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Popkultur

Die musikalische DNA von ABBA

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People Need Love lautete das erste offizielle Lebenszeichen eines Quartetts, das der Welt für das darauffolgende Jahrzehnte eine ganze Menge Liebe bieten sollte. Agnetha Fältskog, Björn Ulvaeus, Benny Andersson und Anni-Frid Lyngstad waren – oder besser: sind – ABBA. Die Vier aus Schweden sind nicht nur eine der kommerziell erfolgreichsten Bands aller Zeiten, sie haben sich auch für immer tief in unserem kulturellen Bewusstsein eingenistet. Ob Money, Money, Money oder Mamma Mia, ob The Winner Takes It All oder natürlich Waterloo und Dancing Queen – ABBA geht immer!

 Hört euch hier die musikalische DNA von ABBA an:

ABBA mussten während ihrer Karriere einige Widrigkeiten durchleben. Große Tourneen beispielsweise waren schlecht umzusetzen, weil sie sich nicht mit Flugangst oder Elternschaft vereinbaren ließen. Doch die Vier machten aus der Not kurzerhand eine Tugend und sorgten mit ihrem verbissenen Perfektionismus dafür, dass die Pop-Welt revolutioniert wurde. Das Musikvideo als Format? Maßgeblich mitgeprägt von ABBA. Live-Streams von Konzerten? ABBA waren eine der ersten Bands, die dieses Konzept im Fernsehen durchsetzten. Aufwändige Bühnenkostüme? Von ABBA perfektioniert – und zwar aus steuerlichen Abschreibegründen! Im Studio sah es selbstverständlich ähnlich aus. Jeder Ton musste sitzen! Zum Leidwesen ihrer Crew… Aber das ist eine andere Geschichte.


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Der Sound von ABBA änderte sich mit der Zeit. Manche mögen es auf das Ende der Ehen zwischen Fältskog und Ulveaus und Lygstad und Andersson schieben, dass einige Songs in späteren Jahren düsterer klangen. Aber das ist eine sehr einseitige Deutung. Vor allem nämlich ging es dem Quartett stets darum, den perfekten Song zu schreiben. Dazu ließen sie sich von Pop, Rock, Soul und Disco in allen Formen und Facetten inspirieren. Wer könnte da die Übersicht bewahren? Wir wollen es zumindest versuchen und werfen einen Blick auf die musikalische DNA von Agnetha, Björn, Benny und Anni-Frid alias Frida – kurz: ABBA!

1. Bill Haley – Razzle Dazzle

Natürlich kamen ABBA keineswegs aus dem Nichts. Sowohl die Hauptsongwriter Andersson und Ulvaeus wie auch die stimmgewaltigen Fältskog und Lyngstad waren überaus erfolgreich, bevor sie sich zusammenschlossen. Eines von Anderssons frühen Projekten war die Band Quartet Yep, welche sich nach kurzer Zeit in Hep Stars umtaufte. Eine Anspielung auf den Bill Haley Song Razzle Dazzle, in dem es heißt: „Now, here’s a dance everyone can do / It’s the hipsters’ dance / And the square cats’ too / Won’t you take a chance / This is all you do”. Aus „hipsters“ wurde „Hep Stars“.

So einfach und sorglos die Realität des Bandalltags aber beschreibt, so knochig war er für die Hep Stars: Bis zu vier Stunden dauerten ihre Gigsim Durchschnitt! Es lohnte sich aber und die Hep Stars wurden schnell als die „schwedischen Beatles“ bekannt, selbst eine Art Apple gründeten sie mit dem sogenannten Hep House. Die Ambitionen der jungen Rock’n’Roll-Fans sollten sich schnell auszahlen. Schon ein Jahr, nachdem Andersson der Band im Alter von 18 Jahren beigetreten war, feierten sie 1965 ihren ersten Charterfolg mit No Response – es sollten noch einige weitere folgen. 1969 verließ Andersson die Band aber, denn seine Arbeit mit Ulvaeus und Lyngstad schien ihm aussichtsreicher. Der Mann scheint einen guten Instinkt zu haben!

