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Popkultur

Die langsame US Invasion der Beatles

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Bereits kurz nach dem kometenhaften Aufstieg der Beatles in Großbritannien, kontaktierte Parlophone sein Schwesterlabel in Amerika, dem EMI angehörigen Capitol Records. Capitol, etwas unbeeindruckt von den Beatles, entschied sich kurzerhand gegen die Veröffentlichung von den Beatles. In Kanada sah man es völlig anders. Capitol (Canada) erkannte das Potential und veröffentlichte Love Me Do – die Version in der Ringo an dem Drums saß, obwohl dies kein Hit war.


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Nach dieser ersten amerikanischen Absage wandte sich Parlophone an ein kleines US Label namens Vee Jay, ein Unternehmen was von einem Ehepaar in Gary, Indiana gegründet wurde und sich auf Black R&B Musik spezialisiert hatte. Diese Ironie blieb wohl auch den Beatles nicht verborgen, die, ganz nebenbei, diese Art Musik liebten. Vee Jay hatte kurz davor The Four Seasons unter Vertrag genommen, ihre erste nicht-afroamerikanische Band. Die Gerüchteküche besagt allerdings, dass sie zu diesem Zeitpunkt ein noch größeres Interesse an einem weiteren von EMI unter Vertrag genommenen Act hatten: Frank Ifield.


 

Vee Jay veröffentlichte Please, Please Me am 25. Februar 1963 als VJ 498. Der Track lief auf den größeren Radiosendern Chicagos, sogar recht erfolgreich, aber in den nationalen Billboard Charts bewegte sich nichts. Hinzu kam die nicht besonders hilfreiche Tatsache, dass Vee Jay es geschafft hatte den Bandnamen falsch zu schreiben, sodass auf der ersten Veröffentlichung “Beattles“ stand.

Derweil wurde in den UK ihre dritte Single From Me To You veröffentlicht, die sieben Wochen die Spitze der Charts anführte. Die Beatles waren nicht zu stoppen – außer in Amerika, wo einfach nichts klappen wollte. Mit den Beatles auf Platz 1 der UK Charts, veröffentlichte Vee Jay From Me To You / Thank You Girl als VJ 522 am 27. Mai 1963. Die Single wurde vom Cash Box Magazine als “Pick Of The Week“ ausgewählt, sodass sie Hoffnungen auf eine Chartplatzierung machte.

In Kanada veröffentlichte Capitol alle Hits die auch in UK erfolgreich waren. Anfang April Please, Please Me, From Me To You im Juni und She Loves You im Oktober. Please, Please Me konnte sich unter anderem über Platz 27 in den lokalen Radio Charts freuen, aber da es zu dieser Zeit noch keine nationalen Charts wie die amerikanischen Billboard oder Chashbox gab, blieb der nationaler Erfolg vorerst aus. Trotz allem war es den Kanadiern (wahrscheinlich Dank der engen Verbindung zu Großbritannien) möglich, die Fab Four schneller kennen und lieben zu lernen als ihren Nachbarn südlich der Grenze!


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Laut Paul White (dem bei Capitol Canada für die Vermarktung der Beatles Verantwortliche), war es ein unheilvoller Start für die Beatles. “Für all meine Mühe habe ich von Love Me Do nur 170 Exemplare verkauft. Danach habe ich es mit Please, Please Me versucht und etwa 280 Exemplare verkauft. Von der dritten Single From Me To You habe ich 300 verkauft. Und dann veröffentlichten wir She Loves You, was völlig ausartete. Von Love Me Do hatten wir am Ende fast 100.000 Exemplare verkauft.“

Enter: Del Shannon, der sich bereits die Bühne der Londoner Royal Albert Hall mit den Beatles teilte und währenddessen auch ihre neuste Single From Me To You hörte. Bereits kurz nach dem Auftritt machte sich Shannon auf den Weg nach Hause (Amerika) und begann dort die Aufnahme zu einer eigenen Version. Obwohl der Song nie besonders erfolgreich wurde und es nur auf Platz 77 der Billboard Charts schaffte, war es nichtsdestotrotz ein wichtiges Ereignis. So war dies zwar die erste Platzierung eines Lennon & McCartney Songs in den US Hot 100 Charts, aber zugleich verhinderte dieser „Erfolg“ auch den ihrer ursprünglichen Single, die es nur auf Platz 116 schaffen sollte. Ganz nebenbei war diese Platzierung hauptsächlich den starken Absatzzahlen der Los Angeles Gegend zu verdanken.

