------------

Popkultur

Die musikalische DNA von Johnny Cash

Published on

So ein Mensch wie Johnny Cash wird nicht einfach geboren. Nein, so ein Mensch wie Johnny Cash wird gemacht. Mit viel Schweiß, ein bisschen Blut und manchmal auch Tränen. Nach vielen zurückgelegten Kilometern auf verwaisten Autobahnen und endlos scheinenden Eisenbahnlinien. In einsamen Nächten im Kittchen, in einsamen Nächten in anonymen Hotelbetten, in einsamen Nächten im Ehebett. Es braucht viele Schicksals- und Rückschläge, viel Druck von außen, um einen Songwriter wie Johnny Cash zu schmieden. Zugegeben: Manchmal braucht es auch ein bisschen eigene Dummheit und garantiert eine riesengroße Portion Sturheit.


Hör dir hier die musikalische DNA von Johnny Cash als Playlist an und lies weiter:


„Hello, I’m Johnny Cash“, diese lakonische Begrüßungsformel allein zaubert nicht wenigen Musikfans eine Gänsehaut. Es ist ein Status, den sich der Man in Black hart erarbeitet hat. Sein Weg war dabei lang und nicht selten beschwerlich. Verfolgt von seinen eigenen Dämonen – Schnaps und Drogen –, im ständigen Widerstreit mit seinem Glauben und all die Momente, in denen Cash seiner geliebten June das Leben schwer gemacht hat – er hat es sich und seinem Umfeld nie leicht gemacht. Aber der eiserne Wille hat ihn nie verlassen und die Gitarre lag stets griffbereit. Kein Tief, das nicht in einem guten Song verarbeitet werden konnte.

Johnny Cash bleibt uns als vielseitiger Songwriter in Erinnerung, der mit Konventionen gebrochen hat und sich nie etwas vorschreiben ließ. Der sich stets für die richtigen Dinge einsetzte, obwohl er sich selbst nicht immer auf dem rechten Weg befand. Doch auch er hatte seine Helden, auch er hatte Musik, die ihm über die dunkelsten Momente hinweg half. Seine musikalische DNA offenbart uns die Psyche eines Menschen, wie er nicht einfach geboren wird, sondern der gemacht wurde. Durch Tragik, Komik und dem einen oder anderen Kurzen.


1. June Carter – Will You Miss Me When I’m Gone?

Kein Johnny ohne June! 35 Jahre lang teilten sich die beiden Bühne und lange Zeit auch das Bett. Nicht immer war das einfach, vor allem nicht für June. Den schwersten Schicksalsschlag aber musste Johnny im Mai 2003 erleben, als die geliebte Gattin von ihm ging. Er werde ihr bald folgen, soll er gesagt haben – und hatte damit leider recht. June soll ihm noch kurz vor ihrem Tod gesagt haben, dass Cash weiter an Songs arbeiten solle, was dieser auch tat. Die Musik vereinte sie über den Tod hinaus.

„Der Geist von June Carters Liebe zu mir und meine zu ihr liegt heute wie ein Schatten über mir“, sagte Cash bei seinem letzten öffentlichen Auftritt im Juli 2003. „Unsere Verbindung reicht von hier bis in den Himmel. Sie kam wohl nur für einen kurzen Moment von dort herab, um mich hier und heute zu besuchen, um mir die Kraft und Inspiration zu geben, wie sie es immer tat.“ Wie schon die Carter-Familie beziehungsweise June selbst gesungen hatte: „When death shall close these eyelids / And this heart shall cease to beat / And they lay me down to rest / In some flowery bound retreat / Will you miss me? / (Miss me when I’m gone)“ Die Frage können wir mit einem klaren Ja beantworten. Nicht wenige vermuten, dass Johnny an einem gebrochenen Herzen gestorben ist.


2. Hank Williams – I Am Bound For The Promised Land

Was Cash und Carter einte, war nicht allein ihre Kreativität, sondern auch ihr Glaube. In dem von Johnny geschriebenen Film Gospel Road spielte June sogar die Rolle der Maria Magdalena. Seine Religiosität aber bereitete dem Man in Black auch einige Probleme. Er selbst bezeichnete sich als „den größten Sünder überhaupt“ und es fällt wohl schwer, dem mit Entschiedenheit zu widersprechen. I Walk The Line beispielsweise soll er angeblich einerseits als Treueschwur gegenüber Gott geschrieben haben und andererseits als Erinnerung an sich selbst, seiner damaligen Frau Vivian während der Tour treu zu bleiben.