2. The Eagles – Take It Easy

Auch Björn Ulvaeus startete schon im jungen Alter seine Karriere. Er war ebenfalls erst frische 18 Jahre, als er den Hootenanny Singers beitrat, einer Skiffle-Gruppe mit einem gehörigen Folk-Einschlag. Er trug englische Texte bei und konnte sogar einen bescheidenen Erfolg als Solokünstler für sich verzeichnen. Vor allem aber brachten ihn die Tourneen der Band mit den Hep Stars zusammen und er fand einen Komplizen in Andersson. 1966 schrieben sie ihren ersten gemeinsamen Song zusammen, der unter dem Titel Isn’t It Easy To Say von den Hep Stars eingespielt wurde. Die beiden ergänzten sich deshalb so gut, weil sie eine ähnliche Leidenschaft für Rock’n’Roll mitbrachten und dennoch auf verschiedene Stile zurückgreifen konnten.

Für Ulvaeus waren es vor allem Genres wie Dixieland, aber auch Folk und Bluegrass, die ihn begeisterten. „Letztlich hat alles, was ich an Musik jemals mochte, seine Wurzeln und Ursprünge in den USA“, sagte er in einem Interview. Kein Wunder, dass er später die 1971 gegründeten Eagles als seine definitive Lieblingsband bezeichnen sollte! Denn der Eagles-Sound nahm alle diese Elemente mit auf. Der ABBA -Song Eagle aber ist nicht unbedingt als Hommage an die Band zu verstehen, auch wenn Ulvaeus ihm diesen Titel verliehen hat – in Anlehnung an das Buch Die Möwe Jonathan. „Ich wollte das Gefühl von Freiheit und Euphorie einfangen, das ich beim Lesen dieses Buches empfunden habe“, sagte er. Oder mit den Eagles gesprochen: Take It Easy!

3. Aretha Franklin – (You Make Me Feel Like) A Natural Woman

Zwei überaus talentierte Songwriter, die auch noch singen können. Reicht doch für eine erfolgreiche Band, oder? Klar. Nicht aber für eine, die so erfolgreich werden sollte wie ABBA. Agnetha Fältskog war ein paar Jahre jünger als die beiden Männer, mit denen sie die Welt erobern sollte, hatte aber schon viel früher ihren ersten Erfolg. Mit gerade 18 Jahren landete sie ihre erste Nummer Eins in den schwedischen Charts mit einem selbstkomponierten Stück. Vom Stil her erinnerte die Musik anfangs an deutschen Schlager und Fältskog nannte unter anderem die teilweise auf Deutsch singende US-Amerikanerin Connie Francis als frühe Inspiration.

Was Fältskog indes hauptsächlich zu ABBA mitbrachte, war eine Leidenschaft für Soul. Neben der Country-Ikone Marianne Faithful nannte sie so vor allem Aretha Franklin, laut Faithful „die Stimme Gottes“, als einen ihrer wichtigsten Einflüsse. Der Gospel-infizierte Sound von Aretha Franklin, die mit Hits wie Respect, Say A Little Prayer oder (You Make Me Feel Like) A Natural Woman unsterblich wurde, färbte sich eindeutig auf den hymnischen Gesangsstil von Fältskog ab, die zwischen 1968 und 1975 mit fünf Solo-LPs ihre eigenen Songwriterqualitäten bewies und dabei Ulvaeus, Andersson und Lyngstad in abwechselnden Kombinationen im Studio begrüßte. Auch sie hätte die anderen ᗅᗺᗷᗅ-Mitglieder vielleicht nicht unbedingt gebraucht. Umso glücklicher können wir uns schätzen, dass sie doch zusammenfanden.

4. Gian Costello – A Weekend In Portofino

Fältskog feierte mit 18 Jahren ihren Durchbruch, die beiden Bs der Band starteten in diesem Alter ebenfalls ihre Karrieren. Nur Anni-Frid Lyngstad, bekannt als Frida, fing noch früher an: Gerade erst 13 Jahre alt war sie, als sie auf den Bühnen dieser Welt debütierte und sich vor allem im Jazz- und Cabaret-Bereich einen Namen machte, bevor sie kurz darauf die Band Anni-Frid Four gründete. Richtig bekannt wurde sie 1967 mit dem Stück En ledig dag (zu Deutsch etwa: „ein freier Tag“), das auf einem Bossa Nova-Stück des Komponisten und Mundharmonikaspielers Bruno de Filippi basierte, welches von Gian Costello eingesungen wurde.

Wie Fältskog widmete sich Lyngstad am Anfang ihrer Karriere zuerst einem deutlich von Schlagern beeinflussten Stil, bevor sie 1971 mit Benny Andersson zusammenzuarbeiten begann und noch im selben Jahr ihren ersten Nummer-Eins-Hit für sich verbuchen konnte. Nicht das erste Mal, dass sie auf ihre spätere Band-Mates treffen sollte: Ulvaeus hatte sie schon acht Jahre zuvor bei einem Wettbewerb kennengelernt, Fältskog lief ihr bei einer Fernsehauszeichnung ein Jahr nach dem Erfolg von En ledig dag über den Weg. Ab 1972 aber war es vorbei mit den freien Tagen und ABBA machten sich gemeinsam auf den Weg, um den Pop-Zenit zu erklimmen!

