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Popkultur

Die lautesten Rockbands der Welt: Die Top 10 der Dezibel-Rekordhalter

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lauteste Bands

Die lautesten Rockbands der Musikgeschichte sind immer wieder als gesundheitsgefährdend eingestuft worden – weil sie Gebäude ins Wanken und Trommelfelle zum Reißen gebracht haben. Hier sind unsere Top 10: Ohrstöpsel unbedingt empfohlen!

von Martin Chilton

Im Jahr 1975 machte Lemmy von Motörhead einen legendären Spruch über seine Band: Sie seien „dermaßen laut, dass dein Rasen eingehen wird, wenn wir ins Nachbarhaus einziehen“, scherzte der Sänger und Bassist. Tatsächlich fand damals eine Rekordjagd statt, denn eine ganze Reihe von Acts wollte sich den offiziellen Titel als „lauteste Band“ im Guinness Buch der Rekorde sichern. Dass Motörhead zu den heißesten Anwärtern auf diesen Titel gehörten, stand schon damals außer Frage.

Inzwischen jedoch weiß man um die Gefahren von solchen Lautstärkerekorden, und so hat die Guinness-Redaktion besagte Kategorie längst eingestampft, da einfach zu viele Menschen auf Konzerten Gehörschäden davongetragen haben. Wobei: Den „lautesten Schlagzeuger“ haben sie beibehalten. Im Jahr 2006 hat es Col Hatchman bei einem Konzert in Australien auf 137,2 Dezibel gebracht – eine Zahl, die um 50 Dezibel über dem Grenzwert liegt, ab dem man mit dauerhaften Gehörschäden rechnen muss.

Wir haben einen kleinen Leitfaden zusammengestellt und dafür 10 Bands herausgesucht, die so viel Lärm gemacht haben, dass jede einzelne von ihnen als lauteste Band der Musikgeschichte gelten darf.

10. Bob Dylan And The Hawks (1966)

Zwar assoziiert man traditionell eher Bands aus dem Rock- und Heavy-Metal-Lager mit ohrenbetäubenden Lautstärkebestmarken, doch als Folk-Ikone Bob Dylan im Jahr 1966 nach Europa aufbrach, wollte er richtig aufdrehen mit seiner neuen elektrisierten Band. Also engagierte er Richard Alderson, der ihm für die anstehende Tour ein neues Soundsystem konstruieren sollte.

Alderson, der zuvor schon eine spezielle Anlage für Harry Belafonte gebaut hatte, erkannte die Notwendigkeit, schließlich verfügten viele Hallen in jenen Tagen tatsächlich nicht über die Technik, die Dylan vorschwebte. „Ich war ein echter Hi-Fi-Purist, was den Sound anging“, sagte Alderson später, der dabei war, als Dylan den Musikern den „Play f____ing loud“-Befehl gab, als enttäuschte Fans den elektrischen Sound zunächst mit Buhrufen quittierten. Auch wenn es keine offiziellen Dezibel-Angaben zu den Konzerten gibt, waren Dylans Shows in jenem Jahr ganz klar ein Schritt in Richtung lautere Konzerte.

9. Led Zeppelin (1969)

Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass laute Musik die Endorphin-Ausschüttung stimulieren, sprich: glücklich machen soll. Wahrscheinlich waren die Fans von Led Zeppelin deshalb so gut gelaunt, als ihre Band ab den späten Sechzigern so richtig aufdrehte. Mit den ersten beiden Alben im Gepäck traten sie 1969 in Kanada auf, was ein Journalist schließlich als „klangliches Erdbeben“ beschreiben sollte. Noch im selben Jahr registrierte die American Speech-Language-Hearing Association eine Lautstärke von 130 Dezibel (beim Song Heartbreaker). Richard Cole, ihr Tourmanager, stellte jedoch postwendend klar, dass die Band es damit nicht auf Schlagzeilen abgesehen hatte. Außerdem erinnerte er sich noch an ein Messgerät, das im März 1970 einem Beamten der Stadt Vancouver aus den Händen gerissen und einfach zertrümmert wurde…

