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Popkultur

Die musikalische DNA von Queen

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Kaum eine Rockband hat einen dermaßen großen Einfluss auf die Popwelt gehabt, kaum eine Band war dermaßen schwierig zu kopieren: Queen. Niemand konnte dem Quartett in ihren Hochzeiten in Sachen Komposition, Arrangement und Einfallsreichtum das Wasser reichen. Viele kritisierten sie aber auch als angeblich verwässerte Version ihrer Prog-Rock-Kollegen. Der Erfolg aber gab ihnen Recht. Mit dem Tod ihres Frontmanns Freddie Mercury, einer der markantesten Stimmen der Rock-Geschichte, schien die Karriere des Quartetts jedoch endgültig besiegelt.


Hört hier in den Soundtrack zu Bohemian Rhapsody rein:

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Doch Brian May, Roger Taylor und John Deacon dachten nicht ans Aufgeben und arbeiteten langsam, aber beharrlich am Vermächtnis des Lebensprojekts Queen, das sich musikalisch treu bleiben sollte und doch in Bewegung blieb. Mit Paul Rodgers und zuletzt Adam Lambert wurden Sänger gefunden, die Mercury explizit nicht ersetzen sollten und mit Queen Extravaganza casteten sich die Originalmitglieder sogar eine Cover-Band zusammen, die ihren musikalischen Ansprüchen genügen würde. Worauf diese sich wiederum stützen, sehen wir mit Blick auf die musikalische DNA der Band!


1. David Bowie – Space Oddity

Alle fangen mal klein und da machen auch zwei Giganten keine Ausnahme. David Bowie etwa brauchte eine Weile, um sich zu etablieren. Hilfreich war ein Identitätswechsel Ende der sechziger Jahre, der glücklicherweise auch mit einem neuen Haarschnitt einherging. Das zweite, unter diversen Titeln bekannte Bowie-Album mit Klassikern wie Space Oddity stellte ihn 1969 einer breiteren Öffentlichkeit vor und brachte ihm ein wenig Kleingeld ein. Das gab er der Legende nach auf dem Kensington Market in London dafür aus, sich ein Paar neue Stiefel – so eine Frisur alleine macht ja noch kein neues Image! – anfertigen zu lassen. Ein Job für Farrokh »Freddie« Bulsara, der später auch einen Imagewandel vollzog oder sich zumindest einen neuen Nachnamen verpasste: Mercury. Seine Karriere machte aus dem Stiefelschuster einen Millionär und brachte ihn viele Male erneut mit Bowie zusammen. So auch 1981, als die beiden eines der ikonischsten Duette der Pop-Geschichte aufnahmen. Die isolierten Vocals von Under Pressure sind ein Gänsehautgarant. Worüber sich die beiden an diesem Tag auf dem Kensington Market allerdings unterhalten haben, das verschweigt der Mythos um das erste Zusammentreffen dieser beiden Genies.


2. Black Sabbath – Heaven and Hell

À propos Bowie: »Queen ist entweder die Zukunft des Rock’n’Roll oder ein Bündel von Tunten im Delirium, die versuchen, auf den Bowie-Zug aufzuspringen während sie Black Sabbath richtig schlecht verarschen«, las sich zu Queen-Anfangstagen eine vernichtende Kritik im britischen Musikmagazin Melody Maker. Dass Bowie ein Einfluss ist, wissen wir ja nun und dass sich Gitarrist Brian May ein paar Kniffe von Black Sabbath-Gitarrist Tommy Iommi abgeschaut hat, liegt auch auf der Hand. »Iommi hat einen unendlichen Vorrat an unglaublichen Riffs«, schwärmte May einmal. »Keine Ahnung, wie der das hinkriegt! Heaven and Hell zum Beispiel. Du denkst dir da ‘Mann, wieso bin ich nicht drauf gekommen?’, wenn du so ein tolles Riff hörst – weil es so simpel ist!« Auch aus den alten Helden wurden eines Tages neue Kollegen: Auf dem 1989 veröffentlichten Sabbath-Album Headless Cross war Mays Gitarrenarbeit auf dem Song When Death Calls zu hören und wir alle warten ja noch auf das gemeinsame Album von Tommy Iommi mit May, das im Jahr 2013 angedeutet wurde…