Der Song entstand schon früh in Cashs Karriere, als er sich vorrangig mit Gospel-Songs beweisen wollte. Sam Phillips vom legendären Plattenlabel Sun Records jedoch soll seine Probleme mit religiösen Inhalten gehabt haben. Für Cash spielten Gospel-Stück und Spirituals aber eine mehr als große Rolle nicht nur in seiner moralischen wie künstlerischen Entwicklung, denn die Hymne I Am Bound For The Promised Land – bekannt unter anderem als Hank Williams-Aufnahme – war der erste Song, den er eigenen Aussagen zufolge je gesungen hat. Phillips aber wollte lieber raubeinige Country- oder Rockstücke hören. „Geh nach Hause und sündige, und dann komm mit einem Song zurück, den ich verkaufen kann!“, soll er Cash gesagt haben. I Walk The Line war da wohl der denkbar beste Kompromiss…


3. Carl Perkins – Blue Suede Shoes

Im Sun Records-Umfeld fand sich Mitte der fünfziger Jahre so ziemlich jeder wichtige Songwriter der neuen Generation wieder. Was die erfolgreichsten unter ihnen einte, war die Experimentierfreude. Denn was in den bescheidenen Studios des Labels in Memphis zusammen kam, das war nichts anderes als das Grundrezept für Rock’n’Roll. Dazu gehörte mehr als eine Zutat. Einer der Zöglinge Phillips’ war der Rockabilly-Sänger Carl Perkins, der seine Musik mit Country und Folk anreicherte. Erfolgreich war Perkins nicht wirklich, ein Song aber reichte ihm, um auf ewig in die Geschichtsbücher einzugehen: Blue Suede Shoes.

Heute ist Blue Suede Shoes vor allem in der Version eines anderen Sun Records-Künstlers bekannt, Elvis Presley. Er verhalf Perkins mit seiner Coverversion zu verspätetem Ruhm. Noch jemand aber war viel näher an der Entstehung des Stücks dran: Johnny Cash. Lange bevor Perkins regelmäßiger Gast der Johnny Cash Show wurde und mit Cash gemeinsam The Ballad of Little Fauss and Big Halsey schrieb, soll Perkins den Text seines größten Hits basierend auf einer Anekdote Cashs geschrieben haben. Ein Soldat der Luftwaffe soll den jungen Rekruten angeblafft haben, bloß nicht auf seine blauen Wildlederschuhe zu treten…


4. Elvis Presley – That’s Alright

Wo wir schon beim Rock’n’Roll und Perkins waren, müssen wir natürlich noch näher auf Elvis eingehen. Wusstet ihr, dass der King of Rock eines Tages mit Perkins und Jerry Lee Lewis gemeinsam im Sun Records-Studio Einkehr hielt? Johnny Cash war ebenfalls dabei. Die vier entschieden sich zu einer spontanen Jam-Session, bei der sie vor allem Gospel-Standards performten. Sam Phillips hatte mal wieder den richtigen Riecher und ließ das Tonband laufen. Die Aufnahmen des Million Dollar Quartets wurden allerdings erst viel, viel später veröffentlicht – 1981 erschien die Platte, auf der ganze 17 Stücke zu hören waren.

Kennengelernt hatten sich King und Cash bereits vorher. In seiner Autobiografie schreibt Johnny über die ersten Auftritte des Jungspunds, der damals gerade erst eine Single, den Song That’s Alright, veröffentlicht hatte. „Ich erinnere mich an Elvis’ Show im Eagle’s Nest, als wäre es gestern gewesen. Der Abend war ein totaler Misserfolg, weil es ein Club für Erwachsene war, in den Teenager nicht rein durften. Vivian und ich waren also neben einem guten Dutzend anderer die einzigen Gäste, wir waren vielleicht fünfzehn Leute. Und dennoch dachte ich mir, dass Elvis fantastisch ist.“ Der Eindruck war offensichtlich ein bleibender, denn nur wenig später begeisterte Cash sein Publikum mit einer mehr als gekonnten Elvis-Persiflage.


5. Willie Nelson – Funny How Time Slips Away

Die Episode beweist schon bestens, dass sich der vermeintliche Eigenbrötler Cash prächtig in der Gesellschaft anderer zurecht fand. Keine Frage, mit dem Humor! Hin und wieder halfen ihm andere sogar über kleine Krisen hinweg. In den schnelllebigen achtziger Jahren war der erdige Country-Sound Cashs nicht mehr gefragt. Seine Konzerte wurden zwar noch gut besucht, die Charterfolge blieben allerdings aus. Zumindest solo. Denn mit The Highwaymen fand sich Cash in einer äußerst erfolgreichen Band wieder.

Neben Waylon Jennings und Kris Kristofferson – der selbst Johnny Cash zu seinen großen Vorbildern zählt – war auch Altmeister Willie Nelson bei der Supergroup dabei. Nelsons und Cashs Karrieren sollten sich oft kreuzen, ihr größtes Projekt indes nahmen sie im hohen Alter auf: Ihr Beitrag zur VH1 Storyteller-Serie erschien 1998 bei American Recordings, gehört aber nicht zur klassischen American Recordings-Serie, die Cash an der Seite des Produzentens Rick Rubin zu einem zweiten Frühling verhalf. Auf VH1 Storyteller spielten die beiden Musiker Songs aus ihren jeweiligen Repertoires wie etwa Nelsons Klassiker Funny How Time Slips Away. Wie gut die Chemie zwischen den beiden ist, lässt sich an den lockeren Plaudereien zwischen den live eingespielten Songs nachverfolgen.