8. Deep Purple (1972)

Um die gewünschte Lautstärke zu erreichen, legten sich Deep Purple eine P.A. von Marshall mit 10.000 Watt zu: Eines ihrer Konzerte war daraufhin dermaßen laut, dass drei Zuhörer*innen, die in der Nähe der Boxen standen, ohnmächtig wurden. 1972 wurde die Sache dann offiziell: Im Guinness Buch der Rekorde wurden sie zur „lautesten Band der Welt“ gekürt, nachdem im Londoner Rainbow Theatre 117 Dezibel gemessen worden waren. „Rock & Roll ist jetzt auf einem anderen Level angekommen“, kommentierte Schlagzeuger Ian Paice, „und der Lautstärkesprung ist einfach unglaublich.“

7. The Who (1976)

Als abschreckendes Beispiel muss The Whos Jagd nach mehr Lautstärke gelten: Am 31. Mai 1976 strömten 75.000 Menschen ins Stadion von Charlton Athletic in London, wo neben The Who auch Lowell George und Little Feat auftreten sollten. Als die Headliner dann im Regen ihre Show spielten, registrierten die Messgeräte 126 Dezibel – und zwar in einer Entfernung von gut 30 Metern vor den Lautsprechern. Der Weltrekord, den The Who an diesem Abend aufstellten, blieb danach acht Jahre lang unerreicht. Was jedoch Pete Townshend und Roger Daltrey angeht, haben diese Herren den Titel als lauteste Band mit ernsthaften Hörproblemen bezahlen müssen. „Tja, wenn wir das mal bloß gewusst hätten als junge Leute“, kommentierte Daltrey, der sich heute selbst als „ziemlich taub“ bezeichnet. Townshend wurde sogar aktiv und gründete mit anderen die Stiftung HEAR – Hearing Education And Awareness For Rockers.

6. Manowar (1984)

Die Jagd um immer neue Lautstärkerekorde wurde natürlich auch im Mockumentary-Klassiker This Is Spinal Tap thematisiert: In einer Szene werden die Regler an den Verstärkern der Titelhelden von 10 auf 11 erweitert, damit sie noch „einen lauter“ drehen können. Die New Yorker Metal-Band Manowar setzte tatsächlich auf technische Tricks, um sich den Titel zu sichern: In den Zusatzklauseln ihrer Konzertverträge war festgeschrieben, dass mindestens 126 Dezibel drin sein mussten. So kam es, dass 1984 in Hannover der alte Rekord von The Who übertroffen wurde – denn gleich zwei Spezialisten registrierten 129,5 Dezibel. Benötigt wurden dafür 10 Tonnen Verstärkermaterial; die Lautsprecher der Show waren 12 Meter breit und über sechs Meter hoch. Noch lauter waren sie angeblich bei einem Soundcheck im Jahr 2008: 139db. Kein Wunder, dass sie sich auf der eigenen Website vor allem als „ear-splitting“ beschreiben.

5. Motörhead (1984)

Das inzwischen fast 100 Jahre alte Variety Theatre in Cleveland wurde von der Architektin Nicola Petti entworfen, die dafür Elemente aus der spanischen Gotik setzte: Kein wirklich passender Rahmen für Lemmy und den „lauten, schnellen, lärmenden, halsbrecherisch-schnellen Rock & Roll“ seiner Band Motörhead. Im Dezember 1984 jedenfalls war im Variety Theatre wenig von besinnlicher Vorweihnachtsstimmung zu spüren, als die Band mit 130 Dezibel eine neue Bestmarke aufstellte. Sogar das Gebäude wurde in Mitleidenschaft gezogen: Aufgrund der Schwingungen regneten Teile vom Deckenputz aufs Publikum, weshalb den Veranstaltern keine Wahl blieb und der Band mittendrin der Saft abgedreht wurde.