3. The Who – A Quick One, While He Is Away

Drummer führen häufig ein Schattendasein, obwohl ohne ein treibendes Schlagzeugspiel so ziemlich jeder Rock-Song dünn klänge. Roger Taylor hat für Queen sogar einige Hits wie etwa Radio Ga Ga und A Kind Of Magic geschrieben. Die aber hätte es fast nie gegeben, denn im Gründungsjahr von Queen suchte eine andere britische Band gerade einen neuen Schlagzeuger. Taylor aber interessierte sich eher für das neue Projekt mit dem Kollegen aus der Band Smile – einem gewissen Brian May – und schlug das Angebot aus. Die Band fand aber guten Ersatz in einem gewissen Phil Collins, denn die Rede ist natürlich von Genesis. Taylors Idol war der Schlagzeuger einer Band, die ähnlich dichte Narrative um ihren ambitionierten Sound strickte wie die Prog-Rocker: Keith Moon von The Who findet er immer noch »absolut brillant! Ich sah ihn 1965 oder 1965 mit The Who, es war toll«, erinnerte sich Taylor. »The Who waren eine ungeheuerliche Band – echte Energie, echte Kunst. Ich habe sie geliebt. Ich meine… Die eigenen Instrumente zu zerlegen, das war damals unerhört!« Queen scheinen sich dagegen fast wieder brav auszunehmen, in Sachen Talent aber konnte Taylor mit dem – wortwörtlich gesprochen – explosiven Spiel eines Moon durchaus mithalten. Obwohl eine Performance wie auf A Quick One, While He Is Away von The Kids Are Alright natürlich ihresgleichen sucht.


4. Deep Purple – Concerto for Group and Orchestra – Second Movement: Andante

Wo wir schon bei Black Sabbath und Queen waren: Eines der größten Staraufgebote des Hardrock-Universums war auf einer Interpretation von Smoke On The Water der Band Deep Purple zu hören. Neben Brian May und Tommy Iommi fanden sich auch David Gilmour von Pink Floyd, Alex Lifeson von Rush, Chris Squire von Yes sowie Deep Purple-Mitglied Richie Blackmore für die Charity-Single zusammen – und das allein an der Gitarrenfront! Nicht der einzige Querverweis zwischen Queen und Deep Purple allerdings. Bassist John Deacon erlebte ein Schlüsselmoment, als Deep Purple nur wenige Monate nach seinem Einstieg bei Queen im Juni 1969 ihr legendäres Projekt Concerto for Group and Orchestra aufführten, ein Hybridprojekt zwischen ausschweifendem Rock und bittersüßer klassischer Musik, wie sie auch fester Teil des Queenschen Repertoires wurde. »Es war eine großartige Nacht«, erinnerte sich Richard Frew, der mit Deacon in der Band The Opposition gespielt hatte. »Wir waren total davon verzaubert, vom Orchester und dem Auftritt. Wir waren uns sicher, etwas ganz Besonderes erlebt zu haben.« Nur wenige Jahre später erlebte eine neue Generation ganz ähnliche Erweckungsmomente auf Queen-Konzerten.


5. Pyotr Ilyich Tchaikovsky – Festival Ouverture in E-Flat Major, Op. 49 “1812 Ouverture”

Deacon ist keineswegs das einzige Queen-Mitglied, das eine Leidenschaft für klassische Musik in die Band mit einbrachte. »Wir wurden dazu gezwungen, uns klassische Musik anzuhören und dann zu erzählen, was sich dazu alles denken ließe«, erinnerte sich ein immer noch recht grummeliger Brian May in einer Biografie von Laura Jackson an seine Schulzeit an der Hampton Grammar School. Zum Glück traumatisierte das den jungen May nicht, sondern schärfte vielmehr sein musikalisches Verständnis. Heute zumindest hat er einiges zu erzählen, wenn es um klassische Musik geht. »Du wirst lachen«, vertraute er einem Interviewer mal im Gespräch über den von ihm komponierten Soundtrack zum Kurzfilm Les Diableries an, der auf satanischen Bilderstrecken aus den 1860er Jahren basiert. »Das ist eine Version der Ouvertüre 1812! Natürlich weil die Marseillaise darin enthalten ist, die wiederum als Ehrerbietung an Napoleon geschrieben wurde und weil das zu dieser Zeit nicht gut angekommen wäre. Weshalb es doch umso angemessener scheint, dass der Teufel diese Musik spielt und sogar ein bisschen Gitarre hinein gemogelt wird.« Das also lässt sich zu Tchaikovsky alles denken!


