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Popkultur

Die musikalische DNA von Neil Diamond

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Neil Diamond

„Es gibt zwei Sorten Menschen auf dieser Welt“, heißt es 1991 im Film What About Bob?. „Diejenigen, die Neil Diamond mögen und die, die es nicht tun.“ Das ist vermutlich keine Übertreibung, denn tatsächlich scheiden sich an dem US-Amerikaner die Geister. Er selbst ist daran vielleicht nicht ganz unschuldig, kann er doch manchmal auch ätzend sein. Als er etwa im Jahr 1976 eine ausverkaufte Show im Aladdin Hotel in Las Vegas gab, für die er satte 650.000 Dollar kassierte, begann er den legendären Gig mit einer Anekdote über eine Ex-Freundin, die ihn wegen seines mangelnden Erfolgs geschasst hatte. „Du hast mir wohl zu früh den Laufpass gegeben“, knurrte Diamond, „denn schau mal, wer heut Abend hier steht!“

Hört euch hier Neil Diamonds musikalische DNA in einer Playlist an:

Diamond hat allerdings allen Grund, stolz zu sein. Zuhause stehen Golden Globes, Grammys und Auszeichnungen der Songwriters Hall of Fame wie auch der Rock and Roll Hall Of Fame im Schrank, selbst auf dem Hollywood Boulevard ist ein Stern mit dem Namen des Musikers zu finden, der einer der kommerziell erfolgreichsten US-Künstler aller Zeiten ist. Aber es gibt auch seine andere Seite: Vier Jahre lang nahm der Sohn armer Eltern sich Mitte der siebziger Jahre auf einem der Höhepunkte seiner Karriere eine Auszeit, um sich seinem Kind zu widmen. Selbst seine berühmten farbfrohen Hemden hatten vor allem einen Zweck: Auf Konzerten sollten ihn seine Fans auch aus der Ferne erkennen können.


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Neil Diamond hat schließlich genug Zeit im Hintergrund verbracht, um seine Lektionen in Sachen Demut zu lernen. Die meisten seiner Songs wurden durch andere Bands bekannt gemacht: The Monkees’ I’m A Believer? Ein Diamond-Song! Genauso wie Red, Red Wine, das die meisten als Reggae-Version von UB40 kennen oder Solitary Man, das im Jahr 2000 von Johnny Cash und später der Band HIM mit großem Erfolg neu aufgenommen wurde. Welche Musik aber beeinflusste ihn eigentlich? Wir finden es mit einem Blick auf die musikalische DNA des kontroversen Songwriters heraus!

1. Barbra Streisand – My Coloring Book

Obwohl allein schon sein Nachname anderes vermuten lässt, kommt Neil Diamond aus sehr einfachen Verhältnissen. Er wuchs in Brooklyn auf, wo er die Erasmus Hall High School besuchte und erste Gesangserfahrungen im hiesigen Chor sammeln konnte. Mit von der Partie? Barbra Streisand! „Wir waren zwei arme Kids aus Brooklyn“, erinnerte sich Diamond. „Wir hingen vor der Schule ab und rauchten Zigaretten.“ Obwohl eine geplante Filmversion von You Don’t Bring Me Flowers später ins Wasser fallen sollte, zu einem überaus erfolgreichen Duett der beiden reichte es im Jahr 1978 allemal. Gar nicht mal so schlecht für zwei arme Kids aus Brooklyn, oder?

Diamond sprach ehrfürchtig von der Kollegin als der „besten Sängerin seiner Generation“. Wer hätte das alles im Jahr 1962 geahnt, als beide mit ihren ersten Singles ins Rampenlicht traten? Derweil Diamond als Teil des Duos Neil and Jack sowie später im Jahr mit der Single At Night nur mäßige Erfolge einfuhr, machte sich Streisand mit ihrer Version von Fred Ebbs und John Kaders My Coloring Book einen Namen und veröffentlichte im Folgejahr das überaus erfolgreiche The Barbra Streisand Album, bevor sie mit The Second Barbra Streisand Album zurückkehrte. Darauf zu finden: eine neue Version ihres ersten Hits.

