Vermögen für eine Party mit ihren Freunden eingesetzt werden sollen – als „ein letztes Zeichen der Wertschätzung und des Abschieds“. Also organisierte John Cooke eben diese Party als Totenwache im The Lion’s Share, einem Musikclub in San Anselmo, Kalifornien. Auf der Einladung hieß es, die Getränke gingen auf Pearl. So wurde Joplin von ihren Freunden genannt.

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Zeitsprung: Am 4.10.1970 stirbt Hippie-Ikone Janis Joplin.

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Zeitsprung: Am 19.1.1949 kommt Robert Palmer zur Welt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 19.1.1949.

von Timon Menge und Christof Leim

Robert Palmer gehört zu den unterschätzten Personen der Rockgeschichte. Von 1974 bis 2003 veröffentlicht er (mehr oder weniger) starke Alben, beweist ein besonderes Gespür für Coversongs und gewinnt zahlreiche Preise, unter anderem einen Grammy. Hits wie Bad Case Of Loving You und Addicted To Love kennt jeder. Am 19. Januar hätte der 2003 verstorbene Musiker seinen Geburtstag gefeiert.

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Hört hier in die besten Songs von Robert Palmer rein:

Klickt auf „Listen“ für die vollständigen Stücke.

Kindheit und Jugend

Robert Palmer kommt 19. Januar 1949 in Batley zur Welt. Noch im selben Jahr zieht die Familie nach Scarborough, sein Vater arbeitet als britischer Offizier in Malta. Die Musik entdeckt Palmer bereits in jungen Jahren, er hört unter anderem Blues, Jazz und Soul im American Forces Radio — Einflüsse, die ihn sein Leben lang begleiten. Schnell greift er selbst zur Gitarre, außerdem trommelt er die ersten Takte auf dem Schlagzeug. Mit 15 tritt der junge Musiker The Mandrakes bei, im Alter von 20 Jahren kündigt er seinen Job als Grafikdesigner und zieht mit Sack und Pack nach London, um die dortige Künstlerszene zu erobern.




Die Siebziger

Nach kurzen Mitgliedschaften in den Jazzgruppen The Alan Bown Set und Dada gründet Palmer im Jahr 1971 die Band Vinegar Joe, mit der er drei Alben einspielt. 1974 gehen die Musiker getrennte Wege, Palmer orientiert sich in Richtung Solokarriere. Sein Debüt Sneakin’ Sally Thru The Alley erscheint noch im selben Jahr, doch der Brite trifft nicht den richtigen Nerv: Das Blues-/Funk-Album erregt keine große Aufmerksamkeit und bleibt in den meisten Plattenregalen liegen.



Er beschließt, nach New York zu ziehen, doch sein zweites Soloalbum Pressure Drop (1975) floppt ebenfalls. Mit Album Nummer drei, Some People Can Do What They Like (1976), stellen sich erste kleine Erfolge ein. Erneut siedelt Palmer um, diesmal auf die Bahamas. Keine schlechte Wahl, offensichtlich auch in musikalischer Hinsicht: Nach einem Umweg über die Veröffentlichung der Soul- und Disco-beeinflussten Rockplatte Double Fun (1978) landet er 1979 seinen ersten Hit mit dem Moon Martin-Cover Bad Case Of Loving You. Zu finden ist der Song auf dem Album Secrets (1979), für das Palmer erstmals eine eigene Band zusammenstellt. Die Scheibe markiert seinen Durchbruch in den USA.



Die Achtziger

Das Jahr 1980 verschafft ihm auch den europäischen Durchbruch, zeitgleich entdeckt Palmer die New Wave. Das verstärkt mit Synthesizern arbeitende Clues stürmt die Top Ten in Frankreich und Deutschland; in Schweden reicht es sogar zu Platz eins. Der Song Looking For Clues erklimmt Platz drei der deutschen Charts, die spätere EP-Veröffentlichung seiner Coverversion von Some Guys Have All The Luck funktioniert ebenfalls. Seine nächste Platte Pride (1983) orientiert sich an ähnlichen Einflüssen, lässt qualitativ aber ein wenig nach.



1984 gründet er die Supergroup The Power Station gemeinsam mit John und Andy Taylor von Duran Duran sowie Tony Thompson von Chic. Seine Solokarriere hängt Palmer vorerst an den Nagel, aber schon eine erfolgreiche Veröffentlichung und eine gemeinsame TV-Performance später verlässt er die Band wieder und bringt mit Riptide (1985) sein erfolgreichstes Album auf den Markt, das zudem einen seiner größten Hits enthält. So belegt Addicted To Love drei Wochen lang Platz eins der US-Charts und verschafft ihm sogar eine Grammy-Nominierung. 1988 landet auch Rockröhre Tina Turner einen Treffer mit dem Song.