6. The Beatles – A Day In The Life

Was Queen so besonders macht, ist ihr Verständnis von komplexen Kompositionstechniken einerseits und ihr Gefühl für großartige Pop-Ohrwürmer. Das beste Beispiel dafür mag vielleicht die Bohemian Rhapsody sein, deren vertrackte Struktur sofort in die Nackenmuskulatur geht. In seiner ersten Version übrigens trug der Song einen wesentlich weniger schmucken Titel: The Cowboy Song klingt bei weitem nicht so gut, oder? Die Zeile »Mama, just killed a man…« allerdings trug Mercury bereits seit 1968 mit sich herum und fand partout nicht die richtige Musik dazu. Stattdessen sang er sie über ein anderes Stück: A Day In The Life von den Beatles! Im direkten Vergleich fallen die Parallelen sofort auf, auf rein kompositorische Kniffen allerdings blieb die Inspiration nicht beschränkt. »Die Beatles waren unsere Bibel, wenn es um den Umgang mit dem Studio ging«, betonte May. »Wie sie regelrechte Bilder malten und dieser wundervolle, instinktive Umgang mit Harmonien.« Für ihre Harmoniearbeit wurden schließlich auch Queen berühmt und stritten ab, in dieser Hinsicht von den großen Beatles-Konkurrenten aus den USA, den Beach Boys, beeinflusst worden zu sein. »Die Beach Boys waren wundervoll, für uns aber waren es immer die Beatles«, so May.


7. Michael Jackson – Don’t Stop ‘Til You Get Enough

Was so eine echte Queen ist, muss doch früher oder später ihren King finden. Genauer gesagt ihren King of Pop – Michael Jackson! Nachdem der 1980 ein Konzert in Los Angeles besucht hatte, überredete er die Band begeistert, einen ganz bestimmten Song als Single zu veröffentlichen. Natürlich sollte er Recht behalten. Another One Bites The Dust wurde zu einem der größten Queen-Erfolge. Was ein toller Pop-Song mit treibenden Stampf-Rhythmen und funkigen Gitarrenriffs alles erreichen kann, hatte Jackson im Vorjahr allein mit Don’t Stop ‘Til You Get Enough bewiesen. 1983 übrigens fanden sich Mercury und Jackson im Studio zusammen, um ein Duett aufzunehmen, der aber nicht wie angedacht auf dem Solo-Debüt Mercurys, Mr. Bad Guy, erscheinen sollte. Offiziell veröffentlicht wurde es erst 2014 nach zähen Verhandlungen mit den Erben des Jackson-Vermächtnisses, wie May genervt in den Interviews zu Protokoll gab. Das Ergebnis? Leider enttäuschte Fans auf beiden Seiten. There Must Be More To Life Than This wurde im Vergleich zur Originalversion als ungleich schwächer kritisiert. Die Schuld daran aber wurde nicht etwa den beiden Sängern, sondern den Arrangeuren der neuen Version zugesprochen. Vielleicht dürfen wir aber ja eines Tages die Original-Tapes hören.


8. Donna Summer – I Feel Love

Wie so viele andere Bands ihrer Generation ließen sich auch Queen vom Disco-Fieber packen. Ihr Album Hot Space nahmen sie sogar in München auf, der damaligen Disco-Hauptstadt Europas. Dort schufen die US-amerikanische Sängerin und der Italiener Giorgio Moroder einen sterilen, elektronischen Sound, der unvergleichlich verführerisch war. I Feel Love aus dem Jahr 1976 war eine bahnbrechende Komposition, nicht allein ihrer ungewöhnlichen Länge von über acht Minuten wegen. Die drückende Sequenz, der mechanische Beat und Summers laszive Performance verschmolzen zu einer Art Blaupause für Euro Disco und US-amerikanische House Music. Vor allem wurde dazu auch in München gefeiert, was sich wiederum auf Queen niederschlug. Denn Mercury ging gerne feiern. »Wer war eigentlich die größere Diva – Donna Summer, Barbra Streisand oder doch Freddie Mercury?«, fragte der SPIEGEL vor wenigen Jahren Giorgio Moroder und dessen Antwort fiel eindeutig aus: »Freddie, ganz klar«, sagte er. »Bei Freddie war das Problem, dass er als Sänger, Pianist und Komponist so gut war, dass er sich überhaupt nichts sagen ließ. Er konnte manchmal ein bisschen überheblich sein.« Zusammen auf Partys seien die beiden aber nicht gegangen – mit Donna Summer allerdings ließ sich Mercury gerne blicken.