Unerschrocken, aber mit gravierenden Finanz- und Managementproblemen, entschloss sich Vee Jay dazu ein Beatles Album zu veröffentlichen: Introducing The Beatles VJLP 1062. In der letztmöglichen Minute sollte sich allerdings alles ändern; die internen Probleme waren zu groß, und die Beatles zu unpopulär, sodass es nie zur Veröffentlichung kam.


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Mit allen Problemen bei Vee Jay wurde die nächste – in den UK vier Wochen auf Platz 1 platzierte – Single She Loves You, von EMI an Swan Records, einem kleinen Label in Philadelphia lizensiert. Capitol hatte sich erneut geweigert. Swan veröffentlichte die Single Ende September 1963, und traf auf mangelndes Interesse seitens der Plattenkäufer, denn nur wenige Radiosender spielten die Single, sodass sie kaum jemand kannte. Erst im Januar, als NBC‘s The Jack Paar Program einen Mitschnitt von den Beatles mit She Loves You zeigte, bekamen sie Aufmerksamkeit. Die Beatles sollten es nun auch endlich in Amerika schaffen.

Im Oktober begannen die Beatles eine Tour durch Schweden, es war ihre erste Tour im Ausland als Berühmtheiten. Die Szenen am Flughafen in Stockholm waren chaotisch, aber nichts im Vergleich zu dem was sie eine Woche später bei ihrer Rückkehr erwarten sollte. Der, für die amerikanische Jugend stilprägende, TV Moderator Ed Sullivan war zu diesem Zeitpunkt in London und war so beeindruckt, dass er die Beatles zu seiner US TV Show einlud.

Am 1. November startete ihre erste Tour als unumstrittene Headliner. Der Tour Auftakt wurde im Odeon Cinema in Cheltenham begangen – die beschauliche Stadt im Westen Englands wurde regelrecht überrumpelt, sodass ein fassungsloser Journalist den Begriff ‘Beatlemania‘ prägte um die Situation zu beschreiben.



Mitte November realisierten auch die Amerikaner, dass bei den Briten der Beatles-Wahn ausgebrochen war, sodass drei der größten amerikanischen TV Sender Reporter entsandten um die Band zu interviewen, was sie backstage im Bournesmouth Winter Garden taten. Gerade rechtzeitig für die Weihnachtszeit veröffentlichte Parlophone das zweite Album, With The Beatles. Nur kurze Zeit darauf brachten sie auch die neue Single der Band I Want To Hold Your Hand/This Boy heraus, für welche sie über eine Million Vorverkäufe zählen konnten.

Derweil wachte auch Capitol USA endlich auf und erkannte das Potential der Beatles. Einen Tag nach Weihnachten 1963 veröffentlichten sie I Want To Hold Your Hand. Drei Wochen später war die Single in den Billboard Charts und erreichte Platz 1 am 1. Februar 1964, die sie für sieben Wochen einnahm. Abgelöst wurde sie von der, über Swan Records veröffentlichten, Single She Loves You, die zwei Wochen topplatziert war. Bis heute heißt es, dass dieser Erfolg ausschlaggebend für Swan Records‘ überleben gewesen sein soll, im Gegensatz zu vielen anderen kleineren Labels, die es nicht schafften.

Capitol Records meinte es nun ernst mit den Beatles, denn schon vor Weihnachten starteten sie eine Promo Kampagne mit der Ankündigung ‘The Beatles are coming’, die alleine im Bereich von New York die unglaubliche Summe von US$ 50.000 verzeichnete. Und ja sie kamen, erst zum Jack Paar Program und danach zur Ed Sullivan’s Show.