5. Sweet – Ballroom Blitz

Während also alle vier Mitglieder von ABBA ihre ganz eigenen Einflüsse in die Band einbrachten, so öffneten sie sich im Laufe ihrer zehnjährigen Schaffenszeit doch immer für aktuelle Entwicklungen. Als die Band im Jahr 1973 eine Einladung für das Melodiefestivalen im Folgejahr erhielt, reichten sie eine Reihe von Songs ein, von denen einer ihrer größten Hits ausgewählt wurde: Waterloo legte den Grundstein für ihren internationalen Megaerfolg und erlaubte es der Band, im Herbst 1974 für ihre erste Europa-Tour aufzubrechen. Dort jedoch traten sie nicht immer vor vollen Häusern auf. Anders in Skandinavien, wo sie Anfang 1975 teilweise 20 000 Menschen anlocken konnten!

Musikalische Inspiration kam damals aber nicht vom europäischen Kontinent, sondern aus Großbritannien. Glam Rock war der Sound der Stunde und hinterließ auch in der Musik von ABBA seine Spuren. „Wenn du dir die Singles anschaust, die wir direkt nach Waterloo veröffentlicht haben, so versuchten wir darauf mehr nach Sweet zu klingen“, gab Ulvaeus selbstkritisch in einem Interview zu Protokoll. „Was natürlich dumm war, weil wir immer eine Pop-Gruppe waren.“ Selbstzweifel hin oder her: Der kleine Spritzer Ballroom Blitz in der Musik der fabelhaften Vier aus Schweden trug immer auch viel zu ihrer Außenwirkung bei. Und das nicht nur musikalisch: Die aufwändigen Kostüme von Agnetha, Björn, Benny und Frida strahlten ebenso wie die markanten Outfits von Sweet in den grellsten Farben. Und obwohl sie den Glam-Sound hinter sich ließen: glamourös blieben ABBA bis zum Schluss!

6. George McCrae – Rock Your Baby

Und was kam nach Glam? Na klar, Disco! Mitte bis Ende der siebziger Jahre steuerte die ursprünglich in der LGBTQ-Community New Yorks ausgebildete Feierkultur ihren Höhepunkt an und schwappte dabei auch nach Europa über. ABBA waren eine der ersten Mainstream-Gruppen aus der alten Welt, die den neuen Dancefloor-Craze in ihre eigene Klangsprache übersetzten. Dancing Queen war eine Hymne auf die Freuden des Tanzens und fiel im Vergleich zu vielen doppeldeutigen Disco-Hits relativ brav aus. Neben dem breitbandigen „Wall Of Sound“-Ansatz des genial-verschrobenen Produzenten Phil Spector nannten Andersson und Ulvaeus unter anderem Dr. John mit seinem Album Dr. John’s Gumbo als Inspiration, während Teile des Stücks an die reichen Harmonien von Delaney & Bonnies Sing My Way Home erinnerten.

Das rhythmische Fundament aber lieferte George McCrae, der zwei Jahre vor der Veröffentlichung von Dancing Queen im Jahr 1974 einen Riesenerfolg mit Rock Your Baby feiern konnte. Andersson und Ulvaeus sollen sich der Legende am ersten Aufnahmetag den Song in Dauerschleife angehört haben, um die Feinheiten seiner Grooves zu studieren – wohlwissend, dass Tanzmusik nicht ihr Spezialgebiet war. Trotzdem gelang es ihnen, mit ihrer Europop-Version des Disco-Feelings den Grundstein für eine europäische Version dieses Sounds zu legen. Und nebenbei noch den Hochzeitstanz schlechthin zu schreiben. Wie so oft brauchte es bei ABBA nur ein offenes Ohr und viel, viel harte Arbeit.

