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Popkultur

Die 10 besten Protestsongs der Musikgeschichte

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Von kompromisslosen Berichten über Rassenhass und knallharten Tiraden gegen Ungerechtigkeit bis hin zu Forderungen nach Gleichberechtigung und sogar Stadionhymnen mit unterschwelliger Botschaft – die besten Protestsongs beschäftigen sich nicht nur mit den Fragen ihrer Zeit, sondern überdauern Generationen und werden zu zeitlosen politischen Statements. Heutzutage ist Hip-Hop wohl das politisch engagierteste Genre, aber in der Vergangenheit kamen die besten Protestsongs auch aus dem Jazz, Folk, Funk und Rock.

Viele hätten einen Platz auf dieser Liste verdient, aber hier sind zehn der besten Protestsongs der Musikgeschichte.

von Jamie Atkins

 

1. Billie Holiday: Strange Fruit (1939)

Strange Fruit ist ein Gedicht von Abel Meeropol – einem weißen, jüdischen Lehrer und Mitglied der Kommunistischen Partei. Es wurde 1937 veröffentlicht und legte den brutalen Rassismus offen, der in Amerika zu dieser Zeit grassierte. Im Grunde war es eine nüchterne, aber sehr kraftvolle Beschreibung eines Fotos, das Meeropol gesehen hatte und auf dem ein Lynchmord zu sehen war. Mit einer krassen Wortwahl stellt er die Idylle der Südstaaten gegen ungeschönte Beschreibungen von schwarzen Leichen, die an Baumästen hängen. Später vertonte er das Gedicht und das Ergebnis schockiert die Hörer auch heute noch.

Als Billie Holiday 1939 anfing, den Song im Club Café Society live zu singen, hatte sie zuerst Angst vor Anfeindungen und Repressalien. Aber Strange Fruit verschlug dem Publikum regelmäßig die Sprache, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Sie durfte den Song immer erst am Ende ihres Sets spielen, wenn die Bar geschlossen wurde und der Raum schon abgedunkelt war. Holiday war sich der Wirkung des Songs bewusst und wollte ihn unbedingt aufnehmen. Sie sprach mit ihrem Label Columbia, aber dort hatte man Angst vor den Auswirkungen und gab ihr stattdesen die Erlaubnis, den Song für ein anderes Label aufzunehmen. Commodore stellte sich der Aufgabe und veröffentlichte Holidays Version. Sie verkauften eine Million Exemplare und rückten damit die unfassbare Grausamkeit und das Leid, das der Rassenhass verursachte, ins öffentliche Bewusstsein. Egal, wie oft man es hört, Strange Fruit klingt immer noch wie eine Warnung aus einer Vergangenheit, die noch gar nicht so weit zurückliegt.

2. Woody Guthrie: This Land Is Your land (1944)

Wer hätte gedacht, dass sein Song, der so tief in der amerikanischen Seele verwurzelt ist wie Woody Guthries ‘This Land Is Your Land’, ursprünglich lediglich als Antwort auf einen anderen Song gemeint war. Guthrie war zunehmend genervt von der Selbstgefälligkeit, wie er es empfand, von Irving Berlins Song ‘God Bless America’, dem man sich Ende der 1930er Jahre kaum entziehen konnte, weil Kate Smiths Version ständig im Radio lief. Also verfasste er eine Antwort, die die Schönheit der Natur der Vereinigten Staaten feierte und gleichzeitig das Konzept von privatem Grundbesitz in Frage stellte und die Armut und Ungleichheit in Amerika anprangerte. Die Melodie basierte auf dem Carter Family-Song ‘When The World’s On Fire’, der seinerseits auf das baptistische Loblied ‘Oh, My Loving Brother’ zurückging. Guthrie nannte den Song ‘God Blessed America’ und ursprünglich endeten die Strophen nicht mit “This land was made for you and me”, sondern mit “God blessed America for me”.

1944 nahm Guthrie ein Demo von dem Song auf. Dabei änderte er den Titel und ließ die politisch eindeutigste Strophe weg. Trotzdem entwickelte ‘This Land Is Your Land’ bald eine Eigendynamik und der Song wurde zu einer Art patriotischer Hymne, die am Lagerfeuer, bei Demos und in Schulen gesungen wurde. Wie alle großartigen Protestsongs, bewegt er auch heute noch die Menschen: Die intensive Performance von Pete Seeger und Bruce Springsteen bei Präsident Barack Obamas Amtseinführung im Jahr 2009 ist ein beeindruckender Beweis für seine immer noch andauernde Strahlkraft.