4. Leftfield (1996)

Motörhead waren nicht die einzigen, deren Musik mächtige Bauwerke ins Wanken bringen sollte. Im Juni 1996 servierten Leftfield ihren Electro-Sound mit so viel Bassdruck, dass in der Londoner Brixton Academy satte 137 Dezibel im niedrigen Frequenzbereich gemessen wurden. Auch hier ging der Putz ab, auch hier wurde Musikgeschichte geschrieben. Statt Hausverbot gab’s vier Jahre später dann Lautstärkeauflagen für Leftfield, was Keyboarder Neil Barnes wie folgt kommentierte: „Ich will den Putz auch gar nicht noch einmal von der Wand holen – dafür ist das Gebäude einfach zu schön. Würden wir jedoch richtig ausrasten, dann könnten wir wohl die Halle plattmachen: Das wäre dann wie in der Schlussszene von Carrie, wo sie die ganze Schule von innen zum Einstürzen bringt…“

3. KISS (2009)

Auf der Liste der Bands, die für ohrenbetäubende Shows bekannt sind, tummeln sich natürlich auch Judas Priest, Iron Maiden, Metallica, Megadeth und ZZ Top – dabei waren die UK-Punks von Gallows sogar noch lauter: 2007 schlossen sie sich in ein Studio ein, während drinnen angeblich 132,5 Dezibel erreicht wurden. Den Schweden von Sleazy Joe sagt man sogar 143,2db nach – überschritten im Studio in Hässleholm im Jahr 2008. Im Juli 2009 waren dann die Behörden von Ottawa dermaßen besorgt über den womöglich gesundheitsschädlichen Geräuschpegel, dass sie Ermittler zum KISS Bluesfest aussandten: Als sie dann 136 Dezibel erreicht hatten, verlangten die Abgesandten, den Regler doch bitte wieder zurückzudrehen. Im selben Jahr fingen übrigens My Bloody Valentine damit an, Ohrstöpsel bei ihren Konzerten zu verteilen.

2. Foo Fighters (2011)

Es gibt keine Gruppe, die es mit der fiktiven Band in Douglas Adams’ Roman Das Restaurant am Ende des Universums aufnehmen könnte: Immerhin sind Disaster Area so laut, dass ihre Konzerte ganze Planeten in Schutt und Asche legen können. Allerdings gelang es auch den Foo Fighters, die Erde zum Beben zu bringen. Sie traten im Western Springs Stadium von Auckland auf, und es muss die Mischung aus viel zu lauten Bässen und hüpfenden Menschenmassen gewesen sein – auf jeden Fall erzitterte die Erdoberfläche schließlich, ein rhythmisches Beben breitete sich aus. In den nahegelegenen Erdbeben-Messstationen Herne Bay und Eden Park war ein Signal zu vernehmen, 3Hz, was normalerweise auf vulkanische Aktivität hingedeutet hätte.

1. AC/DC (2015)

Es muss irgendetwas in der Region von Western Springs geben, das in Musiker*innen den Drang auslöst, besonders laut zu sein. AC/DC gehörten schon immer zu den lautesten Acts des Planeten, doch als sie 2015 dann in der neuseeländischen Hauptstadt auftraten, entfachten sie eine regelrechte Druckwelle: Selbst im sechs Kilometer entfernten Birkenhead, auf der anderen Seite des Waitematā Harbour, war das Konzert der Ozzies noch zu hören. Gemessen wurden zwar „nur“ 103 Dezibel – aber dazu muss man noch die Alarmsysteme diverser Autos in der Gegend rechnen, die AC/DC mit ihrem Sound ausgelöst hatten.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 19.8.1939 kommt Ginger Baker zur Welt.

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Zoran Veselinovic/Wiki Commons

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 19.8.1939.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

Genie und Wahnsinn liegen nah beieinander, kaum einer beweist das so eindrucksvoll wie „Ginger“ Baker. Als Jahrhunderttalent revolutioniert er bei Cream und Blind Faith das Schlagzeugspiel und terrorisiert den Rock. Unterhaltsam ist das allemal, also werfen wir zum Geburtstag des trommelnden Derwisch einen Blick auf sein bewegtes Leben!