6. Woody Guthrie – This Land Is Your Land

Mit den Highwaymen zollte Cash auch einem ganz besonderen Vordenker Tribut: Gemeinsam nahmen die vier Musiker ein Cover von Woody Guthries Deportee (Plane Wreck at Los Gatos) auf. Das bekannteste Stück des Sängers indes ist wohl This Land Is Your Land, welches er 1940 veröffentlicht hatte und das zu den berühmtesten Folk-Songs überhaupt gehört. Wusstet ihr aber, dass This Land Is Your Land wiederum auf einer anderen Komposition basiert? Für seinen Überhit hatte sich Guthrie die Melodie von When The World’s On Fire von der Carter Family geborgt, die ihrerseits eine bekannte Gospelhymne zur Grundlage genommen hatten. Genau: Eben jene Carter Family, zu der Cashs spätere Gattin June gehörte.

Guthrie, auf deren Gitarre legendärer Weise die Worte „This Machine Kills Fascists“ prangten, schrieb This Land Is Your Land als Antwort auf den Songwriter Irving Berlin, dessen jubilatorisches Stück God Bless America dem politisch links ausgerichteten Guthrie im Halse quer stand. Cash nahm das Stück einige Zeit später ebenfalls in sein Repertoire auf. Denn obwohl er nicht unbedingt der Rebell war, für den er vielerorts gehalten wird – im Gefängnis war er häufiger auf der Bühne als hinter Gittern zu sehen –, so teilte er doch seinen sozialpolitischen Ansatz mit dem radikalen Folk-Helden.


7. Ed Lee Natay – Navajo Love Song

Schon 1965 hatten sich Johnny und June in Pete Seegers TV-Show Rainbow Quest öffentlich für die Rechte der indigen Nordamerikaner stark gemacht. Cashs Beschäftigung mit dem Thema ging aber sogar bis in die fünfziger Jahre zurück: 1957 hatte er das Stück Old Apache Squaw geschrieben, in denen er das Leiden der unterdrückten Urbevölkerung thematisierte. Sein Plattenlabel Columbia wollte das Stück aber partout nicht auf seinem Album hören, denn es war ihnen zu radikal. Lieber wollten sie Songs über zufriedene Cowboys hören, die das Land, das nicht ihres war, für sich eroberten. Nicht mit Johnny Cash! 1964, ein Jahr vor seinem Auftritt bei Seeger, veröffentlichte er Bitter Tears: Ballads of the American Indian beim selben Label. Seine Dickköpfigkeit hatte einen ehrbaren Hintergrund. Bitter Tears erzählte brutale Geschichten über die gewaltsame Misshandlungen der indigen Völker wie den Pima, den Lakota oder den Navajo durch die weißen Siedler, die ihnen das Land und damit ihre Lebensgrundlage raubten bis hin zum zweiten Weltkrieg, nach dem indigene Soldaten nicht dieselbe Würdigung erfuhren wie ihre weißen Kameraden.

Dazu suchte Cash die Nähe von Johnny Horton und Peter La Farge, dem Sohn des Politaktivisten Oliver La Farge. Gemeinsam schrieben sie eine Platte, die trotz ihrer ruhigen und melancholischen Grundstimmung einen echten Skandal entfachen sollte. Columbia weigerte sich, das Album zu bewerben und die meisten Radiostationen nahmen dessen Songs nicht in die Rotation auf. Der Redakteur eines Country-Magazins forderte Cash sogar auf, aus der Country Music Association auszutreten: „Du und dein Publikum, ihr seid einfach zu intelligent, um euch mit den gewöhnlichen Country-Leuten, den Country-Künstlern und den Country-DJs abzugeben!“ Ja, das sollte eine Beleidigung sein. Cash ließ sich selbstverständlich nicht davon unterkriegen.


8. Merle Haggard – Okie From Muskogee

Ein echter Johnny Cash lässt sich eben weder von seinem Label noch der Musikpresse unterkriegen. Selbst vor dem Präsidenten der Vereinigten Staaten machte er keine Kompromisse! Als er 1970 Richard Nixon im Weißen Haus einen Besuch abstatten sollte, forderte ihn das Büro des POTUS auf, eine Reihe von Songs zu spielen, darunter A Boy Named Sue, Welfare Cadillac von Guy Drake und Okie From Muskogee, mit dem sich Merle Haggard über die Hippie-Generation lustig machte. Cash lehnte ab und wollte lieber The Ballad Of Ira Hayes von seinem Bitter Tears-Album sowie What Is Truth und den Klassiker Man In Black performen.

Obwohl Cash als Hauptgrund für diese Entscheidung angab, dass er die Fremdkompositionen vorher aus Zeitgründen nicht hätte einstudieren können, so lässt doch zumindest die Wahl von The Ballad Of Ira Hayes vermuten, dass er auch ein politisches Ansinnen hatte. Merle Haggard übrigens konnte selbst auf eine lange Geschichte mit Cash zurückblicken: Sein erstes Cash-Konzert sah er am 1. Januar 1958 in San Quentin. Ihr ahnt es schon: Haggard saß zu dieser Zeit im Kittchen ein! Wie passt das damit zusammen, dass Haggard sich später über Jugendbewegungen lustig machen sollte? Nun ja, Okie From Muskogee kann auch ganz anders verstanden werden, nämlich als satirische Abrechnung mit der konservativen Kleinstadtmentalität. Cash und Haggard kamen zumindest prächtig miteinander aus, wie ein Video aus eben jenem Jahr 1970 zeigt, in dem Cash Haggard wortgewandt bei den Country Music Awards auf der Bühne vorstellt.