3. Bob Dylan: Masters Of War (1963)

Viele von Dylans frühen Abstechern ins politische Songwriting ließen Raum für Interpretationen. Aber auf Masters Of War redet der damals 21-Jährige nicht lange um den heißen Brei herum. Anlässlich der Veröffentlichung des dazugehörigen Albums The Freewheelin’ Bob Dylan sagte er zu Nat Hentoff von Village Voice: “Ich habe bisher noch nie etwas derartiges geschrieben… Ich singe normalerweise keine Lieder in denen ich Leuten den Tod wünsche, aber diesmal ist es eben so passiert. Dieser Song ist ein Verzweiflungsschlag, ein Greifen nach dem letzten Strohhalm, ein Gefühl der Hilflosigkeit.”

Es ist ein wütender Song. Es war des Gefühl der Machtlosigkeit angesichts der politischen Entwicklungen und der Tendenz der USA, sich aus fadenscheinigen Gründen in die internationale Politik – wie Kuba, Vietnam, Irak – einzumischen, das Dylan zu schaffen machte. 2001 erklärte er in einem Interview mit USA Today, dass es ein “pazifistischer Song gegen den Krieg” war und fügte hinzu: “Es ist kein Antikriegssong. Er richtete sich gegen das, was Eisenhower am Ende seiner Präsidentschaft als militärisch-industriellen Komplex bezeichnete. Diese Stimmung lag in der Luft und ich setzte mich damit auseinander.”

Das tat er. Dylan hatte die Fähigkeit, seinen Finger auf den Puls der Zeit zu legen und schrieb einige der besten Protestsongs der frühen 60er-Jahre. Und trotz des bitterbösen Zorns wurde Masters Of War von zahlreichen Künstlern gecovert – von den Staple Singers bis Cher. Und seine Wirkung lässt immer noch nicht nach. Sogar Ed Sheeran coverte den Song 2013 für die ONE Campaign gegen die weltweite Armut.

4. James Brown: Say It Loud – I’m Black And I’m Proud (1968)

Bis 1968 hatte James Brown Black Music schon mehrmals maßgeblich beeinflusst, aber mit seinem in dem Jahr erschienenen Say It Loud – I’m Black And I’m Proud äußerte er sich zum ersten Mal zur Bürgerrechtsbewegung. Und wie immer sprengte er dabei alles bisher Dagewesene: Bis dahin war der Tonfall der Bürgerrechtsbewegung eher als eine Bitte um Gleichberechtigung zu beschreiben. Browns Song allerdings war voller Trotz und Stolz. Er bittet nicht höflich darum, akzeptiert zu werden, sondern fühlt sich vollkommen wohl in seiner Haut.

Der Song ging auf Platz 10 der Billboard-Charts und diente als Blaupause für das Funk-Genre. Ähnlich wie Stevie Wonder-Klassiker in den 70ern war Say It Loud – I’m Black And I’m Proud ein politischer Song, der auch auf den Tanzflächen einschlug. Ein Knaller, der kein bisschen schüchtern war und viele Generationen beeinflusst hat.

5. Crosby, Stills, Nash & Young: Ohio (1970)

Ein altes Sprichwort sagt, das sein Bild mehr sagt als tausend Worte. Das Foto des Studenten John Filo, welches später auch im Magazin Life gedruckt wurde, hat außerdem einen der besten Protestsongs alle Zeiten inspiriert. Das Foto entstand direkt nachdem ein Ohio National Guard auf eine Gruppe von Studenten geschossen hatte, die am 4. Mai 1970 an der Kent State University gegen den Vietnamkrieg protestieren. Es zeigt die Demonstrantin Mary Vecchio, die schockiert und mit offenem Mund über der Leiche des Studenten Jeff Miller kniet und realisiert, was gerade passiert ist.

Als Neil Young das Foto sah, war er erschüttert. David Crosby gab ihm eine Gitarre und Young legte all seine Wut in diesen Song. Mit Ohio zog er eine Linie in den Sand, mit der er ‘uns’ und ‘sie’ trennte. Mit Textpassagen wie “Soldiers are cutting us down/Should have been done long ago” reflektierte er die protestfeindliche Stimmung in Teilen der amerikanischen Öffentlichkeit. In der Aufnahme von Crosby, Stills, Nash & Young wirkte der Song noch stärker: Er ist impulsiv und brodelt bis zu seinem Höhepunkt, als Crosby entsetzt und wütend schreit: “Why?” Nur die allerbesten Protestsongs durchbrechen ihr ursprüngliches Thema und lassen sich auf alle möglichen Szenarien übertragen. Ohio ist ein solcher Song.