7. The Beach Boys – Do It Again

Von Glam Rock bis Disco, die Einflüsse ABBAs sind mannigfaltig. Im Kern aber handelte es sich bei den vieren jedoch immer um eine Pop-Band. Eine, die ihr Handwerk von den Größten des Genres gelernt hat. Dass die Beach Boys mit ihren meisterhaft eingesetzten Harmonien und fortschrittlichen Studioexperimenten eine echte Vorbildfunktion für die schwedische Truppe inne hielten, zeigte sich allein schon im ABBA-Song On And On And On, der Do It Again von den kalifornischen Sunnyboys zitiert. So eindeutig war die Hommage, dass Beach Boy Mike Love den Song wiederum auf seinem Album Looking Back With Love coverte! Dabei aber blieb es keineswegs: ABBA spielten auch andere Songs von Björn Anderssons erklärter Lieblingsband nach, so zum Beispiel Help Me, Rhonda oder Barabara Ann.

Selbst das Ende der Band bedeutete nicht, dass die Leidenschaft für den Beach Boys-Club abklang: Frida Lyngstad interpretierte Wouldn’t It Be Nice unter dem Titel Skulle de va skönt neu. Eine offenkundige Parallele zwischen den Beach Boys und ABBA liegt darin, wie ihre Musik stets aufgenommen wurde: Als unbekümmert und fröhlich sind beide Bands bekannt. Das aber stimmt nicht ganz! „Die Musik von ABBA ist gar nicht so happy“, sagte Andersson. „Sie klingt vielleicht so, auf ganz merkwürdige Art, aber tief drinnen ist es keine fröhliche Musik. Selbst wenn wir wirklich traurig waren, klangen wir immer triumphierend.“ Ähnliches lässt sich auch über die Beach Boys sagen. Deren Überalbum Pet Sounds nämlich war geprägt von den Selbstzweifeln und dunklen Sehnsüchten ihres Masterminds Brian Wilsons. Wirklich tiefgründige Musik muss eben nicht immer traurig klingen.

8. The Beatles – The Long And Winding Road

Nicht allein die Beach Boys, sondern auch deren zeitweilige Quasi-Konkurrenten von den Beatles setzten neue Maßstäbe für Pop-Musik im Allgemeinen und für ABBA im Speziellen. Björn Ulvaeus gab zu Protokoll, dass es der Erfolg der Fab Four war, welcher ihn und Benny Andersson zur gemeinsamen Arbeit anspornte. Als die Beatles 1963 das erste Mal in Skandinavien Gigs spielten, waren Ulvaeus und Andersson zur selben Zeit mit ihren eigenen Projekten auf Ochsentour. Warum die Beatles die beiden Schweden inspirierten, liegt auf der Hand. Die vier Briten bewiesen, dass selbst eine kleine Skiffle-Band ganz groß rauskommen und unerhörte Musik schreiben kann, die von Millionen geliebt wird.

Was Ulvaeus und Andersson vielleicht schon geschmerzt hat, war die ausbleibende Anerkennung seitens der Kritik. Anders als die Beatles konnten ABBA die elitäre Hörerschaft nie wirklich für sich überzeugen. Immerhin aber zeigten sie sich allemal ähnlich abwechslungsreich im Sound! Auch der kommerzielle Erfolg ließ sich sehen. 2013 konnten ABBA stolz verkünden, mit ihrer Great Hits-Compilation Gold den zweiten Platz der in Großbritannien meistverkauften Alben aller Zeiten eingenommen zu haben. Die Beatles, oder besser gesagt ihr Album Sgt. Pepper’s Lonely Heart Club Band, hatten das Nachsehen und rutschten auf den dritten Platz. „Es fühlt sich unwirklich an, dem besten Album aller Zeiten den Rang abzulaufen“, gab ein perplexer Ulvaeus der Presse gegenüber zu. War aber wahr! Die Long And Winding Road von ABBAs Karriere erreichte hier einen kleinen Höhepunkt. À propos: Wusstet ihr, dass Frida Lyngstad den Beatles-Song desselben Namens gecovert, aber nie veröffentlicht hatte? Überzeugt euch selbst!

9. Genesis – Misunderstanding

Moment! Wenn ABBA den zweiten und die Beatles den dritten Platz auf der Liste der meistverkauften Alben im UK einnehmen – wer steht dann auf Nummer eins? Natürlich Queen, deren Greatest Hits unübertroffen bleibt! Ob das die Schwedentruppe wohl jemals einholen wird? Wir werden es sehen. Tatsächlich aber waren ABBA zumindest musikalisch immer ganz nah an den Rock-Bands ihrer Zeit dran. Ihr Polar Music Studio wurde schließlich nicht ohne Grund von Bands wie Genesis und Led Zeppelin genutzt, die dort Alben wie Duke und In Through The Out Door aufnahmen. Frida Lyngstad kollaborierte 2004 sogar mit dem Deep Purple-(Ex-)Mitglied Jon Lord sowie kurz nach dem Ende ABBAs Phil Collins, der 1982 ihr Soloalbum Something’s Going On produzierte. Dem Titelstück der Platte war die Handschrift des Genesis-Drummers von den sterilen Synthesizer-Sounds hin zum kraftvollen Schlagzeug deutlich anzuhören.