2. Pete Seeger – If I Had A Hammer

Die gemeinsamen Chorstunden mit der bald berühmten Klassenkameradin aus der Raucherecke waren eins, die erste eigene Gitarre ein anderes. Zum 16. Geburtstag wurde dem kleinen Neil dieser Traum erfüllt. Im Surprise Lake Camp für jüdische Kinder aus dem New Yorker Raum hatte er einen Auftritt gesehen, der sein Leben endgültig verändern sollte: Pete Seeger spielte dort ein kleines Konzert und ließ sich von den Kids sogar Songs vorsingen, die sie selbst geschrieben hatten. „Ich bekam eine Gitarre, nachdem es nach Brooklyn zurückging, nahm Unterricht und begann sofort, selbst Songs zu schreiben“, erinnerte er sich an die Konsequenzen dieses Erweckungsmoments.

Die frühe Inspiration vergaß er nie. „Pete Seeger war ein Bote für universellen Frieden und Liebe“, schrieb er sichtlich ergriffen zum Tod des Songwriters im Jahr 2014. „Er war meine erste Inspiration dafür, selbst Lieder zu schreiben und sie auf meine Art mit den Menschen zu teilen.“ Wie heißt es doch in Seegers größtem Hit: „Well I got a hammer / And I got a bell / And I got a song to sing, all over this land“. Welches Land das war? Klar! America, wie Diamond es später in einem ähnlich politisch aufgeladenen Song selbst besingen sollte. Nicht allein die Songwriter-Kniffe des Folk-Sängers scheinen ihn inspiriert zu haben!

3. The Walker Brothers – Love Her

Vielen aus dem Musikbusiness aber war der Kollege nicht aufmüpfig genug. Levon Helm etwa, Drummer von The Band, schrieb in seinen Memoiren über Martin Scorseses Film The Last Waltz: „Als ich hörte, dass Neil Diamond mitspielen sollte, fragte ich nur: ‚Und was zur Hölle hat Neil Diamond mit uns zu tun?‘“. Bandkollege Robbie Robertson versuchte mit den Worten „Neil ist wie die Tin Pan Alley“ zu schlichten und konnte damit seinen Schlagzeuger nur mäßig überzeugen. Er hatte aber durchaus Recht. Zu Collegezeiten schwänzte Diamond lieber, um zum legendären Straßenzug zu fahren und dort seine Songs anzubieten.

Eine Songwriterin von Aldon Music erinnerte sich an einen jungen Mann, der sich nicht mal darüber im Klaren war, ob er seinen Nachnamen behalten sollte. „Ach, ich weiß nicht“, soll er gebrummelt haben. Eins aber war dem jungen Studenten klar: Er wollte Songwriter werden, nicht Arzt! Mit Cynthia Weil traf er da eigentlich die Richtige: Sie war für eine Vielzahl von Hits verantwortlich, unter anderem Love Her von den Walker Brothers – ein Stück, das auch die Everly Brothers als Single veröffentlichten. Die wiederum waren ein Haupteinfluss für den Sänger und standen später sogar gemeinsam mit ihm auf der Bühne. Es dauerte noch etwas, bis aus Diamond ein erfolgreicher Songwriter werden sollte, aufgeben kam für ihn aber nicht in Frage. Seine knochenharte Anfangszeit verarbeitete er später in einem seiner berühmtesten Songs: Solitary Man.

4. The Monkees – I’m A Believer

Noch bevor Diamond sich selbst einen Namen machen konnte – denn natürlich behielt er seinen Nachnamen bei! –, brachte er die gecastete Folk-Rock-Band The Monkees auf Touren. Das Quartett war als US-amerikanische Antwort auf die Beatles konzipiert, dessen Leben in einer Sitcom verfolgt werden sollte. Tatsächlich ließ sich selbst John Lennon zu wohlwollenden Worten hinreißen: „Versucht ihr doch mal, eine wöchentliche Show zu bestreiten, die nur halb so gut ist!“, hielt er der Kritik entgegen.

