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Popkultur

Legenden der Langstrecke: Die besten Doppelalben aller Zeiten

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Foto: Cover

Die großen Geschichtenerzähler der Rockmusik wurden oftmals von strikten 45-Minuten-Regiment der LP regiert. Dann kam Bob Dylans Blonde On Blonde – und die Tore ins wundersame Reich des Doppelalbums waren aufgestoßen. Doppelt hält eben doch besser – das scheint besonders für das Jahr 1979 zu gelten.

von Björn Springorum

1. Bob Dylan – Blonde On Blonde (1966)

Die Ursuppe aller Doppelalben: Als Bob Dylan 1966 Blonde On Blonde veröffentlicht, läutet er unbewusst eine neue Ära ein. In einer Zeit, in der das Album als Kunstform durch Bands wie die Beatles gerade erst Fuß fasst, sprengt Dylan in einer beispiellos kreativen Ära seines Schaffens diese Dimensionen mit der bis dato längsten Veröffentlichung eines Pop-Musikers: 14 Songs in 72 Minuten, Sad-Eyed Lady Of The Lowlands gar als einziger Song der Seite vier, das ist der grandiose, irrwitzige, größenwahnsinnige Abschluss seiner Folk-Rock-Trilogie aus Bringing It All Back Home, Highway 61 Revisited und Blonde On Blonde. Aufgenommen mit stellaren Nashville-Musikern, war Dylan nach Meinung vieler nie besser. Und definitiv nie einflussreicher für seine Kolleg*innen.

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 2. The Beatles – The Beatles (1968)

Welches ist das beste Album der Beatles? Sgt. Pepper? Rubber Soul? Revolver? Jede Antwort ist richtig. Auf die Frage, welches das genialste Beatles-Album ist, kann es allerdings nur eine Antwort geben: Dieses hier, das weiße. Auf den ersten Blick eine chaotische, ohne Kontrolle mäandernde Kollektion trippiger Songs, Jams und Improvisationen, entspinnt sich mit viel Zeit ein endlos geflochtenes Band faszinierender, ineinander fließender Stücke, ein postmodernes Kunstwerk, seiner Zeit um Jahrzehnte voraus. Einfach ist das nicht, im Gegenteil. Unzugänglicher klangen die Beatles nie. Hier hören wir einer Band dabei zu, wie sie langsam auseinanderfällt.

3The Rolling Stones – Exile On Main St. (1972)

Irgendwie schaffen es die Stones auf ihrem unvergleichlichen Epos Exile On Main St., all ihre Vorzüge in bestem Licht zu zeigen. Der verkommene, schmutzige Bar-Sound, der stampfende Blues, der Sex, der Gospel und die Obsession, eingefangen von einem entfesselten Keith Richards, der auf diesem schroffen Doppelalbum unsterbliche Riffs im Minutentakt schnitzt. Selten klang die Band so enthemmt, so unter Strom, so fokussiert wie hier. Das kann selbst die etwas schlammige Produktion nicht kaputt machen.

 4. The Who – Quadrophenia (1973)

Doppelalbum von The Who, da würde man beim Kreuzworträtsel wahrscheinlich zuallererst an Tommy denken. Dabei ist es The Whos zweite Rockoper, die durch ihre Reihe, Gelassenheit und das unfassbare Songwriting von Pete Townshend im Vordergrund stehen müsste. Die nonchalant poetische Geschichte des Mods Jimmy, seine Probleme mit Arbeit, Mädchen, Drogen und verfeindeten Rockern, hat Dreck unter den Fingernägeln und bildet das Rückgrat eines Doppelalbums, das mit Songs wie Sea And Sand oder dem ungekrönten Epos aller The-Who-Songs, Doctor Jimmy bis heute nichts von seiner Kraft verloren hat. Das Album besitzt eine solche Anziehungskraft, es müssten eigentlich Planeten drumherum kreisen.

