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Popkultur

Die musikalische DNA von ABBA

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People Need Love lautete das erste offizielle Lebenszeichen eines Quartetts, das der Welt für das darauffolgende Jahrzehnte eine ganze Menge Liebe bieten sollte. Agnetha Fältskog, Björn Ulvaeus, Benny Andersson und Anni-Frid Lyngstad waren – oder besser: sind – ABBA. Die Vier aus Schweden sind nicht nur eine der kommerziell erfolgreichsten Bands aller Zeiten, sie haben sich auch für immer tief in unserem kulturellen Bewusstsein eingenistet. Ob Money, Money, Money oder Mamma Mia, ob The Winner Takes It All oder natürlich Waterloo und Dancing Queen – ABBA geht immer!

 Hört euch hier die musikalische DNA von ABBA an:

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ABBA mussten während ihrer Karriere einige Widrigkeiten durchleben. Große Tourneen beispielsweise waren schlecht umzusetzen, weil sie sich nicht mit Flugangst oder Elternschaft vereinbaren ließen. Doch die Vier machten aus der Not kurzerhand eine Tugend und sorgten mit ihrem verbissenen Perfektionismus dafür, dass die Pop-Welt revolutioniert wurde. Das Musikvideo als Format? Maßgeblich mitgeprägt von ABBA. Live-Streams von Konzerten? ABBA waren eine der ersten Bands, die dieses Konzept im Fernsehen durchsetzten. Aufwändige Bühnenkostüme? Von ABBA perfektioniert – und zwar aus steuerlichen Abschreibegründen! Im Studio sah es selbstverständlich ähnlich aus. Jeder Ton musste sitzen! Zum Leidwesen ihrer Crew… Aber das ist eine andere Geschichte.


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Der Sound von ABBA änderte sich mit der Zeit. Manche mögen es auf das Ende der Ehen zwischen Fältskog und Ulveaus und Lygstad und Andersson schieben, dass einige Songs in späteren Jahren düsterer klangen. Aber das ist eine sehr einseitige Deutung. Vor allem nämlich ging es dem Quartett stets darum, den perfekten Song zu schreiben. Dazu ließen sie sich von Pop, Rock, Soul und Disco in allen Formen und Facetten inspirieren. Wer könnte da die Übersicht bewahren? Wir wollen es zumindest versuchen und werfen einen Blick auf die musikalische DNA von Agnetha, Björn, Benny und Anni-Frid alias Frida – kurz: ABBA!

1. Bill Haley – Razzle Dazzle

Natürlich kamen ABBA keineswegs aus dem Nichts. Sowohl die Hauptsongwriter Andersson und Ulvaeus wie auch die stimmgewaltigen Fältskog und Lyngstad waren überaus erfolgreich, bevor sie sich zusammenschlossen. Eines von Anderssons frühen Projekten war die Band Quartet Yep, welche sich nach kurzer Zeit in Hep Stars umtaufte. Eine Anspielung auf den Bill Haley Song Razzle Dazzle, in dem es heißt: „Now, here’s a dance everyone can do / It’s the hipsters’ dance / And the square cats’ too / Won’t you take a chance / This is all you do”. Aus „hipsters“ wurde „Hep Stars“.

So einfach und sorglos die Realität des Bandalltags aber beschreibt, so knochig war er für die Hep Stars: Bis zu vier Stunden dauerten ihre Gigsim Durchschnitt! Es lohnte sich aber und die Hep Stars wurden schnell als die „schwedischen Beatles“ bekannt, selbst eine Art Apple gründeten sie mit dem sogenannten Hep House. Die Ambitionen der jungen Rock’n’Roll-Fans sollten sich schnell auszahlen. Schon ein Jahr, nachdem Andersson der Band im Alter von 18 Jahren beigetreten war, feierten sie 1965 ihren ersten Charterfolg mit No Response – es sollten noch einige weitere folgen. 1969 verließ Andersson die Band aber, denn seine Arbeit mit Ulvaeus und Lyngstad schien ihm aussichtsreicher. Der Mann scheint einen guten Instinkt zu haben!

2. The Eagles – Take It Easy

Auch Björn Ulvaeus startete schon im jungen Alter seine Karriere. Er war ebenfalls erst frische 18 Jahre, als er den Hootenanny Singers beitrat, einer Skiffle-Gruppe mit einem gehörigen Folk-Einschlag. Er trug englische Texte bei und konnte sogar einen bescheidenen Erfolg als Solokünstler für sich verzeichnen. Vor allem aber brachten ihn die Tourneen der Band mit den Hep Stars zusammen und er fand einen Komplizen in Andersson. 1966 schrieben sie ihren ersten gemeinsamen Song zusammen, der unter dem Titel Isn’t It Easy To Say von den Hep Stars eingespielt wurde. Die beiden ergänzten sich deshalb so gut, weil sie eine ähnliche Leidenschaft für Rock’n’Roll mitbrachten und dennoch auf verschiedene Stile zurückgreifen konnten.