6. Robert Wyatt: Shipbuilding (1982)

Als der Produzent Clive Langer Elvis Costello eine jazz-lastige Klaviermelodie vorspielte, zu der er keinen passenden Text fand, hatte der Falkland-Konflikt zwischen Großbritannien und Argentinien 1982 gerade erst begonnen. Costellos Text, aus dem später der Song Shipbuilding entstand, beschäftigt sich mit den möglichen Auswirkungen des Konflikts auf die traditionell vom Schiffbau geprägten Gegenden im Vereinigten Königreich. Er sinniert darüber nach, ob eine Kehrtwende im Abstieg der Schiffsindustrie gegen die potentiellen Verluste im Krieg aufgewogen werden könnte (“Is it worth it?/A new winter coat and shoes for the wife/And a bicycle on the boy’s birthday”) und er blickt mit großer Sensibilität auf die Entscheidungen, die Menschen treffen, wenn ihnen die Hände gebunden sind (“It’s all we’re skilled in/We will be shipbuilding”).

Der Song wurde quasi schon für Robert Wyatt geschrieben und er singt ihn perfekt. Sein nachdenklicher Gesang passt perfekt zu dem zwiespältigen Text. Später gab Wyatt zu bedenken, dass der Song als “die Glorifizierung der Arbeiterklasse als ‘unsere Jungs’” gelesen werden könnte, “wie sie die Konservativen gerne einsetzten, wenn sie sie in eine Uniform stecken wollten”.

7. The Specials: Free Nelson Mandela (1984)

Mit Free Nelson Mandela bewies Jerry Dammers (Gründer der englischen Ska-Band The Specials), dass politische Songs gleichzeitig tanzbar sein und zum Nachdenken anregen konnten. Free Nelson Mandela klang fröhlich und positiv und die Leute tanzten … zu einer inoffiziellen Hymne der internationalen Anti-Apartheid-Bewegung. Dass ein Song mit so einer klaren und kompromisslosen politischen Aussage ein Hit werden kann, erwartet man nicht unbedingt. Aber in Großbritannien erreichte Free Nelson Mandela Platz 6 der Charts und auch in anderen Ländern, einschließlich Südafrika, war er sehr erfolgreich.

Als Free Nelson Mandela erschien, war Mandela schon 20 Jahre wegen Sabotage und Umsturzversuchen in Haft, aber der Song wurde einer der besten Protestsongs der 80er, machte den Namen Nelson Mandela bekannter und erreichte Menschen, die sich vielleicht nicht wahnsinnig für die Weltpolitik interessierten und deshalb nicht mit seiner Geschichte vertraut waren. Der Song ermutigte sie dazu, sich mit der Situation zu beschäftigen und mehr zu erfahren. Am Tag von Mandelas Freilassung im Jahr 1990 war der Song überall zu hören – eine freudige Ode an die Freiheit.

8. Bruce Springsteen: Born In The USA

Das Album Born In The USA machte Bruce Springsteen in seiner Heimat zu einem absoluten Superstar, aber vielen entgingen die gar nicht besonders subtilen Untertöne in seinem triumphal-klingenden Titeltrack. Die Originalversion des Songs, die Springsteen während der Sessions zu dem 1982 erschienenen Album Nebraska aufnahm, ist eine verirrte und rasselnde solo Rockabilly-Version, die viel besser zum Tonfall des Textes passt. Es ist die Geschichte eines Kriegsveterans aus Vietnam, der Schweirigkeiten hat, in ein bürgerliches Leben zurückzufinden und sich von der Regierung alleingelassen fühlt.

Andererseits ist die Version, zu der so viele, die nicht richtig hingehört haben, ihre Fäuste in den Himmel recken, die vielleicht effektivere, denn so erreichte die subversive Botschaft ein Publikum, das ihm in seiner ursprünglichen Form wohl keine Aufmerksamkeit geschenkt hätte.

9. Public Enemy: Fight The Power (1989)

Nach der Veröffentlichung ihres bahnbrechenden Albums It Takes A Nation Of Millions To Hold Us Back im Jahr 1988 waren die Hip-Hop Vorreiter Public Enemy die heißeste Band auf dem Planeten – geradeaus, musikalisch spannend und mit einem Finger am Puls der aktuellen Entwicklungen im schwarzen Teil Amerikas. Regisseur Spike Lee war in einer ähnlichen Position, als er She’s Gotta Have It und School Daze geschrieben und gedreht hatte. Beide Filme richteten sich direkt an ein schwarzes Publikum und machten auch keinen Hehl daraus.