9. Nine Inch Nails – Hurt

Bis hierhin durften wir Johnny Cash als einen politisch geradlinigen, gutwilligen und witzigen Menschen erleben, der stets die musikalische Nähe von anderen suchte. Das allein garantierte ihm jedoch nicht den Erfolg. Nach den eher schwierigen achtziger Jahren sah es auch Anfang des nächsten Jahrzehnts nicht sonderlich gut für den alternden Star aus. Für Country schien es in der Zeit von Acid House und Grunge einfach keinen Platz zu geben! Einer aber glaubte an Cash: Ausgerechnet der Rock- und Hip Hop-Produzent Rick Rubin nahm den Country-Helden für sein kurz zuvor umbenanntes Label American Recordings unter Vertrag. Es war eine schicksalsträchtige Entscheidung.

Die Alben der American Recordings-Reihe waren einerseits von einer unter die Haut gehende Intimität geprägt und überraschten andererseits mit ungewöhnlichen Neuinterpretationen bekannter Pop-Songs. Von Tom Waits über Sheryl Crowe hin zu Depeche Mode präsentierte Cash von 1994 bis 2002 wiederholt alte und junge Hits in einem entschlackten Gewand. Keine Frage aber, welches seiner Cover aus dieser Periode am bekanntesten war: Heutzutage denken tatsächlich doch viele, dass Trent Reznors Band Nine Inch Nails einen Cash-Song gecovert hätte und nicht etwa umgekehrt! Cashs Gänsehautversion der verstörenden Drogenballade wurde vor allem für ihr ikonisches Video bekannt, das wie ein Abschied von der Welt angelegt war. Tatsächlich, nicht ein Jahr später ließ der Man in Black seinen letzten Akkord verklingen. Er hinterließ ein Erbe wie kein Zweiter.


10. Bob Dylan – Forever Young

Schon die letzten beiden Stücke in dieser Liste zeigten, dass Cash immer auf dem neuesten Stand war und sich sogar von seinen eigenen Fans inspirieren ließ. In den sechziger Jahren griff er einem strauchelnden Songwriter unter die Arme, der ihn – in den Ohren mancher zumindest – sogar noch überflügeln sollte. Bob Dylan und der ältere Country-Held trafen zuerst Mitte der Sechziger aufeinander und Cash erkannte sofort das unglaubliche Talent des schüchternen Folk-Sängers. Zuerst lud er ihn zu sich auf Bühne ein und kam sogar in Dylans Studio, um gemeinsam einen Song von dessen Country-Album Nashville Skyville einzusingen, für das Cash die Linernotes schrieb.

„Sie waren sehr gute Freunde“, erinnerte sich Cashs Sohn John. „Und obwohl sie nicht viel Zeit miteinander verbrachten, blieben sie es bis zum Ende.“ So war er eben, Johnny Cash – seiner geliebten Frau ein ergebener, wenngleich auch wilder Gatte und ein standhafter Freund, der junges Talent förderte, wo er nur konnte. Das hielt ihn jung, um nicht zu sagen: Forever Young. So lautete der Titel eines Dylan-Stücks, das Cash im Jahr 1994 für die Benefiz-Compilation Red Hot + Country aufnahm. Die Lyrics lesen sich rückblickend beinahe wie eine schöne Widmung an Cash: „May your heart always be joyful / May your song always be sung / And may you stay / Forever young.” Rest in peace, Johnny Cash.


Das könnte dir auch gefallen:

10 Songs, die jeder Johnny Cash-Fan kennen muss

Unboxing-Video: “Unearthed” Vinyl-Box von Johnny Cash

Die Geschichte, die nie ihr Ende fand: American Recordings legt Johnny Cashs “Unearthed” mit großer Vinyl-Box neu auf!

Popkultur

Zeitsprung: Am 4.2.1948 kommt Alice Cooper zur Welt. So viele Geschichten…

Published on

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 4.2.1948.

von Christof Leim

Der große Alice Cooper – Schocker Nr. 1 und wandlungsfähigster aller Rockstars – feiert am 4. Februar Geburtstag. Und der Mann macht keine Anstalten, sich zur Ruhe zu setzen. Seit sage und schreibe fünf Dekaden (!) erfreut er uns mit theatralischen Shows, Horrorgeschichten und vor allem mit hervorragender Krachmusik. Alice Cooper hat alles gesehen: Die abgedrehten Sechziger, exzessiven Siebziger und künstlichen Achtziger, die Verklemmtheit der Moralapostel und die Dekadenz des Rock’n’Roll. Himmel, der Mann hat Platten aufgenommen, an die er sich selbst nicht mehr erinnern kann. Er hat sich auf der Bühne köpfen lassen, mit Schlangen hantiert und eine ganze Latte an unsterblichen Hits produziert. Wir sagen: Happy Birthday, Alice, du Lieblingsfreak!