Hört hier das Debüt von Cream: 

Starten wir ganz am Anfang, denn geboren wird Peter Edward „Ginger“ Baker in Londons Arbeitermilieu. In seiner Jugend interessiert ihn die Musik zunächst in Form des Klavier- und Trompetenspiels, zudem sieht er sich mit Freunden gern Jazz-Shows an. Der eigentliche Karriere-Traum: Radrennfahrer. Als er im Teenageralter einen Unfall baut, zerlegt es den heißgeliebten Drahtesel. Um an Geld zu kommen, schlägt ein Freund ihm vor, er solle sich doch hinter ein Schlagzeug setzen. Da zählt Ginger 15 Jahre. Baker merkt hierzu später amüsiert an, dass wohl alle vor ihm wussten, dass ein Drummer in ihm steckt. Da es ihm immer noch an Budget fehlt, arbeitet er zunächst mit einem Kinderschlagzeug und moduliert es mit Zeltplanen und Keksdosen, um beim Vorspiel überhaupt ein Instrument vorweisen zu können. Er bekommt den Job.

Anfang der Sechziger folgt dann Unterricht beim legendären britischen Jazzer Phil Seamen, der ihm die erste Dosis Heroin spritzt, aber auch die Grundlage für den Part des jungen Schlagwerkers in der Graham Bond Organisation schafft. Dort ist er ab 1963 aktiv, mit dabei sind der Namensgeber, Dick Heckstall-Smith am Saxophon, John McLaughlin an der Gitarre und Jack Bruce am Bass. Er trägt Stücke wie Camels and Elephants bei, die Band tritt außerdem zwei Jahre nach ihrer Gründung im Film Gonks Go Beat auf, welcher katastrophale Kritiken erhält. 

Innerhalb der Gruppe gerät Baker immer wieder mit Bruce aneinander, den er schließlich feuert und mit einem Messer bedroht, um seiner Entscheidung Nachdruck zu verleihen. Ausgerechnet Bonds Drogenproblem geht ihm jedoch so sehr auf den Nerv, dass er sich nach neuen Möglichkeiten umsieht. Als „Ginger“ 1966 nach einem Konzert seinen geschätzten Musikerkollegen Eric Clapton heimfährt, erzählt er ihm von seiner Suche; Clapton, der sich an der Gitarre bei John Mayall & The Bluesbreakers kreativ unterfordert fühlt, schlägt ohne langes Zögern ein. Einzige Bedingung: Baker soll ausgerechnet Jack Bruce für den Bass anfordern. Der Rotschopf steuert laut Clapton beinahe das Auto in den Graben. Da die drei Musiker als „Crème de la Crème“ der Blues-Szene bekannt sind, nennt sich das Trio kurzerhand Cream und das Debütalbum Fresh Cream. Baker entwickelt auf dem Track Toad Elemente aus Camels And Elephants weiter und nimmt damit eines der ersten Drum-Soli überhaupt auf.

Nach drei weiteren Alben macht Cream jedoch schon 1969 wieder Schluss, die Spannungen zwischen Bruce und Baker sind unüberwindbar. Zwei Abschlusskonzerte in der Royal Albert Hall in London sind zwar kommerziell erfolgreich, bilden jedoch qualitativ keinen würdigen Abgang für die Ausnahmemusiker, die mehr gegeneinander als miteinander arbeiten. Mit Clapton versucht sich Baker noch einmal an einer Supergroup, gründet mit ihm, Steve Winwood von Traffic und Richard Grech Blind Faith. Erneut lässt die Begeisterung schnell nach, ein Muster, das sich bei Baker auch in Bezug auf seine diversen Ehen und Kinder durchzieht.

In den Siebzigern treibt es den Mann dann nach Nigeria, wo er mit viel Mühe ein Aufnahmestudio einrichtet, das unter anderem Paul McCartney und seinen Wings als Arbeitsplatz dient. Baker nimmt Material mit dem afrikanischen Multiinstrumentalisten und Menschenrechtler Fela Kuti auf und gründet die Baker Gurvitz Army, die drei Alben lang durchhält. 1980 zieht sich der Schlagzeugpionier zurück, um endlich seine Heroinsucht zu überwinden, spielt dann bei Hawkwind und geht Ende der Dekade nach Los Angeles, um auch noch Hollywood zu bezwingen. Stattdessen gibt’s in den Neunzigern doch wieder mehr Musik; zunächst mit Masters of Reality, dann wider besseres Wissen mit Jack Bruce bei BBM und im eigenen Projekt The Ginger Baker Trio. 