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Um die verlorene Zeit wieder wett zu machen, veröffentlichte Capitol am 20. Januar 1964 das erste amerikanische Album der Beatles – zumindest stand das auf dem Cover. Meet the Beatles! erreichte Platz 1 der Billboard Charts am 15. Februar 1964 und verweilte dort für elf Wochen bevor es von ihrem zweiten Album abgelöst wurde. Es war das erste Mal in den US Charts, dass Platz 1 von zwei Alben derselben Band in Folge bestückt wurde.

Der Grund wieso Meet the Beatles! eigentlich nicht das erste amerikanische Beatles Album war, ist das Vee Jay zehn Tage zuvor ihr langgeplantes Album Introducing … The Beatles herausbrachte. Laut Calvin Carter, dem Bruder des Vee Jay Eigentümers, verlief die Situation folgend: „Wir veröffentlichten das Album, aber EMI, durch Capitol, verklagte uns mit einer Unterlassungsaufforderung. Sie bekamen gefühlt jede Woche eine weitere Unterlassungserklärung gegen uns. Montags holten sie sich eine Befugnis und Freitags waren wir sie wieder los, sodass wir versuchten so viel wie möglich am Wochenende zu produzieren und den folgenden Montag zu verschicken. Wir produzierten fast ausschließlich am Wochenende.“

Introducing … The Beatles erreichte Platz 2 der Charts und verweilte dort für neun Wochen. Noch nicht völlig zufriedengestellt, veröffentlichte Vee Jay alle Singles an denen sie die Rechte besaßen, zum zweiten Mal. Auf dem Cover hieß es stolz „Das Album was die Beatlemania startete!“ und verwies außerdem auf den kommenden Auftritt der Beatles bei der Ed Sullivan Show.

Im Januar waren die Beatles für drei Wochen im L’Olympia Theatre in Paris gebucht. Zurück in London hatten sie einen Tag um sich auszuruhen und vorzubereiten, denn am nächsten Tag, dem 7. Februar, ging es für sie nach Amerika. Nach ihrer Ankunft am JFK Flughafen in New York City hielt die Band, noch vor Ort, eine Pressekonferenz ab. Allerdings wusste die amerikanische Presse anscheinend noch nicht viel mit den vier Jungs aus Liverpool anzufangen, so wurden sie teils sarkastisch und voller Skepsis in Empfang genommen.

Am darauffolgenden Tag, und nach einem Pressetermin im kalten und verschneiten Central Park, probte die Band für ihren Auftritt – leider ohne George, der etwas kränkelte. Glücklicherweise ging es ihm am nächsten Tag besser, sodass die die vier um genau 20 Uhr bei der Ed Sullivan Show vor einem Publikum von 73 Millionen erscheinen konnten. Kaum zu glauben, aber genau ein Jahr zuvor spielte die Band noch vor wenigen Tausend als eher unwichtiger Support Act von Helen Shapiro, in einem Kino in Sunderland im Norden Englands.


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Am Tag nach der Ed Sullivan Show wurde ein weiteres Segment aufgenommen und eine Pressekonferenz abgehalten. Hier überreichte ihnen der Capitol Präsident Alan Livingston, der Mann der die Beatles letztendlich unter Vertrag nahm, eine Goldene Schallplatte für 1 Million erreichte Verkäufe für I Want To Hold Your Hand, sowie eine weitere für den Verkauf ihrer LP Meet the Beatles!. Am darauffolgenden Tag fuhr die Band mit dem Zug nach Washington DC, da ein Schneesturm den gesamten Flugverkehr der Ostküste lahmgelegt hatte. In DC, genauer gesagt im Washington Coliseum, spielten sie nun endlich ihr allererstes Konzert in Amerika. Während der Show wurde Ringo’s Schlagzeug nach jeder Nummer umgestellt, sodass das gesamte Publikum die Chance bekam die Beatles nicht nur zu hören sondern auch zu sehen. Das Programm war straff; Am späten Abend besuchten die vier eine Cocktailparty in der britischen Botschaft und am nächsten Morgen ging es zurück nach New York um in der ausverkauften Carnegie Hall zu performen. Danach ging es sofort weiter nach Miami, dieses Mal per Flieger, um dort ein weiteres Ed Sullivan Segment aufzunehmen, was am 16. Februar von Küste zu Küste ausgestrahlt wurde.