Den Erfolg fuhren die Monkees allerdings vor allem ihrer Musik wegen ein, der 1966 veröffentlichte Song I’m A Believer stammte wie einige andere von Neil Diamond. Sein erster Instant-Hit – gesungen von einer anderen Band! Es sollte Diamond noch fast seine gesamte Karriere über verfolgen, im Grunde aber hätte es kaum besser für ihn kommen können: Zeitgleich nämlich machte er sich selbst als Sänger einen Namen und konnte so doppelten Ruhm ernten. Auch wenn die Monkees also streng genommen keinen direkten musikalischen Einfluss auf ihren Songwriter ausübten, so wäre Diamond doch ohne sie sicher nicht so weit gekommen. I’m A Believer zumindest ist selbst über ein halbes Jahrhundert (!) nach Erstveröffentlichung immer noch nicht aus dem Pop-Kanon wegzudenken.

5. Elvis Presley – Blue Suede Shoes

An einem wird sich Diamond wohl sicher bis an sein Lebensende messen müssen: Elvis Presley, seines Zeichens King of Rock’n’Roll und Diamonds vormaliger Nachbar. In einem Fernsehinterview erzählte Diamond, dass die beiden sich gerne mit ungewollten Gästen einen Spaß erlaubten und sie zum Haus des jeweils anderen schickten und ihre Kinder miteinander spielten – von einem Maschendrahtzaun abgetrennt und mit Bodyguards an ihrer Seite!

Dass Presley auf Diamond einen Einfluss ausübte, das steht so oder so fest. Seine eigene Verehrung gegenüber dem Kollegen machte er aber genauso öffentlich: Mit Sweet Caroline coverte er einen von Diamonds größten Hits, der heute noch bei vielen Sportevents erklingt. Auf einem Konzert in Las Vegas wollte er den im Publikum sitzenden Diamond sogar vors Mikrofon holen. Der aber lehnte ab. „Ich bin froh, es nicht getan zu haben“, sagte er später und fuhr mit geschwungenen Worten fort: „Weil es keine gute Idee gewesen wäre, den Saum eines Gottes anzufassen. Er war wundervoll. Er war warmherzig und mir gegenüber sehr großzügig. Ich denke, dass es am besten war, es dabei zu belassen.“ Seine Großzügigkeit stellte Elvis nicht allein Diamond gegenüber unter Beweis: Auch sein Hit Blue Suede Shoes war als Tribut gedacht und brachte seinem eigentlichen Songwriter Carl Perkins nachträglich viel Aufmerksamkeit ein.

6. Bill Withers – Ain’t No Sunshine

Diamond selbst brachte seinen Vorbildern ebenso viel Respekt entgegen, vor allem natürlich musikalisch. Noch 2010 gedachte er auf seinem 31. (!) Studioalbum Bill Withers, indem er dessen Überhit Ain’t No Sunshine coverte. Withers hatte seine Karriere inzwischen weitestgehend beendet und wollte vom Leben vor allem eins: seine Ruhe. „Ich mag Neil. Aber weißt du, was ich dachte, als ich das las? Bill, du bist nicht Neil Diamond“, sagte er in einem Interview, auf den Arbeitseifer des nur unwesentlich jüngeren Kollegen angesprochen.

Ein Blick auf die Tracklist des Coveralbums Dreams verrät, dass die meisten der Held*innen Diamonds sich mittlerweile zurückgezogen haben oder verstorben sind. Die noch aktiven Randy Numan, Paul McCartney oder Gilbert O’Sullivan sind darauf eher in der Unterzahl. Was aber eben nicht heißt, dass Diamond ein Nostalgiker wäre, ganz im Gegenteil. Nicht nur traute er sich aus seinen angestammten Gefilden heraus und experimentierte jenseits von Pop, Rock und Folk mit Soul, sondern er dachte schon früh den technischen Fortschritt mit.

7. The Who – My Generation

Von wegen „I hope I die before I get old“! Dass Diamond nicht alt zu werden scheint, beweisen allein seine jüngsten Touren, die zum Teil über Periscope und Twitter zu verfolgen waren. Auch mit über 70 Jahren bleibt er ein seiner Zeit aufgeschlossener Genosse. In seiner eigenen Jugend allerdings holte er sich einen Schock von The Whos Pete Townshend ab. Am Anfang seiner Karriere spielte Diamond für gewöhnlich als Special Guest bei Shows mit oder trat als Support für andere Bands auf, darunter auch die britischen Rüpel. Vollkommen entsetzt soll er gewesen sein, als der Townshend beim Zerlegen seiner Gitarre zusehen musste. Zu viel für das Kind bescheidener Verhältnisse, das als Teenager lange auf die erste eigene Gitarre warten musste!