Dreht hier Alice Cooper auf und lest weiter:

Über Alice Cooper kann man Tausende Geschichten erzählen. Suchen wir uns die besten aus: Eigentlich heißt er ja Vincent Damon Furnier. Geboren wurde er am 4. Februar 1948 in Detroit geboren, und zwar als Sohn eines Pfarrers. Aus seiner ersten Krachkapelle, gegründet mit 16, wird über Umwege Alice Cooper. So heißt verwirrenderweise nicht nur die Band, sondern auch ihr Sänger. Im Song Be My Lover singt er Jahre später: „She asked me why the singer’s name was Alice/ I said listen, baby, you really wouldn’t understand.“

Zappa ist schuld

Den ersten Plattenvertrag bekommt Alice Cooper (die Band) von niemand Geringerem als Frank Zappa, weil der für sein Label Straight Records bizarre Musik sucht. Und „bizarr“, ja, das können die Jungs, denn ihre Songs klingen Ende der Sechziger abgedreht, theatralisch und ziemlich weit draußen. Angeblich hat Zappa die Musiker für „um sieben Uhr“ für ein Vorspiel zu sich bestellt. Als die fünf Zottel morgens (!) um sieben klingeln, zeigt sich der Altmeister beeindruckt: Wer so früh solchen Lärm machen will, besitzt Ehrgeiz. Die ersten Alben für Zappa heißen Pretties For You (1969) und Easy Action (1970) und schlagen beide keine großen Wellen.

Zeitsprung: Am 9.3.1971 erscheint „Love It To Death“ von Alice Cooper.

Dafür wird die Bühnenshow zusehends abgefahrener, so dass die Medien Notiz nehmen. Während alle von „Peace & Love“ singen, interessieren sich Alice Cooper für „Spaß, Sex, Tod und Geld“. Den ersten richtigen Hit kennt jeder: I’m Eighteen. Die Nummer stammt vom Album Love It To Death von 1971 und ist ein Evergreen der Rockwelt. Im gleichen Jahr erscheint Killer und sorgt für Skandale, auf der Bühne lässt sich Alice auf einem elektrischen Stuhl hinrichten.

Gratiswerbung durch Empörung

Mit School’s Out geht es 1972 dann ab: Die Platte verkauft sich dank des Titelsongs millionenfach. Die britische Moralaktivistin Mary Whitehouse will das Video dazu verbieten lassen, weswegen die Single prompt auf Platz eins in Großbritannien landet. Alice Cooper bedankt sich mit einem Blumenstrauß für die Extrawerbung. (Mary Whitehouse wird übrigens auch im Deep Purple-Song Mary Long besungen.) Zu Billion Dollar Babies (1973) gibt es geköpfte Babypuppen auf der Bühne, und wieder regen sich alle auf. Dafür kann der griffige Classic Rock kommerziell ordentlich punkten. Nach Muscle Of Love (ebenfalls 1973) bricht die Alice Cooper Band allerdings auseinander.

By Hunter Desportes [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons

Alice Cooper nutzt den Namen fortan als Solokünstler und veröffentlicht das Konzeptalbum Welcome To My Nightmare (1975), das auf den Alpträumen eines Kindes namens Steven basiert. Der Horrorfilm-Star Vincent Price fungiert als Erzähler, die Bühnenshow wird noch theatralischer. So gibt es zum Beispiel einen zweieinhalb Meter hohen Zyklopen, der den Sänger allabendlich köpft. Legendär ist natürlich der Auftritt in der Muppet Show.

Zeitsprung: Am 28.3.1978 besucht Alice Cooper die „Muppet Show“.

Zu viel Schnaps

Für Lace And Whiskey (1977) nimmt Cooper die Rolle des Privatdetektivs Maurice Escargot an. Der hat ein Alkoholproblem. Der echte Alice aber auch, und zwar so richtig. Angeblich konsumiert er pro Tag ein, zwei Kistchen Budweiser und eine Flasche Whiskey. Im berüchtigten Rainbow Bar & Grill auf dem Sunset Strip tagt er regelmäßig mit einem Säuferclub, den er Hollywood Vampires nennt. Mit dabei sind John Lennon, Ringo Starr und der legendäre Schluckspecht Keith Moon. Heute spielt Cooper mit Joe Perry (Aerosmith) und Johnny Depp (ja, der Schauspieler) in einer Coverband namens Hollywood Vampires.

Zeitsprung: Am 5.6.1977 gibt es einen Todesfall bei Alice Cooper – wegen einer Ratte.

Bei seinen Bühnenshows hantiert der Meister damals schon gerne mit Schlangen. Als eine im Sommer 1977 verstirbt, hält Cooper sogar Auditions für tierische Nachfolger. Für From The Inside (1978) wird Alice Cooper nochmal trocken, aber in den Achtzigern stürzt er ab: An gleich vier Platten von 1980 bis 1983 kann sich unser Mann nach eigenen Aussagen nicht erinnern. Und so klingen sie auch. Wer das mal nachschlagen will: Die Platten heißen Flush The Fashion, Special Forces, Zipper Catches Skin und DaDa. Aber Vorsicht, das ist kein leichter Stoff.