Fünf Tage später, und kurz bevor die Beatles den Heimweg antraten, landete die von Swan Records veröffentlichte Single She Loves You auf Platz 1 der US Charts. Erschöpft aber ekstatisch landete Band in London. Trotz des hektischen Terminkalenders waren sie nicht zu stoppen und waren schon am nächsten Tag zu Gast in einer Fernsehshow. Am 25. Februar feierte George seinen 21. Geburtstag; am selben Tag nahm die Band Can’t Buy Me Love in den Abbey Road Studios auf – ein harter aber mittlerweile normaler Arbeitstag.


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Nach zwei Wochen auf Platz 1 der US Charts war es Can’t Buy Me Love der She Loves You ablöste und die Position für fünf Wochen innehielt. Doch am 9. Mai war die unglaubliche Erfolgssträhne von Nr. 1 Hits der Beatles vorbei. Abgelöst wurden sie von keinem geringerem als Satchmo, Louis Armstrong, dessen Song Hello Dolly allerdings bloß eine Woche auf Platz 1 verbrachte. Von Trübsal war hier jedoch keine Spur, denn auch Jahre später feierte er die Tatsache sagen zu können, dass er derjenige war, der die Beatles von Platz 1 verdrängte.

Während dieses ganzen Troubles waren die Beatles am 2. März schon dabei ihren ersten Kinofilm zu drehen. Die Arbeiten beinhielten einen Dreh in einem Strand Resort in Minehead, Somerset im Westen Englands, sowie Szenen die während einer Zugfahrt gedreht wurden. Die meisten der Innen-Aufnahmen wurden in den Twickenham Film Studios in im Westen Londons gefilmt, während ein Konzertmitschnitt am Ende des Monats in dem Scala Theatre in Londons West End aufgenommen wurde.

In Amerika, begleitend mit all den Capitol Veröffentlichungen, begannen auch viele weitere Labels mit eigenen Beatles Aufnahmen Kapital zu schlagen. MGM holte sich die Rechte an Tony Sheridans Song My Bonnie mit den Beatles als Backing Band und schaffte es damit auf Platz 26 der US Charts. Atco holte sich auch eine Tony Sheridan Single, Ain’t It Sweet, die es auf Platz 19 schaffte, und Vee Jay veröffentlichte durch ihr Tochterlabel Tollie die Single Twist and Shout, die am 4. April 1964 Platz 2 erreichte.


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So kam es dann in der Woche vom 4. April zu der erstmaligen Situation, dass die Top 5 der US Charts vollständig von den Beatles eingenommen wurden. Twist and Shout erreichte ‘nur‘ nicht Platz 1 weil Can’t Buy Me Love schneller war! Anfang Mai waren neben Can’t Buy Me Love, Twist and Shout und einer neuen Single namens Do You Want To Know A Secret in den Top 3, auch die Band Dave Clark Five mit zwei Songs in den Top 10 vertreten. Die britische Invasion war in vollem Gange.

Etwa zu diesem Zeitpunkt machten John, Cynthia, George und Patti Boyd (George’s neue Freundin) Urlaub in Honolulu und Tahiti; Paul, Jane Asher, Ringo und Maureen flogen in die Karibik. Als sie Ende Mai zurück kamen wurden sie mit der freudigen Nachricht begrüßt, dass es auch Love Me Do nun endlich auf Platz 1 der Charts geschafft hatte.