Immerhin eins übernahm er von The Who: ihren Anspruch an perfekten Sound. Während die Band 1972 noch an ihrer Rockoper Quadrophenia arbeitete, spielte er selbst mit einem quadrophonischen Soundsystem im Greek Theater in Los Angeles auf. Die Ergebnisse dieser zehn Konzerte wurden auf Hot August Night festgehalten und gingen so als eines der besten Diamond-Releases in die Musikgeschichte ein. The Who aber standen 2016 erneut auf derselben Bühne wie Diamond. Diesmal allerdings auf einem von den Coachella-Organisatoren veranstalteten Mini-Festival namens… Oldchella!? „Talking ’bout my generation“…

8. Shirley Bassey – Diamonds Are Forever

Was aber sollte ihm das hohe Alter aber schon anhaben? Diamonds Are Forever, wissen wir spätestens dank Shirley Basseys Soundtrack zum gleichnamigen James-Bond-Film. Mit einem Diamond übrigens fand sie sich zu einem von Neils eher seltenen Duetten zusammen. Der gemeinsame Song Play Me brachte die beiden sehr, sehr nah zusammen, wie im Video eines Live-Auftritts zu sehen ist. Das führte natürlich zu Spekulationen, nach denen Bassey in den charismatischen Sänger mit der windschiefen Frisur verliebt sei! Die lachte herzlich, als sie eine gute Freundin darauf ansprach. „Das einzige, was ich in dem Moment liebte, war seine Diamantkette“, gab sie schlagfertig zurück.

Der gemeinsame Auftritt 1974 ging dennoch in die Geschichte ein und polierte die Diamond-Komposition gehörig auf, denn Basseys mächtiger Stimmeinsatz erst verpasste dem Original das gewisse Etwas. Manche Diamonds müssen eben geteilt werden, um wirklich zu strahlen. Ob Bassey allerdings dem Kollegen die Diamantenkette abluchsen konnte, ist nicht überliefert.

9. The Beach Boys – God Only Knows

Ein ganz besonderer Pop-Diamant ist Pet Sounds, das bahnbrechende Beach-Boys-Album, auf dem Brian Wilson den Höhepunkt seines künstlerischen Genies erreichte. Die Wege von Wilson und Diamond kreuzten sich im Laufe ihrer Karrieren mehrfach, zuletzt war Wilson auf einem Bonus-Track für das 2005 erschienene Album 12 Songs zu hören. Diamond selbst coverte den vielleicht unsterblichsten Song von Pet Sounds, die komplex arrangierte Ballade God Only Knows. Im Gegensatz zu vielen opulenten Coverversionen hielt er seine Version aber dezidiert minimalistisch und ließ die einfühlsamen Lyrics für sich wirken. Als erfahrener Songwriter weiß er eben, dass weniger manchmal mehr ist – das hat sich im Laufe seiner Karriere schließlich oft genug bewahrheitet.

10. Johnny Cash – Solitary Man

In über einem halben Jahrhundert hat Neil Diamond so viele Menschen mit seiner Musik bereichert, dass sein Einfluss kaum zu messen ist. Zwei davon waren etwa das Duo Lightning & Thunder, das Ehepaar Claire und Mike Sardina, seines Zeichens ein Diamond-Imitator. Ihre Geschichte wird in der Dokumentation Song Sung Blue erzählt, für die Diamond gerne seine eigenen Stücke hergab und von der er sich zutiefst berührt gab.