Für Ulvaeus waren es vor allem Genres wie Dixieland, aber auch Folk und Bluegrass, die ihn begeisterten. „Letztlich hat alles, was ich an Musik jemals mochte, seine Wurzeln und Ursprünge in den USA“, sagte er in einem Interview. Kein Wunder, dass er später die 1971 gegründeten Eagles als seine definitive Lieblingsband bezeichnen sollte! Denn der Eagles-Sound nahm alle diese Elemente mit auf. Der ABBA -Song Eagle aber ist nicht unbedingt als Hommage an die Band zu verstehen, auch wenn Ulvaeus ihm diesen Titel verliehen hat – in Anlehnung an das Buch Die Möwe Jonathan. „Ich wollte das Gefühl von Freiheit und Euphorie einfangen, das ich beim Lesen dieses Buches empfunden habe“, sagte er. Oder mit den Eagles gesprochen: Take It Easy!

3. Aretha Franklin – (You Make Me Feel Like) A Natural Woman

Zwei überaus talentierte Songwriter, die auch noch singen können. Reicht doch für eine erfolgreiche Band, oder? Klar. Nicht aber für eine, die so erfolgreich werden sollte wie ABBA. Agnetha Fältskog war ein paar Jahre jünger als die beiden Männer, mit denen sie die Welt erobern sollte, hatte aber schon viel früher ihren ersten Erfolg. Mit gerade 18 Jahren landete sie ihre erste Nummer Eins in den schwedischen Charts mit einem selbstkomponierten Stück. Vom Stil her erinnerte die Musik anfangs an deutschen Schlager und Fältskog nannte unter anderem die teilweise auf Deutsch singende US-Amerikanerin Connie Francis als frühe Inspiration.

Was Fältskog indes hauptsächlich zu ABBA mitbrachte, war eine Leidenschaft für Soul. Neben der Country-Ikone Marianne Faithful nannte sie so vor allem Aretha Franklin, laut Faithful „die Stimme Gottes“, als einen ihrer wichtigsten Einflüsse. Der Gospel-infizierte Sound von Aretha Franklin, die mit Hits wie Respect, Say A Little Prayer oder (You Make Me Feel Like) A Natural Woman unsterblich wurde, färbte sich eindeutig auf den hymnischen Gesangsstil von Fältskog ab, die zwischen 1968 und 1975 mit fünf Solo-LPs ihre eigenen Songwriterqualitäten bewies und dabei Ulvaeus, Andersson und Lyngstad in abwechselnden Kombinationen im Studio begrüßte. Auch sie hätte die anderen ᗅᗺᗷᗅ-Mitglieder vielleicht nicht unbedingt gebraucht. Umso glücklicher können wir uns schätzen, dass sie doch zusammenfanden.

4. Gian Costello – A Weekend In Portofino

Fältskog feierte mit 18 Jahren ihren Durchbruch, die beiden Bs der Band starteten in diesem Alter ebenfalls ihre Karrieren. Nur Anni-Frid Lyngstad, bekannt als Frida, fing noch früher an: Gerade erst 13 Jahre alt war sie, als sie auf den Bühnen dieser Welt debütierte und sich vor allem im Jazz- und Cabaret-Bereich einen Namen machte, bevor sie kurz darauf die Band Anni-Frid Four gründete. Richtig bekannt wurde sie 1967 mit dem Stück En ledig dag (zu Deutsch etwa: „ein freier Tag“), das auf einem Bossa Nova-Stück des Komponisten und Mundharmonikaspielers Bruno de Filippi basierte, welches von Gian Costello eingesungen wurde.

Wie Fältskog widmete sich Lyngstad am Anfang ihrer Karriere zuerst einem deutlich von Schlagern beeinflussten Stil, bevor sie 1971 mit Benny Andersson zusammenzuarbeiten begann und noch im selben Jahr ihren ersten Nummer-Eins-Hit für sich verbuchen konnte. Nicht das erste Mal, dass sie auf ihre spätere Band-Mates treffen sollte: Ulvaeus hatte sie schon acht Jahre zuvor bei einem Wettbewerb kennengelernt, Fältskog lief ihr bei einer Fernsehauszeichnung ein Jahr nach dem Erfolg von En ledig dag über den Weg. Ab 1972 aber war es vorbei mit den freien Tagen und ABBA machten sich gemeinsam auf den Weg, um den Pop-Zenit zu erklimmen!

5. Sweet – Ballroom Blitz

Während also alle vier Mitglieder von ABBA ihre ganz eigenen Einflüsse in die Band einbrachten, so öffneten sie sich im Laufe ihrer zehnjährigen Schaffenszeit doch immer für aktuelle Entwicklungen. Als die Band im Jahr 1973 eine Einladung für das Melodiefestivalen im Folgejahr erhielt, reichten sie eine Reihe von Songs ein, von denen einer ihrer größten Hits ausgewählt wurde: Waterloo legte den Grundstein für ihren internationalen Megaerfolg und erlaubte es der Band, im Herbst 1974 für ihre erste Europa-Tour aufzubrechen. Dort jedoch traten sie nicht immer vor vollen Häusern auf. Anders in Skandinavien, wo sie Anfang 1975 teilweise 20 000 Menschen anlocken konnten!