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Popkultur

Zum 79. Geburtstag von Jimi Hendrix: Erneuerer, Mythos, unerreichtes Genie

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Jimi Hendrix
Foto: Svenska Dagbladet/AFP via Getty Images

Er prägte das E-Gitarrenspiel wie wenige andere, revolutionierte in den wenigen Jahren, die ihm vergönnt waren, die Rockmusik und ist noch immer die Messlatte für alles. Heute wäre James Marshall „Jimi“ Hendrix 79 Jahre alt geworden. Sein Einfluss ist nach wie vor allgegenwärtig.

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von Markus Brandstetter

Jimi Hendrix schaffte in der Gitarrenwelt das, was nach ihm wohl nur Eddie Van Halen gelang: diesen alles erschütternden Moment, der keinen Stein auf dem anderen ließ. Bei beiden gibt es hunderte, tausende ähnliche Geschichten prominenter Musiker und Musikerinnen, die von regelrechten Erweckungserlebnissen erzählen. Geschichten von dem Moment, in dem sie Hendrix im Fernsehen gesehen haben, gleichermaßen begeistert und fassungslos darüber, wie er spielte, wie ungewöhnlich, radikal und — je nach Song – auch wunderschön das klang. Es gab vor Hendrix großartige Gitarristen und Gitarristinnen und es gab nach Hendrix großartige Gitarristen und Gitarristinnen. Aber es gibt eben auch eine Zeitrechnung: die der Gitarre VOR Hendrix und Gitarre NACH Hendrix. Es ist das, was viele unserer Gitarrenheld*innen auch über den Moment berichten, an dem sie zum ersten Mal Eddie Van Halen gesehen oder gehört haben: Es war danach einfach alles anders und kein Stein blieb auf dem anderen.

Ynwgie Malmsteen über Hendrix: „Er hat alles auf den Kopf gestellt”

Aber was machte diese unglaubliche Anziehungskraft aus? Yngwie Malmsteen erzählte 2019 gegenüber dem deutschen Magazin Gitarre und Bass, es sei zunächst Hendrix’ Image gewesen, das ihn fasziniert habe, mit der Musik habe er sich erst später beschäftigt. „Es sind seine Songs, sein Sound, sein Auftreten, seine Erscheinung. Sein Spiel war gar nicht zwingend das, was mich faszinierte. Das war Blues-Musik auf Drogen. Aber er hat sie wie kein anderer gespielt“, erzählte Malmsteen dem Magazin, und fuhr fort: „Er hat alles auf den Kopf gestellt und von innen nach außen gekrempelt. Die Art, wie er auf der Bühne gespielt hat und wie er sich dabei gab, hat dazu beigetragen, dass er zu dem wurde, was er heute ist. Wenn er ruhig und nett in der Ecke herumgestanden und brav gespielt hätte, wäre er keine Legende geworden.“

Steve Vai: Hendrix war „elektrischer Zucker“

Eine weitere Gitarrenlegende, die von Hendrix maßgeblich geprägt wurde, ist Steve Vai. Der erklärte 2010 gegenüber Music Radar: „Es war wie elektrischer Zucker, um einen Ausdruck von Tom Waits zu gebrauchen. Ich war etwa 12 Jahre alt und lag mit Kopfhörern da und hörte mir Jimi an, wie er The Star Spangled Banner und Purple Haze spielte, wieder und wieder und wieder. Ich wusste nicht, wie er aussah, ich wusste gar nichts über ihn. Ich wusste nur, was auch immer er tat, wie auch immer er diese Klänge erzeugte, es war unglaublich. Ich war so aufgeregt und dachte: Wann immer dieser Typ in die Stadt kommt, um zu spielen, muss ich ihn sehen. Ich hatte keine Ahnung, dass er gestorben war.“

„Selbstvertrauen und Coolness für fünf Leute“

Auch für Vai bestand die Magie von Hendrix gleichermaßen in Hendrix’ Musik als auch seiner Person: „Irgendwann bekam ich ein Exemplar von Are You Experienced, und das war eine Offenbarung für mich. Die Songs waren zugänglich, sie waren schön, und Jimi hatte etwas, das extrem cool war. Coolness ist etwas, das aus deinem Inneren kommen muss. Es ist ein Selbstvertrauen, das man hat. Jimi hatte genug Selbstvertrauen und Coolness für fünf Leute.“