Immer wieder coverten Bands die Kompositionen des Songwriters, der seine Karriere hinter den Kulissen begann. So auch HIM, die finnische Düsterrock-Band, oder etwa Johnny Cash, die beide mit ihren ganz eigenen Versionen von Solitary Man glänzten. Cash wurde 2001 für sein Cover sogar mit dem Grammy ausgezeichnet. Es muss für Diamond eine unvergleichliche Auszeichnung gewesen sein, war Cash doch für ihn schon immer ein großes Vorbild. Wie Cash arbeitete er Mitte der Nuller-Jahre mit dem Produzenten Rick Rubin zusammen und gab 2008 zu Protokoll, dass er mit seinem Auftritt beim britischen Glastonbury Festival in die Fußstapfen der Country-Legende treten wollte, der dort 1994 auftrat. Typisch Diamond: Selbst bei seinen größten Welterfolgen blieb er immer noch bescheiden und zollte anderen den Respekt, der ihnen gebührte.

Kurzdoku: Hurt – Das Leben des Johnny Cash

Popkultur

Im Auftrag des Herrn: Als Bob Dylan vor Papst Johannes Paul II. auftrat

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Bob Dylan
Foto: POOL/AFP/Getty Images

Gläubig war Bob Dylan irgendwie schon immer — mal in der einen, mal in der anderen Religion. Doch darum geht es nicht, als er am 27. September 1997 vor Papst Johannes Paul II. auftritt

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Echoes, Silence, Patience & Grace von den Foo Fighters anhören:

Mit seinem Gig vor Papst Johannes Paul II. löst Bob Dylan im September 1997 einen ganz schönen Trubel aus. „Darf der das?“, lautet die allgegenwärtige Frage. „Nein“, finden zahlreiche Mitglieder der katholischen Kirche. Kardinal Joseph Ratzinger (später: Papst Benedikt XVI.) möchte den Auftritt sogar verhindern. Doch Dylan bahnt sich seinen Weg zum Häuptling und gibt in Anwesenheit von mehr als 300.000 jungen Katholiken Songs wie Knockin’ On Heaven’s Door, A Hard Rain’s A-Gonna Fall und Forever Young zum Besten. Der Papst hält anschließend ein flammendes Plädoyer für die katholische Kirche — und zitiert darin auch Dylans Songtexte.

„Du sagst, dass ‚blowin‘ in the wind’ die Antwort ist, mein Freund“, proklamiert das Kirchenoberhaupt in Dylans Richtung. „So ist es. Es ist aber nicht der Wind, der Dinge davonträgt, sondern der Atem und das Leben des Heiligen Geistes. Die Stimme die ruft und sagt: ‚Komm!‘. Du fragst, wie viele Wege ein Mann gehen muss, bevor er zum Mann wird. Ich antworte: Es gibt für einen Mann nur einen Weg und das ist der Weg von Jesus Christus, der gesagt hat: ‚Ich bin der Weg und das Leben.‘“ Ob der Papst Dylans Fragen damit beantworten konnte, wissen wir auch nicht. Was wir allerdings wissen, ist, dass Dylans Auftritt beinahe nicht stattgefunden hätte.

Johannes’ Nachfolger Benedikt XVI. hat Einwände

„Es gab Gründe, skeptisch zu sein und das war ich“, schreibt Papst Benedikt XVI. in seinem Buch Johannes Paul II: Mein geliebter Vorgänger. 1997 heißt Benedikt noch Joseph Ratzinger und ist Kardinal. „In gewisser Weise bin ich auch heute [2007] noch skeptisch.“ So äußert der Rockmusikhasser in dem Buch seine Zweifel darüber, ob es richtig gewesen sei, den „sogenannten Propheten“ Dylan auf die Bühne zu lassen. 1997 möchte Kardinal Ratzinger das Konzert sogar aktiv verhindern und spricht sich gegen Dylans Auftritt aus. Zum Glück hat er damals noch nicht allzu viel zu sagen — und zum Glück sieht der amtierende Papst das Ganze ein wenig anders.

