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Popkultur

Die lautesten Rockbands der Welt: Die Top 10 der Dezibel-Rekordhalter

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Die lautesten Rockbands der Musikgeschichte sind immer wieder als gesundheitsgefährdend eingestuft worden – weil sie Gebäude ins Wanken und Trommelfelle zum Reißen gebracht haben. Hier sind unsere Top 10: Ohrstöpsel unbedingt empfohlen!

von Martin Chilton

Im Jahr 1975 machte Lemmy von Motörhead einen legendären Spruch über seine Band: Sie seien „dermaßen laut, dass dein Rasen eingehen wird, wenn wir ins Nachbarhaus einziehen“, scherzte der Sänger und Bassist. Tatsächlich fand damals eine Rekordjagd statt, denn eine ganze Reihe von Acts wollte sich den offiziellen Titel als „lauteste Band“ im Guinness Buch der Rekorde sichern. Dass Motörhead zu den heißesten Anwärtern auf diesen Titel gehörten, stand schon damals außer Frage.

Inzwischen jedoch weiß man um die Gefahren von solchen Lautstärkerekorden, und so hat die Guinness-Redaktion besagte Kategorie längst eingestampft, da einfach zu viele Menschen auf Konzerten Gehörschäden davongetragen haben. Wobei: Den „lautesten Schlagzeuger“ haben sie beibehalten. Im Jahr 2006 hat es Col Hatchman bei einem Konzert in Australien auf 137,2 Dezibel gebracht – eine Zahl, die um 50 Dezibel über dem Grenzwert liegt, ab dem man mit dauerhaften Gehörschäden rechnen muss.

Wir haben einen kleinen Leitfaden zusammengestellt und dafür 10 Bands herausgesucht, die so viel Lärm gemacht haben, dass jede einzelne von ihnen als lauteste Band der Musikgeschichte gelten darf.

10. Bob Dylan And The Hawks (1966)

Zwar assoziiert man traditionell eher Bands aus dem Rock- und Heavy-Metal-Lager mit ohrenbetäubenden Lautstärkebestmarken, doch als Folk-Ikone Bob Dylan im Jahr 1966 nach Europa aufbrach, wollte er richtig aufdrehen mit seiner neuen elektrisierten Band. Also engagierte er Richard Alderson, der ihm für die anstehende Tour ein neues Soundsystem konstruieren sollte.

Alderson, der zuvor schon eine spezielle Anlage für Harry Belafonte gebaut hatte, erkannte die Notwendigkeit, schließlich verfügten viele Hallen in jenen Tagen tatsächlich nicht über die Technik, die Dylan vorschwebte. „Ich war ein echter Hi-Fi-Purist, was den Sound anging“, sagte Alderson später, der dabei war, als Dylan den Musikern den „Play f____ing loud“-Befehl gab, als enttäuschte Fans den elektrischen Sound zunächst mit Buhrufen quittierten. Auch wenn es keine offiziellen Dezibel-Angaben zu den Konzerten gibt, waren Dylans Shows in jenem Jahr ganz klar ein Schritt in Richtung lautere Konzerte.

9. Led Zeppelin (1969)

Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass laute Musik die Endorphin-Ausschüttung stimulieren, sprich: glücklich machen soll. Wahrscheinlich waren die Fans von Led Zeppelin deshalb so gut gelaunt, als ihre Band ab den späten Sechzigern so richtig aufdrehte. Mit den ersten beiden Alben im Gepäck traten sie 1969 in Kanada auf, was ein Journalist schließlich als „klangliches Erdbeben“ beschreiben sollte. Noch im selben Jahr registrierte die American Speech-Language-Hearing Association eine Lautstärke von 130 Dezibel (beim Song Heartbreaker). Richard Cole, ihr Tourmanager, stellte jedoch postwendend klar, dass die Band es damit nicht auf Schlagzeilen abgesehen hatte. Außerdem erinnerte er sich noch an ein Messgerät, das im März 1970 einem Beamten der Stadt Vancouver aus den Händen gerissen und einfach zertrümmert wurde…

8. Deep Purple (1972)

Um die gewünschte Lautstärke zu erreichen, legten sich Deep Purple eine P.A. von Marshall mit 10.000 Watt zu: Eines ihrer Konzerte war daraufhin dermaßen laut, dass drei Zuhörer*innen, die in der Nähe der Boxen standen, ohnmächtig wurden. 1972 wurde die Sache dann offiziell: Im Guinness Buch der Rekorde wurden sie zur „lautesten Band der Welt“ gekürt, nachdem im Londoner Rainbow Theatre 117 Dezibel gemessen worden waren. „Rock & Roll ist jetzt auf einem anderen Level angekommen“, kommentierte Schlagzeuger Ian Paice, „und der Lautstärkesprung ist einfach unglaublich.“

7. The Who (1976)

Als abschreckendes Beispiel muss The Whos Jagd nach mehr Lautstärke gelten: Am 31. Mai 1976 strömten 75.000 Menschen ins Stadion von Charlton Athletic in London, wo neben The Who auch Lowell George und Little Feat auftreten sollten. Als die Headliner dann im Regen ihre Show spielten, registrierten die Messgeräte 126 Dezibel – und zwar in einer Entfernung von gut 30 Metern vor den Lautsprechern. Der Weltrekord, den The Who an diesem Abend aufstellten, blieb danach acht Jahre lang unerreicht. Was jedoch Pete Townshend und Roger Daltrey angeht, haben diese Herren den Titel als lauteste Band mit ernsthaften Hörproblemen bezahlen müssen. „Tja, wenn wir das mal bloß gewusst hätten als junge Leute“, kommentierte Daltrey, der sich heute selbst als „ziemlich taub“ bezeichnet. Townshend wurde sogar aktiv und gründete mit anderen die Stiftung HEAR – Hearing Education And Awareness For Rockers.