Als Lee am Drehbuch zu seinem mit Spannung erwarteten Film Do The Right Thing arbeitete, wusste er schon, dass Public Enemy auf dem Soundtrack sein mussten. Der Film beschäftigte sich mit den Spannungen zwischen den ethnischen Gruppen in den Straßen New Yorks und Hank Shocklee vom Produktionsteam der Band, The Bomb Squad, sagte: “Ursprünglich wollte Spike, dass wir eine Hip-Hop Version des religiösen Songs Lift Every Voice And Sing aufnahmen. Da bat ich ihn, das Fenster aufzumachen und seinen Kopf rauszustrecken. ‘Was hörst du, Mann? Wenn da ein Auto mit offenen Fenstern an dir vorbeifährt, hörst du garantiert nicht jedesmal “Lift Every Voice And Sing”’. Wir mussten etwas machen, was die Straße widerspiegelte.”

Und das taten sie. Fight The Power ist eine explosive Collage aus Funk, Lärm und aggressiven Beats – das perfekte Fundament für den unverwechselbaren Text von Frontmann Chuck D & Co. Mit Zeilen wie “’Cause I’m black and I’m proud/I’m ready and hyped plus I’m amped/Most of my heroes don’t appear on no stamps”. Chuck selbst sagte, dass dies ihr wichtigster Song war, da er die sozialen und psychologischen Kämpfe zeigte, die die schwarzen Jugendlichen in Amerika jeden Tag auszutragen hatten.

10. Kendrick Lamar: Alright (2015)

In den Wochen vor Erscheinen von Kendrick Lamars Meilenstein To Pimp A Butterfly im März 2015 wurden die Vereinigten Staaten von zahlreichen Unruhen erschüttert. Im November 2014 hatte die Entscheidung, den Polizisten, der Michael Brown erschossen hatte, nicht anzuklagen, im ganzen Land zu Protesten geführt. Im selben Monat wurde der 12-jährige Tamir Rice auf offener Straße von der Polizei erschossen, weil er eine Spielzeugpistole in der Hand hielt. Die Black Lives Matter-Bewegung wurde jeden Tag stärker und als To Pimp… veröffentlicht wurde, machten die Demonstranten den Song Alright und seinem Ruf nach Hoffnung durch Solidarität und Widerstand, zu ihrer Hymne.

Auch unabhängig davon wurde Alright schnell zu einer Hymne und ist einer der besten Protestsongs seiner Zeit. Außerdem ist es ein beeindruckender Beleg für die Bedeutung der sozialen Medien für die Verbreitung einer Botschaft, denn Videos von Demonstranten, die fröhlich Kendricks Refrain “We gon’ be alright” sangen, verbreitete sich in null Komma nichts um den Globus. Damit unterstrich er einmal mehr, welchen Einfluss die Musik immer noch auf die Politik haben kann.

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Verbotene Songs: 10 kontroverse Lieder, die die Welt schockten

Popkultur

Zeitsprung: Am 25.6.1945 kommt Sängerin und Songschreiberin Carly Simon zur Welt.

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Hat gut lachen: Carly Simon 1971 - Foto: Jack Mitchell/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 25.6.1945.

von Frank Thießies und Christof Leim

Am 25. Juni 1945 kommt Sängerin und Songschreiberin Carly Simon zur Welt. Die Künstlerin sammelt Männerherzen und Grammys gleichermaßen und legt mit You’re So Vain einen der großen Hits der Siebziger hin. Um die Identität des eitlen Protagonisten im Songtext macht sie lange Zeit ein Geheimnis. Wir blicken zurück auf ein – zumindest teilgelöstes – Popkultur-Rätsel und erweisen Simon zugleich die Geburtstagsehre.

Hier könnt ihr euch die größten Hits von Carly Simon anhören:

Carly Elisabeth Simon wird am 25. Juni 1945 in New York City geboren als Tochter des renommierten Verlagsgründers Richard L. Simon (von Simon & Schuster). Ihre ersten musikalischen Babyschritte unternimmt die Sängerin Mitte der Sechziger in Verbund mit ihrer Schwester Lucy. Doch abgesehen von dem auf einem Kindergedicht basierenden Minihit Winkin’, Blinkin’ And Nod ist es mit der Karriere Simon Sisters nicht weit her. 

Blitzstart

Doch schon im Jahre 1970 stellt die Vertragsunterzeichnung bei The-Doors-Entdecker Jac Holzman und dessen Plattenfirma Elektra die Weichen für eine erfolgreiche Sololaufbahn. Ihr schlicht Carly Simon betiteltes Debütalbum aus dem Jahre 1971 birgt bereits den Hit That’s The Way I’ve Always Heard It Should Be und bringt Simon sogar schon einen ersten Grammy in der Kategorie „Beste neue Künstlerin“ ein. Kein schlechter Start, sondern der Beginn einer Erfolgsgeschichte, die mit dem Nachfolgealbum Anticipation noch im gleich Jahr fortgeschrieben wird. 