Dylan selbst erklärt in einem Newsweek-Interview, wie es um seine Religiosität bestellt ist: „Die Sache mit mir und der Religion ist die … Das ist die reine Wahrheit: Ich finde die Religiosität und Philosophie in der Musik. Ich finde sie nirgendwo anders.“ Immer wieder war es zu Verwirrung um Dylans Glauben gekommen, der zwar jüdisch aufwuchs, Ende der Siebziger aber unter großem Tamtam zum Christentum konvertierte. Später wendete er sich wieder davon ab. „Ich halte mich nicht an Rabbiner, Prediger, Evangelisten und all sowas“, versichert er. „Ich habe mehr durch die Lieder gelernt, als durch irgendeine Einrichtung. Die Lieder sind mein Lexikon und ich glaube ihnen.“

Dylan beim Papst: „Das war eine der besten Shows, die ich je gespielt habe.“

Warum Dylan 1997 dennoch seine Chance ergreift und vor dem Papst auftritt, können wir nur erahnen. Die mediale Aufmerksamkeit wird sicher dazu beigetragen haben, denn nur wenige Tage später erscheint sein 30. Album Time Out Of My Mind. Doch auch der Spaß kommt nicht zu kurz: „Das war eine der besten Shows, die ich je gespielt habe“, verrät er später in einem Interview mit dem Irish Sunday Mirror. Außerdem erklärt er: „Es gab Zeiten in meinem Leben, da konnte ich nur auf der Bühne glücklich sein.“ Touren falle ihm nicht schwer. „Viele Leute halten das Touren nicht aus, aber für mich ist das wie Atmen.“ Hoffentlich kommt er dabei nicht dem Atem des Heiligen Geistes in die Quere.

Aufnahmefehler und schlechte Verkaufszahlen: Die holprige Geschichte von Bob Dylans Debütalbum

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Popkultur

Pinke Stromgitarren für den Weltfrieden: Barbie And The Rockers

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Barbie And The Rockers

„"Blonde Haare, ein pinkes Traumhaus und ein noch pinkeres Cabrio: Seit mehr als sechs Jahrzehnten gehört Barbie zu den beliebtesten Spielzeugfiguren der Welt. Der erste Film mit der populären Puppe erschien am 27. September 1987 auf Videokassette. Der Name des Streifens: Barbie And The Rockers: Out Of This World. Ja, wirklich.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch einen Ausschnitt aus Barbie And The Rockers anschauen:

Ihr habt richtig gelesen: Mitte der Achtziger gründet Barbie ihre eigene Band. Der Hintergrund: Spielzeughersteller Mattel möchte dem Konkurrenzprodukt Jem And The Holograms aus dem Hause Hasbro etwas entgegensetzen und schickt Barbie in die Welt der Krachmusik. „Barbie And The Rockers“ heißt die neue Reihe; in Europa erscheint sie unter dem Namen „Barbie And The Rock Stars“. E-Gitarren, ein Drumkit, sogar eine Bühne: Kinder, die mit der blonden Puppe Rock’n’Roll spielen möchten, haben ab 1985 die freie Wahl. Und nicht nur das: Die lautstarke Spielzeugreihe läutet auch Barbies Filmdebüt ein. Am 27. September 1987 erscheint die allererste Fernsehsendung der Puppe auf Videokassette.

Zugegeben, die Handlung von Barbie And The Rockers: Out Of This World klingt ein wenig albern. In dem Film wird Barbie aufgrund ihrer weltweiten Berühmtheit zur Botschafterin für den Weltfrieden ernannt. Als die Gruppe ihre Welttournee beendet hat, sagt Barbie, sie habe etwas ganz Besonderes geplant, das „nicht von dieser Welt“ sei. Selbst ihre Band weiß noch nicht, worum es geht. Eines Tages bekommt Barbie eine Einladung von der Weltfriedensorganisation. Zu ihren Ehren soll ein Ball veranstaltet werden. Sie bittet Ken darum, sie zu begleiten, und geht mit ihren Freundinnen shoppen. Auf dem Ball verkündet Barbie dann die große Neuigkeit: Sie möchte mit ihrer Band ein Konzert im Weltall geben.