9. Aretha Franklin – Respect

Nicht nur I Feel Love wurde zu einem maßgeblichen Hits der Schwulenszene, auch Aretha Franklins Bitte um ein kleines Bisschen mehr R-E-S-P-E-C-T wurde zur Empowertment-Hymne der LGBTIQ-Community. Mercury hingegen musste sich für sein exzentrisches Auftreten ziemlich viele Respektlosigkeiten anhören und ging vielleicht deswegen etwas vorsichtiger mit seiner eigenen Sexualität um, die er erst Mitte der siebziger Jahre auszuleben begann. Woraus er allerdings keinen Hehl machte, war seine Verehrung für eben jene Aretha Franklin. »Aretha Franklins Phrasierungen sind wundervoll«, schwärmte er. »Ich wünschte, ich könnte so singen. So wunderschön, so mühelos. Sie singt wie ein Traum, als müsse sie gar nicht nachdenken.« Das genau Gegenteil des verkopften Mercurys, sagte er selbst. Versucht aber hat er es: Gospel-Elemente fanden sich zum Beispiel im Song Somebody To Love, bei dem sich Mercury laut eigener Aussage etwas bei Franklin bedient hat. Auch das eine Form von Respekt, oder?


10. Katy Perry – I Kissed A Girl

So abwechslungsreich die Einflüsse von Queen selbst waren, so weit reicht der Einfluss der Band. Als Brian May im Jahr 2011 den Global Icon Award im Rahmen der MTV Europe Music Awards entgegen nahm, tat er das aus den Händen von… Katy Perry? Die mit dem I Kissed A Girl-Song? Ja, genau. Die ist bei Fans dafür bekannt, auf Konzerten gerne Queens Don’t Stop Me Now zu covern und nennt Killer Queen als Hauptinspiration für ihre Karriere – sogar ihre Parfümserie benannte sie nach dem Stück! »Mein größter musikalischer Einfluss ist diese Band namens Queen«, gab sie schon 2008 zu Protokoll. »Ich habe einen Freddie Mercury-Schrein!« Mercury lobte sie einerseits für sein flamboyantes Auftreten und andererseits für seine Arbeitsmoral. Vor allem aber seine Bühnenpräsenz hat es der – allerdings doch etwas zu spät geborenen – Sängerin angetan. »Er vermittelte allen das Gefühl, dabei zu sein!« Gerüchte, laut denen sie die Ex-Freundin Mercurys in einem geplanten Biopic spielen würde, dementierte sie allerdings – obwohl das sicher ein Traumjob für sie gewesen wäre. Blieb immerhin die Award-Zeremonie, auf der Queen mit Adam Lambert ihren anderen Favoriten, Don’t Stop Me Now zum Besten gaben. Allerdings auch das ohne Perry.


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Popkultur

„Der Triumph des Jazz“: Die musikalischen Einflüsse des Martin Luther King, Jr.

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Martin Luther King Jr.
Foto: Donald Uhrbrock/Getty Images

Am 15. Januar 2022 hätte die US-amerikanische Bürgerrechtsikone Martin Luther King ihren 93. Geburtstag gefeiert. Zu Ehren Kings möchten wir an dieser Stelle seine Verbindung zur Musikkultur ein wenig näher beleuchten.

von Markus Brandstetter

Die Bilder und Worte sind fest im kollektiven Bewusstsein verankert, selbst wenn man zu jener Zeit noch nicht auf der Welt war: Im August 1963 fanden sich über 200.000 Menschen in Washington, DC zum „Marsch auf Washington für Arbeit und Freiheit“ (englischer Titel: March on Washington for Jobs and Freedom) zusammen.