Musikalische Inspiration kam damals aber nicht vom europäischen Kontinent, sondern aus Großbritannien. Glam Rock war der Sound der Stunde und hinterließ auch in der Musik von ABBA seine Spuren. „Wenn du dir die Singles anschaust, die wir direkt nach Waterloo veröffentlicht haben, so versuchten wir darauf mehr nach Sweet zu klingen“, gab Ulvaeus selbstkritisch in einem Interview zu Protokoll. „Was natürlich dumm war, weil wir immer eine Pop-Gruppe waren.“ Selbstzweifel hin oder her: Der kleine Spritzer Ballroom Blitz in der Musik der fabelhaften Vier aus Schweden trug immer auch viel zu ihrer Außenwirkung bei. Und das nicht nur musikalisch: Die aufwändigen Kostüme von Agnetha, Björn, Benny und Frida strahlten ebenso wie die markanten Outfits von Sweet in den grellsten Farben. Und obwohl sie den Glam-Sound hinter sich ließen: glamourös blieben ABBA bis zum Schluss!

6. George McCrae – Rock Your Baby

Und was kam nach Glam? Na klar, Disco! Mitte bis Ende der siebziger Jahre steuerte die ursprünglich in der LGBTQ-Community New Yorks ausgebildete Feierkultur ihren Höhepunkt an und schwappte dabei auch nach Europa über. ABBA waren eine der ersten Mainstream-Gruppen aus der alten Welt, die den neuen Dancefloor-Craze in ihre eigene Klangsprache übersetzten. Dancing Queen war eine Hymne auf die Freuden des Tanzens und fiel im Vergleich zu vielen doppeldeutigen Disco-Hits relativ brav aus. Neben dem breitbandigen „Wall Of Sound“-Ansatz des genial-verschrobenen Produzenten Phil Spector nannten Andersson und Ulvaeus unter anderem Dr. John mit seinem Album Dr. John’s Gumbo als Inspiration, während Teile des Stücks an die reichen Harmonien von Delaney & Bonnies Sing My Way Home erinnerten.

Das rhythmische Fundament aber lieferte George McCrae, der zwei Jahre vor der Veröffentlichung von Dancing Queen im Jahr 1974 einen Riesenerfolg mit Rock Your Baby feiern konnte. Andersson und Ulvaeus sollen sich der Legende am ersten Aufnahmetag den Song in Dauerschleife angehört haben, um die Feinheiten seiner Grooves zu studieren – wohlwissend, dass Tanzmusik nicht ihr Spezialgebiet war. Trotzdem gelang es ihnen, mit ihrer Europop-Version des Disco-Feelings den Grundstein für eine europäische Version dieses Sounds zu legen. Und nebenbei noch den Hochzeitstanz schlechthin zu schreiben. Wie so oft brauchte es bei ABBA nur ein offenes Ohr und viel, viel harte Arbeit.

7. The Beach Boys – Do It Again

Von Glam Rock bis Disco, die Einflüsse ABBAs sind mannigfaltig. Im Kern aber handelte es sich bei den vieren jedoch immer um eine Pop-Band. Eine, die ihr Handwerk von den Größten des Genres gelernt hat. Dass die Beach Boys mit ihren meisterhaft eingesetzten Harmonien und fortschrittlichen Studioexperimenten eine echte Vorbildfunktion für die schwedische Truppe inne hielten, zeigte sich allein schon im ABBA-Song On And On And On, der Do It Again von den kalifornischen Sunnyboys zitiert. So eindeutig war die Hommage, dass Beach Boy Mike Love den Song wiederum auf seinem Album Looking Back With Love coverte! Dabei aber blieb es keineswegs: ABBA spielten auch andere Songs von Björn Anderssons erklärter Lieblingsband nach, so zum Beispiel Help Me, Rhonda oder Barabara Ann.

Selbst das Ende der Band bedeutete nicht, dass die Leidenschaft für den Beach Boys-Club abklang: Frida Lyngstad interpretierte Wouldn’t It Be Nice unter dem Titel Skulle de va skönt neu. Eine offenkundige Parallele zwischen den Beach Boys und ABBA liegt darin, wie ihre Musik stets aufgenommen wurde: Als unbekümmert und fröhlich sind beide Bands bekannt. Das aber stimmt nicht ganz! „Die Musik von ABBA ist gar nicht so happy“, sagte Andersson. „Sie klingt vielleicht so, auf ganz merkwürdige Art, aber tief drinnen ist es keine fröhliche Musik. Selbst wenn wir wirklich traurig waren, klangen wir immer triumphierend.“ Ähnliches lässt sich auch über die Beach Boys sagen. Deren Überalbum Pet Sounds nämlich war geprägt von den Selbstzweifeln und dunklen Sehnsüchten ihres Masterminds Brian Wilsons. Wirklich tiefgründige Musik muss eben nicht immer traurig klingen.