Eines verliert Baker bei den regelmäßigen Ortswechseln nicht: seinen Ruf als Dämon des Rock’n’Roll. Ob es nun an langjährigen Drogen- und Alkoholproblemen oder schlicht der Persönlichkeit liegt: Der Drummer macht Kollegen, Presse und Publikum gleichermaßen Angst, und zwar so sehr, dass seine Übellaunigkeit 2012 in der Dokumentation Beware Of Mr. Baker festgehalten wird, die auf einem Rolling Stone-Artikel basiert. Ob man’s glaubt oder nicht: Baker haut selbst während der Dreharbeiten einem Crewmitglied auf die Nase. 

Nicht gerade zimperlich: Das deutsche Cover zur Dokumentation „Beware Of Mr. Baker“.

Beim Polo bemüht er sich um einen Ausgleich, mit Cream findet er seinen Frieden allerdings nicht. Eine Reunion schrammt 2005 laut Clapton nur knapp an einem blutigen Ende vorbei. Seit 1999 treibt er in Südafrika sein Unwesen, leidet aber zusehends an starken gesundheitlichen Problemen. Baker verstirbt schließlich am 6. Oktober 2019 mit 80 Jahren im englischen Canterbury. Sein musikalisches Vermächtnis bleibt: Baker gilt als einer der einflussreichsten Schlagzeuger aller Zeiten, als Vorbild sämtlicher Heavy-Metal-Drummer und Pionier des Rock.

Zeitsprung: Am 26.11.1968 spielen Cream ein enttäuschendes Abschiedskonzert.

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Popkultur

30 Jahre „MTV Unplugged“: Eric Claptons intimster Moment

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Eric Clapton
Titelfoto: David Redfern/Getty Images

Der größten Tragödie seines Lebens folgt sein größter Erfolg: Vor 30 Jahren veröffentlicht Eric Clapton sein MTV Unplugged-Album. Es löst einen Boom aus und beflügelt seine Karriere.

von Björn Springorum

Das MTV-Unplugged-Format ist nicht neu, als Eric Clapton am 16. Januar 1992 an der Reihe ist. Sein Konzert vor Livepublikum in den Bray Film Studios in Windsor, England, wird dem Format aber einen ebenso großen Popularitätsschub verleihen wie seiner Karriere. Das konnten Paul McCartney, Don Henley, Stevie Ray Vaughan, The Allman Brothers Band, Sting oder Elvis Costello, die alle vor Clapton dran waren, nicht von sich behaupten.

Das eigentlich Besondere an Claptons Performance für MTV Unplugged ist aber ihr Zeitpunkt: Im Januar 1992 ist es nicht mal ein Jahr her, dass sein vierjähriger Sohn Conor aus dem 53. Stock eines New Yorker Apartments in den Tod stürzte. Clapton zieht sich zurück, schreibt Tears In Heaven, um die Trauer zu bewältigen. Sein Auftritt in den Bray Film Studios ist einer der ersten öffentlichen Auftritte des Sängers nach der Tragödie. Es soll sein Triumphzug werden.

Die Tickets wurden verlost

Davon ahnt zunächst mal niemand etwas. Die BBC verlost 150 Ticketpaare für die Aufzeichnung, beantwortet werden muss die Frage, wo Eric Clapton während der Aufnahmen zu I Shot The Sherrif wohnte. Die Antwort ist 461 Ocean Boulevard in Golden Beach bei Miami, zugleich der Titel des Albums, auf dem die Nummer steht. Für Clapton-Ultras natürlich eine Fingerübung, die 300 Tickets sind dementsprechend ratzfatz weg.