Hendrix’ Spiel

Es gibt unzählige Faktoren und Elemente, die Hendrix’ Spiel und Stil so einzigartig machten. Ein Teil der Magie bestand schon allein darin, wie Hendrix seine Gitarre zähmte. Das Set-up: ein Marshall-Stack, jede Menge Verzerrung und Rückkopplung, die alles andere als geräuscharmen Single-Coil-Tonabnehmer seiner Stratocaster — auch körperlich machte Hendrix beim Spielen den Eindruck, als würde er gerade einen wilden Mustang zureiten. Den er aber stets vollständig unter Kontrolle hatte.

Und dann war da Hendrix’ unvergleiche Fähigkeit, Rhythmus und Melodie miteinander verbinden, Akkordfolgen zu zerlegen, kleine Verzierungen und Licks einzubauen, seinen Gesang damit zu akzentuieren. Man hört das bei Stücken wie Little Wing, Bold As Love, Castles Made Of Sand oder The Wind Cries Mary — immer dann, wenn Hendrix runter vom Verzerrer ging. Er verschmolz in seinem Spiel mühelos verschiedene Stile, und ganz wichtig: Er schrieb auch phänomenale Stücke. Alles was er brauchte, war ein Trio und trotzdem klang seine Musik so voll wie ein Orchester.

Hendrix steht auch wie kein anderer für eine historische Phase der Gegenkultur, für den Bruch mit Erwartungen. Er war gleichermaßen Aushängeschild wie auch Erneuerer. Er schuf nicht nur ikonische Sounds, sondern auch ikonische Bilder — Woodstock, brennende Gitarre in Monterey. Hendrix war nicht nur Genie, sondern auch Projektionsfläche und Mythos. Eines steht wohl außer Frage: Ohne ihn wäre die Gitarre nicht da, wo sie heute ist.

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Synths, Pathos & SM: „Non-Stop Erotic Cabaret“ von Soft Cell wird 40

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Soft Cell
Foto: Fin Costello/Redferns/Getty Images

Happy Birthday, Non-Stop Erotic Cabaret: Das wegweisende Album des englischen Synth-Pop-Duos Soft Cell wird 40 Jahre alt.

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von Markus Brandstetter

Hier könnt ihr Non-Stop Erotic Cabaret hören:

Manchmal passieren die besten Dinge mit limitierten Mitteln — anders gesagt: Meniger Möglichkeiten fördern in so mancher Situation die Kreativität. Als Soft Cell 1980 ins Studio gingen, hatten sie weder ein Riesenbudget noch die Mittel für eigenes State-of-the-Art-Equipment.

Wobei: Ein Instrument, das Sänger Marc Almond und Instrumentalist Dave Ball nutzten, war durchaus sündteuer: Dabei handelte es sich um ein NED Synclavier, eine Art früher digitaler Synthesizer, der von der New England Digital Corporation of Norwich produziert wurde. Der Synth, der in den 1980er- und 1990er-Jahren auf etlichen Produktionen zu hören war, kostete damals 120.000 Pfund — gehörte allerdings nicht der Band, sondern dem Produzenten Mike Thorne. Ansonsten war das technische Set-up eher überschaubar, als Herzstück fungierte eine ReVox Bandmaschine, dazu nutze die Band einen Drumcomputer von Roland und einen Synth-Bass von Korg. Damit schufen Soft Cell einen wegweisenden Sound.

Was vor Non-Stop Erotic Cabaret passierte

Monate bevor Non-Stop Erotic Cabaret erschien, veröffentlichte die Band ihre erste Single des kommenden Albums – den Song Tainted Love, ein 1965 erschienener, im Original von Gloria Jones gesungen und von Ed Cobb geschriebener und produzierter Song.