Barbie And The Rockers: Soundtrack von den Beatles und Lovin’ Spoonful

Anfangs sind ihre Bandmitglieder wenig begeistert von der Idee, stimmen aber schließlich zu. Später fliegt die Rockgruppe mit einem pinken Space Shuttle zum „Interstar Amphitheater“, wo sie von einem Herrn namens Dr. Leonard begrüßt wird. Ein kleines Publikum wartet auch schon auf die Rockerinnen. Der anschließende Auftritt von Barbie und Co. wird weltweit im Fernsehen übertragen und die Band stellt sogar einen neuen Song vor, den sie extra für die Show geschrieben hat. Zum Schluss der Show erklärt Barbie, dass dies der erste Tag des Weltfriedens sei, und dass es nicht der letzte sein wird, wenn alle das genug wollen. Leichte Kost, also. Für den Soundtrack des Streifens covert Barbie unter anderem die Beatles und Lovin’ Spoonful.

Heute gibt es unzählige Barbie-Filme; ein weiterer soll nächstes Jahr anlaufen. Falls wir euch mit unserem Artikel angefixt haben, müssen wir euch allerdings enttäuschen: Barbie And The Rockers: Out Of This World ist ausschließlich auf gebrauchten Videokassetten und einigen wenigen DVDs erhältlich. Einer Neuauflage scheinen vor allem die Coversongs im Weg zu stehen, die für eine erneute Veröffentlichung noch einmal lizensiert werden müssten. Vielleicht klappt das ja eines Tages. Es wäre sogar ein Box-Set möglich. Mit Barbie And The Sensations: Rockin’ Back To Earth gibt es nämlich noch eine Fortsetzung von Barbies Rockstar-Abenteuern. Im Sequel kehrt die Puppe mit ihrer Band auf die Erde zurück — und steckt auf einmal im Jahr 1959 fest. Doch das ist eine andere Geschichte.

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Popkultur

Die 10 größten Meat-Loaf-Hymnen

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Meat Loaf
Foto: Sony Music Archive via Getty Images/Terry Lott

Er war ein gewaltiger Rockstar im Wortsinn: Die Musikwelt trauert um den großen Meat Loaf. Wir erinnern uns an den legendären Koloss des Hard Rock und blicken auf seine unvergesslichsten Songs zurück.

 von Björn Springorum

Auch wenn er natürlich viel mehr gemacht hat: Am ehesten bringt man Meat Loaf mit seiner Bat-Out-Of-Hell-Trilogie in Verbindung. Mehr als 65 Millionen Mal haben sich diese drei Alben verkauft, das erste und erfolgreichste geht bis heute rund 200.000 Mal jährlich über den Ladentisch. Kein Wunder: Das Meisterwerk von 1977 ist ein stellarer Moment des theatralischen Hard Rock, eine Art Broadway-Musical mit harten Gitarren.

Seine Stimme und das kompositorische Genie seines langjährigen Partners Jim Steinman nehmen eine Ausnahmestellung im Kanon des Rock‘n‘Roll ein. Hier kommen zehn seiner mächtigsten, emotionalsten, größten Songs.

1. I’d Lie For You (And That’s the Truth) (1995)

Meat Loaf hat sich nicht immer auf die Kompositionen von Jim Steinman verlassen. Schon zwei Jahre nach dem Erfolg von Bat Out of Hell II: Back Into Hell kommt Meat Loaf mit Welcome To The Neighborhood um die Ecke, einem Album, das auch ohne Steinman so klingt, als hätte er es geschrieben. Der erfolgreichste Song daraus wurde von Diane Warren komponiert, die zur damaligen Zeit eine unaufhaltsame Hitmaschine war. Die Power-Ballade wird dann auch zu seinem letzten großen Hit.

2. Rock And Roll Dreams Come Through (1993)

So ziemlich jeder Song auf der Fortsetzung von Bat Out Of Hell zeigt, dass weder Meat Loaf noch Jim Steinman die Pause von 16 Jahren geschadet hat. Ursprünglich für Steinmans 1981er Soloalbum aufgenommen, wird es durch Meat Loaf zu einem weiteren großen Epos aus Herzschmerz und einem Refrain, der so heute einfach nicht mehr gemacht wird. Ganz großes Kitschkino.

3. You Took The Words Right Out Of My Mouth (On A Hot Summer Night) (1977)

Als erster Beitrag seines legendären Gamechangers Bat Out Of Hell steht hier You Took The Words Right Out Of My Mouth, ein wahrgewordener Hard-Rock-Traum mit gotischem Video, grandioser Hook und allem, was den Rock‘n‘Roll der Siebziger so größenwahnsinnig machte. Besser wird‘s auch auf der größten Bühne nicht.