8. The Beatles – The Long And Winding Road

Nicht allein die Beach Boys, sondern auch deren zeitweilige Quasi-Konkurrenten von den Beatles setzten neue Maßstäbe für Pop-Musik im Allgemeinen und für ABBA im Speziellen. Björn Ulvaeus gab zu Protokoll, dass es der Erfolg der Fab Four war, welcher ihn und Benny Andersson zur gemeinsamen Arbeit anspornte. Als die Beatles 1963 das erste Mal in Skandinavien Gigs spielten, waren Ulvaeus und Andersson zur selben Zeit mit ihren eigenen Projekten auf Ochsentour. Warum die Beatles die beiden Schweden inspirierten, liegt auf der Hand. Die vier Briten bewiesen, dass selbst eine kleine Skiffle-Band ganz groß rauskommen und unerhörte Musik schreiben kann, die von Millionen geliebt wird.

Was Ulvaeus und Andersson vielleicht schon geschmerzt hat, war die ausbleibende Anerkennung seitens der Kritik. Anders als die Beatles konnten ABBA die elitäre Hörerschaft nie wirklich für sich überzeugen. Immerhin aber zeigten sie sich allemal ähnlich abwechslungsreich im Sound! Auch der kommerzielle Erfolg ließ sich sehen. 2013 konnten ABBA stolz verkünden, mit ihrer Great Hits-Compilation Gold den zweiten Platz der in Großbritannien meistverkauften Alben aller Zeiten eingenommen zu haben. Die Beatles, oder besser gesagt ihr Album Sgt. Pepper’s Lonely Heart Club Band, hatten das Nachsehen und rutschten auf den dritten Platz. „Es fühlt sich unwirklich an, dem besten Album aller Zeiten den Rang abzulaufen“, gab ein perplexer Ulvaeus der Presse gegenüber zu. War aber wahr! Die Long And Winding Road von ABBAs Karriere erreichte hier einen kleinen Höhepunkt. À propos: Wusstet ihr, dass Frida Lyngstad den Beatles-Song desselben Namens gecovert, aber nie veröffentlicht hatte? Überzeugt euch selbst!

9. Genesis – Misunderstanding

Moment! Wenn ABBA den zweiten und die Beatles den dritten Platz auf der Liste der meistverkauften Alben im UK einnehmen – wer steht dann auf Nummer eins? Natürlich Queen, deren Greatest Hits unübertroffen bleibt! Ob das die Schwedentruppe wohl jemals einholen wird? Wir werden es sehen. Tatsächlich aber waren ABBA zumindest musikalisch immer ganz nah an den Rock-Bands ihrer Zeit dran. Ihr Polar Music Studio wurde schließlich nicht ohne Grund von Bands wie Genesis und Led Zeppelin genutzt, die dort Alben wie Duke und In Through The Out Door aufnahmen. Frida Lyngstad kollaborierte 2004 sogar mit dem Deep Purple-(Ex-)Mitglied Jon Lord sowie kurz nach dem Ende ABBAs Phil Collins, der 1982 ihr Soloalbum Something’s Going On produzierte. Dem Titelstück der Platte war die Handschrift des Genesis-Drummers von den sterilen Synthesizer-Sounds hin zum kraftvollen Schlagzeug deutlich anzuhören.

Mit Genesis sollten ABBA im Jahr 2010 erneut aufeinander treffen, zumindest Frida und Benny Andersson. Dann nämlich wurden beide Bands gemeinsam mit den Stooges, The Hollies und Jimmy Cliff in die Rock’n’Roll Hall Of Fame aufgenommen. Dabei hatte Collins in seinen Memoiren kein gutes Haar an den ABBA Jungs gelassen und bezeichnete ihren Manager Stig Andersson sogar frank und frei als „Arschloch“. Auweia! Wie das Wiedersehen hinter den Kulissen wohl ablief? Zumindest mit Frida verstand sich der Brite immerhin bestens. Aber vielleicht konnte er der Band ja verklickern, dass es sich bei allem um ein großes Misunderstanding gehandelt habe…? Wir können nur mutmaßen.

10. Yngwie Malmsteen – Gimme Gimme Gimme

Was wir zumindest wissen: Dass ABBA nicht nur mit Rockern zusammengearbeitet haben, sondern auch von ihnen verehrt werden. Selbst der Vollblut-Hardrocker Yngwie Malmsteen nahm sich für ein Cover einen ihrer Songs zur Brust. Gimme! Gimme! Gimme! (A Man After Midnight) lag wegen seines dramatischen Gitarrenbeginns aber auch auf der Hand, oder? Naja, im Grunde ist es schon überraschend, dass sich Malmsteen einen groovenden Euro-Disco-Song schnappte.