Zuvor hatte die Band bereits eine EP namens Mutant Moments veröffentlicht, für deren Aufnahme sie sich 2.000 Pfund von Dave Balls Mutter geliehen hatten. Dadurch waren Labels auf die Band aufmerksam geworden — unter anderem Some Bizarre Records, wo das Debütalbum erschien. Soft Cell hatten mit Memorabilia einen kleineren Hit in den Clubs landen können, der Ruhm ließ aber noch auf sich warten. Bis die Coverversion von Tainted Love erschien und zu einem großen Erfolg wurde, mit dem so keiner gerechnet hatte. Die Nummer ging in etlichen Ländern auf Platz eins der Charts, zwei weitere Top-5-Singles folgten mit den Stücken Bedsitter und Say Hello, Wave Goodbye.

Skandal mit SM-Video

Auch wenn Tainted Love vom Popularitätsfaktor musikalisch alles andere in den Schatten stellte — ein weiterer Song sorgte auch für jede Menge Gesprächsstoff: Das Video von Sex Dwarf wurde in Großbritannien aufgrund seiner expliziten SM-Szenen zum regelrechten Skandal. Das Video wurde zurückgezogen, Almond erklärte später sogar, es zu bereuen.

Es waren die Gegensätze zwischen den beiden Bandmitgliedern — Almonds Liebe zu Pathos und Dramatik, die Reibefläche zwischen den beiden Charakteren, die Soft Cell damals so gut funktionieren ließen. Sex, Club, Dekadenz, Rausch: Das waren die Eckpfeiler, die die Band auch wenige Jahre später implodieren ließen (1984 war Schluss — die erste Reunion folgte 2001).

Was Soft Cell heute über Non-Stop Erotic Cabaret sagen

40 Jahre ist Non-Stop Erotic Cabaret also alt — Dave Ball selbst zeigt sich positiv angetan davon, wie gut die Platte gealtert ist. „Was mich überrascht, ist, wie frisch Non-Stop Erotic Cabaret heute noch klingt. Ich nehme an, das liegt daran,dass wir beide 40 Jahre jünger waren, daher klingt Marcs Stimme jugendlicher und nicht so poliert wie heute. Mein Synthesizer-Spiel und meine Arrangements waren einfacher, obwohl ich immer versucht habe, bei meinem minimalistischen Stil zu bleiben“, zitiert ihn das Magazin Northern Life.

Almond ist ganz der Meinung seines Kollegen: „Wenn ich mich zurücklehne und darüber nachdenke, ist es schwer zu glauben, dass eine kleine Sammlung von Songs ein so langes Leben hatte, dass die Leute sie immer noch hören und genießen. Ich bin erstaunt, wie aktuell es immer noch klingt. Und textlich ist es immer noch relevant. Es fühlt sich überhaupt nicht so an, als wäre es 40 Jahre alt, aber der Gedanke, dass es so ist, macht mir ein bisschen Angst!“

Mit Non-Stop Erotic Cabaret leisteten Soft Cell jedenfalls Pionierarbeit — die sie heute selbst ordentlich feiern: Vor kurzem stand die wieder formierte Band in Glasgow und Manchester auf der Bühne — 2022 soll mit Happiness Not Included ein neues Album erscheinen.

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10 Songs, die durch Coverversionen berühmt wurden

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Zeitsprung: Am 27.11.1987 erscheint „Live…In The Raw“ von W.A.S.P.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 27.11.1987.

von Christof Leim

Ja, in den Achtzigern konnte man noch schocken: Damals sind W.A.S.P. die bösen Buben, weil sie „Blut“ aus Schädeln trinken und rohes Fleisch in die Menge werfen. Das ist für junge Metalheads natürlich cool, also verkaufen sich die ersten drei Alben ganz gut. Am 27. November 1987 erscheint das erste Livealbum der Truppe.

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Hört hier in Live…In The Raw rein:


Klickt auf „Listen“ für das gesamte Album.