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Vor dem Lincoln Memorial hielt Martin Luther King seine berühmte Rede, deren Worte „I have a dream“ in die Geschichte eingingen. Musik war (nicht nur) an diesem Tag ein wesentlicher Bestandteil der Proteste. Bob Dylan und Joan Baez traten auf, Peter, Paul & Mary, Odetta Holmes, Mahalia Jackson und der Eva Jessye Choir, auch Harry Belafonte war anwesend. Für King war Musik aber weit mehr als eine akustische Untermalung — er sah sie als Mittel zur Veränderung an — und, im Falle von Jazz, Triumph der Schwarzen — dazu später mehr.

Kings musikalischer Background

Für Martin Luther King, das schreibt der US-amerikanische Autor Alfonso Pollard in seinem Artikel The Extraordinary Influences of Dr. Martin Luther King, Jr., habe Musik seit seiner Kindheit eine bedeutende Rolle gespielt. Kings Mutter Alberta King spielte hier wohl die Schlüsselrolle: Sie war Chorleiterin und Organistin in der Ebenezer Baptist Church. Auch Kings spätere Ehefrau Coretta Scott, die er an der Universität kennenlernte, war Kirchenchorleiterin, außerdem Sopranistin und Multiinstrumentalistin.

Geht es nach Pollard, gab es in Kings musikalischer Sozialisation zwei große Säulen: die Gospelmusik zum einen, zeitgenössische Sängerinnen wie Mahalia Jackson, Sister Rosetta Tharpe, Nina Simone, Miriam Makeba zum anderen. Später wurde auch Jazz für ihn immer wichtiger — eine Musik, die er als „triumphal“ bezeichnete. Damit meinte er den Triumph der Afroamerikaner*innen über die Unterdrückung, über Ungerechtigkeit, Kummer, Tragödien.

Der Triumph des Jazz

1964 wurde King gebeten, die Eröffnungsrede auf dem JazzFest Berlin (damals „Berliner Jazztage“ genannt) zu halten. In seiner Rede sprach er über eben dieses Triumphale im Jazz: „Gott hat viele Dinge aus der Unterdrückung heraus geschaffen. Er hat seine Geschöpfe mit der Fähigkeit ausgestattet, zu erschaffen, und aus dieser Fähigkeit sind die süßen Lieder der Trauer und der Freude hervorgegangen, die es dem Menschen ermöglicht haben, mit seiner Umwelt und vielen verschiedenen Situationen zurechtzukommen. Der Jazz spricht für das Leben. Der Blues erzählt von den Schwierigkeiten des Lebens, und wenn man einen Moment nachdenkt, wird man feststellen, dass er die härtesten Realitäten des Lebens in Musik umsetzt, um dann mit neuer Hoffnung oder einem Gefühl des Triumphs wieder herauszukommen.“

„Die letzte Bastion des Elitismus“

Wie die Verbindung Kings zur klassischen Musik ist, ist indes nicht hinreichend beleuchtet. Der US-Dirigent Paul Freeman (1936-2015) berichtete einst in einem Interview von ein Zusammentreffen mit dem Bürgerrechtler. Als dieser ihn fragte, was er in Atlanta mache, erklärte ihm Freeman, er habe ein Engagement als Gastdirigent des Atlanta Symphony Orchestra. Die Antwort von King darauf kann als sozialkritisch bis sarkastisch gelesen werden: „Ah, die letzte Bastion des Elitismus! Glory, Halleluja!“ Freeman, dessen erklärte Mission es war, die Klassik (sowohl als Musiker*in als auch als Hörer*in) für alle zugänglich zu machen, sah dies aber nicht als Seitenhieb, sondern als Inspiration, sein Ziel zu verfolgen.

Nachzusehen ist dies in diesem Interview:

Wie wichtig King war, zeigen zahlreiche Tribute. Soul-Legende Stevie Wonder war ausschlaggebend dafür, dass Martin Luther Kings Geburtstag zum Feiertag erklärt wurde — und widmete ihm das Stück Happy Birthday. U2 schrieben Pride (In The Name Of Love) über ihn, James Taylor zollte ihm mit Shed A Little Light Tribut — und natürlich darf man Nina Simones Stück Why (The King Of Love Is Dead) nicht vergessen, dass sie drei Tage nach seinem Tod vorstellte.