Mit Genesis sollten ABBA im Jahr 2010 erneut aufeinander treffen, zumindest Frida und Benny Andersson. Dann nämlich wurden beide Bands gemeinsam mit den Stooges, The Hollies und Jimmy Cliff in die Rock’n’Roll Hall Of Fame aufgenommen. Dabei hatte Collins in seinen Memoiren kein gutes Haar an den ABBA Jungs gelassen und bezeichnete ihren Manager Stig Andersson sogar frank und frei als „Arschloch“. Auweia! Wie das Wiedersehen hinter den Kulissen wohl ablief? Zumindest mit Frida verstand sich der Brite immerhin bestens. Aber vielleicht konnte er der Band ja verklickern, dass es sich bei allem um ein großes Misunderstanding gehandelt habe…? Wir können nur mutmaßen.

10. Yngwie Malmsteen – Gimme Gimme Gimme

Was wir zumindest wissen: Dass ABBA nicht nur mit Rockern zusammengearbeitet haben, sondern auch von ihnen verehrt werden. Selbst der Vollblut-Hardrocker Yngwie Malmsteen nahm sich für ein Cover einen ihrer Songs zur Brust. Gimme! Gimme! Gimme! (A Man After Midnight) lag wegen seines dramatischen Gitarrenbeginns aber auch auf der Hand, oder? Naja, im Grunde ist es schon überraschend, dass sich Malmsteen einen groovenden Euro-Disco-Song schnappte.

Vielleicht aber haben es dem Schweden vor allem die Flöten- und Streicher-Elemente des Stücks angetan, die er in kreischende Gitarrenlicks und schmetternde Chöre übersetzte? Wie kam es denn nun zu dem ungewöhnlichen Tribut kam? „Ich wurde gebeten, einen schwedischen Heavy Metal-Song zu covern“, gab Malmsteen trocken zu Protokoll. „Und ich wollte aber keinen Heavy Metal-Song nehmen und habe stattdessen ein ABBA-Stück ausgewählt. Ich finde, dass es sehr gut geworden ist.“ Wer würde da schon widersprechen? Wir jedenfalls könnten uns an Metal-ABBA gewöhnen!

10 Songs, die es ohne Abba nicht geben würde

Popkultur

Zum Geburtstag der Metal-Diva: Tarja Turunen wird 45!

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Tarja Turunen
Foto: Giuseppe Maffia/NurPhoto via Getty Images

Mit Nightwish hat sie den Metal-Olymp erklommen, seit 2005 verfolgt sie eine überaus erfolgreiche Solokarriere: Tarja Turunen zählt ohne Weiteres zu den erfolgreichsten Sängerinnen der Rockmusik. Doch wie hat eigentlich alles angefangen und was macht die finnische Grand Dame des Metal heute?

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch In The Raw von Tarja anhören:

Ob wohlklingend oder nicht: Der erste Schrei von Tarja Turunen ertönt am 17. August 1977 in einem kleinen finnischen Dorf namens Puhos nahe der russischen Grenze. Sie wächst mit einem jüngeren und einem älteren Bruder auf; ihre Eltern arbeiten in der Stadtverwaltung und als Zimmermann. Schon im Alter von drei Jahren fällt Tarja als herausragende Sängerin auf, als sie bei einer Kirchenveranstaltung eine finnische Version des Stücks Vom Himmel hoch da komm’ ich her von Martin Luther zum Besten gibt. Anschließend tritt sie in den Kirchenchor ein, mit sechs nimmt sie die ersten Klavierstunden. Noch weiß das Wunderkind nicht, dass ihm eine große Karriere bevorsteht.

Auch in der Schule bemerkt man Tarjas musikalisches Können. „Man musste ihr nur eine Note geben und sie hat sofort alles verstanden“, erzählt ihr früherer Musiklehrer Plamen Dimov in einem Interview für die offizielle Nightwish-Biografie. „Mit anderen musste ich drei-, vier-, fünfmal proben.“ Tarjas Talent bringt allerdings auch Probleme mit sich. Weil einige Mitschülerinnen neidisch auf ihre Singstimme sind, mobben sie die junge Musikerin. Lehrer Dimov reagiert darauf und verlagert die musikalischen Aktivitäten von der Schule in die Freizeit. Ihren ersten großen Auftritt hat Tarja mit 15, als sie im Rahmen eines Kirchenkonzerts als Solistin vor rund Tausend Menschen auftritt. Doch noch immer steht die Sängerin bloß am Anfang dessen, was noch kommen soll.