Zeitsprung: Am 25.8.1982 kann sich Alice Cooper nicht an sein neues Album erinnern.

Muskeln & Slasher-Filme

So langsam macht die Leber schlapp, also zieht Alice Cooper Mitte der Achtziger erfolgreich einen Entzug durch. Dekaden später scherzt er mit (ausgerechnet) Ozzy Osbourne darüber, dass er jetzt so langsam nüchtern wird. Musikalisch kehrt er 1986 fulminant mit Constrictor zurück, das sich sehr am toupierten Hard Rock der Zeit orientiert. An seiner Seite steht Kane Roberts, der aussieht wie Conan, der Barbar und eine Maschinengewehr-Gitarre spielt. Hach, die Achtziger, herrlich.

Zu dieser Zeit beginnt auch Coopers Affäre mit den damals populären Slasher-Filmen wie Friday The 13th und Nightmare On Elm Street. Mit He’s Back (The Man Behind The Mask) singt Alice sogar einen Song über den Killer Jason Voorhees aus Friday the 13th Part VI: Jason Lives. Die Horrorfilm-Ästhetik findet sich wieder in der Tourproduktion zu Raise Your Fist And Yell (1987), weswegen es in England und Deutschland Ärger und teilweise Zensur gibt. In London entgeht Cooper nur knapp dem Tod, als der Trick mit dem Galgen um ein Haar schief geht.

Zeitsprung: Am 7.4.1988 hängt sich Alice Cooper beinahe selber auf.

Platinregen

Mit Trash schießt Cooper 1989 dann durch die Stratosphäre. Die Platte verkauft sich dank der Megasingle Poison millionenfach. Musikalisch klingt das alles wie der Hard Rock der Zeit, also nach Bon Jovi, Aerosmith und Kiss. Was vielleicht daran liegt, das alle die gleichen Songwriter nutzen, vor allem Desmond Child. (Die Post, die der Mann von der GEMA bekommt, würden wir gerne mal sehen.) Damals ist natürlich auch Stammgast auf MTV. Auf Hey Stoopid (1991) trifft sich die A-Liga der Szene: Slash, Ozzy, Joe Satriani, Steve Vai und Nikki Sixx spielen, singen und schreiben alle mit. Coopers Kurzauftritt im Film Wayne’s World geht in die Rock-Folklore ein: „Wir sind unwürdig!“

Die Neunziger lässt Alice Cooper in Sachen Alben locker angehen, tourt aber weiter weltweit. Zwischen 1994 und 2017 veröffentlicht er acht weitere Platten, die sehr unterschiedlich ausfallen. Von einem comichaften Konzeptwerk (The Last Temptation, 1994) über düsteren Industrial-Metal (Brutal Planet, 2000) bis zu buntem Spaßrock (Dirty Diamonds, 2005 und Welcome 2 My Nightmare, 2011) ist alles dabei. Lobenswert, denn das hält die Sache interessant. 2017 erscheint das gelungene Paranormal, mit dem Cooper an seine Siebziger-Phase anknüpft und sogar teilweise von seiner ursprünglichen Band begleitet wird; 2021 folgt Detroit Stories.

Und sonst so? Alice Cooper ist ein leidenschaftlicher Golfer und gilt als Gentleman. Seit 1976 (!) führt der gläubige Christ eine Ehe mit der Tänzerin Sheryl Goddard, die beiden haben drei Kinder. Von seiner Bühnenfigur „Alice“ spricht er grundsätzlich in der dritten Person. Und die beiden haben anscheinend noch eine Menge vor…

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

Zeitsprung: Am 22.11.1992 hilft Alice Cooper zwei Hausbesitzern.

Continue Reading

Popkultur

Zeitsprung: Am 3.2.2003 wird Produzent Phil Spector wegen Mordes verhaftet.

Published on

Header-Bild: Video-Still aus https://www.youtube.com/watch?v=zC9N6kd7EUU

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 3.2.2003.

von Christof Leim

Eigentlich hätte Phil Spector bis zu seinem Lebensende in seiner Villa residieren und sich über ein erfolgreiches Leben freuen können. In den Sechzigern und Siebzigern wurde der US-Amerikaner zu einer einflussreichsten Figuren der Popmusik, erschuf mehr als 30 Chart-Hits und produzierte Alben von den Beatles, Ike & Tina Turner, Leonard Cohen, John Lennon, George Harrison und sogar den Ramones. Spector wurde vor allem bekannt für die „Wall Of Sound“-Technik, die seine Platten besonders bombastisch, klanglich dicht und groß klingen ließ. Doch aus einer geruhsamen Rentenzeit wurde nichts, denn Spector saß wegen des gewaltsamen Todes der Schauspielerin Lana Clarkson im Gefängnis. Die wurde am 3. Februar 2003 erschossen in seiner Wohnung gefunden.