Dabei ist es Simons 1972 veröffentlichtes drittes Album, welches ironischerweise No Secrets betitelt ist, das zu ihrem großen internationalen Durchbruch wird. Es enthält mit You’re So Vain ihren künftigen Erkennungssong, der in den USA, Kanada, Australien und Neuseeland Platz eins erreicht. Das Lied besticht schon musikalisch durch Prominenz: So stammt das markante Bass-Intro von Beatles-Intimus und Grafiker Klaus Voormann, während niemand Geringeres als Mick Jagger – inkognito – zum Background-Gesang beiträgt. 

Fegefeuer der Eitelkeiten

Noch delikater und spannender gestaltet sich allerdings die inhaltliche Ebene des Stücks, in dem Simon die Eitelkeiten eines männlichen Liebhabers besingt. Die Spekulationen um dessen wahre Identität schlagen hohe Wellen, die jahrzehntelang nicht abebben wollen und – naheliegend – unter anderem Mick Jagger als den Mann hinter dem unbestimmten „you“ wähnen. Auch durch die Presse geistern die Namen illustrer Kandidaten, etwa David Bowie, David Cassidy oder Cat Stevens, mit dem Simon einst tatsächlich ein Techtelmechtel hatte. Dass ihr aktueller Ehemann zur Entstehungszeit des Stückes, der Singer-Songwriter James Taylor, definitiv nicht der Gegenstand des Textes ist, bleibt der einzige Hinweis, den sich Simon lange Zeit entlocken lässt. 

Das popkulturelle Rätselraten erreicht 2003 schließlich seinen Höhepunkt, als Simon sich im Rahmen einer Wohltätigkeits-Auktion bereit erklärt, dem Höchstbietenden den Namen des Besungenen preiszugeben. NBC-Sports-Präsident Dick Ebersol blättert 50.000 Dollar dafür hin und muss versprechen, sein neugewonnenes Wissen nicht mit der Öffentlichkeit zu teilen. So darf er höchstens den Hinweis geben, dass der Buchstabe „E“ im Namen jenes ominösen Mister X vorkommt. 

Suche nach Mr. X

2007 beansprucht dann Schauspieler Warren Beatty (Bonnie und Clyde, Dick Tracy) in einem Interview die Ehre des Gesuchten für sich. Es soll acht weitere Jahre dauern, bis Carly Simon schließlich im Rahmen des Pressetrommelwirbels für ihre Memoiren bestätigt, dass Warren Beatty tatsächlich in You’re So Vain adressiert werde  – allerdings nur als Protagonist von Strophe zwei. Der Rest des Textes würde sich auf zwei weitere (prominente?) und bis heute namenlose männliche Pfaue beziehen. 

Ist das unter anderem von den verlotterten Sleaze-Rockern Faster Pussycat 1990 gecoverte You’re So Vain als Songmysterium sicherlich Simons größte Errungenschaft für die Pop-Lexika dieser Welt (und zugleich ihr wohl bekanntester Hit), darf man die anderen Verdienste und musikalischen Glanztaten der Singer-Songwriterin jedoch keineswegs unterschlagen. So tritt Simon 1977 als Interpretin von Nobody Does It Better in Erscheinung, dem Song zum James-Bond-Film Der Spion, der mich liebte. Außerdem  reüssiert sie 1989 mit ihrer Soundtrack-Arbeit zum Film Die Waffen der Frauen. Für das daraus stammende Lied Let The River Run heimst die alte Geheimniskrämerin sogar als erste Solokünstlerin und Songautorin überhaupt einen Oscar, Golden Globe und Grammy zugleich ein. 

Im Laufe ihrer Karriere veröffentlicht Carly Simon sage und schreibe 24 Studioalben, wird für 14 Grammys nominiert und gewinnt zwei. Das Musikportal Allmusic nennt sie „eine der wichtigsten Singer-Songwriterinnen der Siebziger“. Sie schreibt Musik für Filme und TV-Sendungen und spielt auch in einigen mit. Simon war zweimal verheiratet und hat zwei Kinder, Sally und Ben, die ebenfalls künstlerisch tätig sind. Wir sagen: Herzlichen Glückwunsch!

Zeitsprung: Am 7.11.1943 kommt Joni Mitchell zur Welt.