1987 verschlägt es den Briten nach Lugano (Schweiz), wo er sich ein eigenes Tonstudio aufbaut. Er schreibt die Filmmusik für Sweet Lies (1988), zusätzlich nimmt er die Arbeit an seinem etwas härteren Erfolgsalbum Heavy Nova (1988) auf. Der Hit Simply Irresistible verschafft ihm erneut eine Grammy-Nominierung, diesmal erhält er auch die Auszeichnung.


Die Neunziger

Zu Beginn des neuen Jahrzehnts singt Palmer seinen nächsten Langspieler Don’t Explain (1990) ein, das auch den Song I’ll Be Your Baby Tonight enthält, eine Kollaboration mit der Reggae-Gruppe UB 40. 1992 veröffentlicht er Ridin’ High und lässt eine Menge Jazz in seine Musik einfließen — leider nicht zur Freude seiner Anhänger. Generell gestaltet sich das Verhältnis zwischen Palmer und seinen Fans in den kommenden Jahren schwierig. Er weigert sich, im Rahmen seiner Konzerte ältere Songs zu spielen und stößt seine Anhänger damit vor den Kopf. Seine nächste Veröffentlichung Honey (1994) verkauft sich nicht unterirdisch, kann aber bei weitem nicht an vergangene Erfolge anknüpfen.



1996 reanimiert er die Gruppe The Power Station, mit Living In Fear veröffentlicht die Band ohne großen Erfolg ein Reunionalbum. Gegen Ende des Jahrzehnts wird es ruhig um den britischen Musiker. Sein vorletztes Werk Rhythm & Blues (1998) kommt schlechter an als beinahe alle seine Veröffentlichungen der vergangenen Jahrzehnte.



Sein letztes Album

Am 12. Mai 2003 erscheint mit Drive der letzte Eintrag in der Diskografie von Robert Palmer. Statt eigenes Material zu schreiben, covert er Songs von J. B. Lenoir, Keb’ Mo’, ZZ Top und Elvis Presley. Die Platte verschafft ihm gute Rezensionen und ein wenig Aufwind, verkauft sich allerdings erneut eher schlecht als recht. Am 26. September desselben Jahres stirbt Palmer in Paris überraschend an einem Herzinfarkt. Er wurde nur 54 Jahre alt. Von 1970 bis 1993 war er mit seiner Frau Sue verheiratet, das Paar hat zwei Kinder.


Zeitsprung: Am 24.10.2013 gibt Tina Turner ihren US-Pass ab.

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Zeitsprung: Am 18.1.1974 gehen falsche Fleetwood Mac auf Tour – ganz offiziell.

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"Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 18.1.1974.

von Christof Leim

Im Januar 1974 spielen Fleetwood Mac Konzerte in den USA. Das wäre eigentlich ein Grund zur Freude für Classic Rock-Fans, doch leider steht da niemand auf der Bühne, der auf den aktuellen Platten oder den letzten Touren gespielt hat. Anders formuliert: Nur der Name Fleetwood Mac geht auf Tour, die Band blöderweise nicht. Das finden Besucher und Veranstalter natürlich befremdlich, zumal sie das oft erst am Showtag erfahren. Was ist da passiert und wer steckt hinter den „Fakewood Mac“?

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Hört hier in die damals aktuelle Platte Mystery To Me rein:

Klickt auf „Listen“ für das volle Programm.

Wer sich Anfang 1974 ein Konzertticket für Fleetwood Mac kauft, der erwartet auf der Bühne die Musiker der gerade neuen Platte Mystery To Me: Schlagzeuger Mick Fleetwood und Bassist John McVie zum Beispiel, dazu Sängerin Christine McVie und die Gitarristen Bob Welch und Bob Weston. Doch schon bei der ersten Show der Tour am 18. Januar 1974 ist keine einzige Person dieses Line-ups anwesend. Niemand. Stattdessen spielen fünf Unbekannte Fleetwood Mac-Songs.