Tarja Turunen: Mit Nightwish an die Spitze des Metal-Olymp

Mitten im finnischen Winter 1996 meldet sich Tarjas alter Schulkamerad Tuomas Holopainen bei der damals 19-jährigen Musikerin. Er habe ein neues akustisches Musikprojekt gegründet. Ob Tarja nicht als Sängerin einsteigen wolle. Sie schlägt ein, doch dann kommt alles anders. Gleich bei den ersten Proben merken alle Beteiligten, dass Tarjas Stimme seit der Schulzeit reichlich an Kraft gewonnen hat und gar nicht mehr zu ruhigen Akustik-Songs passt. Gitarrist Emppu Vuorinen steigt auf eine E-Gitarre um, Holopainen beschließt, dass die Band viel massiver klingen muss, um Tarjas Stimme gerecht zu werden. Das Grundgerüst steht. Nur ein Name für das Projekt fehlt noch. Kurze Zeit später ist klar: Die neue Band heißt Nightwish.

„Mehr Bombast, mehr Drama“ lautet das Motto der neu gegründeten Gruppe. Holopainen kann einen Plattenvertrag für Nightwish an Land ziehen und ab da geht es für die Newcomer nur noch in eine Richtung: nach oben. Schon das Debüt Angels Fall First (1997) schlägt ein, sehr zur Überraschung der Plattenfirma. Ab da wird es richtig ernst. Nightwish gehen auf Tour, Tarja bricht ihr Studium ab. Mit den folgenden Alben Oceanborn (1998), Wishmaster (2000) und Century Child (2002) klettern Nightwish immer weiter an die Spitze, 2004 gelingt den Finnen mit Once zum ersten Mal der Sprung auf Platz eins der deutschen Albumcharts. Gleich danach kommt es zum Bruch — und die Finnen setzen ihre Sängerin vor die Tür.

„Es ist an der Zeit, sich zu entscheiden, ob die Geschichte von Nightwish hier endet, oder ob sie weitergehen wird“, schreibt die Band in einem offenen Brief an Tarja. Man wolle die Band fortführen. „Genauso sicher ist aber, dass wir mit dir und Marcelo [Tarjas Ehemann — Anm. d. Aut.] nicht mehr weitermachen können.“ Ihren Rauswurf trägt Tarja mit der maximal möglichen Fassung, doch an einer Sache stört sie sich: „Ich kann die Art und Weise, wie meine Band mir das Ganze mitgeteilt hat, immer noch nicht nachvollziehen“, erklärt sie nach dem offenen Brief von Nightwish. „Es hätte so viele Möglichkeiten gegeben, mir das auf anderem Wege zu sagen.“ Nach einer schweren Phase der Trauer rappelt sich die Sängerin wieder auf — und macht solo weiter.

„Heute ist alles anders.“

Nach wie vor zählt Tarja Turunen zu den berühmtesten und versiertesten Sänger*innen des Metal. Mit ihrer dreieinhalb Oktaven starken Stimme zieht sie weiterhin Fans auf der ganzen Welt in ihren Bann und hat seit 2006 stolze acht Soloalben veröffentlicht. „Heute ist alles anders“, verrät sie 2016 in einem Interview mit dem britischen Metal Hammer. „Ich habe eine Karriere, ich habe mein Publikum und mein Leben als Künstlerin. Ich bin frei. Es ist unglaublich, wenn man sich die Dinge selbst aussuchen kann, entscheiden kann, wie man was macht, und mit wem man zusammenarbeitet. Das möchte ich nicht mehr missen.“ Die aktuelle Nightwish-Sängerin Floor Jansen bezeichnet Tarja im selben Interview als „längjährige Freundin“ und ergänzt: „Wir haben vor ein paar Tagen noch gemailt.“

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Zeitsprung: Am 1.11.1997 debütieren Nightwish mit „Angels Fall First“.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 17.8.1959 erscheint „Kind Of Blue“ von Miles Davis.