5.Genesis – The Lamb Lies Down On Broadway (1974)

Zu ihrer ganzen imposanten Größe schwangen sich Genesis in den Siebzigern immer dann auf, wenn ihnen die perfekte Verschmelzung von Pop, Prog und barocker Opulenz gelang. Im Grunde also genau so wie auf The Lamb Lies Down On Broadway. Das Doppelalbum vereint alle Insignien der Band, bringt Peter Gabriels fantastische Texte mit zwölfsaitigen Gitarren, 7/8-Takten und Mellotron zusammen. Kunstfertig und anspruchsvoll, klar, aber dabei mindestens so eingängig wie die Genesis mit Phil Collins am Mikrofon. Das Konzeptalbum über einen New Yorker Graffiti-Künstler, der in eine andere Ebene der Realität gesaugt wird und dort allerlei Bekanntschaft mit Wesen wie aus einem bizarren Terry-Gilliam-Film macht, ist Peter Gabriels letzter Einsatz für Genesis. Und ein unersetzlicher Meilenstein mit einigen ihrer stärksten Melodien.

6. Led Zeppelin – Physical Graffiti (1975)

Die titanische Größe von Led Zeppelin wird vielleicht am besten ersichtlich, wenn man sich mal anschaut, welche Songs es zunächst nicht auf ihre Alben geschafft haben. The Rover zum Beispiel, ein liegengebliebenes Outtake, in den frühen Siebzigern für nicht gut genug befunden. Unnötig zu erwähnen, dass jede andere Band für einen solchen Song getötet hätte! Auf Physical Graffiti macht das Riff-Fest dann doch noch sein Debüt – gemeinsam mit ein paar anderen vormals ungeliebten Kindern. Der Grund: Die Band hatte zu viel gutes Material für eine LP und entschied sich, das Ganze mit ein wenig Hilfe alter Songs auf Langstrecke zu bringen. Physical Graffiti ist das letzte echte Hard-Rock-Album der Band, ein beeindruckender Klassiker, der mit In My Time Of Dying oder Kashmir zwei der monumentalsten Epen enthält, die der Rock jemals hervorgebracht hat.

7. Stevie Wonder – Songs In The Key Of Life (1976)

Ein Doppelalbum so voller Leben, süffiger Songs, elektrisierender Arrangements und Spielfreude, dass es auch 45 Jahre nach seiner ersten Veröffentlichung nichts von seiner Frische und klanglicher Brillanz verloren hat. Ein Füllhorn aus Funk, Pop und Soul, geadelt mit dem unwiderstehlichen Groove von Sir Duke oder dieser unfassbaren Harfe in If It‘s Magic. Wenn es jemals ein Doppelalbum über alle Seiten des Lebens gab, dann dieses hier.

8. Fleetwood Mac – Tusk (1979)

Ein perfektes Album veröffentlicht zu haben, ist Fluch und Segen zugleich. Der Ruhm, das Geld, der Einfluss, die Bestätigung, sie sind zwar reichlich vorhanden. Aber wie zur Hölle soll man einen ebenbürtigen Nachfolger zu Papier bringen? Fleetwood Mac finden sich 1978 in einer ganz ähnlichen Lage wieder: 1977 veröffentlichen sie mit Rumours ein makelloses, wegweisendes, prägendes Album und müssen jetzt im Studio nachlegen. Also schlagen sie einen gänzlich anderen Weg ein und lassen die Songwriting-Magie von Lindsey Buckingham, Christine McVie und Stevie Nicks völlig frei mäandern. Die Kohärenz von Rumours geht dadurch natürlich flöten. Dafür kommt Fleetwood Macs Entsprechung des weißen Albums der Beatles dabei heraus: Überbordend kreativ, seltsam, nicht immer zu verstehen, aber durchwirkt von einem schwer greifbaren Zauber.

9. The Clash – London Calling (1979)

Manchmal finden sich Bands in einer Phase ungeahnter Kreativität wieder, in denen die großen Songs nur so aus den Köpfen purzeln. In den späten Siebzigern war es auch bei The Clash soweit: London Calling ist ihr Abgesang auf die Siebziger, ihre Grabrede auf ein schwieriges Jahrzehnt, auf dem Joe Strummer den Punk-Begriff so weit dehnt wie es geht. Reggae, Rock, Rockabilly, Pop und gefühlt alles dazwischen, geeint von bockstarken Liedern, von denen der ikonische Titelsong nicht mal der beste ist.