Da muss also etwas vorgefallen sein. In einem Artikel des Rolling Stone von damals erzählt der Manager Clifford Davis: „Ich habe mich entschieden, etwas an der Band zu ändern, insbesondere auf der Bühne. Und das habe ich getan. Ich war immer schon der Anführer, der entscheidet, wer mitspielt und wer nicht.“ Eine krasse Ansage, aber Davis geht noch weiter: „Ich möchte endlich den Eindruck zerstreuen, dass dies Mick Fleetwoods Band ist. Diese Band war immer schon meine Band.“

Die echte Band Ende 1973: Welch, Fleetwood, McVie, McVie (v.l.) – Pic: Promo

Doch wie kommt der Mann dazu? In jenen Jahren verlieren Fleetwood Mac ständig ihre Gitarristen: Danny Kirwan fliegt 1972 raus, was den Abbruch einer Tour bedeutet. Im Herbst 1973 wird dann Bob Weston gefeuert, weil Drummer Mick kann es nicht länger mit ansehen, dass sein Kollege ein Verhältnis mit seiner Frau Jenny hat und damit auch in der Öffentlichkeit nicht hinter dem Berg hält. Autsch. Damit endet auch die erste Tour zu Mystery To Me vorzeitig. Dem Manager passt das gar nicht, angeblich nennt er das „unprofessionell“. Als die Musiker dann sogar eine Pause einlegen wollen, in der Mick sich um seine unvermeidliche Scheidung kümmern muss, stellt er kurzerhand eine Ersatztruppe zusammen und schickt sie in den USA auf die Straße.

Das Ersatzaufgebot besteht aus Musikern der Band Legs, die eine Single unter der Ägide des Managers veröffentlicht hatte: Sänger Elmer Gantry, Gitarrist Kirby Gregory, Bassist Paul Martinez und  Pianist John Wilkinson. „Ich habe mich aber entschieden, Mick zu behalten“, erklärt Davis im Rolling Stone. Allerdings habe der kurzfristig wegen privater Probleme wieder zurück nach England fliegen müssen. Also setzt sich Craig Collinge hinter das Schlagzeug.

Der erste Auftritt findet statt in Pittsburgh am 18. Januar 1974. Wenig überraschend gibt es dort umgehend Streit mit dem Veranstalter, und auch die Fans sind nicht erbaut. Deshalb muss Davis von nun an jeden Abend auf der Bühne verkünden, dass ganz neue Musiker spielen werden und Mick Fleetwood selbst, so ein Ärger, es leider nicht geschafft habe. Gut kommt das nicht an, doch es wird noch schlimmer: Eine Woche später rollt der Tross nach New York, wo 30 Minuten vor der Show feststeht, dass Elmer Gantry nicht singen können wird. „Das ist mir noch nie passiert“, röchelt er gegenüber dem Rolling Stone. Dummerweise hat sich ausgerechnet für diesen Abend die versammelte Musikpresse angekündigt. Noch doofer allerdings: Niemand sagt den Veranstaltern rechtzeitig Bescheid. Die hätten mit ein wenig mehr Vorlauf die Sause noch absagen können, jetzt aber stehen nach den Vorgruppen Kiss und Silverhead 3.400 Fans in der Halle und warten. Also fällt die Entscheidung, die „Band“ ohne Frontmann auf die Bühne zu schicken. Nach einer halben Stunde Boogie-Jam machen 800 Fans von dem Angebot Gebrauch, ihr Geld zurückzubekommen…

Das kann alles nicht lange gut gehen. Es gibt sogar die Geschichte, dass der langjährige Tourmanager John Courage irgendwann das Equipment versteckt und so dafür sorgt, dass die Konzertreise unter falscher Flagge gestört und abgebrochen wird. Kein Wunder also, dass der Spuk der„Fakewood Mac“ ziemlich schnell wieder vorbei ist und Clifford Davis mit Anlauf gefeuert wird. Ein unvermeidbares gerichtliches Nachspiel klärt zwar die Namensrechte eindeutig zu Gunsten der echten Fleetwood Mac, doch es bremst die Band mehrere Monate aus.

Die Musiker der Zweitbesetzung kehren zurück nach England und gründen die Band Stretch, die im November 1975 einen Hit landet mit dem Song Why Did You Do It?. Dessen Text kann mal an als klassisches Beziehungsdrama lesen, aber die meisten Kommentatoren sehen hier eine direkte Attacke auf Mick Fleetwood – weil der sich schließlich von der unglücklichen Tour zurückgezogen habe (was der weiterhin dementiert). Fleetwood Mac verstärken sich indes mit dem Gitarristen Lindsey Buckingham und der Sängerin Stevie Nicks und gehen in den Folgejahren durch die Decke. Der Rest ist Geschichte…



Titelfoto: Michael Putland/Getty Images

Zeitsprung: Am 11.7.1975 starten Fleetwood Mac ihrem gleichnamigen Album durch.

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