Vielleicht aber haben es dem Schweden vor allem die Flöten- und Streicher-Elemente des Stücks angetan, die er in kreischende Gitarrenlicks und schmetternde Chöre übersetzte? Wie kam es denn nun zu dem ungewöhnlichen Tribut kam? „Ich wurde gebeten, einen schwedischen Heavy Metal-Song zu covern“, gab Malmsteen trocken zu Protokoll. „Und ich wollte aber keinen Heavy Metal-Song nehmen und habe stattdessen ein ABBA-Stück ausgewählt. Ich finde, dass es sehr gut geworden ist.“ Wer würde da schon widersprechen? Wir jedenfalls könnten uns an Metal-ABBA gewöhnen!

10 Songs, die es ohne Abba nicht geben würde

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Popkultur

Ohrfeigen, Improvisation & die Hells Angels: 6 Anekdoten, die nur aus dem Leben von Janis Joplin stammen können

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Janis Joplin

Janis Joplin stach schon von Anfang an heraus: Ihre verklemmte texanische Heimatstadt ließ sie mit 17 hinter sich, um in Los Angeles in Kneipen und Bars aufzutreten. Ihre monströse Reibeisenstimme machte aus jedem simpel gestrickten Blues-Stück einen ikonischen Soundtrack der Flower-Power-Zeit und ihr ungebremst hemmungsloses Leben erzählt legendäre Geschichten – bis zum tragischen, viel zu frühen Ende.

von Timo Diers

Nicht alle dieser Geschichten sind groß oder besonders lang. Aber so verrückt, dass sie nur von ihr stammen können. Sechs solcher typischen Janis-Joplin-Momente haben wir hier für euch aufgeschrieben.

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Hört hier in die Greatest Hits von Janis Joplin rein:

1. Sie schlug Jim Morrison eine Whiskeyflasche über den Kopf.

Joplins Vorliebe für Southern Comfort sollte hinlänglich bekannt sein – davon könnte wahrscheinlich auch Jim Morrison berichten, der die junge Sängerin bei einer Party in Hidden Hills, Kalifornien kennenlernte. Wie für Morrison üblich, betrank er sich und verwandelte sich von einem charmanten jungen Mann in einen ungehobelten Raufbold. Die beiden verstanden sich zunächst gut. Doch irgendwann war Joplin von Morrisons Art so dermaßen genervt, dass sie die Party frühzeitig verlassen wollte. Aber der Doors-Sänger war hartnäckig und wollte sie am Wegfahren hindern – da zog sie ihm kurzerhand eine Whiskeyflasche über den Kopf.

2. Sie sprang bei Tina Turner auf die Bühne und gab ein Impromptu-Duett.

Als Janis Joplin in der Dick Cavett Show nach ihren Lieblingskünstlern gefragt wurde, war die Antwort eindeutig: „Tina Turner – die beste Braut aller Zeiten!“ Und das war noch bevor Tina Turner auch nur in die Nähe des Popstar-Daseins kam. Als Ike & Tina Turner 1969 für die Rolling Stones im Madison Square Garden eröffneten, stand Joplin zunächst am Bühnenrand und beobachtete die Show. Sie war flammender Fan von Tina. Als dann Land Of 1000 Dances angestimmt wurde, sprang sie für ein spontanes Duett auf die Bühne. Leider gibt es von dem Auftritt nur einige wenige Fotos.

3. Sie gab Jerry Lee Lewis eine saftige Ohrfeige.

Das letzte Mal, dass Laura Joplin ihre große Schwester sah, war 1970. Damals kam Janis zurück nach Texas, um bei ihrem 10-jährigen High-School-Jubiläum dabei zu sein. In derselben Nacht nahm sie ihre Schwester mit zu einem Jerry-Lee-Lewis-Konzert. Als sie ihn später Backstage trafen, sagte er zu Laura: „Du würdest gar nicht mal so schlecht aussehen, wenn du nicht versuchen würdest, wie deine Schwester zu sein.“ Janis konterte nicht, sondern scheuerte ihm direkt eine.

4. Sie improvisierte einen ihrer größten Hits.

„Oh Lord won’t you buy me a Mercedes Benz?“ Ihre Stimme ist rau, ganz nah am Mikrofon, kein anderes Instrument begleitet sie. Mercedes Benz geht keine zwei Minuten – ist eigentlich das genaue Gegenteil eines Rock-Hits. Und doch ist es einer ihrer bekanntesten Songs. Co-Writer Bob Neuwirth erinnert sich:

„Früher haben wir auf diesen fetten 16-Zoll-Bandmaschinen aufgenommen. Aber Paul Rothchild, der Produzent, ließ immer eine kleine Zwei-Spur-Bandmaschine mitlaufen, falls jemand eine gute Idee hatte und etwas improvisiert. An einem Tag sind die großen Bandmaschinen kaputtgegangen und wir mussten warten, bis wir mit den Aufnahmen weitermachen konnten. Um die Stimmung etwas zu entspannen, sagte Janis ‚Habt ihr schon meinen neuen Hit gehört?’ und improvisierte einfach Mercedes Benz.“

So wurde einer ihrer größten Songs auf einer kleinen Zwei-Spur-Bandmaschine aufgenommen. An dem Tag bekam Neuwirth einen Einblick in Janis’ einzigartige Persönlichkeit: „Diese pure Kraft und das Charisma machen den Song so besonders – dieses Kichern am Ende. Das ist so Janis!“