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Zeitsprung: Am 15.1.1969 kehrt George Harrison zu den Beatles zurück.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 15.1.1969.

von Timon Menge und Christof Leim

Getrennte Wege gehen die Beatles erst zu Beginn der Siebziger, doch dicke Luft herrscht schon vorher. Die Musiker fühlen sich ausgelaugt, gemeinsamer Tatendrang bleibt die Ausnahme. Am 10. Januar 1969 verlässt George Harrison sogar die Band. Fünf Tage später kehrt er zurück — allerdings mit Forderungen…

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Hört hier in Let It Be rein:

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Im Januar 1969 befinden sich die Beatles im Twickenham Studio in London und arbeiten an ihrer Platte Let It Be. Das White Album (1968) hallt noch nach, das Erscheinen von Yellow Submarine (1969) steht kurz bevor. Als die Band am Morgen des 10. Januar mit wenig Erfolg an den Songs Get Back und Two Of Us arbeitet, hat George Harrison die Nase voll. Er verlässt das Studio und lässt die anderen drei Musiker im Regen stehen. Nachdem sich McCartney, Lennon und Starr die erste Wut von der Seele gespielt haben, sagt Lennon trocken: “Ist er am Dienstag nicht zurück, holen wir Clapton.” Am 12. Januar treffen sich die Beatles bei Harrison zuhause, doch die Zusammenkunft verläuft alles andere als gut und endet von Harrisons Seite mit einem: “Man sieht sich.”

Einer der Gründe für Harrisons Abgang: Immer wieder geraten er und Paul McCartney aneinander. Harrison emanzipiert sich zu jener Zeit als Songschreiber und empfindet McCartney als zu dominant. In einem Interview mit dem Rolling Stone erzählt er: „Es ist mir immer sehr schwergefallen, beim Songwriting mitzumischen, weil Paul diesbezüglich sehr aufdringlich war. Wenn er meine Songs gespielt hat, lief das immer gut. Ich musste allerdings 59 seiner Ideen ausprobieren, bevor er sich meine überhaupt anhören wollte.“



Auch John Lennon und Harrison sind sich zu jener Zeit nicht grün. So stellt der britische Musikjournalist David Stubbs in einem Artikel für das Magazin Uncut die These auf, Harrison sei sogar noch genervter von Lennon als von McCartney, weil Lennon Probleme mit Harrisons wachsendem Einfluss auf das Songwriting gehabt habe. Nicht nur das: Lennons Beziehung zu Yoko Ono treibt einen Keil zwischen die beiden Beatles, die sich gerade erst richtig angefreundet hatten — vermutlich auch über ihre gemeinsame Vorliebe für LSD.

Außerdem stört Harrison sich daran, dass im Studio ein Film gedreht werden soll, obwohl die Beatles nur streiten. „Es kam vor der Kamera nie zum Eklat“, räumt er später ein. „Aber ich habe mich die ganze Zeit gefragt, was das eigentlich soll.“ Er beschließt, die Band zu verlassen — ein Prozess, den auch Schlagzeuger Ringo Starr durchläuft, und zwar nur wenige Monate zuvor während der Sessions zum White Album.



Einige Tage nach Harrisons Abgang merken McCartney, Lennon und Starr endgültig, dass die Band nicht ohne den Gitarristen funktioniert. Die Musiker setzen ein Treffen für den 15. Januar an, und der verlorene Sohn taucht wieder auf — allerdings mit Forderungen. Harrison möchte im Gegensatz zu McCartney nach unfassbar vielen Konzerten nicht mehr live auftreten. Außerdem bittet er darum, das Studio zu wechseln. Die übrigen Bandmitglieder schlagen ein, die Beatles ziehen in die Apple Studios um und setzen den Aufnahmeprozess fort.


Die Symptome lassen sich durch die Veränderungen kurzzeitig bekämpfen, doch die Ursachen liegen tiefer. Trotz vorübergehender Wiedervereinigung kommt es langfristig zur Auflösung der Band. Vorher schließen die Briten die Aufnahmen des Albums Abbey Road ab, das durch diverse Umstände sogar noch vor Let It Be erscheint. Zur endgültigen Trennung kommt es im Frühjahr 1970, etwa einen Monat vor der Veröffentlichung der letzten Platte.

Zeitsprung: Am 21.1.1966 heiratet George Harrison. Eric Clapton grätscht rein.