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Popkultur

Ein Schulabbruch, jede Menge Exzesse und 55 Jahre Rockgeschichte: 5 Dinge, die ihr über Mick Fleetwood noch nicht wusstet

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Mick Fleetwood
Foto: Brian Killian/Getty Images

„"Seit nunmehr 55 Jahren steht der Name Fleetwood Mac für eines der wichtigsten Kapitel der Rockgeschichte: den British Blues Boom. Als Gründer, Namensgeber und Schlagzeuger der Band hat Mick Fleetwood einen wichtigen Anteil daran. Diese fünf Dinge über ihn wusstet ihr vielleicht noch nicht.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Tusk von Fleetwood Mac anhören:

1. Er brach mit der Unterstützung seiner Eltern die Schule ab, um Musiker zu werden.

Wenn der Nachwuchs die Schule abbrechen möchte, um eine Laufbahn als Rockstar einzuschlagen, sorgt das in der Regel für einen mächtig schiefen Haussegen. Nicht so bei den Fleetwoods: Papa John spielt nämlich selbst Schlagzeug und kann den sehnlichsten Wunsch seines Sohnemanns nur allzu gut nachvollziehen. Sein erstes Drumset bekommt der kleine Mick mit 13. Als er im Alter von 15 Jahren den Wunsch äußert, von der Schule abzugehen, um in London als Schlagzeuger durchstarten zu können, lassen seine Eltern ihn ziehen. Tatsächlich findet Fleetwood in der britischen Hauptstadt schnell Anschluss.

2. Blues-Legende John Mayall feuerte Fleetwood wegen seines ausschweifenden Alkoholkonsums.

Nach seinen ersten Jahren in London steigt Fleetwood in eine Band namens The Peter Bs ein, in der auch ein gewisser Peter Green mitspielt. Green verlässt die Gruppe allerdings und steigt stattdessen bei John Mayall’s Bluesbreakers ein. Fleetwood folgt ihm, sodass die Zwei ab April 1967 mit einer der legendärsten Bluesgruppen Londons auftreten. Ebenfalls an Bord: John McVie, der später gemeinsam mit Fleetwood über 50 Jahre Fleetwood-Mac-Geschichte schreiben soll. Leider nehmen Fleetwood und McVie ihr Dasein als Musiker zu jener Zeit noch nicht so ernst wie als ihren Ruf als Trinker. Mehrfach erscheinen die beiden mit ordentlich Promille zu Konzerten der Bluesbreakers, weshalb Bandleader John Mayall die zwei Musiker nach nur wenigen Wochen wieder vor die Tür setzt. Peter Green verlässt Mayalls Truppe anschließend freiwillig und gründet mit Fleetwood schon einmal die Band, die McVie später nicht nur namentlich vervollständigen soll: Fleetwood Mac. Zu Kostverächtern werden die Musiker durch den Rauswurf allerdings nicht. Besonders legendär: die Kokaingeschichten während der Siebziger. „Es besteht kein Zweifel daran, dass wir gut mit dem Marschpulver ausgerüstet waren“, erzählt Fleetwood in einem Interview mit Classic Rock. „Inzwischen ist das ein abgedroschenes Märchen, das immer weiter und weiter zu einer Kriegsgeschichte vergrößert wird. Ich möchte nicht verharmlosen, dass wir diesen Lebensstil gelebt haben. Aber wir sind nicht über den Boden gekrochen und uns kam auch kein grüner Schaum aus dem Mund. Wir haben gearbeitet.“

3. Im Juni 1970 heiratete er Jenny Boyd — die Schwester von Pattie Boyd, die mit George Harrison und Eric Clapton verheiratet war.

Was die Klatsch- und Tratsch-Seite betrifft, sind Fleetwood Mac nicht nur für ihre internen Liebschaften bekannt, sondern auch dafür dass Mick Fleetwood für einige Jahre mit Jenny Boyd liiert war. Falls euch dieser Nachname bekannt vorkommt, habt ihr völlig recht: Es handelt sich bei Jenny um die Schwester von Pattie Boyd, die zuerst George Harrison und dann Eric Clapton heiratet. Mick und Jenny lernen sich Ende der Sechziger kennen, 1970 geben sie sich ebenfalls das Ja-Wort. Ein paar Jahre später findet Mick heraus, dass Jenny eine Affäre mit Fleetwood-Mac-Gitarrist Bob Weston hat. Weston muss gehen; Mick und Jenny lassen sich scheiden, finden 1976 allerdings noch einmal zusammen. Das Paar heiratet sogar noch einmal, um ihren gemeinsamen Kindern den Umzug in die USA zu erleichtern. Ab November 1977 lässt sich Mick auf eine Affäre mit Fleetwood-Mac-Sängerin Stevie Nicks ein, 1978 reichen er und Jenny Boyd zum zweiten Mal die Scheidung ein. Diesmal bleibt es dabei.