5. Sie brachte die Hells Angels dazu, für sie einkaufen zu gehen.

Es klingt nach einer ungewöhnlichen Kombination, aber Janis Joplin war gut mit den Hells Angels befreundet. Sie stand zeitweise sogar unter persönlichem Schutz der Rockergang. Eines Nachts wurden Joplin und ihr Freund David Niehaus von Geräuschen im Wohnzimmer ihres Hauses in Marine County wach. Einbrecher? So ungefähr. Fünf Hells Angels waren grade dabei, Joplins Kühlschrank nach etwas Essbaren zu durchwühlen. Und als der schmächtige Niehaus nicht so recht wusste, wie er den bewaffneten Rockern beibringen sollte, doch bitte wieder zu gehen, nahm Joplin die Sache selbst in die Hand. Sie machte die Fünf so dermaßen zur Schnecke, dass sie ein paar Nächte später wiederkamen – dieses Mal beladen mit Einkäufen, um den Kühlschrank wieder aufzufüllen.

6. Sie schmiss selbst postum noch eine Party für ihre Freunde.

Als Janis Joplin am 4. Oktober 1970 von ihrem Road Manager John Cooke tot aufgefunden wurde, stand die Musikwelt unter Schock. Sie war erst 27 Jahre alt, doch einen letzten Willen hatte sie schon verfasst. Darin war auch vermerkt, dass 2500 Dollar aus ihrem Vermögen für eine Party mit ihren Freunden eingesetzt werden sollen – als „ein letztes Zeichen der Wertschätzung und des Abschieds“. Also organisierte John Cooke eben diese Party als Totenwache im The Lion’s Share, einem Musikclub in San Anselmo, Kalifornien. Auf der Einladung hieß es, die Getränke gingen auf Pearl. So wurde Joplin von ihren Freunden genannt.

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Zeitsprung: Am 4.10.1970 stirbt Hippie-Ikone Janis Joplin.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 19.1.1949 kommt Robert Palmer zur Welt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 19.1.1949.

von Timon Menge und Christof Leim

Robert Palmer gehört zu den unterschätzten Personen der Rockgeschichte. Von 1974 bis 2003 veröffentlicht er (mehr oder weniger) starke Alben, beweist ein besonderes Gespür für Coversongs und gewinnt zahlreiche Preise, unter anderem einen Grammy. Hits wie Bad Case Of Loving You und Addicted To Love kennt jeder. Am 19. Januar hätte der 2003 verstorbene Musiker seinen Geburtstag gefeiert.

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Hört hier in die besten Songs von Robert Palmer rein:

Klickt auf „Listen“ für die vollständigen Stücke.

Kindheit und Jugend

Robert Palmer kommt 19. Januar 1949 in Batley zur Welt. Noch im selben Jahr zieht die Familie nach Scarborough, sein Vater arbeitet als britischer Offizier in Malta. Die Musik entdeckt Palmer bereits in jungen Jahren, er hört unter anderem Blues, Jazz und Soul im American Forces Radio — Einflüsse, die ihn sein Leben lang begleiten. Schnell greift er selbst zur Gitarre, außerdem trommelt er die ersten Takte auf dem Schlagzeug. Mit 15 tritt der junge Musiker The Mandrakes bei, im Alter von 20 Jahren kündigt er seinen Job als Grafikdesigner und zieht mit Sack und Pack nach London, um die dortige Künstlerszene zu erobern.




Die Siebziger

Nach kurzen Mitgliedschaften in den Jazzgruppen The Alan Bown Set und Dada gründet Palmer im Jahr 1971 die Band Vinegar Joe, mit der er drei Alben einspielt. 1974 gehen die Musiker getrennte Wege, Palmer orientiert sich in Richtung Solokarriere. Sein Debüt Sneakin’ Sally Thru The Alley erscheint noch im selben Jahr, doch der Brite trifft nicht den richtigen Nerv: Das Blues-/Funk-Album erregt keine große Aufmerksamkeit und bleibt in den meisten Plattenregalen liegen.



Er beschließt, nach New York zu ziehen, doch sein zweites Soloalbum Pressure Drop (1975) floppt ebenfalls. Mit Album Nummer drei, Some People Can Do What They Like (1976), stellen sich erste kleine Erfolge ein. Erneut siedelt Palmer um, diesmal auf die Bahamas. Keine schlechte Wahl, offensichtlich auch in musikalischer Hinsicht: Nach einem Umweg über die Veröffentlichung der Soul- und Disco-beeinflussten Rockplatte Double Fun (1978) landet er 1979 seinen ersten Hit mit dem Moon Martin-Cover Bad Case Of Loving You. Zu finden ist der Song auf dem Album Secrets (1979), für das Palmer erstmals eine eigene Band zusammenstellt. Die Scheibe markiert seinen Durchbruch in den USA.