10. Pink Floyd – The Wall (1979)

Vielleicht ist The Wall das beste Doppelalbum aller Zeiten. Es ist zumindest das überlange Werk der Rockgeschichte, das am dichtesten wirkt, am durchdachtesten. Magier Roger Waters schöpft aus den Vollen, was Lyrik, Aufnahme, Experimentierfreude und Bombast angeht, als komponiere er wie besessen an seinem eigenen Requiem. Vollgepackt mit einigen ihrer größten Songs (Hey You, Comfortably Numb), befeuert von antifaschistischen und antiautoritären Slogans und gekreuzt aus verdrogter Psychedelik und zeitlosem Rock-Narrativ: Der für alle Zeit perfekte Mix aus surrealer Erzählung und meisterhaftem Handwerk.

11. The Smashing Pumpkins – Mellon Collie And The Infinite Sadness (1995)

Der Siegeszug der CD machte es dem Doppelalbum als Kunstform schwer. Urplötzlich passten 80 Minuten Musik auf eine Scheibe, die damals schon vier Vinyl-Seiten ausgefüllt hätte. Werke wie Mellon Collie And The Infinite Sadness beweisen aber eindrucksvoll, dass es auch weiterhin Geschichten gibt, für die man einfach etwas weiter ausholen muss. Die Dritte der Smashing Pumpkins bringt es auf über zwei Stunden, ein Emo-Manifest, das unzählige Teenagerkrisen der Neunziger vertont hat und der erste ernsthafte Versuch einer Neunziger-Rockband war, an die großen Doppelalben der Siebziger anzuknüpfen.

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Popkultur

„Watertown“: Frank Sinatras sträflich vernachlässigtes Meisterwerk

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Frank Sinatra
Foto: Silver Screen Collection/Getty Images

My Way, New York, New York, Somethin‘ Stupid: Frank Sinatras Karriere besteht überwiegend aus mondänen, glitzernden, unschuldigen Songs für Casinos und die Cocktail Hour. Das triste, von Verlust zerfressene Konzeptalbum Watertown sticht eindeutig heraus. Wir ehren dieses missverstandene, gefloppte und selbst von Sinatra verstoßene Meisterwerk.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr Watertown hören:

Der klassische Sinatra

Lässig geschnippter Finger, in der anderen Hand einen Scotch, tadelloser Anzug und Hut: So kennen Frank Sinatra die meisten. Es gibt aber noch einen anderen Sinatra. Nein, nicht der, der tiefer in manch mafiöse Angelegenheit verstrickt war als das sein Heldenstatus eigentlich zulassen dürfte. Sondern der melancholische Sinatra, der Crooner der gebrochenen Herzen, der von Verbitterung erzählt und von Verlust, von Beziehungen und Menschen, die auseinanderbrechen.

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Sein größter Flop

Besonders offenbart wird das auf dem Album Watertown, das vor genau 50 Jahren erscheint. Es floppt ganz fürchterlich, ist sogar das einzige seiner sogenannten Hauptalben, das es nicht einmal in die Billboard Top 100 der USA schafft. Gerade mal 30.000 Platten kann Sinatra im Erscheinungsjahr absetzen. Sein Versuch, den Sinkflug seiner Karriere mit einem weiteren Konzeptalbum aufzuhalten, wenn möglich sogar umzukehren, scheitert.


Jetzt in unserem Shop erhältlich:

Frank Sinatra - Watertown
Frank Sinatra
Watertown
Ltd. LP + Poster

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Dass es Ende der Sechziger überhaupt so schlecht um seine Karriere steht, mutet an wie ein böser Traum. Erst 1966 veröffentlicht er Strangers In The Night, die Nummer, die ihm neben Grammys auch die Nummer eins in den USA und Großbritannien einbringt. Somethin‘ Stupid mit Tochter Nancy folgt 1967, My Way 1969. Bis diese von Sinatra selbst verabscheute Nummer ein Erfolg wird, dauert es aber. Und in der Zwischenzeit purzeln seine Albumverkäufe ins Bodenlose. Also, denkt sich Ol‘ Blue Eyes, ist es nach 30 Karrierejahren mit Höhen und Tiefen mal wieder an der Zeit, etwas anderes zu versuchen. Er stimmt zu, mit Bob Gaudio und Frankie Valli von den Four Seasons sowie dem Singer-Songwriter Jake Holmes (der übrigens Dazed And Confused geschrieben hat, das sich Led Zeppelin dann „ausgeliehen“ haben) ein Konzeptalbum namens Watertown aufzunehmen. Es ist bis heute das ambitionierteste und bewegendste Stück Musik, an dem Sinatra je beteiligt war.