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Michael Ochs Archives/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 17.8.1959.


von Timon Menge und Christof Leim

Kind Of Blue gehört zu den schlichtesten Aufnahmen der Musikgeschichte, aber auch zu den wichtigsten und schönsten. Am 2. März und am 22. April 1959 spielen Miles Davis und seine sechs Mitmusiker die Platte ein, am 17. August 1959 erscheint sie. Werfen wir zum Geburtstag einen Blick auf das Jahrhundertwerk des Jazz.

Hier könnt ihr euch Kind Of Blue anhören:

Ende des Jahres 1958 gehören Miles Davis und seine Bandmitglieder zu den gefragtesten Jazzmusikern New Yorks. Die Gruppe spielt einerseits Klassiker des Bebop, andererseits ein Repertoire von Popsongs. Wie im Jazz üblich, reichern die Künstler ihre Nummern mit Improvisationen an, die zu den Akkordfolgen der Stücke passen. Wie viele andere Musiker stört sich allerdings auch Davis zunehmend an den engen Grenzen der Richtung — und schlägt einen anderen Weg ein.

Diese fünf Musiker wurden erst etwas später berühmt

Die Aufnahmen zu Kind Of Blue finden an zwei Tagen in den 30th Street Studios in New York City statt. Am 2. März 1959 spielen Davis und seine Band, zu der auch Jazzlegende John Coltrane gehört, die Songs So What, Freddie Freeloader und Blue In Green ein. All Blues und Flamenco Sketches folgen am 22. April. Entgegen der landläufigen Meinung, das Album sei während nur eines einzigen Versuchs entstanden, befindet sich wahrheitsgemäß kein einziger sogenannter „First Take“ auf der Platte.

Vor den Sessions haben Davis’ Mitmusiker beinahe keine Gelegenheit zum Üben. Sie wissen noch nicht einmal so genau, was sie überhaupt einspielen sollen. In den Liner Notes kann man nachlesen, dass der Bandleader im Vorfeld gerade einmal grobe Skizzen mit einigen Tonleitern und Melodieabläufen verteilt. Als sich die Instrumentalisten im Studio einfinden, gibt Davis ihnen eine kurze Einweisung zu den einzelnen Songs, und die Aufnahme eines der wohl wichtigsten Jazzalben aller Zeiten beginnt. 

An dieser Stelle in das weite Feld der Kirchentonarten, Halbtonschritte und Modi einzusteigen, würde den Rahmen sprengen. Halten wir daher Folgendes fest: Mit Kind Of Blue entfernen sich Davis und seine Mitmusiker von den seinerzeit üblichen Dur-/Moll-Tonleitern und greifen auf eine wesentlich umfangreichere Trickkiste zurück. Dadurch schaffen sie nicht nur deutlich mehr Abwechslung, was die grundlegenden Songstrukturen betrifft, sondern vor allem jede Menge Raum für vielfältige Improvisation.

Bis heute behält Kind Of Blue seinen Legendenstatus. Ob im Jazz, in der Klassik oder im Pop: Die meisten Experten teilen die Meinung, dass Miles Davis mit seinem größten Erfolg die Musikwelt umgekrempelt hat. Mehr als sechs Millionen Mal geht das Werk über die Ladentheke, in den USA genießt das Album vierfachen Platinstatus, ein sagenhafter, fast pop-esquer Maßstab.

Miles Davis 1984 – Foto: David Gahr /Getty Images

Zeitsprung: Am 8.11.1985 spielt Miles Davis den Bösen bei „Miami Vice“.

 

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Popkultur

Eine ahnungslose Gospelband, ein Blitzlogo und ein Besuch von Bruce Springsteen: 3 Anekdoten, die nur aus dem Leben von Elvis stammen können

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Elvis Presley
Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images

Seit inzwischen 45 Jahren müssen wir ohne Elvis Presley auskommen. Am 16. August 1977 verstarb der „King“ im Alter von nur 42 Jahren. Doch bis heute ranken sich zahlreiche Legenden und Geschichten um den ersten aller Rockstars. Drei davon haben wir für euch aufgeschrieben — darunter auch ein ungebetener Besuch vom „Boss“.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch den Soundtrack zum Biopic Elvis von Regisseur Baz Luhrmann anhören:

1. Mit 19 wurde Elvis von einer Gospelgruppe abgelehnt.

Genau wie die Beatles einmal legendär abgelehnt wurden, musste auch der „King Of Rock’n’Roll“ zu Beginn seiner Laufbahn mit allerhand Zurückweisung zurechtkommen. So attestierte ihm sein Musiklehrer in der Schule zum Beispiel, dass Elvis nicht besonders gesangsbegabt sei. So kann man sich täuschen. Im Alter von 19 Jahren bewarb sich Elvis Presley außerdem bei den Songfellows, einem Ableger der deutlich berühmteren Gospelgruppe The Blackwood Brothers. Doch die Band lehnte ihn ab. Als wenig später ein Platz bei den Songfellows frei wurde, weil eines der Mitglieder zu den Blackwood Brothers wechselte, sollte der „King“ noch eine Chance bekommen. Zu jener Zeit hatte Elvis allerdings schon einen Plattenvertrag mit Sun Records((LINK)) unterschrieben. Der Rest ist Geschichte.