Die Achtziger

Das Jahr 1980 verschafft ihm auch den europäischen Durchbruch, zeitgleich entdeckt Palmer die New Wave. Das verstärkt mit Synthesizern arbeitende Clues stürmt die Top Ten in Frankreich und Deutschland; in Schweden reicht es sogar zu Platz eins. Der Song Looking For Clues erklimmt Platz drei der deutschen Charts, die spätere EP-Veröffentlichung seiner Coverversion von Some Guys Have All The Luck funktioniert ebenfalls. Seine nächste Platte Pride (1983) orientiert sich an ähnlichen Einflüssen, lässt qualitativ aber ein wenig nach.



1984 gründet er die Supergroup The Power Station gemeinsam mit John und Andy Taylor von Duran Duran sowie Tony Thompson von Chic. Seine Solokarriere hängt Palmer vorerst an den Nagel, aber schon eine erfolgreiche Veröffentlichung und eine gemeinsame TV-Performance später verlässt er die Band wieder und bringt mit Riptide (1985) sein erfolgreichstes Album auf den Markt, das zudem einen seiner größten Hits enthält. So belegt Addicted To Love drei Wochen lang Platz eins der US-Charts und verschafft ihm sogar eine Grammy-Nominierung. 1988 landet auch Rockröhre Tina Turner einen Treffer mit dem Song.



1987 verschlägt es den Briten nach Lugano (Schweiz), wo er sich ein eigenes Tonstudio aufbaut. Er schreibt die Filmmusik für Sweet Lies (1988), zusätzlich nimmt er die Arbeit an seinem etwas härteren Erfolgsalbum Heavy Nova (1988) auf. Der Hit Simply Irresistible verschafft ihm erneut eine Grammy-Nominierung, diesmal erhält er auch die Auszeichnung.


Die Neunziger

Zu Beginn des neuen Jahrzehnts singt Palmer seinen nächsten Langspieler Don’t Explain (1990) ein, das auch den Song I’ll Be Your Baby Tonight enthält, eine Kollaboration mit der Reggae-Gruppe UB 40. 1992 veröffentlicht er Ridin’ High und lässt eine Menge Jazz in seine Musik einfließen — leider nicht zur Freude seiner Anhänger. Generell gestaltet sich das Verhältnis zwischen Palmer und seinen Fans in den kommenden Jahren schwierig. Er weigert sich, im Rahmen seiner Konzerte ältere Songs zu spielen und stößt seine Anhänger damit vor den Kopf. Seine nächste Veröffentlichung Honey (1994) verkauft sich nicht unterirdisch, kann aber bei weitem nicht an vergangene Erfolge anknüpfen.



1996 reanimiert er die Gruppe The Power Station, mit Living In Fear veröffentlicht die Band ohne großen Erfolg ein Reunionalbum. Gegen Ende des Jahrzehnts wird es ruhig um den britischen Musiker. Sein vorletztes Werk Rhythm & Blues (1998) kommt schlechter an als beinahe alle seine Veröffentlichungen der vergangenen Jahrzehnte.



Sein letztes Album

Am 12. Mai 2003 erscheint mit Drive der letzte Eintrag in der Diskografie von Robert Palmer. Statt eigenes Material zu schreiben, covert er Songs von J. B. Lenoir, Keb’ Mo’, ZZ Top und Elvis Presley. Die Platte verschafft ihm gute Rezensionen und ein wenig Aufwind, verkauft sich allerdings erneut eher schlecht als recht. Am 26. September desselben Jahres stirbt Palmer in Paris überraschend an einem Herzinfarkt. Er wurde nur 54 Jahre alt. Von 1970 bis 1993 war er mit seiner Frau Sue verheiratet, das Paar hat zwei Kinder.


Zeitsprung: Am 24.10.2013 gibt Tina Turner ihren US-Pass ab.

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Zeitsprung: Am 18.1.1974 gehen falsche Fleetwood Mac auf Tour – ganz offiziell.

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"Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 18.1.1974.

von Christof Leim

Im Januar 1974 spielen Fleetwood Mac Konzerte in den USA. Das wäre eigentlich ein Grund zur Freude für Classic Rock-Fans, doch leider steht da niemand auf der Bühne, der auf den aktuellen Platten oder den letzten Touren gespielt hat. Anders formuliert: Nur der Name Fleetwood Mac geht auf Tour, die Band blöderweise nicht. Das finden Besucher und Veranstalter natürlich befremdlich, zumal sie das oft erst am Showtag erfahren. Was ist da passiert und wer steckt hinter den „Fakewood Mac“?

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Hört hier in die damals aktuelle Platte Mystery To Me rein:

Klickt auf „Listen“ für das volle Programm.

Wer sich Anfang 1974 ein Konzertticket für Fleetwood Mac kauft, der erwartet auf der Bühne die Musiker der gerade neuen Platte Mystery To Me: Schlagzeuger Mick Fleetwood und Bassist John McVie zum Beispiel, dazu Sängerin Christine McVie und die Gitarristen Bob Welch und Bob Weston. Doch schon bei der ersten Show der Tour am 18. Januar 1974 ist keine einzige Person dieses Line-ups anwesend. Niemand. Stattdessen spielen fünf Unbekannte Fleetwood Mac-Songs.