Kleinstadtleben statt Großstadtflair

Darauf erzählt Holmes die Geschichte eines mittelalten Kleinstadtmannes und seiner zwei Söhne, die von dessen Ehefrau im Städtchen Watertown im Bundesstaat New York sitzengelassen werden, weil sie ihr Heil (und ihre neue Liebe) in New York City finden will. Das allein ist schon mal eine ziemlich ungewöhnliche Ausgangssituation. Sonst ist Sinatra doch immer der erste, der vom Glamour und Schein der Großstadt singt, der die Stadt preist, die niemals schläft. Jetzt wird New York City ausgerechnet zum schicksalhaften Symbol einer abgestorbenen Liebe.

Man muss kein Prophet sein, um zu begreifen, dass das allein vom Thema her schwierig ist für all die Leute, die Sinatra von seinen langen Residences in Las Vegas kennen, die vielleicht sogar schon an seinen Lippen hingen, als in den Vierzigern die Sinatramania ausbrach. Jetzt singt Sinatra aus Sicht eines gebrochenen, durchschnittlichen Mannes, der in briefartigen Selbstgesprächen versucht, das Geschehene zu verstehen. Vergeblich. Selten drückte Sinatras Gesang so viel Empathie aus, so viel Mitgefühl. Fast scheint es, als könne er sich in der Person des Erzählers mehr wiederfinden als in all den anderen Figuren, die er in den langen Dekaden davor besang.

Sinatra kann auch den morbiden Poeten

Die Musik tut ihr Übriges, um Watertown zur großen Ausnahme zu machen: Getragen, dramatisch, nie pompös oder ausladend. Eher trostlos, karg, durchzogen von tief empfundener Verzweiflung, von Drama und zerschlagenen Versprechen. Und wenn es doch mal ein wenig heller und optimistischer zugeht, ist das nur ein Ablenkungsmanöver. Das Leben, es schlägt danach einfach umso härter zu. Wenn Sinatra in Duktus und Haltung jemals jenen morbiden Poeten wie Nick Cave oder Lou Reed nahekommt, dann mit Watertown, diesem Album, das fast schon zynisch mit A Love Story untertitelt ist. Am Ende keimt die Hoffnung auf: Sie schreibt ihm, dass sie zu ihm zurückkehrt. Am Bahnhof wartet er, wartet und wartet. Vergeblich. Sie kommt nicht. Und er bleibt allein.

Sinatra selbst hat Zeit seines Lebens eine schwierige Beziehung zu diesem Album. Schade, er klang eigentlich nie wieder so echt und greifbar wie auf Watertown. Danach setzt er seine Karriere fort, als wäre dieses Konzeptalbum nie passiert: Mit dem Album Ol‘ Blue Eyes Is Back und jeder Menge Auftritte in der falschen Glitzerwelt von Las Vegas.

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Ol’ Blue Eyes: 100 Fakten über Frank Sinatra

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Zeitsprung: Am 28.5.2007 gehen The Police zum ersten Mal seit 23 Jahren auf Tour.

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The Police

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 28.5.2007.

von Timon Menge und Christof Leim

The Police hatten immer wieder mit Reibereien zu kämpfen, vor allem zwischen Frontmann Sting und Gitarrist Andy Summers. 1984 nimmt der Streit Überhand, im März des Jahres spielt die Gruppe ihr letztes Konzert. Erst im Frühling 2007, also ganze 23 Jahre später, stehen die Musiker wieder gemeinsam auf der Bühne.