6. Manowar (1984)

Die Jagd um immer neue Lautstärkerekorde wurde natürlich auch im Mockumentary-Klassiker This Is Spinal Tap thematisiert: In einer Szene werden die Regler an den Verstärkern der Titelhelden von 10 auf 11 erweitert, damit sie noch „einen lauter“ drehen können. Die New Yorker Metal-Band Manowar setzte tatsächlich auf technische Tricks, um sich den Titel zu sichern: In den Zusatzklauseln ihrer Konzertverträge war festgeschrieben, dass mindestens 126 Dezibel drin sein mussten. So kam es, dass 1984 in Hannover der alte Rekord von The Who übertroffen wurde – denn gleich zwei Spezialisten registrierten 129,5 Dezibel. Benötigt wurden dafür 10 Tonnen Verstärkermaterial; die Lautsprecher der Show waren 12 Meter breit und über sechs Meter hoch. Noch lauter waren sie angeblich bei einem Soundcheck im Jahr 2008: 139db. Kein Wunder, dass sie sich auf der eigenen Website vor allem als „ear-splitting“ beschreiben.

5. Motörhead (1984)

Das inzwischen fast 100 Jahre alte Variety Theatre in Cleveland wurde von der Architektin Nicola Petti entworfen, die dafür Elemente aus der spanischen Gotik setzte: Kein wirklich passender Rahmen für Lemmy und den „lauten, schnellen, lärmenden, halsbrecherisch-schnellen Rock & Roll“ seiner Band Motörhead. Im Dezember 1984 jedenfalls war im Variety Theatre wenig von besinnlicher Vorweihnachtsstimmung zu spüren, als die Band mit 130 Dezibel eine neue Bestmarke aufstellte. Sogar das Gebäude wurde in Mitleidenschaft gezogen: Aufgrund der Schwingungen regneten Teile vom Deckenputz aufs Publikum, weshalb den Veranstaltern keine Wahl blieb und der Band mittendrin der Saft abgedreht wurde.

4. Leftfield (1996)

Motörhead waren nicht die einzigen, deren Musik mächtige Bauwerke ins Wanken bringen sollte. Im Juni 1996 servierten Leftfield ihren Electro-Sound mit so viel Bassdruck, dass in der Londoner Brixton Academy satte 137 Dezibel im niedrigen Frequenzbereich gemessen wurden. Auch hier ging der Putz ab, auch hier wurde Musikgeschichte geschrieben. Statt Hausverbot gab’s vier Jahre später dann Lautstärkeauflagen für Leftfield, was Keyboarder Neil Barnes wie folgt kommentierte: „Ich will den Putz auch gar nicht noch einmal von der Wand holen – dafür ist das Gebäude einfach zu schön. Würden wir jedoch richtig ausrasten, dann könnten wir wohl die Halle plattmachen: Das wäre dann wie in der Schlussszene von Carrie, wo sie die ganze Schule von innen zum Einstürzen bringt…“

3. KISS (2009)

Auf der Liste der Bands, die für ohrenbetäubende Shows bekannt sind, tummeln sich natürlich auch Judas Priest, Iron Maiden, Metallica, Megadeth und ZZ Top – dabei waren die UK-Punks von Gallows sogar noch lauter: 2007 schlossen sie sich in ein Studio ein, während drinnen angeblich 132,5 Dezibel erreicht wurden. Den Schweden von Sleazy Joe sagt man sogar 143,2db nach – überschritten im Studio in Hässleholm im Jahr 2008. Im Juli 2009 waren dann die Behörden von Ottawa dermaßen besorgt über den womöglich gesundheitsschädlichen Geräuschpegel, dass sie Ermittler zum KISS Bluesfest aussandten: Als sie dann 136 Dezibel erreicht hatten, verlangten die Abgesandten, den Regler doch bitte wieder zurückzudrehen. Im selben Jahr fingen übrigens My Bloody Valentine damit an, Ohrstöpsel bei ihren Konzerten zu verteilen.

2. Foo Fighters (2011)

Es gibt keine Gruppe, die es mit der fiktiven Band in Douglas Adams’ Roman Das Restaurant am Ende des Universums aufnehmen könnte: Immerhin sind Disaster Area so laut, dass ihre Konzerte ganze Planeten in Schutt und Asche legen können. Allerdings gelang es auch den Foo Fighters, die Erde zum Beben zu bringen. Sie traten im Western Springs Stadium von Auckland auf, und es muss die Mischung aus viel zu lauten Bässen und hüpfenden Menschenmassen gewesen sein – auf jeden Fall erzitterte die Erdoberfläche schließlich, ein rhythmisches Beben breitete sich aus. In den nahegelegenen Erdbeben-Messstationen Herne Bay und Eden Park war ein Signal zu vernehmen, 3Hz, was normalerweise auf vulkanische Aktivität hingedeutet hätte.

1. AC/DC (2015)

Es muss irgendetwas in der Region von Western Springs geben, das in Musiker*innen den Drang auslöst, besonders laut zu sein. AC/DC gehörten schon immer zu den lautesten Acts des Planeten, doch als sie 2015 dann in der neuseeländischen Hauptstadt auftraten, entfachten sie eine regelrechte Druckwelle: Selbst im sechs Kilometer entfernten Birkenhead, auf der anderen Seite des Waitematā Harbour, war das Konzert der Ozzies noch zu hören. Gemessen wurden zwar „nur“ 103 Dezibel – aber dazu muss man noch die Alarmsysteme diverser Autos in der Gegend rechnen, die AC/DC mit ihrem Sound ausgelöst hatten.

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