Da muss also etwas vorgefallen sein. In einem Artikel des Rolling Stone von damals erzählt der Manager Clifford Davis: „Ich habe mich entschieden, etwas an der Band zu ändern, insbesondere auf der Bühne. Und das habe ich getan. Ich war immer schon der Anführer, der entscheidet, wer mitspielt und wer nicht.“ Eine krasse Ansage, aber Davis geht noch weiter: „Ich möchte endlich den Eindruck zerstreuen, dass dies Mick Fleetwoods Band ist. Diese Band war immer schon meine Band.“

Die echte Band Ende 1973: Welch, Fleetwood, McVie, McVie (v.l.) – Pic: Promo

Doch wie kommt der Mann dazu? In jenen Jahren verlieren Fleetwood Mac ständig ihre Gitarristen: Danny Kirwan fliegt 1972 raus, was den Abbruch einer Tour bedeutet. Im Herbst 1973 wird dann Bob Weston gefeuert, weil Drummer Mick kann es nicht länger mit ansehen, dass sein Kollege ein Verhältnis mit seiner Frau Jenny hat und damit auch in der Öffentlichkeit nicht hinter dem Berg hält. Autsch. Damit endet auch die erste Tour zu Mystery To Me vorzeitig. Dem Manager passt das gar nicht, angeblich nennt er das „unprofessionell“. Als die Musiker dann sogar eine Pause einlegen wollen, in der Mick sich um seine unvermeidliche Scheidung kümmern muss, stellt er kurzerhand eine Ersatztruppe zusammen und schickt sie in den USA auf die Straße.

Das Ersatzaufgebot besteht aus Musikern der Band Legs, die eine Single unter der Ägide des Managers veröffentlicht hatte: Sänger Elmer Gantry, Gitarrist Kirby Gregory, Bassist Paul Martinez und  Pianist John Wilkinson. „Ich habe mich aber entschieden, Mick zu behalten“, erklärt Davis im Rolling Stone. Allerdings habe der kurzfristig wegen privater Probleme wieder zurück nach England fliegen müssen. Also setzt sich Craig Collinge hinter das Schlagzeug.

Der erste Auftritt findet statt in Pittsburgh am 18. Januar 1974. Wenig überraschend gibt es dort umgehend Streit mit dem Veranstalter, und auch die Fans sind nicht erbaut. Deshalb muss Davis von nun an jeden Abend auf der Bühne verkünden, dass ganz neue Musiker spielen werden und Mick Fleetwood selbst, so ein Ärger, es leider nicht geschafft habe. Gut kommt das nicht an, doch es wird noch schlimmer: Eine Woche später rollt der Tross nach New York, wo 30 Minuten vor der Show feststeht, dass Elmer Gantry nicht singen können wird. „Das ist mir noch nie passiert“, röchelt er gegenüber dem Rolling Stone. Dummerweise hat sich ausgerechnet für diesen Abend die versammelte Musikpresse angekündigt. Noch doofer allerdings: Niemand sagt den Veranstaltern rechtzeitig Bescheid. Die hätten mit ein wenig mehr Vorlauf die Sause noch absagen können, jetzt aber stehen nach den Vorgruppen Kiss und Silverhead 3.400 Fans in der Halle und warten. Also fällt die Entscheidung, die „Band“ ohne Frontmann auf die Bühne zu schicken. Nach einer halben Stunde Boogie-Jam machen 800 Fans von dem Angebot Gebrauch, ihr Geld zurückzubekommen…

Das kann alles nicht lange gut gehen. Es gibt sogar die Geschichte, dass der langjährige Tourmanager John Courage irgendwann das Equipment versteckt und so dafür sorgt, dass die Konzertreise unter falscher Flagge gestört und abgebrochen wird. Kein Wunder also, dass der Spuk der„Fakewood Mac“ ziemlich schnell wieder vorbei ist und Clifford Davis mit Anlauf gefeuert wird. Ein unvermeidbares gerichtliches Nachspiel klärt zwar die Namensrechte eindeutig zu Gunsten der echten Fleetwood Mac, doch es bremst die Band mehrere Monate aus.

Die Musiker der Zweitbesetzung kehren zurück nach England und gründen die Band Stretch, die im November 1975 einen Hit landet mit dem Song Why Did You Do It?. Dessen Text kann mal an als klassisches Beziehungsdrama lesen, aber die meisten Kommentatoren sehen hier eine direkte Attacke auf Mick Fleetwood – weil der sich schließlich von der unglücklichen Tour zurückgezogen habe (was der weiterhin dementiert). Fleetwood Mac verstärken sich indes mit dem Gitarristen Lindsey Buckingham und der Sängerin Stevie Nicks und gehen in den Folgejahren durch die Decke. Der Rest ist Geschichte…



Titelfoto: Michael Putland/Getty Images

Zeitsprung: Am 11.7.1975 starten Fleetwood Mac ihrem gleichnamigen Album durch.

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