4. Two Out Of Three Ain’t Bad (1977)

Eigentlich könnte hier ja einfach das gesamte Bat Out Of Hell stehen, fertig. Es gibt einfach keinen Filler auf diesem Album. Auch Two Out Of Three Ain’t Bad ist ein echter Killer: Eine große, große Ballade, die Meat Loaf auf einem absoluten Höhepunkt zeigt und zugleich eins der besten Beispiele für Steinmans kompositorisches Genie ist. So was nennt man dann wohl perfekte Chemie.

5. Bat Out Of Hell (1977)

Allen Ernstes, wer sein Debüt mit einem Paukenschlag wie diesem eröffnen kann, der hat schon alles geschafft, ehe er überhaupt so richtig angefangen hat. Fast zehn Minuten nimmt sich der ausladende Opener Zeit und zieht auf dieser Langstrecke gleich mal alle Register: die Ouvertüre zu diesem unfassbaren Musiktheater, ein Start mit Feuerwerk, Kanonen und massiver Produktion. Übrigens: Als musikalische Gäste mischen hier Todd Rundgren sowie Roy Bittan und Max Weinberg von der E Street Band mit. Es heißt schon was, wenn man sagt, dass es die echt nicht gebraucht hätte.

6. Hot Patootie – Bless My Soul (1975)

Natürlich darf die Rocky Horror Picture Show hier nicht fehlen. Meat Loaf gibt in diesem schrägen Stück Rock‘n‘Roll den dusseligen Biker Eddie, der den Laden gehörig aufmischt. Sicherlich nicht seine Sternstunde. Aber allein aus popkultureller Sicht erwähnenswert.

7. Read ’Em And Weep (1981)

Kurioserweise wird nicht alles, was Meat Loaf und Jim Steinman gemeinsam angingen, zu Gold. Dead Ringer, der schwierige Nachfolger zu Bat Out Of Hell, leidet unter dem enormen Erfolg des Vorgängers, hat aber einige Perlen zu bieten. Read ’Em And Weep zum Beispiel, eine stimmungsvolle Ballade, die aber erst zwei Jahre später durch Barry Manilow zu einem gewaltigen Erfolg wird. Muss man manchmal nicht verstehen.

8. Objects In The Rear View Mirror May Appear Closer Than They Are (1993)

Am besten waren Meat Loaf und Jim Steinman immer zusammen. Das zeigt auch Bat Out Of Hell II: Back Into Hell, das Album, das 1993 eine zwölfjährige Funkstille beendet. Da ist sie wieder, diese theatralische, dramatische Magie und diese unfassbare Energie. Wir wiederholen uns, aber: Niemand schreibt solche Refrains!

9. I’d Do Anything For Love (But I Won’t Do That) (1993)

Sein wahrscheinlich größter Hit stammt ebenfalls vom zweiten Teil seiner definierenden Trilogie: I’d Do Anything For Love (But I Won’t Do That) ist eine der größten Rock-Balladen aller Zeiten – obwohl bis heute eigentlich niemand so recht weiß, worum es in der Nummer eigentlich geht. Egal, die Musik ist so unfassbar spektakulär, dass Meat Loaf auch nur summen könnte und die Nummer wäre immer noch unsterblich.

10. Paradise By The Dashboard Light (1977)

Wenn wir uns festlegen müssten, würden wir diesen Song als absolutes Karrierehoch von Meat Loaf wählen. Unterteilt in drei Kapitel und über acht Minuten lang, dennoch als Single veröffentlicht: Für Meat Loaf und Jim Steinman gelten damals andere Regeln. Der Song ist ein Überbleibsel aus Steinmans Neverland-Musical und bringt Meat Loaf mit der Hauptrolle Ellen Foley zusammen. Ziemlich irre ist er auch: Inhaltlich dem Thema Sex im Auto verschrieben, gibt es im Video eine wilde Rummachszene, geschnitten in ein Baseballspiel.

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