4. Sein Lieblingsalbum von Fleetwood Mac ist Tusk (1979).

Nach dem Mega-Erfolg des elften Fleetwood-Mac-Albums Rumours (1977) kann Tusk (1979) in kommerzieller Hinsicht nur verlieren. Trotzdem handelt es sich bei der Platte um Mick Fleetwoods Favoriten aus der Diskografie der Blues-Briten. Das liegt vor allem daran, dass sich die Musiker während der Produktion der Platte nach Herzenslust austoben können, ohne dass dabei kreative Grenzen im Weg stehen. McVie findet an dieser Freiheit weniger Gefallen, es kommt zu Streitigkeiten innerhalb der Band. Doch wie so oft hält Ruhepol Mick Fleetwood seine Schäfchen beisammen und kann die Situation wieder entspannen.

5. Er ist das einzige Gründungsmitglied von Fleetwood Mac und inzwischen seit 55 Jahren dabei.

55 Jahre Rockgeschichte. Das muss man erstmal schaffen und sich vor Augen führen, was mit so einer jahrzehntelangen Karriere einhergeht: 55 Jahre Musikgeschäft. 55 Jahre auf Tour. 55 Jahre voller Streitigkeiten und Versöhnung, denn wer schon einmal selbst in einer Band gespielt hat, weiß: Harmonisch läuft es in einem kreativen Gefüge nur selten ab. Mick Fleetwood kann diesen Widrigkeiten bis heute standhalten und schreibt die Geschichte des Rock weiter. Das gehört einfach honoriert.

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Zehn Blues-Empfehlungen für den Einstieg

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Popkultur

Ringkämpfe, USA-Reisen und Konflikte mit der Stasi: 5 Dinge, die ihr über Richard Kruspe noch nicht wusstet

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Richard Kruspe
Titelfoto: Universal Music

Er war maßgeblich an der Gründung von Rammstein beteiligt, beschäftigt sich seit 2004 zusätzlich mit seinem Nebenprojekt Emigrate und hat schonmal die Stasi ausgetrickst: Richard Kruspe. Diese fünf Dinge über einen der bekanntesten deutschen Gitarristen wusstet ihr vielleicht noch nicht.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Zeit von Rammstein anhören:

1. Als Jugendlicher in der DDR war Kruspe ein erfolgreicher Ringer — was seine Karriere als Musiker nicht unbedingt erleichterte.

Seine Kindheit und Jugend verbringt Richard Kruspe in der DDR, wo er am 24. Juni 1967 zur Welt kommt. „Bis zu meinem siebten Lebensjahr habe ich in einem kleinen Dorf namens Weisen gelebt“, berichtet er im Interview mit dem Magazin Rock Hard. „Das war eine schöne Kindheit mit viel Natur, Hunden und Katzen sowie einer großen Familie mit zwei Geschwistern.“ Doch als Kruspe älter wird, ist Schluss mit der Harmonie. „Durch die Scheidung meiner Eltern kam ein großer Bruch. Mein Vater war von heute auf morgen weg, und wir zogen zu meinem neuen Stiefvater nach Schwerin, mit dem ich überhaupt nicht klarkam.“ Nicht nur einmal läuft Kruspe von zuhause weg und übernachtet auf Parkbänken. Trost sucht er zum einen im Gitarrenspiel. Zum anderen entpuppt er sich in seiner Jugend als begnadeter Ringer und steigt mehrfach für den BSG Lok Wittenberge auf die Matte. Kruspes Karriere als Musiker steht die sportliche Laufbahn allerdings im Weg, wie er im Gespräch mit der Neuen Osnabrücker Zeitung erzählt: „Im Osten zählte eher der Sport, das war der große Exportschlager. Aber wer weiß: Vielleicht wäre ich ein klassischer Musiker geworden, hätte ich Musikunterricht nehmen dürfen.“ Dass sein Leben anschließend ein bisschen anders verläuft, wissen wir heute.