Hört euch hier die Frühwerke von Phil Spector an:

An diesem Abend zieht Phil Spector um die Häuser. Als immens erfolgreicher Produzent, Songwriter und Musiker heißt das: Man lässt sich von seinem Chauffeur nach Hollywood fahren, kippt sich einen hinter die Binde und hängt in möglichst exklusiven Clubs herum. Der damals 69-Jährige landet schließlich im House Of Blues und trifft dort auf die Schauspielerin Lana Clarkson. Die hatte in Scarface, Barbarian Queen und Fast Times At Ridgemont High (dt.: Ich glaub’, ich steh’ im Wald) gespielt, arbeitet an diesem Abend aber als Hostess der VIP-Lounge. Zunächst weiß sie nicht, wer Spector ist, wird aber von ihrem Boss instruiert, den Gast seinem Status gemäß zu behandeln.

Lana Clarkson († 1962-2003). Foto: Albert L. Ortega/WireImage/Getty Images

Am frühen Morgen verlassen die beiden gemeinsam den Laden und fahren mit Spectors Limousine zu seiner 33-Zimmer-Villa im nahegelegenen Alhambra. Nach einer Stunde vernimmt der Fahrer Adriano de Souza, der vor der Tür wartet, einen Schuss. Er sieht, wie sein Boss mit einer Waffe in der Hand durch die Hintertür nach draußen tritt, und hört ihn sagen: „Ich glaube, ich habe sie erschossen.“ Souza ruft die Polizei, die findet eine grausige Szene im Wohnzimmer: Eine blonde Frau liegt in einem Sessel, gestorben durch einen Schuss in den Mund, unter ihr liegt eine Pistole. Lana Clarkson wurde nur 40 Jahre alt.

Credit: Public domain

Spector wird umgehend verhaftet, später aber auf Kaution (eine Million Dollar!) freigelassen. Im Prozess 2007 trumpft er zunächst dick auf, mit mehreren Anwälten und selbstbewusstem Auftreten. Von Anfang an behauptet er, Clarkson habe sich selbst getötet, er spricht sogar von einem Versehen, als sie die Waffe geküsst habe. Unter anderem filmt er sich selbst in einem Statement. Das glaubt ihm allerdings niemand, zumal die Gutachter feststellen, dass die Schauspielerin nicht suizidal veranlagt war.

Keine Ausreden

Weil die Jury sich nicht einigen kann, wird der Prozess neu aufgerollt. Details zu den Prozessen kann man auf Wikipedia und im britischen The Guardian nachlesen. Bei der zweiten Runde 2009 schlägt Spector leiserere Töne an. Es kommt raus, dass er oft und gerne mit Waffen herumfuchtelt. So hat er mehrmals seine Künstler (darunter Lennon, Cohen und die Ramones) bedroht, vor allem aber Frauen, die ihn abblitzen ließen. Auch sonst deuten alle Beweise auf ihn. Phil Spector wird deshalb wegen Totschlages („second-degree murder“) zu 19 Jahren Gefängnis verurteilt. Dort stirbt er am 16. Januar 2021 mit 81 Jahren. Seinen Lebensabend hat sich der Mann sicher anders vorgestellt. Lana Clarkson sich den ihren allerdings auch…

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

Zeitsprung: Am 4.2.1980 veröffentlichen die Ramones „End Of The Century“

 

Continue Reading

Popkultur

35 Jahre „Lita“: Wie Lita Ford dem Hard-Rock-Männerclub den Kampf ansagte

Published on

Lita Ford
Foto: Al Pereira/Getty Images

1988 hat Lita Ford schon eine Weltkarriere mit den Runaways hinter sich. Ihr drittes Soloalbum wird dennoch zu ihrer Sternstunde – eine mustergültige Hard-Rock-Bibel, auf der auch Ozzy Osbourne nicht fehlen darf.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr euch Lita anhören:

In der zweiten Hälfte der Achtziger ist die Rockmusik von zahlreichen weiblichen Stimmen geprägt. Roxette, Bonnie Tyler, Doro, Suzi Quatro oder Vixen feiern große Erfolge im Bandkollektiv oder im Alleingang. Ganz oben mischt auch Lita Ford mit. Die hat schon eine ganze Karriere hinter sich, als sie sich Anfang der Achtziger als Solitärin der Musikwelt stellt: 1975 wird sie in Los Angeles vom flamboyanten und undurchsichtigen Manager Kim Fowley für die neu gegründeten The Runaways entdeckt. Damals ist Lita Ford 16 Jahre alt.

Punk oder Hard Rock?

Die gebürtige Engländerin macht ihrem Namen alle Ehre, schmeißt alles hin und schließt sich der Damenband an, in der auch eine gewisse Joan Jett an der Gitarre steht. Musik spielt in ihrem Leben da schon lang eine Rolle: Mit elf fängt sie mit der Gitarre an, inspiriert von ihrem großen Helden Ritchie Blackmore, entdeckt auch ihre kräftige Stimme. Von Long Beach ist es nur ein Katzensprung auf den verruchten Sunset Strip, wo es dann nicht lange dauert, bis sie dem bestens vernetzten Fowley in die Arme läuft.