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The Ronettes: 6 wegweisende Songs der legendären Girlgroup

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The Ronettes
Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images

Am 12. Januar 2022 starb Ronnie Spector, die Leadsängerin der geschichtsträchtigen The Ronettes. Die Girlgroup aus New York war in den 1960er-Jahren eine wegweisende Popgruppe, die sich in Sachen Sound und Image deutlich vom Durchschnitt abhob.

von Markus Brandstetter

Ab 1963 arbeitete die Gruppe mit der Produzentenlegende (und dem späteren verurteilten Mörder) Phil Spector zusammen, den die Sängerin auch heiratete. Unseren Nachruf auf Ronnie Spector findet ihr hier. Zu Ehren der Sängerin wollen wir uns heute durch die größten Hits und wichtigsten und wegweisenden Songs von The Ronettes hören und ein wenig ihre Historie und den Hintergrund der Stücke beleuchten.

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1. Good Girls

Good Girls war die letzte Single von The Ronettes, die die Band über ihr altes Label Colpix Records veröffentlichte. Die Single schaffte keinen Platz in den Charts, die Band  war deswegen schwer enttäuscht und trennte sich von ihrem alten Label. Neue Geschäftsmöglichkeiten taten sich auf, die Gruppe unterschrieb bei Phil Spectors Label Philles Records. Der kommerzielle Erfolg konnte damit beginnen. Good Girls, die Single vor dem Erfolg, war vielleicht nicht so wegweisend, wie das, was unter Spectors Produktion folgen sollte — ist aber dennoch ein eingängiger, erinnerungswürdiger  Song.

2. Be My Baby

Be My Baby stammt aus der Feder von Phil Spector, Jeff Barry und Ellie Greenwich und ist der größte Hit der Band. Wobei: Spector hat im Grunde nur deswegen einen Songwriting-Credit, weil seine Produktion eben Kernstück des Songs ist. Be My Baby wurde am 15. August 1963 als Single veröffentlicht und schaffte es auf Platz zwei der US-Popcharts. Darauf zu hören ist die Creme de la Creme der damaligen Studiomusiker*innen-Szene — unter anderem spielt die großartige Carol Kaye (gemeinsam mit Ray Pohlmann) Bass, dazu sind mit Tommy Tedesco, Billy Strange, Barney Kessel und Bill Pitman gleich vier Gitarristen zu hören. Und weil ein Keyboard für eine Wall of Sound nicht reicht, sind auch vier Keyboarder mit dabei.

 3. Baby I Love You

Nachdem Be My Baby ein Erfolg wurde, war in Phil Spector der Ehrgeiz geweckt, nachzulegen. Allerdings gab es da ein Problem: The Ronettes sollten eigentlich touren. Ronnie blieb bei Phil im Studio, Estelle und Nedra gingen auf Tour, mit Verstärkung der Cousine Elaine. Weil man aber weitere Stimmen beim Aufnehmen brauchte, halfen Bekannte aus: So übernahmen Cher, Sonny Bono und Darlene Love die Backing Vocals auf dem Stück. Am Piano: der große Leon Russell.

 4. (The Best Part Of) Breakin’ Up

„Wenn Phil einen Song so sehr liebte wie (The Best Part of) Breakin’ Up, konnte er tagelang daran arbeiten, ohne jemals müde zu werden. Er verbrachte Stunden damit, die Harmonien mit Nedra und Estelle auszuarbeiten, und sprang jedes Mal auf und ab, wenn er etwas hörte, das ihm gefiel“, erinnerte sich Ronnie Spector in ihrer Autobiografie an die Aufnahmen zu  (The Best Part Of) Breakin’ Up.

 5. Do I Love You?

Junge Liebe – davon handelt Do I Love You?, das die Ronettes 1964 mit dem Song Bebe And Susu als B-Seite veröffentlichten. Geschrieben wurde der Song von Phil Spector, Pete Andreoli and Vini Poncia.

6. Walkin’ In The Rain (1964)

Walkin’ In The Rain — geschrieben von Barry Mann, Phil Spector und Cynthia Weil, wurde im Laufe der Jahre oft gecovert — unter anderem von The Walker Brothers und Jay & The Americans. The Ronettes, für die der Song geschrieben wurde, landeten 1964 damit auf Platz 23 der Billboard Top 100 Song, in den Billboard R&B Charts war sogar Platz 8 drin.

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Riot Girls: Die Musikerinnen, die die Welt veränderten

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