Das Debüt von Suicidal Tendencies: Eins der einflussreichsten Alben aller Zeiten wird 40

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Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images

Vom Party-Projekt zu einer der einflussreichsten Radau-Bands aller Zeiten: Als Suicidal Tendencies zu Beginn der Achtziger ihr Debütalbum veröffentlichen, ahnen sie wohl noch nicht, wen sie damit alles beeinflussen werden. Ein Song von der Platte funktioniert besonders gut — einen anderen müssen Suicidal Tendencies umbenennen.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch das Debüt von Suicidal Tendencies anhören:

Eigentlich sollte Suicidal Tendencies nur eine Party-Band werden. Doch schon in jungen Jahren feiern die Musiker mit ihrem Frontmann Mike Muir nennenswerte Erfolge, sodass die Gruppe schnell wichtiger und größer wird als geplant. 1982 ernennt das Magazin Flipside die Kalifornier noch zur „schlechtesten Band / den größten Arschlöchern“. Doch schon im folgenden Jahr ändert die Redaktion ihre Meinung und kürt die Gruppe zur „besten neuen Band“. Was zwischenzeitlich passiert war? Suicidal Tendencies hatten sich in ihrer kalifornischen Heimat einen Ruf als veritable Live-Dampfwalze erspielt — außerdem standen die jungen Wilden mit ihrem ersten Album in den Startlöchern. Und das ebnet den Weg für eine jahrzehntelange Erfolgsgeschichte.

Das Debüt von Suicidal Tendencies: Ein jugendliches Meisterwerk

Mit ihrem Debütalbum legen Suicidal Tendencies im Jahr 1983 gleich drei wichtige Grundsteine: einen für den Thrash Metal, einen für Crossover und einen für ihre eigene Karriere. So weisen die Kalifornier der noch jungen Thrash-Szene mit ihrem erbarmungslosen Hardcore-Punk den Weg, geben mit ihren Hip-Hop-Einflüssen dem Crossover eine Richtung vor und erspielen sich in Windeseile eine stattliche Fanbase. Gelegentlich kommen Gerüchte auf, Frontmann Mike Muir gehöre einer der zahlreichen Gangs von Los Angeles an. Ob an den Vermutungen etwas dran ist, weiß man bis heute nicht so genau. Gewalt scheint Muir jedenfalls nur auf der Bühne ausleben zu wollen. Seine wutgeladenen Performances genießen nämlich schnell Legendenstatus.

Das passt zur Herangehensweise, die Suicidal Tendencies auf ihrem Debütalbum verfolgen. „Diese Platte entstand aus einer Menge jugendlicher Sturheit und Unbekümmertheit heraus“, erzählt Sänger Mike Muir in einem Interview. „Es war uns egal, was die Leute mochten, und wir wollten nichts machen, was die Leute mochten.“ Eine Randnotiz: Das FBI mag die Platte wohl auch nicht, denn der Legende nach bittet die US-Behörde die jungen Musiker freundlich aber bestimmt darum, ihren Song I Shot Reagan umzubenennen, sodass die Nummer nun I Shot The Devil heißt. Weiter berichtet Muir: „Wir hatten keinerlei kommerzielle Ambitionen. Es ist eine reine ehrliche Platte. Damit können sich junge Leute identifizieren.“

Institutionalized: Mit MTV zum Mainstream-Erfolg

Zu Beginn sind die Verkaufszahlen tatsächlich noch nicht überwältigend. Doch einige Musik-Fans mögen das Album, spielen es ihren Freund*innenen vor und lösen so eine Graswurzelbewegung aus, die Suicidal Tendencies zum neuen heißen Scheiß werden lässt. Für den späteren Mainstream-Erfolg der Platte nimmt die Single Institutionalized eine wichtige Rolle ein, denn sie profitiert vom damaligen MTV-Boom und wird von dem Musiksender rauf und runter gespielt. Inhaltlich erzählt Muir in dem Song vermutlich aus seiner Jugend und von Konflikten mit seinen Eltern und Freunden. Durch ihre Bekanntheit nehmen Suicidal Tendencies Einfluss auf unzählige Bands wie Anthrax, Biohazard, Body Count, Metallica, Pantera, Rage Against The Machine und Sepultura.

Nach ihrem Debüt legen Suicidal Tendencies eine mehrjährige Pause ein. 1987 kehren sie mit neuem Gitarristen (Rocky George) und neuem Schlagzeuger (R.J. Herrera) zurück und legen ihr zweites Album Join The Army vor. Darauf klingen die Kalifornier Metal-lastiger; der Hardcore-Punk rückt ein wenig in den Hintergrund. Es soll nur eine von mehreren stilistischen Veränderungen sein, denn als 1989 Robert Trujillo in die Band einsteigt, lassen Suicidal Tendencies auch Funk in ihre Radaumusik einfließen. (Heute spielt Trujillo bei Metallica, wie wir wissen. Den Bass für Suicidal Tendencies zupft inzwischen sein Sohn Tye.) Großen Einfluss nimmt die Band um Mike Muir auch im weiteren Verlauf ihrer Karriere — mit ihrem Debüt hat 1983 alles angefangen.

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