The Runaways werden zur Erfolgsgeschichte. Schon ihr Debüt The Runaways wird 1976 zum Hit, die Band tourt mit Van Halen, Cheap Trick oder Tom Petty And The Heartbreakers. Sie rutschen in die entstehende Punk-Bewegung, hängen im legendären New Yorker Club CBGB ab, feiern diesseits und jenseits des Atlantiks mit den Ramones oder den Sex Pistols. Nach einigen Welttourneen und dem großen Einmaleins der Rock’n’Roll-Exzesse geht es dann auch für die Runaways zu Ende. Erst feuern sie Manager Fowley, dann kriegen sie sich auch untereinander in die Haare. Joan Jett möchte mehr in Richtung Punk gehen, Lita Ford weiterhin Hard Rock spielen. Nach einem letzten gemeinsamen Auftritt am Silvesterabend 1978 bei San Francisco ist im April 1979 endgültig Schluss.

„Du musst hart sein, um in dieser Musik zu bestehen“

Für Lita Ford geht es da aber eben gerade erst los: Ihre ersten Gehversuche als Solokünstlerin verlaufen zunächst sehr unbefriedigend: Ihr früheres Runaways-Label Mercury Records bringt 1983 ihr Debüt Out For Blood raus, das Album bleibt aber weitgehend unbemerkt und floppt. Das lupenreine Heavy-Metal-Artwork mit Spinnweben, einer blutigen Gitarre und Ford in einem knappen Lederbody zeigt aber klar ihre musikalischen Ambitionen. „Rock’n’Roll ist eine harte Musik und du musst hart sein, um in dieser Musik zu bestehen“, sagte sie mal. „Leider sind nicht allzu viele Frauen hart, deswegen gibt es nicht so viele von uns.“ Ford gibt also nicht auf, beißt sich durch, landet mit dem Nachfolger Dancin’ In The Edge einen Achtungserfolg, der ihr zudem eine Grammy-Nominierung für ihre Gesangsleistung einbringt. Für eine Musikerin, die bislang überwiegend als Gitarristin aufgefallen ist, kann sich das durchaus sehen lassen. Oder auch: Die musikalische Früherziehung macht sich so langsam richtig bezahlt.

Ihren größen Coup landet Lita Ford vor 35 Jahren: Die selbstbetitelte dritte Platte Lita wird zum Vulkan, zum Platin-Erfolg, der sie für immer in den Annalen der Rockmusik verewigt. Nach den beiden Vorgängern gelingt Ford hier eine archetypische Rockplatte der Achtziger, wie viele ähnliche Releases der damaligen Zeit sorgsam austariert zwischen Hard Rock, Glam und Heavy Metal. Knackige, kernige Uptempo-Brecher, monumentale Balladen, flotte Pop-Rock-Hymnen, getragen von ihrer starken Stimme. Lita ist archetypisch Achtziger: Die Drums von Myron Grombacher klingen als wären sie in einer Kathedrale aufgenommen, die Keyboards laufen heiß, die Gitarren sägen, die Stimmung ist durch und durch hochdramatisch.

Duett mit Ozzy Osbourne

Lita ist aber auch aus anderen Gründen ein besonderes Album: Es markiert das erste Ergebnis der neuen Zusammenarbeit zwischen Ford und ihrer neuen Managerin Sharon Osbourne. Die bringt Ford gleich mit ihrem Ehemann Ozzy zusammen. Daraus entsteht der große letzte Akt Close My Eyes Together, eine große, epische Ballade mit amüsanter Background-Story: Ford und Osbourne müssen sich vom Fleck weg so gut verstanden haben, dass sie sich gleich mal gemeinsam im Studio die Birne vollsaufen und die Lyrics zu einem von Ozzy begonnenen Song gemeinsam schreiben. Der Song entsteht ungeplant – und wird doch zum größten Solo-Erfolg für sowohl Lita Ford als auch Ozzy Osbourne.

Schon abgefahren, wie es manchmal laufen kann. „Ich flog mal aus L.A. nach England nach Hause, als mich Sharon anrief und mich nach diesem halbfertigen Song fragte“, so Ozzy mal in einem Interview. „Ich konnte mich schon gar nicht mehr daran erinnern, aber offensichtlich wollte Lita mit mir an ihm arbeiten. Also flog ich zurück, wir tranken und schrieben das Ding und ich sagte ihr: Weißt du was? Du kannst ihn haben.“ Good guy Ozzy!

Ozzy Osbourne ist übrigens nicht der einzige Prominente, der sich auf Lita einfindet: Für Falling In And Out Of Love tut sich Ford mit Nikki Sixx von Mötley Crüe zusammen. Und Can’t Catch Me wird unter anderem von Lemmy Kilmister geschrieben. Wenn Lita Ford ruft, kommen sie damals eben alle. Und auch wenn sie seit 2012 kein Album mehr veröffentlicht hat: Lita Ford hat den Rock’n’Roll noch immer nicht aufgegeben.

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

Zeitsprung: Am 5.8.1975 werden The Runaways gegründet, die erste große weibliche Rockband.

Continue Reading

Latest Music News

Top Stories

Don't Miss