In Bussen geht es raus aus London nach Windsor, wo Eric Clapton die intimste und purste Show seiner bisherigen Karriere spielen wird. Nach Ansicht einiger Zeitzeug*innen auch seine beste. Überwiegend ausgerüstet mit Akustikgitarren von Martin (Modell 000-42), von denen eine mal für fast eine Million US-Dollar bei einer Auktion unter den Hammer kam, spielt sich Clapton auf lässige, ruhige und unaufgesetzte Weise durch sein Repertoire.

Wie beflügelt durch das akustische Setting seiner Band schwingt sich seine Stimme in ganz neue Sphären auf, klingt voll und präsent wie vielleicht nie zuvor. „Es fällt mir viel leichter, meine eigene Lautstärke anzupassen, wenn alle akustisch spielen“, sagte er mal. „Normalerweise klinge ich immer furchtbar platt auf der Bühne. Hier konnte ich wirklich dynamisch singen.“ Es soll nicht der einzige Benefit sein, den Clapton aus Windsor mit nach Hause nimmt: Er wendet auch an der elektrischen Gitarre vermehrt Fingerpicking an.

In Gedenken an seinen Sohn

Die Songauswahl des Abends ist längst so ikonisch wie das Unplugged-Setting selbst: Der instrumentale Samba Signe eröffnet den Abend leichtfüßig, danach kommt Bo Diddleys Blues Before You Accuse Me. Was folgt, ist eine Mischung aus Clapton-Material und alten Blues-Croonern. Besonders intensiv sind natürlich die neuen Songs, die Clapton im Sommer 1991 nach dem Tod seines Sohnes schreibt: Circus, Lonely Stranger und natürlich Tears In Heaven, das in seiner Unplugged-Version riesige Erfolge feiern wird. Das Besondere: Sowohl Tearns In Heaven als auch seine neue Fassung des Klassikers Layla von Derek And The Dominos klingen an diesem Abend in ihren akustischen Arrangements kraftvoll, aber vollkommen anders. Tears In Heaven hat bei aller Melancholie eine gewisse Leichtigkeit, Layla klingt eher schelmisch als verzehrend. Liegt natürlich auch an der stellaren Begleitband um Andy Fairweather Low, Chuck Leavell, Nathan East und weiteren Assen.

26 Millionen verkaufte Platten

Insbesondere für Tears In Heaven wird man dieses Konzert, dieses Album und diese schwierige Phase in Eric Claptons Leben in Erinnerung behalten. „Eric war an diesem Abend in Hochform“, erinnert sich der Musikhistoriker Marc Roberty. „Nach dem Songs, die er in Gedenken an Conor geschrieben hat, wurde er von seinen Emotionen übermannt.“ Auch das Publikum zeigt sich sichtlich gerührt. Viel von Claptons Rückkehr ins Rampenlicht ist diesem besonderen Moment zuzuschreiben. Seit 1992 ist Clapton immer wieder akustisch aufgetreten, generell sind Unplugged-Konzerte dieser Art heute nichts Außergewöhnliches mehr. 1992 sind sie das noch.

Merkt man auch an den Verkaufszahlen: Das Album verkauft sich mehr als 26 Millionen Mal, ist die erfolgreichste Live-Platte aller Zeiten und das bestverkaufte aller Clapton-Werke. Bei den Grammys 1993 staubt Eric Clapton ganze sechs Trophäen ab, drei allein für MTV Unplugged. Das Format wird 1993 durch Nirvana noch ikonischer, Claptons Karriere nach einem schwachen Start in die Neunziger revitalisiert. Nicht übel für ein einfaches Steckerziehen.

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Zeitsprung: Am 20.3.1991 stirbt Eric Claptons Sohn bei einem Sturz aus dem Fenster.

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Zeitsprung: Am 18.8.1964 starten die Beatles zu ihrer ersten US-Tour.

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Foto: Universal Music

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 18.8.1964.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

Am 18.8.1964 starten John, Paul, George und Ringo ihre Reise nach Amerika, um dort ihre erste volle US-Tour zu spielen. Nebst skurrilen Anekdoten und einem Treffen mit Bob Dylan hält die Tour jedoch auch brenzlige Situationen bereit, die schon am Tag der Anreise beginnen. Wir erinnern uns, wie die Beatles die „British Invasion“ vollzogen.