2. Als Kruspe für die Stasi arbeiten sollte, trickste er das Ministerium aus.

Dass Kunst in der DDR nicht den höchsten Stellenwert genießt, erfährt Kruspe auch an anderer Stelle am eigenen Leib. „Ich habe neben meinem Beruf Musik gemacht und Schmuck hergestellt, um mein Leben zu finanzieren“, erinnert er sich im Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung. „Beides durfte man nicht im Osten. Die haben das über einen Spitzel herausgefunden und mich erpresst, weil ich dafür weder Steuern zahlte noch eine Facharbeiterausbildung hatte. Die Stasi stellte mich vor die Wahl: entweder IM — also inoffizieller Mitarbeiter — werden oder in den Knast gehen. Ich hatte eine Woche Bedenkzeit.“ Doch dann kommt Kruspe eine Idee und er trickst die Stasi aus: „Natürlich sollte ich absolutes Stillschweigen bewahren. Genau das habe ich aber nicht getan, sondern stattdessen diese Geschichte in meinem ganzen Bekanntenkreis verbreitet. Mit dem Hintergedanken, dass die merken sollten: Der quatscht zu viel und ist unbrauchbar. Nach einer Woche haben die mich tatsächlich in Ruhe gelassen.“

3. Seinen alten Freund Till Lindemann traf er nur deshalb wieder, weil Kruspe nach dem Mauerfall wieder nach Ostdeutschland zog.

Als Kruspe älter wird, beginnt er zunehmend damit, das Leben in der DDR zu hinterfragen. „Die Sache mit der DDR ist, dass es bis zum zwölften Lebensjahr großartig war, dort aufzuwachsen“, erzählt er in einem Interview mit dem britischen Metal Hammer. „Es wurde die Illusion aufrecht erhalten, dass man in einer sehr gesunden Wirtschaft lebt, die funktioniert, solange man keine Fragen stellt — und man stellt keine Fragen, bevor man zwölf ist.“ Ende 1989 beschließt Kruspe, dass er die DDR verlassen möchte und flieht über die Tschechoslowakei, Ungarn und Österreich nach Westberlin. Besser fühlt er sich dadurch nicht, wie er 2011 in einem Interview mit dem Rolling Stone berichtet: „In Westberlin war ich einsam und immer unterwegs. Überwiegend auf Konzerten, ich habe Nirvana im Loft gesehen und so. Eines Abends lernte ich auf einer Party, auf die ich gar nicht eingeladen war, eine Frau kennen und durch sie den Ex-Trommler der Fehlfarben. Mit dem habe ich dann endlich wieder ein bisschen Musik gemacht. Auf Dauer war auch die Wohnsituation mit drei Leuten in einem Zimmer sehr belastend, und im Osten gab es billigen Wohnraum ohne Ende. Also bin ich wieder zurück.“ Zum Glück, muss man heute sagen. Denn durch seine Rückkehr kommt Kruspe wieder mit seinem alten Freund Till Lindemann in Kontakt und steigt in dessen Band First Arsch ein.

4. Die Grundidee für Rammstein kam ihm in den USA.

Anfang der Neunziger reist Kruspe mit Lindemann und dem späteren Rammstein-Bassisten Oliver Riedel in den Südwesten der USA. Die Drei tauchen in die dortige Musikszene ein und Kruspe stellt etwas fest: „Mir wurde klar, dass die Musik, die ich bis dahin gemacht habe, nichts mit mir zu tun hatte. So bin ich nach Deutschland zurückgekehrt, und mir kam die Idee, ein Projekt zu schaffen, das mit deutscher Musik zu tun hat. Ich wollte versuchen, Maschinen und Gitarren zusammenzubringen, harte Gitarren.“ Am 1. Januar 1994 entsteht aus diesem Wunsch ganz offiziell die Band, die heute zu den erfolgreichsten deutschen Gruppen überhaupt gehört: Rammstein.

5. Das Nebenprojekt Emigrate gründete er als musikalischen Kontrast zu Rammstein.

Über die Errungenschaften von Rammstein müssen wir an dieser Stelle nicht reden. Doch großer Erfolg bringt manchmal auch eine große Last mit sich. „Sechs Leute auf dem Boot und jeder spielt Kapitän“, sagt Kruspe im Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung über seine Hauptband. „Das ist echt hart.“ Genau deshalb gründet der Gitarrist im Jahr 2004 ein Nebenprojekt. „Emigrate hat mir geholfen, mich bei Rammstein ein wenig zurückzunehmen. Sonst hätte ich weiter versucht, die Band mit meinen Ideen zuzuschütten.“ Im Gespräch mit laut.de verrät er: „Ich wollte nicht mehr nur der Typ sein, der sich allabendlich umgeben von Feuer und Raketen in eine primär visuelle Welt beamt. Ich bin ja in erster Linie Musiker. Also suchte ich nach einem Projekt, in dem es ausschließlich um die Musik geht. Mit Emigrate habe ich genau diesen Gegenpol gefunden.“

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Interview mit Emigrate: „Ich hatte das Gefühl, mit der Musik aufhören zu müssen“

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