2. Ein Gewitter während eines Flugs nach Memphis lieferte die Inspiration für das legendäre TCB-Logo — oder doch nicht?

Wie genau das ikonische TCB-Logo [kurz für: „Taking Care of Business“] entstand, das sich Elvis als Halskette für seine Band wünschte, daran scheiden sich bis heute die Geister. Eine weit verbreitete Theorie lautet, dass Elvis ein so großer Fan von Captain Marvel Jr. war, dass er nicht nur dessen Optik imitierte, sondern auch den Blitz vom Cape des Comic-Superhelden übernahm. Eine andere Meinung vertritt Elvis’ Cousin Billy Smith, der sich sicher ist, dass Elvis den Blitz aufgrund seiner Zeit bei der US Army verwendete. „Es war das Abzeichen seines Bataillons“, gibt Smith in einem Interview zu Protokoll. Das stimmt, wie ihr hier sehen könnt. Wiederum anderer Meinung ist Elvis’ Ex-Frau Priscilla, die kürzlich in einem Interview mit der Vogue erzählte: „Die TCB-Halskette habe ich entworfen. Wir saßen in einem Flugzeug nach Memphis und er [Elvis] sagte zu mir, dass er sich ein Schmuckstück wünscht, das nur für seine Jungs entworfen wurde, also für TCB. Während des Flugs fing es an zu regnen und am Himmel war ein Blitz zu sehen. Ich habe mir den Blitz angeschaut, ihn aufgemalt und die Buchstaben TBC darüber gesetzt. Dann habe ich ihn gefragt, ob es das ist, was er meint. Und er sagte: ‚Oh Gott, das ist es.‘ Wer hätte ahnen können, dass dieses Symbol einmal so bekannt werden würde? Ich werde mich ewig darüber ärgern, dass ich kein Patent darauf habe.“ Wie genau das Logo entstanden ist, wird also wohl immer ein Geheimnis bleiben. Wir Fans dürfen uns immerhin über gleich drei unterschiedliche Geschichten dazu freuen.

3. Am 29. April 1976 bekam der „King“ Besuch vom „Boss“. Zumindest fast.

Fans tun manchmal die verrücktesten Dinge, um ihren Stars ein wenig näher zu kommen. Besonders unterhaltsam wird es, wenn die Fans selbst Superstars sind. Im April 1976 war Bruce Springsteen schon längst in der Rock’n’Roll-Champions-League angekommen, allerspätestens mit seinem dritten Album Born To Run (1975) und der dazugehörigen Tour. Dennoch ist der „Boss“ auch selbst noch Fan und geht in der Nacht vom 29. April 1976 einen kliiitzekleinen Schritt zu weit, um seinen großen Helden Elvis Presley kennenzulernen. Statt einen Termin mit dem „King“ auszumachen, entscheidet sich Springsteen nämlich für einen anderen Weg: Gegen drei Uhr morgens erklimmt er die Mauer von Elvis’ Anwesen Graceland, nimmt die Beine in die Hand und rennt mit Vollgas auf das Haus seines Idols zu. Dort brennt sogar noch Licht, doch bis zur Tür kommt der „Boss“ gar nicht. Einer von Elvis’ Wachmännern ringt den jungen Musiker nieder und geleitet ihn vom Gelände. „Ich bin auch berühmt!“, lässt Springsteen den Wachhabenden wissen. Der wiederum erklärt dem begeisterten Fan, dass Elvis gar nicht zu Hause sei, sondern am Lake Tahoe verweile. Dumm gelaufen. Gut ein Jahr später stirbt Elvis; Springsteen lernt er vorher nicht mehr kennen. Doch wer ganz genau hinschaut, kann erkennen, dass der „Boss“ dem „King“ schon vor seiner Einbruchsaktion auf dem Cover von Born To Run die Ehre erwies:

the king cover

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„Moody Blue“: Elvis Presleys allerletztes Studioalbum wird 45

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