Hört euch hier die das damals aktuelle Album A Hard Day’s Night an:

Bereits im Februar 1964 hatten die Beatles vier Shows in den Vereinigten Staaten gespielt und so den Grundstein für die Massenbegeisterung gelegt. Am 18. August 1964 reist die Band dann von London aus für weitere 26 Termine über den Teich und muss unterwegs zweimal anhalten, um das Flugzeug zu betanken. Mit jedem Boxenstopp werden die Umstände wahnsinniger: Erwarten sie beim ersten Halt in Winnipeg, Kanada noch 500 Fans und einige Radiojournalisten, zählt man wenige Stunden später in Los Angeles bereits 2.000 kreischende Anhänger und ein stattliches Presseaufgebot. Bei Halt Nummer drei in San Francisco zeigt die Uhr 18:24 und 9.000 Beatles-Fans machen ihrer ohrenbetäubenden Begeisterung Luft.

Einige Meilen vor dem Flughafengebäude errichten Organisatoren in weiser Voraussicht „Beatlesville“. Was sich nach Freizeitpark oder luxuriösem Rückzugsort anhört, ist lediglich ein abgezäunter Bereich, in dem die „Fab Four“ für Fotos posieren sollen. Die Zäune halten jedoch der schieren Kraft der „Beatlemania“ nicht stand. Als mehr und mehr Fans sich gegen die Absperrung drücken, gibt sie nach. Lennon, McCartney, Harrison und Starr entkommen im letzten Augenblick in die Sicherheit ihrer Limousine, die sie in ihr Hotel bringt.

Die „Fab Four“ auf dem Titel des „Life“-Magazins während ihrer US-Tour im Sommer 1964)

Während eine Hälfte des Quartetts, nämlich Paul und George, das Gesehene erst einmal verarbeiten muss, rappelt sich der Rest der Truppe auf: John, Ringo, Publizist Derek Taylor und weitere Mitglieder der Entourage sowie Little Richards Organist (und später beinahe fünfter Beatle) Billy Preston wollen das kalifornische Nachtleben unsicher machen und landen wenig später im Rickshaw, einem Laden in Chinatown, der auch andere prominente Gäste aufweist. 

Starr erinnert sich später wohlwollend an eine Begegnung mit dem Schauspieler Dale Robertson: „Wir gingen in eine Bar, und er war da. Wow, Dale Robertson! Wir nahmen einen Drink, aber in Kalifornien schließt alles um zwei Uhr morgens. Sie schlossen also die Bar, der Kellner und alle anderen gingen raus, aber dann gingen wir wieder rein und machten weiter. Ich habe es geliebt.“ Dass die Polizei die von Beatles-Fans konfiszierten Drogen ungefragt an die Band weiterreichte (!), hat sicher zu diesem positiven Gesamteindruck beigetragen.

Am nächsten Tag geht die Tour dann so richtig los: Die Beatles spielen im Cow Palace in San Francisco vor 17.130 Zuschauern. Auch hier müssen sie flüchten, nachdem die Bühne von Fans gestürmt zu werden droht. Sie lassen buchstäblich die Instrumente fallen und werden in einem Krankenwagen zum Hotel transportiert, da ihre Limousine belagert wird. Die „Beatlemania“ erreicht im Verlauf dieser Tour fiebrige Höhen, und die vier Jungs aus Großbritannien lernen die Schattenseiten des Erfolgs kennen. Besonders John Lennon tut sich schwer: „Die Leute denken, Berühmtheit und Geld bringen Freiheit, aber das tun sie nicht.“ 

Während dieses Amerika-Aufenthaltes treffen sie jedoch auch auf Bob Dylan und äußern sich öffentlich gegen die dort noch übliche Segregation. Nicht zuletzt entsteht aus der klaustrophobischen Situation auch der Song Help!, den die Briten 1965 veröffentlichen sollen.

Zeitsprung: Am 18.12.1962 beginnen die Beatles ihr finales Engagement im Star-Club – Sex, Drogen, Pilzköpfe in Hamburg.

 

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