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Hier könnt ihr euch das Livealbum der Tour anhören:

Mitte der Achtziger befinden sich The Police auf ihrem kommerziellen Zenit. Die Gruppe spielt erfolgreich in aller Welt, es hagelt Platinauszeichnungen und Grammys. Doch hinter den Kulissen steht es gar nicht gut um die New-Wave-Helden. Vor allem Frontmann Sting und Gitarrist Andy Summers bekommen sich ständig in die Haare. Mit der Zeit werden die Streitigkeiten immer übler, bis sie während der Aufnahmen zu Synchronicity (1983) ihren Höhepunkt erreichen. Anschließend folgt zwar noch eine Tour, doch die Show am 4. März 1984 in Melbourne markiert das vorläufige Ende der Bühnenkarriere von The Police). Im Sommer 1986 bäumen sich die Musiker noch einmal auf und möchten ein neues Album aufnehmen. Doch erneut stellen sich Konflikte in den Weg. Lediglich die Single Don’t Stand So Close To Me ’86 geht aus den Sessions hervor, danach ist Schluss — vorerst.

Am 24. Januar 2007, mehr als 20 Jahre später, verkündet der kanadische Radiosender Rock101, dass sich The Police in Vancouver aufhalten und für eine anstehende Tour proben. Nur wenige Wochen später spielt die Gruppe bei der 49. Grammy-Verleihung in Los Angeles. Es folgt ein Pressegig im legendären Whisky-A-Go-Go, bei dem Sting und Co. offiziell bekanntgeben, dass sie tatsächlich eine gemeinsame Konzertreise planen. Die Tickets erweisen sich als ganz heiße Ware, teilweise sind die angekündigten Shows innerhalb weniger Minuten ausverkauft. Vor allem in Großbritannien, wo man die Gruppe noch länger nicht gesehen hat, schlagen die Fans zu.

Kritik von Copeland

Am 27. Mai spielen The Police in Vancouver zunächst eine Show für 4.000 Mitglieder ihres Fanclubs; einen Tag später folgt der offizielle Tourstart, ebenfalls in der kanadischen Metropole. Die Presse zeigt sich begeistert, doch Schlagzeuger Stewart Copeland erwartet mehr von sich und seinen zwei Kollegen. So nennt er Sting ein „launisches Weichei“ und vermutet, dass sich Gitarrist Summers „in Idaho“ aufgehalten habe, als es ihm und Sting nicht gelungen sei, im Takt zu bleiben. Es ist kein Geheimnis, dass Copeland als Quatschkopf der Gruppe gilt und seine Worte manchmal äußerst ungewöhnlich wählt. Tatsächlich erklärt er später: „Das war ernstgemeinte Kritik. Wenn man sich die Aussagen im Kontext anschaut, sind sie gar nicht so giftig.“

Bis zum 7. August 2008 bleiben The Police „on the road“ und schließen mit einer fulminanten Show in New York City ab. Mit mehr als 360 Millionen US-Dollar Umsatz zählt die Tour zu den erfolgreichsten aller Zeiten — eine Resonanz, mit der auch die Musiker in diesem Umfang nicht rechnen konnten. Etwa drei Monate später folgt das Livealbum Certifiable: Live In Buenos Aires. Eine neue Studioplatte bleibt bis heute außer Sicht…

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Zeitsprung: Am 2.11.1978 veröffentlichen The Police ihr Debüt „Outlandos d’Amour”.

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Popkultur

ABBA Voyage: So war die Premiere der Hologramm-Megashow

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ABBA Voyage
Foto: Johann Persson

Am 26. Mai 2022 feierte in der Londoner ABBA-Arena die lange erwartete Hologramm-Show ABBA: Voyage ihre Premiere.

Fünf Jahre lang hatte man an jener Show gearbeitet, die neue Maßstäbe in puncto Technik und Konzerterlebnis setzen soll. Gemeinsam mit der vfx-Firma Industrial Light & Magic erarbeiteten ABBA und Team ein Showspektakel, für das im Londoner Queen Elizabeth Olympic Park eine eigene Arena errichtet wurde.

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Nachdem Ende 2021 mit Voyage ABBAs erstes Album seit knapp vierzig Jahren erschienen war, ging am 26. Mai also die seit langem angekündigte Premiere über die Bühne. Dafür absolvierten Agnetha Fältskog, Björn  Ulvaeus, Benny  Andersson und Annifrid Lyngstad ihren ersten gemeinsamen Auftritt seit langem. Die Begeisterung war groß — und die Show offensichtlich ein voller Erfolg.