1987 touren W.A.S.P. zu ihrer dritten Platte Inside The Electric Circus. Zwar haben sie ihre aufsehenerregende Bühnenshow da schon reduziert und machen kurz gesagt nicht mehr so viel Sauerei, aber bei den Konzerten gibt es weiter genug zu gucken. Die Bühne sieht wie ein Zirkuszelt aus, und die Pyrotechnik darf ordentlich rumballern. Frontmann Blackie Lawless trägt sogar eine Funkenkanone im Schritt. Die geht bei einer Show in Dublin auch mal nach hinten los, und zwar im Wortsinn, aber das ist eine andere – und für Blackie sehr schmerzhafte – Geschichte, wie er in diesem amüsanten Interview mit der Washington Post berichtet. Alles in allem bieten W.A.S.P. also herrlichen, nicht immer ganz ernst zu nehmenden Heavy Metal-Spaß, über den sich Eltern aufregen. Bestens.

Die bösen Männer im Metal der Achtziger: Blackie Lawless von W.A.S.P. Credit: Erin Combs/Getty Images

Um das für die Nachwelt festzuhalten, lässt die Band die letzten Konzerte ihrer US-Headliner-Tour aufzeichnen, insbesondere die Show am 10. März 1987 in der Long Beach Arena in Kalifornien. Das Ergebnis heißt Live…In The Raw und erscheint am 27. November 1987. Darauf hauen Blackie Lawless und seine Mannen ihre frühen Hits in ziemlich flotten Versionen raus. Von Wild Child über L.O.V.E. Machine bis zu I Wanna Be Somebody ist hier alles dabei.



Die Aufnahmen klingen etwas künstlich, was die Vermutung nahe legt, dass an diesem Livealbum nicht alles live ist. Insbesondere Passagen, in denen Blackie zu sich selbst Backing-Vocals zu singen scheint, machen doch stutzig. Vielleicht hat aber auch einer der anderen Kollegen eine ähnliche Stimme und trifft jeden Ton, man weiß es nicht. Letztendlich kann das der geneigten Fanschar notfalls auch egal sein, denn das Album macht Spaß.



Außerdem gibt es drei neue Songs, zwei davon in Liveversionen: Einer davon heißt The Manimal (sic!) und thematisiert die philosophischen Implikationen der hormonell bedingten zwischenmenschlichen Anziehungskraft. Oder kurz: Es geht ums Poppen. Insbesondere im Hard Rock der Achtziger stellt das nun gar keine Besonderheit dar, aber den Titel finden wir doch besonders, nun ja, hübsch.

Damals hat die Band Streit mit einer Organisation namens P.M.R.C., die böse Inhalte in der Musik verbieten will und davon ausgeht, dass der Bandname W.A.S.P. für „We Are Sexual Perverts“ steht. Diesem Verein verdankt die Welt zum Beispiel die berüchtigten „Parental Advisory“-Aufkleber. (Die gesamte Geschichte könnt ihr hier nachlesen.) Für jene Leute hat „Schwarzie Gesetzlos“ extra ein weiteres neues Lied mit dem Titel Harder Faster geschrieben, über das sie sich ordentlich aufregen können. Ganz am Ende der Platte findet sich schließlich noch ein Studiotrack: Scream Until You Like It (noch ein geiler Titel!), der in der Horrorkomödie Ghoulies II Verwendung findet.



Mit Live…In The Raw halten W.A.S.P. den überdrehten, aber nicht allzu ernst zu nehmenden Wahnsinn ihrer Shows stilecht fest und fangen den Geist der Ära auf unterhaltsame Weise ein. Das reicht für Platz 77 in den US-Charts. Nach der Veröffentlichung verabschiedet sich allerdings Drummer Steve Riley in Richtung L.A. Guns.

Im Rückblick stellt die Scheibe eine Zäsur zwischen den alten, krassen W.A.S.P. und den reiferen, ambitionierteren Tönen der nächsten Jahre dar. Dass Blackie mal intelligente sozialkritische Kommentare ablassen und gefeierte Konzeptalben wie The Crimson Idol (1992) veröffentlichen würde, lag 1987 nicht gerade auf der Hand.


Zeitsprung: Ab 13.5.1985 will das PMRC vor schlimmen Songtexten warnen.

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