In der VIP-Riege waren die vier ABBA-Mitglieder in bester Gesellschaft: das schwedische Königspaar Carl Gustaf und Silvia besuchte die Show ebenso wie Promis aus Politik und Musik, darunter Kylie Minogue. Alle wollten ABBA sehen — oder besser: ihre Avatare, denn anstatt der mittlerweile doch etwas in die Jahre gekommenen Mitglieder standen ihre jungen, digital aufwändig erstellten „ABBAtare“ an ihrer Stelle auf der Bühne. Nur am Ende der Show ließen sich dann die vier Musiklegenden überreden, ganz analog auf die Bühne zu kommen und sich den Begeisterungsstürmen des Publikums zu stellen.

 

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95 Minuten dauerte ABBA Voyage, für das ABBA mit den Produzenten Svana Gisla und Ludvig Andersson sowie dem Regisseur Baillie Wailsh verantwortlich zusammenarbeiteten. Natürlich kam längst nicht alles vom digitalen Band — denn die ABBAtare wurden von einer zehnköpfigen Band begleitet. Auch die Choreographie von Wayne McGregor sowie das Design (hier waren Dolce & Gabbana, Manish Arora, Erevos Aether und Michael Schmidt verantwortlich), konnte sich sehen lassen.

Wie aufwändig die Produktion war, möchten wir hier mal anhand folgender Zahlen verdeutlichen: Es brauchte eine Milliarde Rechenstunden, um die Avatare zu erstellen, die mit 160 Kameras gefilmt wurden. 1.000 ILM-Expert*innen arbeiteten in vier verschiedenen Studios auf der ganzen Welt an der Show, die mit 291 Lautsprechern einen Verschleiß von 870.000 Watt Audio-Amplification hat. Für die gute Sicht sorgen 500 bewegliche Scheinwerfer — das übrige tut ein Screen mit 65 Millionen Pixel. Man sieht: Hier wurde geklotzt, nicht gekleckert.

ABBA Voyage

Die “ABBAtare” in Kostümen von Dolce & Gabbana. (Foto: ABBA Voyage D&G)

ABBA-Mitglied Björn Ulvaeus erklärte dazu im Vorfeld: „Was mir gefällt, ist die Tatsache, dass wir nicht nur die Grenzen der digitalen Welt verschieben, sondern auch versuchen, die physische und die digitale Welt auf eine Art und Weise zu integrieren, die eindringlich ist.  Man befindet sich in einer Arena mit 3.000 anderen Menschen, Menschen aus Fleisch und Blut.  Und das ist durch nichts zu übertreffen.“


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ABBA - Super Trouper
ABBA
Alle Studioalben
9LP Picture Disc Bundle, 10 LP Boxset, uvm.

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In puncto Setlist boten ABBA einen Mix aus alten Hits und neuen Songs:

  1. The Visitors
  2. Hole in Your Soul
  3. SOS
  4. Knowing Me, Knowing You
  5. Chiquitita
  6. Fernando
  7. Mamma Mia
  8. Does Your Mother Know
  9. Eagle
  10. Lay All Your Love on Me
  11. Summer Night City
  12. Gimme! Gimme! Gimme! (A Man After Midnight)
  13. Voulez-Vous
  14. When All Is Said and Done
  15. Don’t Shut Me Down
  16. I Still Have Faith in You
  17. Waterloo
  18. Dancing Queen
  19. Thank You for the Music
  20. The Winner Takes It All

Natürlich, bei 20 Songs und einem solchen Backkatalog an Hits fehlte die eine oder andere wichtige Nummer.

Ob Hologramm-Konzerte nun tatsächlich die Zukunft des Entertainments sind oder nicht: ABBA gelang mit ABBA: Voyage ein großer, international viel beachteter Wurf, den die Fans in den kommenden Monaten in London selbst erleben können. Tickets gibt es hier.

ABBA-Comeback: Was hat die Band seither eigentlich getrieben?

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